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Assassin’s Creed Syndicate – Gemeuchelt wird im viktorianischen London

Von Patrick Hützen am 22. Oktober 2015

Bereits 2007 kam der erste Teil von Assassin's Creed für die Konsolen auf den Markt und begeisterte den Spieler mit grandiosen Aussichten und gut inszenierten Städten, welche eine ganz eigene Atmosphäre erzeugten. Bereits 9 Teile, Syndicate schon hinzugezählt, kann man der Reihe zuschreiben. Klare Favoriten in der Gamer-Szene waren dabei Teil 2 und Black Flag. Mit der erfolgreichen Reihe erlebte der Spieler gute und auch schlechte Zeiten. So konnte sich Entwickler Ubisoft mit dem Letzten erschienen Titel Assassins Creed Unity, nicht gerade auf die eigene Schulter klopfen. Zu viele Bugs und unzureichende Performance werfen einen großen Schatten auf alle zukünftigen Titel. Der neuste Teil verspricht alle gemachten Fehler auszubügeln, doch lohnt sich ein Kauf und die Suche nach dem virtuellen "Edensplitter" überhaupt noch?

Geschichtsstunde mal anders.

Nebel und Smog lassen die Straßen trist und grau erscheinen, es wirkt beklemmend und traurig. Der unverkennbare Duft der Revolution liegt in der Luft und schwängert die Straßen Londons im Jahre 1868, welches fest und unbarmherzig in der Hand der Templer ist. Der Titel verspricht bereits Größe, die Lokation, die Atmosphäre und der Bezug zur Realität, sprich zur echten Geschichte, sollen den Spieler auf eine teils bekannte und teils ganz neue Art fesseln und dies gelingt schon in den ersten Zwischensequenzen sehr gut. Entwickler Ubisoft Montreal verspricht an der Stelle auch viele weitere Features, die man entweder mit der jeweiligen Edition gleich mit erwerben kann, beispielsweise die Verschwörung von Charles Dickens, oder aber als DLC irgendwann erscheinen wird, so soll auch der berühmt berüchtigte Jack the Ripper seinen Auftritt bekommen.

Aller Anfang ist schwer.

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Das viktorianische London bei Nacht – Schleichen wird im neusten Teil wichtiger

Nach einer kurzen und sehr ansehnlichen Zwischensequenz aus dem Story-Part der Gegenwart, schlüpfen wir in die Rolle von Jacob Frye, einem kampfbereiten und temperamentvollen Assassinen und bewältigen unser erstes Attentat im Tutorial nach bekanntem Muster. Lokalisieren und eliminieren. Einige kurze Prügeleien und atemberaubende Parkour-Moves später, welche sehr gut animiert, flüssig ablaufen und von der Steuerung leicht umsetzbar sind, finden wir unser Ziel, den Ausbeuter Rupert Ferris. Wir gehen unserem Auftrag nach und eliminieren diesen und hören uns seine letzten Gedanken an. Nach dem Mord befindet Jacob sich natürlich in Feindesgebiet, zur Flucht verhilft ein fahrender Zug, auf dem wir uns mit einigen Verfolgern auseinandersetzen müssen, ehe der gesamte Zug entgleist und wir vor einem klasse inszenierten Haufen Trümmern und lodernden Flammen stehen.

Story Change – Zeit für was Neues.

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Rasante Kutschenfahrten bilden eins der neuen Features

Jacobs weibliches Pendant bildet Evie Fyre, ihres Zeichens Schwester von Jacob und ebenfalls Assassine. Evie erfüllt im Spiel eher den „Stealth-Part“ des Gespanns, auch wenn man mit beiden Charakteren die Missionen schleichend absolvieren könnte, lädt eher Evie dazu ein und Jacob eher zu handfesteren Auseinandersetzungen. Beide verfügen über einen „Schleich-Ring“ der anzeigt, ob sich ein Gegner über oder unter einem befindet und einen „Bedrohungs-Ring“, dieser zeigt das Alamierungslevel seiner Kontrahenten an. Die Frye Zwillinge sollten sich nun eigentlich wieder in den Untergrund zurückziehen, da die Templer viel zu stark sind, doch angetan von den jüngsten Ereignissen und den Duft der Revolution in der Nase, beschließen die beiden Protagonisten London auf eigene Faust von der grausamen Hand der Templer zu befreien. Hier zeigt sich eine weitere Neuerung, denn Jacob gründet seine eigene Gang „The Rooks“. Mit Hilfe dieser lassen sich Gebiete erobern, Feinde leichter ausschalten und noch einige weitere Optionen warten auf den Spieler, um sich sein eigenes Imperium aufzubauen und einen Charme im Stil von Gangs of New York selbst zu erleben. Zwischen verschiedenen Missionen kommen immer wieder Szenen aus der Gegenwart die eine nicht minder spannende Story verspricht. Hier erlebt man die Jagd nach dem „Edensplitter“ aus der Sicht von Shawn und Rebecca.

Altbekanntes aufpoliert?

