Einloggen

Lost Password

BattleTech

„War does not determine who is right - only who is left“

Mit diesem sehr philosophischen Zitat von Bertrand Russell(*) wagen wir den Sprung ins Jahr 3025 in dem die Galaxie in einem Kreislauf des ewigen Krieges gefangen ist, der von adligen Häusern mit riesigen, mechanisierten Kampffahrzeugen namens BattleMechs geführt wird.
Battletech spielt im fiktiven Universum des gleichnamigen Rollenspiels, das in den 80er Jahren von Ross Babcock III. und Jordan Weisman erschaffen wurde und führt uns in einen Bürgerkrieg. Geführt wird dieser von Lady Arano, der legitimen Herrscherin der Territorien von Aurigan Reach. Pikant: Madame Arano wurde am Ende eines schnellen Putsches abgesetzt und jahrelang für tot gehalten.

Unsere Aufgabe: Als Chef einer Söldnertruppe schließen wir uns den Rebellen an, um die Macht der Arano-Familie wiederherzustellen und den Planeten Reach wiederzuerlangen.

Der Ausgang dieses Szenarios ist keineswegs festgelegt. Um an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten: ein tiefes System von Dialogen ermöglicht es, die Richtung der Kampagne auf der Grundlage der Persönlichkeit, die wir dem Protagonisten zu Beginn des Spiels einhauchen, zu lenken.

A Hero is born

Eine Gesellschaft von Söldnern zu führen ist jedoch leichter gesagt als getan. Mechwarriors – fancy Name für die Piloten haben den Blick für das Wichtige. Sie scheren sich nicht um den ewigen Ruhm, noch um das Schicksal von Reach. Alles, was sie brauchen ist ein monatlicher Scheck, um ihr Konto zu füllen.

So ist es auch klar, dass wir uns hin und wieder in der Rolle eines Managers finden. Die Verwaltung der militärischen Gruppe, Kosten für Instandhaltung und Erweiterung der Argo (das Mutterschiff) und die Einnahmen aus Missionen, die in verschiedenen Ecken der Galaxie durchgeführt werden, erledigt sich nicht von alleine. Das Salär als treuer Soldat kann sich sehen lassen, wenn wir uns primär für die lukrativsten Aufgaben entscheiden und die Missionen ohne große Unkosten (Schaden am Schiff etc.) vollenden.

BattleTech

Nachdem wir unseren Helden erstellt haben, wählen wir Geschlecht und Vergangenheit. Hier offenbart sich eine ungeahnte Stärke des Titels: Die gewählte Vergangenheit hat Einfluss auf künftige Dialoge. Die vier Säulen unseres Charakters „Gunnery“ , „Piloting“, „Tactics“ sowie „Guts“ bleiben ebenfalls nicht unbeeinflusst davon. Kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass die kleinen Cutscenes mit gut designten Dialogen in Schrift und Ton leider nur auf Englisch verfügbar sind. Sobald du eine Gruppe von vier Söldnern aufgestellt hast und bereit bist, einen Job anzunehmen, schaltet BattleTech auf eine Bodenkartenanzeige um. Die Bewegung über die Karte erfolgt über eine einfache Point-and-Click-Schnittstelle, wobei die beweglichen Punkte in einer Art Augmented-Reality-Raster markiert sind.

Kenner werden schnell merken: Battletech erinnert stark an XCOM 2. Die schnelle Reise über eine Sternenkarte, (Finanz)-Management der Basis oder der Job als Sanitäter für aus dem Kampf rückkehrende Piloten – Strategie-Enthusiasten werden einen Déjà-Vu erleben. Dies ist keineswegs schlecht, allerdings ist die offensichtliche Verwandtschaft nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls die Reparatur und Optimierung der Mechs samt Ausrüstung und Zusicherung militärischer Unterstützung für feindliche Lords werden nicht weniger Erinnerungen hervorrufen.

All dies geschieht zu den Noten eines Soundtracks von Jon Everist, der sich perfekt an die Töne einer Geschichte anpasst, die das Epos eines scheinbar unmöglichen Kampfes zu seiner Stärke macht. Es ist nicht zuletzt dieser wirklich gelungene Soundtrack, der dem Treiben auf dem fernen Planeten mit seinem weitläufigen eine tolle Atmosphäre einhaucht. Entwickler Harebrained Schemes gelingt so die unerwartete Leistung, epische Kämpfe vor dem Hintergrund einer Geschichte auszutragen, die von den Heldentaten einer Handvoll Helden erzählt, die dazu bestimmt sind, die Herrschaft eines grausamen Diktators zu stürzen. Man ist fast geneigt zu sagen, die Kampagne hat die DNA eines Rollenspiels. Wem das Battletech Universum bis dato unbekannt war, der erfährt in einem Rückblick eine kurze Einführung in diese Science-Fiction-Welt. Für Neueinsteiger der Serie gibt es BattleMechs in einer Vielzahl von Formen und Größen, die alle in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt sind: leicht, mittel und schwer. Leichte Mechs rasen um das Schlachtfeld, tragen Kleinwaffen und halten ihre größeren Brüder auf Trab. Schwere Mechs, beladen ordentlichen Wummen machen das Leben schon etwas schwerer. Alles, womit sie ausgestattet sind, von Kühlkörpern bis hin zu riesigen Langstreckenraketenbatterien, ist vollständig anpassbar.

