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Blue Reflection im Test – Gefühle über Gefühle…

In Blue Reflection schlüpfen wir in die Rolle von Schülerin Hinako, deren großer Traum Balletttänzerin zu werden durch eine Knieverletzung jäh zerstört wurde. Nun befindet sie sich deshalb ärgerlicherweise nicht in der Spezialklasse, sondern im regulären Kurs der Hoshinomiya Girls High School. Schon am ersten Tag an ihrer neuen Schule bemerkt Hinako, dass hier etwas nicht stimmt, als sie mitten im Gespräch mit einer Schülerin in eine Parallelwelt, das sogenannte Common gezogen wird.  Das Common stellt die manifestierte Gefühlswelt von Personen da, mitsamt ihrer Sorgen und Ängste. Zwei hilfreiche Stimmen, die sich später als unsere Klassenkameradinnen Yuzu und Lime entpuppen, verhelfen uns auf den richtigen Weg. In der Parallelwelt gibt es nämlich zahlreiche Gegner alias Dämonen, die uns zu Leibe rücken. Sie stellen negative Gefühle wie Trauer und Wut dar.

Ausgestattet mit einem schicken Ring können sich sowohl Yuzu und Lime, als auch wir uns selbst in leicht bekleidete Magical Girls verwandeln. Als sogenannter „Reflektor“ können wir uns bewaffnet mit einem blau leuchtenden Schwert fortan gegen die Monster wehren. Während unserer Verwandlung merkt Hinoka außerdem, dass ihre Knieprobleme wie weggezaubert zu sein scheinen. Die größtenteils weißen, im Matrosenstil gehaltenen Kleider der dreiköpfigen Truppe erinnern optisch stark an die der Kriegerinnen für Liebe und Gerechtigkeit, zumal Yuzu noch zwei Zöpfe und ein Zepter ihr eigen nennt und sogar Posen der Mondprinzessin mimt.

In der Parallelwelt Common ist es unsere Aufgabe Emotionsscherben einzusammeln, um die Gefühlswelt der Trägerin unter Kontrolle zu halten. Um eine Scherbe zu finden, muss sowohl in Haupt- wie auch Nebenmissionen meist ein bestimmter Gegner bezwungen oder kleinere Gegenstände zuerst aufgesammelt werden. Haben wir eine Scherbe gefunden, so verbindet sich Hinoka mit ihr und kann die momentane Verfassung der Person besser nachvollziehen. Diese Schlüsselmechanik muss im Spiel bei Konflikten mit anderen stets wiederholt werden. Finden wir mehrere Scherben einer Person nämlich nicht, so soll dies zu einer negativen Persönlichkeitsveränderung führen, was es zu vermeiden gilt. Aber auch eine egoistische Motivation treibt Hinoka immer wieder ins Common, denn Yuzu und Lime haben ihr verraten, dass sie einen Wunsch erfüllt bekommt, wenn sie die Bosse des Common, die „Saphiras“ im Zaum hält.

Scherben über Scherben

Die Scherbe selbst ist uns auch in den Kämpfen von Nutzen, da sie einem Charakter zugeteilt dessen Angriffe verstärken oder heilende Effekte hervorrufen kann. Diese können wiederum verstärkt werden, indem wir im Common fleißig Gegenstände sammeln und die Scherben damit „aufrüsten“. Kämpfe selbst sind in Blue Reflection rundenbasiert. An einer im oberen Bildschirm angeordneten Leiste erkennen wir, wer als Nächstes dran ist. Wir können uns zwischen normalen Standardattacken oder auch Zaubern die MP verbrauchen als Angriff entscheiden. Manche unserer Attacken können Gegner durch ein Knockback auch am Angriff hindern, indem sie den jeweiligen Feind auf der Zeitleiste weiter zurücksetzten. Außerdem können Attacken normal, effektiv oder uneffektiv gegen bestimmte Gegnergruppen sein, wodurch sie eben mehr oder weniger Schaden anrichten. Alles in allem gehen Kämpfe jedoch gemütlich vonstatten, in Bedrängnis kommen wir so gut wie nie, da nach einem erfolgreich absolvierten Kampf alle HP und MP wieder aufgefüllt werden.  Stundenlanges Grinding hat sich in Blue Reflection also eigentlich erledigt.

Neben der Zuordnung von Scherben kann auch jeder Charakter selbst individuell angepasst werden. Beim Aufleveln erhalten wir Attributspunkte, die sich auf Stärke, Heilung, Verteidigung usw. verteilen lassen. Völlig frei können wir entscheiden, wen wir zum Kämpfer und wen zum Heiler ausbilden, oder ob wir lieber drei krasse Tanks unser eigen nennen wollen. Durch die Emotionsscherben können verschiedene Effekte dann noch verstärkt oder Schwächen ausgeglichen werden. Es steckt also durchaus Tiefgang im Gameplay, nur hat man als Spieler manchmal das Gefühl, das dieser nicht viel Auswirkung hat.

