Einloggen

Lost Password

Assassin’s Creed: Rogue Remastered im Test

Mit Assassin’s Creed: Rogue Remastered unternimmt Ubisoft mit uns Spielern eine kleine Zeitreise. Aus dem alten Ägypten heraus zurück in die Zukunft ins 18. Jahrhundert. Und in eine Zeit bevor der Entwickler seine Formel mit Origins aufbrach.

Assassin’s Creed: Rogue: Das ungeliebte mittlere Kind?

Als Assassin’s Creed: Rogue Ende 2014 auf der „alten“ Konsolengeneration erschien, konnte es nie so ganz aus den Schatten seiner Brüder heraustreten. Und obwohl dieser Status für einen Assassinen selbst von Vorteil ist, tat es der Rezeption des Spiels weniger gut. Spielerisch glich Rogue viel zu sehr Assassin’s Creed: Black Flag aus dem Vorjahr. Und zeitgleich bediente man mit Unity bereits die PlayStation 4 und die Xbox One, was zwar rückblickend alles andere als eine Sternstunde der AC-Serie, aber zumindest ein Hingucker war.

Somit ist Rogue so etwas wie der vergessene Teil der Franchise und bietet sich ideal für ein Remaster an. Hat es mit seinen Seeschlachten doch das beliebteste Setpiece aus Assassin’s Creed: Black Flag, aber eine frische Handlung zu bieten.

Wir schlüpfen in die Rolle des Assassinen Shay Patrick Cormac, der mit seinen Ordensbrüdern auf der Jagd nach Artefakten der Vorväter ist. Als er jedoch miterlebt, mit welcher Gleichgültigkeit die Bruderschaft über menschliche Verluste hinwegwalzt, verlässt er diese. Als der titelgebende „Rogue“ wechselt er die Fronten und schließt sich den Templern an. Damals wie heute bleibt darin eine Kritik bestehen: Auf dem Papier wäre dieser Storykniff die Gelegenheit gewesen, die damals schon sehr abgegriffene „Assassin’s Creed Formel“ abzuändern. Man stelle sich vor welchen Impact der Titel gehabt hätte, wenn er wie Black Flag angefangen, aber dann eine 180° Wende vollzogen hätte. Man hätte in die Philosophie der Templer eintauchen und ein ganz anderes Gameplay einführen können.

Teestunde unter Freunden. So schön könnte das Leben als Assassine sein…

…und Black Flag’s kleiner Bruder

Stattdessen spielt sich Assassin’s Creed: Rogue Remastered wie ein XXL-DLC zu Black Flag und der erzählerische Twist findet sich nicht im Spielerischen wieder. Damit verhält sich AC: Rogue in etwa so zu AC:Black Flag wie Uncharted: The Lost Legacy zu Uncharted 4. Wir haben unser Schiff, mit dem wir andere Schoner, Kriegsschiffe, Kanonenboote, Außenposten und Forts angreifen, entern und plündern können. Mit den erbeuteten Rohstoffen erwerben wir Upgrades für unser Schiff, kaufen stärkere Kanonen, einen robusteren Rumpf oder neue Waffensysteme und stürzen uns zurück in die See. Immer auf der Jagd nach fetterer Beute. Dieser, für die Handlung überwiegend optionale Teil, macht für mich das Gros an Unterhaltung aus. Wenn die Mannschaft mir zuprostet, sich laut singend in den Sturm wirft und wir nach langem Feuergefecht eine englische Karawelle versenken, ist Rogue am stärksten.

Wenn wir von Bord gehen, erwarten uns klassische Schleich-, Verfolgungs- und eben Assassinen Missionen. Wir verstecken und in üppiger Vegetation, operieren mit Rauchbomben, Schlafpfeilen, blankem Schwert und natürlich der versteckten Klinge. Das alte Assassin’s Creed Kampfsystem  bleibt simpel gestrickt. Theoretisch könnt ihr euch in eine halbe Hundertschaft Soldaten stellen. Solange ihr im richtigen Moment kontert, kann euch wenig passieren. Wer jedoch die zahlreichen Tools nutzt, die Shay zur Verfügung stehen, findet in den flachen aber spaßigen Scharmützeln eine gute Portion Unterhaltung.