Nicht ganz. Die Entwickler greifen zwar auf bekannte Aspekte zurück, wie beispielsweise aus dem zweiten Teil bekannte Kutschen. Hier wird sich nicht nur geprügelt, sie dienen dem Spieler auch als Fahrzeuge im virtuellen London. Ein komplett neues Feature stellt der Kletterhaken dar, mit diesem könnt Ihr viel schneller hohe Gebäude erklimmen und große Distanzen via Seilrutsche überwinden, das spart nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Ebenfalls eine neue Überarbeitung erfährt der Faktor „Schleichen“, so soll dem Spieler ermöglicht werden, sämtliche Missionen mit einem Minimum an Feindkontakten auszukommen und sich lieber über dunkle Ecken oder hoch liegende Stahlrohre, von Kontrahenten unentdeckt, an sein Opfer heranzuschleichen, das ist erst im 9. Teil der Serie in dieser Form möglich. Dies empfiehlt sich auch bei sehr vielen Gegnern, zwar kann man, anders als bei den Vorgängertiteln aktiver mit der Umwelt agieren und beispielsweise Kisten auf Gegner fallen lassen, aber sehen sich die Protagonisten mehreren Feinden, die am besten noch über Schusswaffen verfügen, sollte sich der Spieler lieber in luftige Höhen in Sicherheit bringen. Natürlich verfügt auch Assassin’s Creed Syndicate über bekannte Aussichtspunkte. In unterschiedlichen Stadtteilen muss man sich als Jacob oder Evie mit Bandenmitgliedern herumschlagen und ganz im Stil von GTA, den Stadtteil von den Unterdrückern befreien.

Fazit

Assassin’s Creed Syndicate hat auf den ersten Blick sehr gute Ansätze und es wirkt, als wären einige grobe Schnitzer aus dem Vorgängerteil behoben worden, andere wiederum nur über halbherzige neue Funktionen aufgestockt worden. Besonders krasse Grafikfehler sind bisher nicht aufgefallen, allerdings wurde der Aspekt des Schleichens zwar weiter fokussiert, allerdings trotz einiger Erweiterungen (der oben genannten Ringe), nicht sonderlich verbessert. So findet sich der Spieler häufig in Situationen wieder, wo es fast unmöglich ist, die Mission ohne Gegnerkontakt zu bewältigen, schade. Zwar wir ein gewisses Hitman-Flair erzeugt, allerdings wirkt es teilweise noch unausgereift. Auch in diesem Teil überzeugt Ubisoft wieder mit einer grandios in Szene gesetzten Spielwelt, die mit der Assassinen-Story eine tolle Atmosphäre erzeugt. Die Zwischensequenzen sind schlichtweg klasse gemacht, die waren aber auch schon in den Vorgängerteilen sehr gut gelungen. Ebenso der neue Kletterhaken, der dem Spieler viel neuen Komfort bietet, sofern dieser auch gewünscht ist. Die Entwickler haben aber durchaus aus den Fehlern der Vorgänger gelernt, wie beispielsweise verschlossene Kisten in Unity, welche nur via App geöffnet werden konnten und den Spieler völlig unnötig aufgeregt haben, sind durch „normale“ Truhen ersetzt worden. Man kann sich weiterhin Upgrades oder Gegenstände mit realem Geld kaufen, dies ist aber nicht notwendig um die Story erfolgreich zu absolvieren. Außerdem wurde die grandiose Spielwelt um viele weitere Optionen erweitert, sei es ein umfangreicher Skilltree für Gegenstände, Gangmitglieder, Eigenschaften oder die Möglichkeit stets mit der Kutsche durch London zu rasen, machen das Spiel ungeahnt komplex und hat das Potenzial den Spieler lange an ein gutes Spiel zu fesseln. Insgesamt wirkt das Spiel nach einiger Zeit etwas dröge, dennoch hat Ubisoft Montreal sich mit der Inszenierung einer historischen Stadt wieder selbst übertroffen. Wer also ein Fan der Reihe ist und von Unity enttäuscht war, sollte Assassin’s Creed Syndicate trotzdem eine Chance geben. Die Ansätze für eine Menge Spielspaß sind auf jeden Fall da.

PC-Fazit

Mehr als alles andere, fühlt sich Assassin’s Creed: Syndicate nach einer überfälligen Kurskorrektur an. Ich will bei Assassin’s Creed keine Piratengeschichte mit Seeschlachten, sondern das echte Assassinen-Feeling. Außerdem erwarte ich von einem Riesen-Studio wie Ubisoft ein bugfreies und gut optimiertes Spiel, weshalb das letzte Jahr, mit Assassin’s Creed Unity, für mich der absolute Tiefpunkt der Reihe war. In Syndicate nun bringt Ubisoft alles zurück, was Assassin’s Creed 2 so großartig gemacht hat und liefert gleichzeitig ein deutliches geschliffeneres Produkt ab. Syndicate punktet mit interessanten Charakteren, einer stimmigen Spielwelt und vor allem unglaublich spannenden Missionen voller großartiger Momente. Spielerisch sorgt vor allem der neue Greifhaken für ein äußerst spaßiges und flüssiges Spielgefühl.

Auf dem PC zeigt sich Syndicate grafisch etwas weniger beeindruckend als der direkte Vorgänger, dafür aber auch flüssiger und ressourcenschonender. Schade wiederum ist, dass einige der Mordaufträge noch bis März der PS4-Version vorbehalten bleiben.
Das tut dem Titel jedoch keinen Abbruch und mit Syndicate liefert Ubisoft nach einigen turbulenten Vorgängern und Szenarien, die absolut nicht mein Geschmack waren, endlich wieder einen Titel, den ich vorbehaltlos empfehlen kann.

Die PC-Version wurde nachträglich getestet von Kevin Köhler.

Positiv

  • tolle Zwischensequenzen
  • grandiose Inszenierung der Spielwelt
  • neue Features (Kletterhaken etc.)
  • Schleichen wurde verbessert
  • komplexere Möglichkeiten für den Spieler

Negativ

  • teilweise sehr schwammige Steuerung
  • wirkt schnell dröge
  • Stealth-Potential nicht ausgeschöpft
8.5

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de