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ARMS im Test – Links, Rechts und um die Kurve

Im neuesten Prügelspaß von Nintendo stürzt ihr euch mit einem von zehn knallbunten Charakteren in den Kampf. Angegriffen wird mit unterschiedlichen Fäusten, die ihr  vor dem Kampf auswählt und daraufhin an euren sprungfederähnlichen Armen befestigt werden. Eure „Arme“ werden beim Kampf weit ausgefahren, sodass ihr eure Gegner auch aus großer Entfernung attackieren könnt.

Links, Rechts und um die Kurve

Anders als bei den meisten Beat `em ups befindet sich die Kamera in Arms in der Verfolgerperspektive hinter euch. Gesteuert wird das Ganze mit den Motion Controllern. Natürlich könnt ihr alternativ auch auf den Pro Controller umsteigen oder im Multiplayer-Modus nur einen der beiden Joy Cons quer benutzen. Das beste und immersivste Spielgefühl werdet ihr jedoch eindeutig mit beiden Joy Cons – einen in der linken, einen in der rechten Hand – haben. Damit ahmt ihr Bewegungen nach, die im Spiel zu Laufanimationen, Schlägen und Abwehrhaltung führen.

Ein Schlag nach vorne bewegt dementsprechend auch euren Kämpfer dazu, die Faust nach vorne zu werfen. Werfen könnt ihr, wenn es euch gelingt euren Gegner gleichzeitig mit beiden Fäusten zu packen. Beide Controller in eine Richtung geneigt lässt den Charakter in die jeweilige gehen, haltet ihr die Hände kreuzförmig vor dem Körper geht euer Schützling in die Abwehr. Mit den beiden Schultertasten, auf denen eure Daumen ruhen, könnt ihr Springen und Ausweichen. Anfangs fühlt sich das alles noch etwas ungewohnt an, nach ein paar Stunden Einarbeitungszeit macht die Steuerung aber richtig viel Spaß – solange ihr euch nicht gleich an den übermächtigsten Gegnern versucht. Denn die Steuerung wirklich zu meistern ist eine Klasse für sich.

Leider fühlt sich auch alles etwas gemächlich und nicht nach schweißtreibendem, dynamischen Gefecht an. Die Fäuste brauchen lange, bis sie beim Gegner ankommen, und noch länger, um wieder zurückzugelangen. Oft stehen Kontrahenten gerade am Anfang dermaßen weit auseinander, dass erst eine halbe Minute übers Spielfeld gerannt werden muss, bis der erste Kämpfer einen Treffer landet. Schlagt ihr einmal ins Leere, so seid ihr lang andauernde Sekunden völlig schutzlos eurem Kontrahenten ausgeliefert und könnt auch nicht mehr dessen Angriffen ausweichen, da eure Fäuste noch regungslos in der Luft stehen. Vorteil des Ganzen: Ihr müsst keine Supersportler sein, um die Kämpfe mit Joy Cons zu bestreiten.

Schleifenmädchen, Mumie und Ramenbomber

Die schrulligen, quietschbunten Charaktere haben ihren ganz eigenen Charme. Jeder besitzt eine eigene, kleine Hintergrundgeschichte.  Das Artdesign zeugt von viel Kreativität und Liebe zum Detail. Die Arme der Kämpfer bestehen aus Sprungfedern, Schleifern, Ketten, Ramennudeln, Haaren oder DNA-Helixspiralen – der Einfallsreichtum der Spieleentwickler ist wirklich bewundernswert.

Die zehn Charaktere sind nicht nur optisch überraschend vielfältig. Leider erklärt euch das sehr kurze Tutorial nicht viel über die individuellen Personen, ihr müsst euch selbst in der „Hilfe“ die unterschiedlichen Eigenschaften eures Favoriten anlesen oder eben ausprobieren. So kann „Ribbon Girl“ zum Beispiel höher Springen, während „Ninjara“ sich in der Luft teleportieren und „Min Min“ Angriffe zurückschleudern kann. Selbst wenn ihr alle Eigenschaften der Charaktere gründlich studiert habt, solltet ihr jeden der Kämpfer ein paar Mal austesten, damit ihr denjenigen findet, der am besten zu euch passt. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, denn nicht nur die Charaktere reagieren sehr unterschiedlich, sondern auch die Fäuste, mit denen ihr sie ausstattet.

