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35 Zoll Monitor AOC AGON AG352QCX im Test – Geklotzt und nicht gekleckert

Der recht umtriebige taiwanesisches Hardwarehersteller AOC ist ja bereits ein alter Bekannter in unserer Hardwaresparte, in den Flächenmärkten sucht man ihn leider immer noch meist vergebens. Speziell für unser allerliebste Freizeitbeschäftigung wurde mit der AGON Reihe eine auf Gamer spezialisierte Sparte ins Leben gerufen, diese kommt mittlerweile auch bereits schon auf stolze 11 Modelle, von 24 bis 35 Zoll ist alles dabei, was das Zockerherz zumindest theoretisch befriedigen sollte. Die Modelle AGON AG271QG und AGON AG271QX haben wir dabei schon einem ausführlichen Test unterzogen. Letzte Woche trudelte noch das aktuelle AMD Freesync Flagschiff der Serie, der Curved Monitor AGON AG352QCX in unseren heiligen Hallen ein. Ob größer gleich besser ist? Wir werden sehen. 

Size matters?

Wir können eines mit Sicherheit sagen: Ein massiveres Paket – zumindest für einen Bildschirm – durften wir noch nicht in Empfang nehmen. Was uns bei dem AGON AQ352QCX an Größe erwartet ist auf den ersten Blick klar. Die ersten Schritte daher: Tisch freiräumen, Platz schaffen, Packung mit Bedacht öffnen. Das sauber verpackte Innenleben lässt sich dabei schnell von der gesicherten Styropor- und Plastikumverpackung befreien und vorsichtig ablegen. Der Ständer muss natürlich wie üblich zuerst montiert werden. Hier hat AOC mitgedacht, der höhenverstellbare Halter wird an die 100x100mm Vesaplatte sicher verschraubt und anschließend auf dem Sockel eingesetzt und arretiert. Eine Sache die wir bereits an dieser Stelle, unter anderem aufgrund unserer eher negativen Erfahrungen mit anderen XXL Monitoren, direkt prüfen: Wie standsicher ist der ca. 12kg schwere 35 Zoll Riese im 21:9 Format auf unserem Arbeits- respektive Zockplatz? Hier hat AOC offensichtlich dazugelernt, der Monitor steht sicher und ruhig auf dem Platz und bewegt sich nur bei starker Beeinträchtigung der Unterlage.

Der Ersteindruck des Gerätes ist durchaus positiv, AOC bleibt auch bei diesem Monitor den Designansätzen der AGON Serie treu und übertreibt es dabei nicht an Auffälligkeit. Man hat also nicht das Gefühl ein futuristisches Raumschiff aus diffusen Gamerträumen auf den Schreibtisch zu stellen. Der 35-Zoller kommt in schickem Schwarz, rotem Logo, silbernen Standfuß und den schnittigen Streifen auf der Rückseite daher. Hier jedoch nicht wie von anderen Modellen gewohnt in Rot, dafür mit 4 frei konfigurierbaren oder alternativ komplett ausschaltbaren LED Streifen. Diese sorgen bei Interesse für das gewisse Etwas an Stimmung in eurer Zockbude. Die Krümmung wirkt auf der Größe mit einem 2000mm Radius übrigens extremer als bei kleineren, kurvigen Monitoren. Die ausklappbare Headset Halterung – ein nettes Gimmick – steht auf der rechten Seite ebenfalls wieder zu Verfügung.

Bevor es losgeht müssen wir den Monitor natürlich noch anschließen. Dafür stehen uns einige Optionen, unten angebracht auf der Rückseite des Gerätes, zu Verfügung: HDMI 2.0 und Display Port 1.2 dürfen heutzutage natürlich nicht mehr fehlen. Zusätzlich gibt es noch einen eher weniger nachvollziehbaren VGA als auch DVI Anschluss als Anschlussoption. AMD Freesync wird dabei natürlich nur vollständig über den Display Port unterstützt. Neben diesen gibt es noch zwei 3,5mm Klinkenbuchsen, als auch zwei USB 3.0 Ports mit USB-Quick-Charge zum schnellen Laden angeschlossener Geräte. Vorab: Die integrierten Lautsprecher könnt ihr ignorieren, ambitionierte Soundfetischisten werden hier keine Freude haben.

Ran an den Display Port…

In den Specs verspricht AOC schon einmal Einiges: 200Hz, AMD Adaptive Sync, Flicker Free, Low Input Lag Mode, Shadow Control, 4ms Reaktionszeit. Hört sich alles soweit super an, aber was steckt dahinter? Die erste Ernüchterung erfolgt direkt bei der initialen Anzeige des Desktops. Das verwendete MVA-Panel erlaubt lediglich eine maximale Auflösung von 2560 x 1080 Pixel (UW-UXGA). Dieser Umstand ist natürlich der Ausrichtung auf Gamer geschuldet und der noch immer nicht ganz so verbreiteten Ausstattung an performanter Hardware. Bei der Größe des Panels ist diese jedoch recht grenzwertig, eine UWQHD Auflösung von 3440 x 1440 hätte es schon sein dürfen. Aber: Dieses Defizit sollte schon vor einem Kauf bekannt und vermutlich auch eine Frage des eigenen Budgets sein. Die Alternativen sind bis zu 500 – 600 EUR teurer. Durch die niedrigere Auflösung wird aber wiederum die mit 200Hz hohe Bildwiederholfrequenz auf Display Port 1.2 ermöglicht. Irgendwas ist ja bekanntlich immer.

