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Angespielt: Wolfenstein 2: The New Colossus

Das Imperium schlägt zurück: Nachdem Wolfenstein anno 2014 nicht weniger als ein Überraschungshit war, schickt sich MachineGames an, das Husarenstück zu wiederholen: Im Anspielevent in Frankfurt macht Wolfenstein 2: The New Colossus eine sehr gute Figur.

Wenn unser aller Lieblingskanzlerin Angela Merkel in wenigen Wochen auf der gamescom lustwandelt, würde ich gutes Geld zahlen um zu sehen, wie die Kollegen von Bethesda Frau Merkel Wolfenstein 2: The New Colossus näherbringen. Denn 3 Jahre nach Wolfenstein: The New Order ist Protagonist B.J. Blazkowicz soweit erholt, dass er wieder auf die Jagd nach Nazis gehen kann. Und wer mit der eigenen Mutter schon einmal eine Diskussion darüber hatte, warum man Counter-Strike aufgrund der sensiblen Thematik überhaupt spielen sollte, mag sich vorstellen, welch entspannter Dialog sich mit der Mutter der Nation zum Thema Wolfenstein entspinnen würde. Zum Glück für unsere Freunde von Bethesda wird dieses Szenario fiktiv bleiben, und zu unser aller Glück ist Wolfenstein 2 genauso kompromisslos wie es die Marke verlangt.

Messern auf Rädern

Das Anspielevent in Frankfurt beginnt mit der E3-Demo: Blazkowicz ist nach den Ereignissen des Vorgängers und 5 Monate komatöser Bettruhe an den Rollstuhl gefesselt. Ausgerechnet jetzt wird das U-Boot des Widerstandes gegen das Regime mit B.J. an Bord von der grausamen Frau Engel und ihren Soldaten angegriffen. Daraus ergibt sich, dass wir den ersten Abschnitt von Wolfenstein 2 aus dem Rollstuhl heraus bestreiten. Mit einer Hand am Rad und der anderen an unserer durchschlagkräftigen Maschinenpistole erinnern wir die Angreifer an die alte Weisheit „Besser arm dran als Bein ab“.

B.J. Blazkowicz macht aus einem Rollstuhl einen Panzer

Das Spiel auf diese Weise zu beginnen ist mutig, waren es doch die schnellen Gefechte und das „Dual Wielding“, welches das Gameplay von Wolfenstein ausmachten. Im Rollstuhl geht uns zwar ein bisschen die Agilität und Beidhändigkeit abhanden, dafür wird der Fokus mehr auf das Ensemble gerichtet. Wir sammeln einige Hintergrundberichte zur aktuellen Situation ein, es kommt zu den ersten wirklich gelungenen und lustigen Dialogen mit anderen Charakteren und zum großen Auftritt von Frau Engel. Mein Gott, liebe ich es, diese Frau zu hassen. So simpel-böse ihr Charakter erscheinen mag, braucht es schon extrem kompetente Autoren und Designer, damit so ein vermeintlich einfacher Antagonist funktioniert.

The Stud in the High Castle

Die E3-Demo endet auf einem Cliffhanger, auf dessen Auflösung im fertigen Spiel ich mich schon freue. Zusätzlich bekamen wir eine zweite Episode zum Anspielen bereitgestellt; etwa aus der Mitte der Haupthandlung. Im beschaulichen kleinen Städtchen Roswell bekommen wir ein Gefühl für die Welt, in der B.J. nun lebt. Amerika ist von den Deutschen besetzt, die gerade eine Parade in der Stadt halten. Wir werden Zeuge von lustigen, morbiden Dialogen, wenn ein deutscher Soldat zwei KKK-Mitglieder eine Nachhilfestunde in deutscher Geschichte gibt, oder wenn wir erfahren, dass der deutsche Kanzler sowohl die Mona Lisa gemalt, als auch die Atombombe erfunden hat.

