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Assassin’s Creed: Origins im Test

„Ein neues Assassin’s Creed? Interessiert mich wenig bis gar nicht.“ So oder so ähnlich war meine erste Reaktion nachdem erste Infos zum neuesten Ableger aus dem Haus Ubisoft durchgesickert waren. Die Serie hatte mich irgendwo zwischen Rogue, Unity und Syndicate verloren.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: diese Spiele sind für sich genommen absolut keine schlechten Titel, aber die sogenannte „Ubisoft-Formel“ hat mich irgendwann mehr genervt als motiviert. Um das recht einfach herunterzubrechen: viel Masse, nicht so viel Klasse. Große Maps überzogen mit Dutzenden von Symbolen, die es im wahrsten Sinne des Wortes abzuarbeiten galt. Dazu kamen für mich persönlich eher uninteressante Settings.

Lange Rede, kurzer Sinn: ohne große Erwartungen habe ich Origins gestartet und es hat sich recht schnell gezeigt, dass ich mit meiner Einschätzung danebenlag. Ubisoft hat an vielen Stellschrauben gedreht und schafft mit Origins einen mehr als respektablen Vertreter der AC-Reihe.

Ab ins alte Ägypten

Das Spiel katapultiert uns Spieler zurück ins altertümliche Ägypten und schafft damit eine gelungene Abwechslung im Setting. Spiele in dieser Periode gibt es nicht viele und man merkt sofort, dass ein Titel wie Assassin’s Creed hier hervorragend funktioniert.

Ägypten bedeutet: Sonne, Sand(stein) und Palmen. Zumindest zum Spielstart sind das die visuellen Eckpfeiler der ersten Spielstunden. Beginnend in der Region um das kleine Dorf Siwa bereisen wir nach und nach eine riesige Karte, die uns in (auch spielerisch) abwechslungsreiche Gebiete schickt. Seien es die Pyramiden von Gizeh oder die Hafenstadt Alexandria: viele bekannte Orte warten auf unseren Besuch.

Die Story spielt 42 Jahre vor Jesu‘ Geburt und wir beginnen als Bayek, der nach jahrelanger Gefangenschaft nun in seine Heimat Siwa zurückgekehrt ist und sich dort zunächst mit Gewalt und Geschick um die Belange der Bewohner kümmert.
Nach Rache sinnend macht sich der Hauptcharakter auf die Suche und die Jagd nach den Mitgliedern des Ordens der Älteren. Diese Zusammenkunft ist mitverantwortlich für seine Gefangenschaft und im Laufe des Spiels werden immer mehr Motive deutlich, die Bayek zu seinem Handeln treiben.

Da die Geschichte spannend erzählt wird und auch die ein oder andere Überraschung in petto hat, möchte ich hier gar nicht weiter spoilern. Erwähnt sei noch, dass wir in ausgewählten Missionen mit Aya auch einen weiblichen Charakter spielen dürfen.

Origins goes Action-RPG

Eine spannende Neuerung ist der neue Ansatz durch einen gewissen Anteil an (Action-)Rollenspiel. Der Spieler hat in einem Talentbaum die Wahl in welche Richtung sich Bayek entwickeln soll. Lieber ein paar Punkte und Fähigkeiten mehr in den Krieger-Zweig? Oder lieber als Jäger unterwegs? Oder als Seher? Es steht uns frei. Auch wenn die Auswirkungen nicht so stark wie in klassischen Rollenspielen sind, macht diese Ausrichtung auf ein Skill-System Spaß und motiviert zum Aufleveln.

Ein weiteres Element ist Crafting. Zum Glück relativ simpel und durchschaubar, dafür und deswegen aber auch motivierend. Für neue Ausrüstungsteile braucht es immer eine vorgegebene Zahl an festen Materialien, die wir auf der Karte finden können. Sei es Kupfer, Leder oder Holz: zur Suche können wir u.a. auch einen Adler losschicken. Dieser treue Gefährte nennt sich Senu und erhebt sich auf Knopfdruck in die Lüfte. Praktisch: es lassen sich entdeckte Dinge ganz einfach markieren, so dass wir uns dann gezielt auf die Suche machen können.

Bei Waffen, Ausrüstung und Items bedient man sich nun auch erstmals eines Systems, wie man es z.B. aus Diablo oder Destiny kennt: verschiedene Seltenheitsstufen mit verschiedenen Stärken, Vor- und Nachteilen machen die Jagd nach Beute interessant. Das Schöne dabei ist, dass z.B. stärkere Waffen auch einen direkten Impact haben. Hat uns Gegner X noch ziemlich geärgert, als wir mit unserem schwachen Schwert unterwegs waren, machen wir ihn nun mit unserem neuen Streitkolben mit 2 Schlägen einen Kopf kürzer.

Ubisoft-Formel, adé?