Wenn es jedoch um die Frage der Bildqualität geht, da bleibt AOC den Stärken der AGON Reihe treu. Bedient werden die Einstellungen des OSD über eine eigens via USB anschließbare Fernbedienung, das ist auf der einen Seite komfortabel, benötigt aber natürlich zusätzlichen Platz auf dem Tisch und ein weiteres Kabel könnte das ästhetische Empfinden etwas beeinträchtigen. Die Darstellung überzeugt jedoch durch ein sattes, tiefes Schwarz, eine der Stärken des Panels. Optional lassen sich die Schattenbereiche jedoch auch via Shadow Control aufhellen, dies kann in einigen Titeln durchaus von Vorteil sein. Auch der Kontrast gefällt dank des Werteverhältnisses von 2000:1 und sorgt dafür, dass es noch einfacher ist, in das Spielgeschehen einzutauchen, zusätzlich (hoffentlich) unterstützt durch das Curved 21:9 Format. Nicht ganz so überzeugt hat uns leider der Blickwinkel des Panels, dieser Umstand lässt sich jedoch relativ einfach an die eigene Wahrnehmung und Bedürfnisse anpassen. Die Höhenverstellung und der Neigungswinkel des Screens sind hinsichtlich der Ergonomie vorbildlich anpassbar, durch die Krümmung gibt es jedoch sichtbare Unterschiede an den Seiten.

Grundsätzlich lässt sich der Monitor jedoch sehr gut in allen relevanten Bereichen konfigurieren und auch Profile, einige davon vordefiniert, können einfach über das OSD bzw. direkt über die Fernbedienung ausgewählt werden. Was jedoch einem als Käufer bewusst sein sollte: Der Monitor ist klar auf seine Gaming Zielgruppe ausgerichtet, Bildschirmarbeiter werden damit nicht glücklich. Wer darauf spekuliert, seinen Dual Monitor Arbeitsplatz durch ein Curved Setup zu ersetzen, sollte lieber andere Modelle in seine Favoritenliste aufnehmen.

Eine ausreichende Unterstützung des immer noch recht exotischen Formats existiert mittlerweile. Spiele, deren Action auf die Mitte ausgerichtet ist, profitieren am meisten von dem 21:9 Bildverhältnis und der Rundung. Als Spieler taucht man stärker in das Spielgeschehen ein und das Erlebnis wird spürbar intensiviert. Nicht ganz so optimal ist die Darstellung in Strategietiteln oder Simulationen. Die Interaktionswege sind etwas zu lang und die Darstellung leidet an den Seitenbereichen. Cutscenes werd meist an den Seiten abgeschnitten, ob man den schwarzen Bereich dann als störend empfindet, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Soll ich den Platz schon mal freiräumen?

Ein abschließendes Urteil fällt nicht ganz so leicht bei diesem XXL-Screen-Schwergewicht. Auf der einen Seite überzeugt das Gerät durch die von AOC gewohnte Qualität und der klaren, jedoch nicht allzu aufdringlichen Ausrichtung auf Gamer. Andererseits wirkt die Auflösung des MVA-Panel beinahe schon als Anachronismus in Zeiten der aufkommenden 4K+ Bildschirme. Hier könnte es für AOC schwierig werden, sich zu positionieren, das Timing scheint für den AGON AQ352QCX etwas ungünstig gewählt worden zu sein.

Für wen lohnt sich also die nicht gerade kostengünstige Investition von ungefähr 700 EUR (Straßenpreis, UVP 799 EUR)? Darauf gibt es leider nur die recht einfache Antwort: Wer nicht warten kann und möglichst direkt einen 35 Zoll Monitor auf seinem Zockplatz positionieren möchte. GeForce Besitzer können übrigens vermutlich – wir hatten leider noch keinen Zugriff darauf – zu der AOC Alternative AGON AG352UCG greifen, dieser bietet ein Nvidia G-Sync fähiges MVA Panel samt einer Auflösung von 3440×1440 Pixel, aber: Keine 200Hz. Wir hatten es ja bereits schon erwähnt, irgendwas ist ja leider immer…

Positiv

  • gute Bildqualität
  • ansprechendes, stabiles Design
  • intensiviert das Spielerlebnis
  • zugängliches OSD
  • gute Ergonomiefunktionen

Negativ

  • geringe Auflösung
  • verhältnismäßig hoher Preis
  • hoher Platzbedarf, Größe grenzwertig
7.5

In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.