Frau Engel gibt einen erstklassigen Bösewicht ab

Passenderweise tragen wir, als Feuerwehrmann verkleidet in eben diesem Moment eine mobile Kompaktversion der Massenvernichtungswaffe unterm Arm, um den Generalstab des Regimes in einen Haufen Asche zu verwandeln. Dabei helfen soll uns der Besitzer des Diners – doch ehe wir uns an die Planung des Attentats machen können, erscheint ein deutscher Offizier in der Türe. Ich ertappe mich dabei, wie ich der Zwischensequenz gebannt folge als der Offizier mir langsam auf die Schliche kommt. Wer jetzt noch kein Hans „Inglourious Basterds“ Landa Feeling hat, darf noch mit ansehen, wie der charismatische Bösewicht in aller Ruhe eine Erdbeermilch schlürft, während er uns in die Ecke treibt. Schon jetzt kann ich sagen, dass mich die Dichte an gut geschriebenen Charakteren in der Demo positiv überraschte! Während der gesamten Spieldauer wahrte man perfekt die Balance zwischen auflockernder Satire und Spannung mit einem gewissen Maß an Ernsthaftigkeit.

Akimbo is back!

Apropos: Jetzt wird es ernst. Mit der Atombombe auf dem Rücken ging es nun in ein amtliches Shooterlevel. Zuvor konnten wir noch unsere Waffen je nach Vorliebe aufmotzen – ich entschied mich beispielsweise dafür, meiner Pistole einen Schalldämpfer zu spendieren, um Feinde auch auf große Distanz lautlos ausschalten zu können. Dem Maschinengewehr hingegen verpasste ich höhere Durchschlagskraft, die den gepanzerten Gegner die Suppe versalzen sollte. Je nachdem, wie ihr eure Waffen aufwertet, bietet sich ein anderer Spielstil an und umgekehrt. Wie im Vorgänger schon, erhaltet ihr Perks auf Basis eurer Spielweise, die sich in drei Kategorien einteilen lässt: Heimlichkeit, Chaos und Taktik. Erledigt ihr lautlos 10 Gegner von hinten, könnt ihr euch gehockt fortan schneller fortbewegen. Ein wenig Heimlichkeit ist gerade auf höheren der sieben Schwierigkeitsgrade angeraten, um der feindlichen Übermacht Herr zu werden. Neben dem angesprochenen Schalldämpfer hilft uns dabei auch ein martialisches Beil, dass uns im Nahkampf weiterhilft, aber auch totbringend geworfen werden kann. Gerade in Arealen mit einem feindlichen Kommandanten, bietet es sich an diesen zunächst lautlos auszuschalten, bevor er Verstärkung rufen kann.

Akimbo gegen einen Panzerhund: So muss es sein!

Irgendwann haben wir jedoch genug davon, Samtpfote zu spielen und packen das schwere Gerät aus. Denn ja, es ist einer Bundeskanzlerin schwer zu vermitteln, aber in der linken Hand ein Maschinengewehr und mit der rechten eine Schrotflinte führend Nazis niederzumähen, ist nach wie vor ein belohnendes Gefühl. Wolfenstein 2 lässt uns in den Arealen meist genug Manövrierfähigkeit, um Feinde auszutricksen und von mehreren Richtungen aus anzugreifen. Wir lehnen uns aus der Deckung heraus, geben ein paar Salven ab, sprinten geduckt weiter und flankieren die ungeschützten Gegner mit einem Laserkraftwerk, das sie zu Staub zerfallen lässt. Im Gunplay wurde wie erhofft auf jeglichen Firlefanz verzichtet, sodass wir in Wolfenstein 2 einen fantastischen, schnellen und flüssigen Shooter erwarten dürfen!

Eindruck:

Wolfenstein 2: The New Colossus konnte mich in Frankfurt im Sturm erobern. Richtig gute Singleplayer Shooter sind ein rares Gut. Konnte mich die Kampagne von Titanfall 2 in erster Linie durch das gute Leveldesign und ein paar wirklich schöne Ideen im Gameplay begeistern, bin ich bei Wolfenstein 2 in erster Linie von Story, den Charakteren und dem einzigartigen Ton zwischen knallharter Action und spitzer Satire begeistert. Spielerisch ist Wolfenstein 2 wie die Autobahn: Geradeaus, ohne Bullshit, Volldampf – genauso wie man es von der Serie erhofft. Fans und Neueinsteiger in die Serie können sich auf den 27. Oktober freuen!