Das Remastered – zur rechten Zeit am rechten Ort

Ich habe Black Flag 2013 sehr genossen und viel gespielt. Während ich zum Release von Rogue 2014 von Setting und Gameplay gesättigt war, machen mir die bewährten Mechaniken im Remastered 2018 wieder Spaß. Auch die Geschichte um die Wendejacke Shay weiß zu unterhalten. Fans der Serie freuen sich über Auftritte alter Bekannter wie Adewalé (Kenways erstem Maat in Black Flag). Und Freunde der frei interpretierten Historie bekommen die Wehen des Siebenjährigen Krieges, Wetterexperimente mit Ben Franklin und Begegnungen mit einem gewissen Herrn George Washington spendiert. Wer der Story linear folgt, kann nach 12 abwechslungsreichen Stunden den Abspann sehen. Serientypisch gibt es in der Open World von Assassin’s Creed: Rogue Remastered aber viel mehr zu tun. Wer alle Shantys einsammeln, Truhen plündern, Erinnerungsfragmente sammeln und Tiere jagen möchte, kommt auf ein Vielfaches der Spielzeit.

Am stärksten ist Rogue: Remastered auf hoher See!

Technisch darf man sich von dem Remaster eines Xbox 360-Spiels natürlich nicht die optische Brillanz von Assassin’s Creed: Origins erwarten. Rogue holte damals alles aus den alten Systemen heraus und hatte einen guten Look. Die größte Schwäche der Ursprungsversion war die Bildrate, die in geschäftigen Szenen in die Knie ging. Das Team von Ubisoft Sofia hat zwar nicht den Sprung gewagt, Assassin’s Creed: Rogue Remastered an die 60 fps heranzuführen, fixierte die Bildrate aber immerhin auf konstante 30. Wer einen entsprechenden Fernseher hat, kann sich über eine 4K-Auflösung freuen und passend dazu erhöhte Texturqualität. Die Weitsicht und das Gewusel in den Städten waren damals bereits schon sehr ansehnlich. Keine Frischzellenkur dagegen haben die Animationen genossen, anhand derer man das Alter des Spiels (auch nur dreieinhalb Jahre) am besten datieren kann. In der deutschen Synchronisation gibt es überdies immer wieder einen kleinen Schluckauf bei der Tonabmischung. Um manchen Dialogen folgen zu können, müssen wir die Anlage ein gutes Stück aufdrehen, während uns dann bei Erinnerungssequenzen fast die Membrane um die Ohren fliegen.

Fazit:

Während meines Studiums gab es eine Phase in der ich mich beinahe ausschließlich von Tortelloni mit Discounter-Tomatensoße ernährt habe. So wie Mütter rund um den Globus es täglich predigen, hatte ich tatsächlich irgendwann genug davon und musste ein neues Fundament für meine Ernährungspyramide gießen. Heute, Jahre später, kann ich die Dinger wieder genießen. Ähnlich dürfte es vielen gehen, die Assassin’s Creed: Rogue Remastered eine Chance geben. Das Original erschien zu einer Zeit, in der für meinen Geschmack zu viele gleichförmige Titel der Serie in zu schneller Abfolge erschienen. Jetzt, 2018, passt das Spiel besser und trifft auf ein ausgeruhtes Publikum. Ich hatte wieder echt Spaß an den Seeschlachten, dem Aufrüsten der Morrigan und sogar am simplen Kampfsystem.

Wer Black Flag gerne gespielt hat und danach der Serie schleichend den Rücken gekehrt hat wie ich, kann mit Rogue Remastered nichts falsch machen. Es folgt es der Blaupause des beliebten Piratenabenteuers fast 1:1. Wer jedoch 2014 bereits Rogue gespielt und danach vielleicht sogar noch Unity und Syndicate folgen ließ, für den bietet das Remastered allerdings zu wenig. Für diese Spieler kommt der Mini-Nostalgie-Trip dann doch zu früh, daran ändern dann auch die 2 Bonusmissionen aus der Original Deluxe Edition wenig.

Weitere Reviews von anderen Spielen findet ihr hier.

Positiv

  • atmosphärische Seeschlachten
  • abwechslungreiche Missionen
  • zahlreiche Nebentätigkeiten und Sammelobjekte
  • sehr gute Lernkurve

Negativ

  • Story-Prämisse nicht zur Gänze ausgenutzt
  • sehr dicht dran an Black Flag
  • leichtes Kampfsystem benötigt kaum Stealth
8