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Agathe Christie – The ABC Murders – mit (S)Charme, Schnurrbart und grauen Zellen

Von Patrick Hützen am 11. Februar 2016

Agatha Christie ist mit Sir Arthur Conan Doyle wahrscheinlich die literarische Berühmtheit, wenn es um Detektivromane geht. In der neusten digitalen Portierung schlüpft der Spieler in die Haut des bequemen Privatdetektivs Hercule Poirot und knobelt sich zu den Mördern. Angelehnt an den Roman aus den 30er Jahren, versucht Poirot mit eurer Hilfe einen ABC-Fanatiker zu finden, dessen Hobby nicht nur Buchstaben, sondern auch Morde sind.

Stilsicher in London

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Der Hauptdarsteller im Spiel.

Rätsel, Mord, ein überfordertes Scotland Yard und viel Regen, der Schauplatz für eine solche Konstellation gibt es nur einmal auf der Welt, das beschauliche England bietet mit London und umliegenden Örtlichkeiten die perfekte Lage. Dachte sich wahrscheinlich auch der mysteriöse A.B.C. –Mörder, denn er fordert den stilsicheren Hut- und Schnurrbartträger Poirot via Brief heraus. Eigentlich wollte sich der Schnüffler in London zur Ruhe setzen, nimmt aber die Herausforderung mit der Untersuchung des ersten Mordfalls gerne an. Die Suche nach Indizien am Tatort läuft ähnlich wie bei Sherlock Holmes ab, jedoch weniger komplex und somit einsteigerfreundlicher. Nicht nur Hastings, unser Assistent stellt einen treuen Begleiter dar, sondern auch unser Notizbuch. Hier werden automatisch alle wichtigen Informationen zu Opfer, Zeugen und Verdächtigen zusammengefasst – praktisch. Das erste Opfer, Alice Asher, Tabakladenbesitzerin, erschlagen. Für den flapsigen Inspektor Japp von Scotland Yard ein leichter Fall, der gewalttätige Trunkenbold von Ehemann war’s.

Indizien und Rätsel

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Viele Personen müssen beobachtet werden.

Glücklicherweise ist der Fall nicht so einfach und der entspannte Belgier macht sich auf die Suche nach wichtigen Hinweisen. Hierbei gilt es Leute beobachten und befragen. Bei der Beobachtung hilft uns das Spiel mit einem Fokus, in Dialogen gibt es mehrere Antwortmöglichkeiten, die euch wichtige Indizien liefern können. Allerdings sind die Hotspots oft recht ungenau und die beobachteten Emotionen spiegeln sich nur ansatzweise auf den Gesichtern wieder. Aufgelockert wird die Suche durch Mechanikrätsel wie bei Professor Layton. Diese bewegen sich aber auf einem erträglichen Niveau und kratzen nicht mal annähernd an meiner Frustrationsgrenze. Auch die „Nutzung der kleinen grauen Zellen“, hier werden unter einer bestimmten Fragestellung verschiedene Hinweise zu einer logischen Schlussfolgerung kombiniert, ist nicht sehr komplex, dennoch ein nettes Feature. Sind alle nötigen Beweise vorhanden und der geborene Gentleman hat die richtigen Schlussfolgerungen angestellt, erlaubt uns das Spiel den Tathergang zu rekonstruieren. Hierbei wählen wir Schritt für Schritt die wahrscheinlichen Aktionen des Täters aus und reisen ins nächste Kapitel.

Comic-Look

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Die Grafik passt zum Spiel und den Rätseln.

In Sachen Grafik hält man sich an den Fahrplan der Rätsel und gestaltet auch diese wenig Komplex, allerdings passt der Comic-Stil im Cell-Shading Look perfekt zur Stimmung des Titels. Die Optik und der verwendete Soundtrack passen sowohl zum entspannten belgischen Privatdetektiv als auch zum gesamten Spiel. Zwar fehlt es oft an Komplexität und auch eine dramatische Wendung sucht man vergeblich, doch das Spiel spricht mein Belohnungszentrum dennoch an, wenn ich die kleinen Rätsel erfolgreich löse. Auch die Steuerung auf dem PC funktioniert gut. Via Point-and-Click-System steuere ich Poirot durch die verschiedenen Szenen, werkel an mechanischen Rätseln herum und drehe interessante Objekte frei hin und her. Ein kleiner Minuspunkt gibt es derzeit noch in den digitalen Fassungen, so sorgen vereinzelte Bugs für Ärgernis, doch mit der Retail-Version (12.02.2016), wird direkt ein Patch geliefert, der Fehler sofort beheben soll.

Fazit

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Poirot mit seinem Gehilfen Hastings.

Das Spiel zeichnet sich durch einsteigerfreundliche Rätsel, einem charmanten Detektiv und einer netten Erzählung, angelehnt an den bekannten Roman, aus. Leider ist das Abenteuer auch recht schnell gelöst, nach einigen Stunden ist der Mörder entlarvt und das Spiel durchgespielt. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, durch die gut vertonten Dialoge zu navigieren und sich von der Geschichte berieseln zu lassen. Als Belohnung für die Lösung der moderaten Rätsel werden wir zudem mit Errungenschaften und netten Worten belohnt. Wer es trickreicher, wesentlich komplexer aber auch frustrierender möchte, greift auf Sherlock Holmes zurück.

Positiv

  • abwechslungsreiche Rätsel/Dialoge
  • passende Grafik/Musik
  • nah am Roman

Negativ

  • kurze Spielzeit
  • teilweise ungenaue Hotspots
  • happiger Preis
  • kaum vorhandener Wiederspielwert
7.5

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de