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Assassin’s Creed Unity – Paris sehen und sterben

Von Ole Oetjen am 12. November 2014

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen und der gestandene Mann nach der Arbeit öfter zu einem heißen Tee statt zum Bier greift, muss Herbst sein. Und das bedeutet seit 7 Jahren auch den Release eines neuen Assassin’s Creed. Ob Unity der erwartete Kracher geworden ist, könnt ihr hier nachlesen.

 

Es war einmal…

Man, was waren das für Zeiten damals. Laptops kamen immer mehr im Mainstream an und konnten nun wie ihre großen Brüder, die PCs, richtige Grafikmonster sein. Zu dieser neuen Hardware-Freiheit gesellte sich alsbald Assassin’s Creed. Ein Titel, der Parkoursaction versprach und auch auf der Softwareseite dieses Gefühl der Freiheit entfachte.

Sieben Jahre später hat man eher das Gefühl, dass man sich bei Ubisoft mit dem ewigen Konflikt zwischen Templern und Assassinen ein bisschen selbst die Freiheit genommen hat, gute Geschichten zu erzählen, die man in einem anderen Teil nicht schon bereits verwurstet hat. Und darunter leidet auch AC: Unity wieder ein Stück weit.

Doch beginnen wir am Anfang des Spiels. Ihr übernehmt die Rolle des, zunächst achtjährigen, Arno, der den Tod seines Vaters miterleben muss und deshalb vom Vater seiner Sandkastenliebe Elise aufgenommen wird.

 

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Die Jahre vergehen und Arno hat sich mittlerweile in das französische Pendant von Ezio aus Assassin’s Creed 2 verwandelt. Ein charmanter Casanova mit unwiderstehlichem Selbstbewusstsein, dem sich auch Lady Elise nicht entziehen konnte. Als diese nun mal wieder in der Stadt ist, vernachlässigt Arno seine Pflichten, um ihr nachzusteigen und übernimmt so unbeabsichtigt Mitverantwortung für den Tod seines Ziehvaters.

Zu allem Überfluss wird der Mord ihm selbst angelastet, sodass er sich in der Bastille wiederfindet. Bastille? War da nicht etwas? Richtig, praktischerweise wird das Gefängnis kurz darauf gestürmt, sodass wir zusammen mit einem Mitgefangenen entkommen können. Als wir daraufhin Elise aufsuchen, scheint es, als könne sie unsere Fahrlässigkeit nicht entschulden und eröffnet obendrein, dass sowohl ihr Vater als auch sie Templer waren.

Von dieser Enthüllung geschockt, suchen wir unseren Häftlingskumpanen wieder auf und werden Mitglied bei den Assassinen – wie es unser Vater vor uns auch war!

 

Oh Paris, du bist so wunderschön…

Hier ist bereits weit über eine Stunde Spielzeit vergangen und nun endlich werden wir in die große Stadt Paris entlassen. Dem Star dieses Spiels. Denn auch wenn die Handlung spannender ist als in vielen der Vorgänger und besonders das Charakterdesign verbessert wurde, stellt sich beim mittlerweile x-ten Teil des AC-Franchise ein gewisses Ermüdungsgefühl ob der vielen Verschwörungen ein. Und von dem absolut unnötigen Gegenwarts-Handlungsstrang brauchen wir erst gar nicht reden – dieser ist in Unity zwar vorhanden, aber nicht relevant.

 

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Wesentlich attraktiver ist es, die Französische Revolution mitzuerleben und hier leistet Ubisoft wirklich bemerkenswerte Arbeit. Hätte man zu meiner Schulzeit eine solche Technologie genutzt, um mir Geschichte einzutrichtern, man hätte mich gewaltsam vom Lernen abhalten müssen. Der Sturm auf die Bastille besitzt bereits einen großen Schauwert, doch dabei bleibt es nicht. Immer wieder werden wir Zeuge von Schlüsselereignissen der Geschichte wie der Versammlung der Generalstände oder der Enthauptung von Ludwig XIV.

Und selbst wenn die Historie mal durchschnauft, so kann man sie doch überall in Paris bestaunen. In puncto Lebendigkeit der Stadt hat Ubisoft im Vergleich zu Black Flag einen großen Sprung vorwärts gemacht. Durch die bessere Technik und den Fokus auf Paris als einzigen, riesigen Schauplatz, treiben sich hier nicht nur eine Handvoll Passanten auf den Straßen herum, sondern Hunderte! Jeder mit irgendetwas oder –wem beschäftigt. Nicht nur die Gassen, sondern auch Innenräume bevölkernd, die auch Arno durch die Fenster hindurch betreten kann. Jedes der 21 Quartiers ist ein wenig oder auch dramatisch anders und ist schlicht und ergreifend spektakulär. Ganz zu schweigen von ausladenden Bauten wie Notre Dame, deren Besteigung ein tolles Panorama bieten.