BattleTech

Die Kosten des Krieges

Ich behalte gerne den Überlick und habe es deswegen vorgezogen, aus der Vogelperspektive zu spielen. Der Titel lässt uns aber auch die Option nah ans Geschehen heranzukommen. Dies geschieht mithilfe einer speziellen Kamera, die für bestimmte Aufnahmen und Zoom-Ins aufgerufen wird.

Je nach Typ und Bewaffnung eignen sich verschiedene Tag Teams aus Mensch und Maschine. “Vindicator“ mit einem guten Waffensystemen im Fernkampf wird zum Beispiel von jemandem mit hohen Werten in „Gunnery“ und „Tactics“ verstärkt. Dies optimiert die Trefferwahrscheinchkeit und Reichweite. Der „Shadow Hawk“ hingegen zeichnet sich durch viel Schaden im Nahkampf aus. Dieser wird durch smarte Kombination mit einem hohen Ranking in „Piloting“ nochmals verstärkt. Die Optionen sind bei bei diesen Charakterwerten vielfältig. Die Skills lassen sich für jeden Piloten durch Erfahrungspunkte erhöhen. Und falls man mit dem Job eines Piloten nicht zufrieden sein sollte, gilt der alte Wirtschaftsgrundsatz: Konkurrenz belebt das Geschäft. Auf unserer Odyssee durch die Galaxis bieten viele Söldner ihre Dienste an.

BattleTech

Gerade für mich als Casual Gamer, der sich gerne mit Controller und Jogginghose auf die Couch lümmelt, ist Steuerung immer ein Thema: Klar, dieser Titel ist für Maus und Tastatur geschaffen und eine wirkliche Controller-Unterstützung verlangen wir ja auch nicht. Allerdings ist der größte Vorzug von Maus und Tastatur die Präzision, mit der sich Elemente steuern lassen. Hier fällt jedoch ein kleines Manko auf: Die Routenwahl per Maus fühlt sich manchmal ein wenig hakelig an. Außerdem ist das ein oder andere Sprungmanöver recht abenteuerlich geworden, da es sehr tricky sein kann das Ziel richtig zu fixieren. Wie dem auch sei – einiges gefällt wirklich gut. Lobenswert ist beispielsweise die zerstörbare Umgebung: Wenn ein BattleMech über Zäune flaniert, hinterlässt er eine Spur der Verwüstung und sogar Bäume biegen sich. Ab und an runzeln wir die Stirn über einen Zwerg von Panzer, der es vermag monumentale Bauwerke dem Erdboden gleichzumachen.

 

Die rundenbasierten Battles machen wirklich Laune. Außerdem verleiht die Entwicklung der MechWarrior und das Ausrüsten der BattleMechs dem Titel ein Element, welches langfristig motivieren kann. Weniger erfreulich ist, dass der tollen Kulisse und stimmigen Atmosphäre (Soundtrack!) einige Textur-, Kamera- sowie FPS-Probleme dazwischen grätschen. Trotz der vielfältigen Dialogoptionen bleibt die Story im Ganzen aufgrund vieler vorhersehbarer Abläufe nur Mittelmaß.

Liebe Kinder, wir dürfen eines nicht vergessen: Ursprünglich ist BattleTech ein rundenbasiertes Strategiespiel. Harebrained Schemes gelingt es, die Essenz Tabletops der alten Schule einzufangen und mit Mechaniken und Elementen der neuen Schule ala XCOM zu kombinieren – das macht Laune und gab es vorher so auch noch nicht. Chapeau!

Weitere News und Reviews findet ihr hier.

Positiv

  • solides Storytelling
  • gelugener Soundtrack!
  • freie Reise auf Sternenkarte
  • Rollenspielelemente in Kampagne
  • eigener Charakter mit Hintergrundstory
  • brachiale Zerstörungen
  • Verschiedene Klassen an BattleMechs

Negativ

  • recht vorhersehbare Story trotz vieler Dialogoptionen
  • einige seltsame KI- Manöver
  • FPS-Probleme
  • Kamera-Probleme
7

Von der PSone großgezogen, kann aber aufgrund von Talent und übermäßiger Empathie auch auf ziemlich allen Plattformen sinnvolle Beiträge leisten // Student und seit 2015 bei gamers.de, weil er da hilft wo er kann.