Nein, ganz ist die Ubisoft-Formel natürlich nicht verschwunden. Nach wie vor reisen wir über eine riesige Karte mit vielen Aufgaben, Fragezeichen und sonstigen Spots. Für meinen Geschmack ist der Fortschritt aber wesentlich cleaner als in den Vorgängern, da man nach und nach die Gebiete freigeschaltet und diese einen nicht direkt mit drei Dutzend blinkenden Icons begrüßen.

Zudem ist die Story interessant und auch die Nebenaufgaben erzählen interessante Geschichten. Ja, ab einem gewissen Punkt wird es auch hier repetitiv, aber auf einem Niveau, dass ich mir als Gamer gefallen lasse.

Kontrollierte Kämpfe

Besonders gespannt war ich auf das überarbeitete Kampfsystem. Hier geht man weg von unpräzisen Massenschlachten, in denen man wild auf die Knöpfe hämmern müsste, hin zu einem System, welches mehr Taktik und Timing erfordert.
In der Praxis fühlt sich das zunächst etwas ungewohnt an und kostet den ein oder anderen Bildschirmtod. Gerade das Timing und das Blocken bzw. Ausweichen sind extrem wichtig, denn jede Waffe und jede Waffenkombination hat Vor- und Nachteile.

Große Waffen machen viel Schaden, sind aber behäbig zu führen. Kleine Waffen sind dafür flink, richten aber weniger beim Gegner an. Ebenso können Doppelschwerter viel Schaden anrichten, aber dafür gibt man den großen Vorteil des Schildblocks ab. Ihr merkt es schon: hier gilt es abzuwägen und sich seinen favorisierten Spielstil anzueignen. Der Bogen bzw. Fernkampf haben natürlich auch seinen Platz. Wer es eher aus der Entfernung mag: funktioniert auch.

What a wonderful world

Wie oben schon angerissen bereisen wir das alte Ägypten. Und hier gibt es an allen Ecken und Ende wunderschöne Szenarien zu bestaunen. Im Gegensatz zu den großen Stadtkarten einiger Vorgänger gibt es bei Origins auch nach 20 Stunden noch neue Gebiete zu entdecken, die visuell überraschen. Die ganze Pracht wird möglich durch einen wahnsinnig hohen Detailgrad, der das Spiel zu keiner Zeit wie ein Baukasten aussehen lässt.

NPCs wuseln durch durch die Gebiete, Wetter- und Lichteffekte sind stimmungsvoll und passend und auch die akustische Untermalung passt wunderbar.

Technisch wird also einiges aufgefahren. Mein Testsystem war eine PS4 Pro an einem 4K TV mit HDR und hier spielt die Engine seine ganze Stärke und Schönheit aus. Gerade das HDR wurde super integriert und sorgt für einige Wow-Momente. In die Version für die One X konnte ich auch reinschauen, rein subjektiv sind beide Versionen nah beieinander. 30 Bilder pro Sekunde werden meist erreicht, komischerweise ruckeln die Zwischensequenzen aber stellenweise stark vor sich hin. Nicht schön. Hier sollte Ubisoft noch nachbessern.

Fazit

Ihr ahnt es bereits: ich bin begeistert von dem neuesten Ableger der Assassin’s Creed Reihe. Gut möglich, dass meine positive Meinung dadurch begünstigt ist, dass ich wirklich niedrige Erwartungen hatte.

Aber was soll ich groß sagen? Die Mechaniken passen, die neuen Ansätze greifen gut ineinander und machen aus AC: Origins ein klasse Gesamtpaket. Ubisoft geht hier einen Schritt weg vom ausgelatschten Gameplay-Weg und bringt mit einigen neuen Ideen frischen Wind in das Franchise. Dazu kommt die wunderschöne und unverbrauchte Welt des altertümlichen Ägyptens mit seinen kleinen und großen Geschichten.

Erwähnen möchte ich noch, dass es auch bei Origins einen Ingame-Shop mit Lootboxen gibt, die man für Echtgeld erwerben kann. Diese beinhalten dann z.B. neue Waffen, Outfits oder Fähigkeitspunkte. Im Grunde bieten die nur einen Anreiz für ungeduldige Spieler, einen Vorteil kann man sich aufgrund der Ausrichtung als reines Singleplayer-Spiel nicht kaufen.

Positiv

  • Wunderschöne, abwechslungsreiche Spielwelt
  • Großer Umfang
  • Motivierende Charakterentwicklung
  • Passende Musik und Soundkulisse
  • Interessante Storyline
  • Spannendes Kampfsystem
  • Umfangreiches Waffenarsenal

Negativ

  • Stellenweise ruckelnde Zwischensequenzen
  • NPCs fallen optisch ab
  • KI nicht immer auf der Höhe
  • Überflüssige Sprünge in die Gegenwart
9

Angefangen hat alles mit einer Tele Fever Konsole von Tchibo (!) im Jahr 1986 und dem Spiel Hobo (kennt wohl keiner). Direkt infiziert. Seitdem auf allen Plattformen unterwegs, egal ob Atari, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft, Commodore, PC oder Exoten. Auch wenn ich heute sehr viel weniger Zeit für das Hobby habe: die Faszination ist ungebrochen.

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