Jedem Kämpfer stehen zu Beginn drei verschiedene Boxhandschuhe zur Verfügung. Aus dem Sortiment könnt ihr auswählen, welche ihr eurem Schützling rechts und welche links anlegt. Sowohl Kombinationen der Auswahl, wie auch gleiche Fäuste auf jeder Seite sind dabei möglich. Manche Fäuste sind schneller, manche langsamer, einige teilen Schocks aus, schießen Bumerangs oder feuern Laserstrahlen ab. Diese Anpassungsmöglichkeiten sind der Dreh- und Angelpunkt wenn es darum geht, zu gewinnen und stocken die ansonsten eher spärlich ausgefallenen Inhalte mit etwas Strategie und Taktik auf.

In den unterschiedlichen Arenen, welche jeweils einem Charakter zugeordnet sind, warten einige Überraschungen auf euch. In manchen verstecken sich Trampoline oder Hindernisse, teils erschweren sie euch das Leben durch unebenes Terrain oder ihr könnt auf sich bewegende Kreisel und Boxen springen, um schneller zum Gegner zu gelangen.

Und was sonst noch?

Sammelt ihr fleißig Münzen in Versus-Matches, so könnt ihr in einem Minispiel um neue Fäuste kämpfen. Davor müsst ihr jedoch auswählen, für welchen Charakter ihr die Fäuste freischalten wollt, da diese an den jeweiligen Kämpfer gebunden werden. Je nachdem wie gut ihr euch in der vorgegebenen Zeit schlagt, bekommt ihr mehr Preise. Dies können völlig neue Fäuste sein oder aber Handschuhe eines anderen Charakters, die ihr ab dann auch euer eigen nennen dürft.

Neben den 1 gegen 1 Matches stehen euch auch 2 gegen 2 Kämpfe und vier weitere Modi zur Verfügung, die die Kämpfe etwas abwechslungsreicher gestalten. So müsst ihr euren Kontrahenten in einem Minispiel beispielsweise in einen Basketballkorb bugsieren oder Schilder zerschmettern, um mehr Punkte als euer Gegner zu sammeln. Auch Volleyball mit explodierenden Kugeln oder das 1 gegen 100 Match machen ordentlich Lust auf mehr. Nicht fehlen darf natürlich auch der Onlinemodus, indem ihr gegen Gleichgesinnte vor der eigenen Konsole antretet. ARMS besitzt somit alle grundlegenden Inhalte, die ein ordentliches Prügelspiel haben muss – mehr allerdings auch  nicht.

Fazit:

ARMS ist ein wirklich sehr amüsantes Multiplayer-Beat-`em-up, welches durch seinen besonderen Grafikstil und der neuartigen Steuerung punkten kann. In Echtzeit Schläge auszuteilen macht wirklich Spaß, jedoch war für mich eine etwas längere Einarbeitungszeit von Nöten, um einen Charakter und Fäuste zu finden, mit denen ich gut zurechtkam. Dafür kann man sich danach sehr gut in seinen Favoriten einarbeiten. Trotzdem kann immer noch das Austauschen einer einzigen Faust zur katastrophalen Niederlage im nächsten Gefecht führen, wenn man nicht weiß, wie diese einzusetzen ist. Das Tracking der Joy Cons funktioniert ziemlich gut, bei den Kurvenschlägen hapert es manchmal ein wenig. Springen und Ausweichen geht mit einem Controller zunächst leichter von der Hand, mehr Spaß hat man aber allemal mit den Joy Cons, weshalb ich diese Steuerung nach wie vor bevorzuge. Leider ist der Gesamtumfang des Spieles ziemlich überschaubar und Tutorials müssen in der Hilfe nachgelesen werden. Auch wirken die Fäuste etwas undynamisch, schnellere Schlagabfolgen würden dem Spiel noch einen Tick mehr Spielfreude mitgeben. Aber nichtsdestotrotz ist der Titel das Sommer-Muss des Jahres und beschert sowohl Solospielern, wie auch Multiplayern und Partyspielfans viele freudige Stunden.

Positiv

  • Einzigartiger Artstyle
  • Innovative Steuerung
  • Spaßiges Partyspiel
  • Unmengen möglicher Anpassungen
  • Spaßige Spielmode

Negativ

  • Insgesamt geringer Umfang
  • Fäuste etwas undynamisch
  • Lange Einarbeitungszeit
  • Tutorials müssen nachgelesen werden
8.5

Von

Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de