Um sich jedoch das Prädikat „technisch über alle Zweifel erhaben“ zu verdienen, ist im Test leider zu häufig die Framerate eingebrochen und selbst Glitches, bei denen wir durch den Fußboden in den Limbo gestürzt sind, traten auf. Leider ist auch AC: Unity wieder ein Beispiel von Spielen, die ein wenig mehr Feinschliff hätten vertragen können. Jedoch ist es möglich, dass der umfangreiche Day One Patch hier zumindest partiell Abhilfe schaffen kann.

 

Das dunkle Handwerk

Doch auch abseits der Technik hat sich etwas getan. Um die Missionsstruktur der klassischen Assassin’s Creed-Teile (Black Flag nehme ich hier etwas aus) aufzulockern, hat man eine Reihe Ideen implementiert.

So hat man sich beispielsweise bei der Profikiller-Konkurrenz inspirieren lassen und Mordaufträge eingebaut, die eine etwas kreativere Auftragsauffüllung ermöglichen. So wartet etwa unser Opfer in einer Kathedrale auf das Treffen mit einem Verbündeten. Statt nun wie üblich in die Kirche einzudringen und zu meucheln, nehmen wir stattdessen die Rolle besagten Verbündeten ein und erwarten unser Opfer, das nun bereitwillig zu uns in den Beichtstuhl steigt. So frei wie bei Hitman ist man jedoch dennoch nicht, da man die Handlungsmöglichkeiten immer noch vorgegeben bekommt. Dennoch ist es angenehm, dass man die Missionen nun auf mehr als nur eine Art und Weise bestreiten kann.

 

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Dazu kommt die neue Schleich-Mechanik. Zwar ist es kaum vorstellbar bei einer Spieleserie, die sich vornehmlich um Attentate dreht, aber bis dato konnte man sich noch nicht lautlos bewegen. Unity baut nun das Schleichen mit dazugehöriger Deckungsmechanik ein. Das macht auch Spaß, offenbart hie und da aber auch Frustpotential, da die Wachen in der von uns getesteten Version teilweise eine nicht nachvollziehbare Sichtweite hatten und man immer mal wieder an Deckungen kleben blieb.

 

Stoß, Parade, Gegenstoß

Lobende Worte erntet das Kampfsystem, das die übermächtigen Konterattacken etwas entschärft hat. Die Paraden müssen nun genauer getimed werden und richten weniger Schaden an als in den Vorgängern, in denen man eigentlich oft auf alle anderen Manöver hätte verzichten können. Außerdem ist der Anspruch der Kämpfe angenehm gestiegen.

 

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Arno hält deutlich weniger aus als seine Vorgänger, außerdem haben seine Feinde nun meistens neben dem Florett oder Säbel auch eine Pistole dabei. Da er sich zudem nicht hinter menschlichen Schildern verstecken kann, sind die Schusswaffen nun auch zu einer größeren Bedrohung geworden sind, sodass es sich dieser Assassine zweimal überlegt, bevor er sich mit einem ganzen Bataillon anlegt – zumindest solange er nicht über alle Fähigkeiten und bessere Ausrüstung verfügt. Dann werden auch die Kämpfe einfacher. Durch Talentpunkte nach Missionen und Koop-Missionen schalten wir nach und nach mehr Fähigkeiten frei und werden zur kompletten Schleich- und Kampfmaschine.

Apropos Koop: Die Koop-Missionen konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt (11.11.) leider noch nicht testen. Auf den Anspielevents litten sie jedoch noch darunter, dass jeder Assassine doch irgendwie nur tat, was ihm gefiel und kein echtes Teamplay aufkam – trotz der Koop-Skills.

 

Fazit

Der Einstieg in Unity dauert ein wenig, doch wenn man erst einmal das schönste virtuelle Paris der Videospielgeschichte sieht, ist man für vieles entschädigt und  freut sich auf die stundenwährenden Entdeckungstouren, die man während der gut 20 Stunden Spielzeit unternehmen kann.

Die Storys der Assassin’s Creed-Teile können mich zwar seit Ezios erstem Abenteuer nicht mehr fesseln, das ist jedoch Geschmackssache und auch ein Stück weit Abnutzungserscheinung. Fest steht, dass die Charaktere von Unity glaubwürdiger und sympathischer konstruiert sind als in vielen Vorgängerteilen und ihre Geschichte motiviert am Ball zu bleiben.

Spielereisch tut Unity das Aufbohren des Schwierigkeitsgrades in Kämpfen gut, da es zur Folge hat, dass man sich öfter wie ein Assassine als wie Rambo aufführt und versucht, unentdeckt zu bleiben. Dabei offenbaren sich aber leider immer mal wieder kleine Zipperlein in der Steuerung, die einem nicht das Gefühl gibt, der uneingeschränkte Herrscher über die Aktionen des junge Arno zu sen.

8.2