Probleme über Probleme

In Schlachten verbringen wir vergleichsweise wenig Zeit, da sich die Story hauptsächlich als Light-Novel in Hinakos High-School abspielt, in der sie ihren Alltag mit verschiedenen anderen Mädchen verbringt. Gespräche sind lang und handeln meist von Teenagerproblemen wie der ersten Liebe, Neid und Shopping, wobei die Situationen schon bei Nichtigkeiten manchmal eskalieren. Zudem können wir uns noch Chatverläufe ansehen, die Hinako mit ihren Mitschülern schreibt, aktives Antworten ist aber nicht drin. Manchmal wollen Charaktere nach der Schule noch etwas Zeit mit uns verbringen, Zielort und Gesprächsthema sind allerdings auch hier immer vorgegeben. Zu Hause angekommen können wir ein Bad nehmen, in Gedanken schwelgen oder mal ein bisschen lernen, viel passieren (Außer, dass man Hinako regelmäßig nackt sieht) tut dann aber doch nicht. Der Vergleich zu Persona liegt in einigen Bereichen Nahe, nur ist der Titel Blue Reflection leider in den meisten Punkten überlegen.

Grafisch ist der Titel zwar kein Meisterwerk aber durchaus solide und immer knuffig-süß umgesetzt. Teenie-Mädels, knappe Kleidung, viel Pink und süße Kuscheltiere gepaart mit allerlei Glitzer und Attacken á la „Strawberry Comet“, wie man sie sehr gut aus Shojo-Mangas und -Animes kennt, sind nicht jedermanns Sache aber trotzdem auf ihre Art sympathisch. Auch die verschiedenen Areale des Common müssen sich nicht verstecken. Die einfallsreichen, fantasievollen Gebiete machen die manchmal sehr einfachen gehaltenen Leveldesigns wieder wett. Eine gelungene Synchronisation, die leider nur bei der Hauptstory wahrzunehmen ist, gibt es in Japanisch, Übersetzung liest man in englischen Untertiteln. Leider wird das Ganze durch wenig ansprechende und immer wieder abspielende monotone Sounds untermalt. Hier hätte ein wenig Abwechslung dem Titel nicht geschadet.

Meinung über Meinung

Alles okay, aber auch alles nicht so aufregend … Blue Reflection leistet sich zwar keine großen Schnitzer, weder storytechnisch noch im Gameplay, weist aber auch keinerlei Besonderheit auf. Die meisten Mechaniken gibt es in dieser Form schon, meistens dann auch noch einen Tick besser umgesetzt. Die Grundidee ist generell nicht schlecht; dem Spieler soll die Empathie gegenüber seiner Mitmenschen vermittelt werden, was auch Hinoka erst nach und nach erlernen muss, nur sind sie einfach etwas fad inszeniert. Die niedliche Grafik ist in Ordnung, Schauplätze durchaus ansprechend. Egal was wir in den Kämpfen anstellen, verlieren werden wir so oder so nicht und auch die Modelle der Dämonen selbst sind nicht bedrohlich oder schrecklich, wie man es von Gefühlen wie Zorn und Depressionen erwarten würde. Die Lippensynchronität ist manchmal nicht genau abgestimmt und die Hintergrundmusik meistens immer dieselbe. Ein paar optische Schwierigkeiten ergeben sich bei der Laufanimation von Hinoka: beim endlosen Durchqueren des Schulgebäudes habe ich immer wieder das Gefühl, das die Schrittgröße einfach nicht passt. Obwohl Hinoka sehr schnell zu gehen scheint, kommen wir nur extrem langsam voran. Auch müsste nicht bei jedem Schritt das Bein sichtbar durch den Faltenrock hindurch stechen. Als großer Sailor Moon Fan stört es mich zudem etwas, dass hier sehr viel geklaut wurde. Wenn ihr auf ein etwas ruhigeres Persona gewartet habt, bei dem ihr über den ein oder anderen Makel hinwegsehen könnt, ist Blue Reflection aber trotzdem noch eine gute Alternative.

    Positiv

    • Kein Zeitdruck wie zum Beispiel in Persona
    • Grafik an für sich sympathisch
    • Liebenswerte Charaktere
    • Vermittlung von Empathie als guter Ansatz

    Negativ

    • Sehr sehr ruhig und langatmig
    • Sounds auf Dauer immer dieselben
    • Nicht viel zu tun
    • Keine Neuheiten in Punkto Gameplay oder Spielmechanik
    • Relativ anspruchslose Kämpfe
    6.5

    Von

    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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