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Call of Duty: Black Ops 3 – War never changes – oder doch?

Von Ole Oetjen am 2. Dezember 2015

Multiplayer-Action bis zum Abwinken, ein knüppelharter Zombiemodus und eine, nein zwei(!) umfangreiche Kampagnen. So viel Umfang hatte ein Call of Duty bisher noch nie. Aber ist Quantität auch gleich Qualität?

Serienverweigerer aufgemerkt!

Wenn ein neues Call of Duty in die Redaktionsräume geflattert kommt, stellt sich beim gemeinen Redakteur ein ähnliches Gefühl ein wie bei einem FIFA-Release. Klar man freut sich darauf zu spielen, aber gleichzeitig fragt man sich auch was man noch Neues in einem Review schreiben könnte. Frei nach dem Motto „War never changes“ gehört es mittlerweile schon zur Popkultur, Call of Duty vorzuwerfen, es würde sich nie weiterentwickeln – Kennste einen Teil, kennste sie alle. Dieses Mal hat sich Entwickler Treyarch aber tatsächlich mal etwas getraut und wartet mit einer Story auf, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient.

Leih‘ mir mal deinen Arm!

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Black Ops 3 setzt auf Spezialistenvielfalt

Die Geschichte beginnt 2065. Offensichtlich haben unsere Klimakonferenzen COP21 und co. wie befürchtet keine Früchte getragen, denn die globale Erwärmung führte zu Flutwellen, Überschwemmungen und der Zerstörung ganzer Städte. Vor diesem Setting streiten die beiden Parteien CDP und WA um die knappen Ressourcen der Erde.

Unseren namenlosen, aber kommunikativen Helden verschlägt es nach Äthiopien auf eine Rettungsmission. Dabei gehen wir jedoch gründlich baden und verlieren unsere beiden Arme. Jetzt könnte man meinen, dies sei das Ende für einen Shooter, aber weit gefehlt! Urplötzlich befinden wir uns in einem fahrenden Zug und unser neuer Befehlshaber Taylor friert die Zeit ein. Hä? Er erklärt, dass er uns eine neuronale Schnittstelle eingepflanzt habe. Ein sogenanntes DNI. Er selbst besitze ebenfalls eines und so könne er sich nun in unserem Verstand bewegen.

Ist das noch CoD?

Klingt irgendwie kompliziert? Ist es auch! Aber wir wollen an dieser Stelle nicht mehr verraten, um die Story nicht zu spoilern. Denn tatsächlich hat man sich mit dieser überdurchschnittlich viel Mühe gegeben. Die elf Missionen erzählen eine recht komplizierte und zum Teil wirre Geschichte. Und da liegt auch ein bisschen der Spoiler-Hund begraben. Denn vieles muss man sich selbst zusammenreimen und dabei immer im Hinterkopf behalten, dass man seinen eigenen Sinnen nicht so ganz trauen kann. Denn im Jahre 2065 hat die Digitalisierung der Welt einen Höhepunkt erreicht und man hat endgültig durchblickt, dass Sinneseindrücke auch nicht mehr sind als elektronische Impulse interpretiert vom eigenen Gehirn. Daran werden wir schon in der ersten Stunde des Spiels erinnert und auch im weiteren Verlauf, wenn wir uns beim Durchstöbern fremder Erinnerungen auf einmal in einem von vergangenen CoD’s nur allzu vertrauten Setting wiederfinden. Call of Duty erzählt seine Geschichte tatsächlich intelligent. Das ist ein Satz, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er meinen Fingerkuppen mal entfleuchen würde. Und nach Abschluss der Kampagne wartet auch noch eine unerwartete Überraschung – Hut ab!

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Feuergefechte wie man sie von der Serie kennt und liebt!

Spielerisch sind die einzelnen Missionen ebenfalls gelungen. Zwar sind die berüchtigten „Moorhuhn-Passagen“ immer noch ein Teil der CoD-Formel aber ganz ehrlich: Es hat schon seinen Grund warum wir Alle Ende der 90er wie besessen auf Jagd nach dem Federvieh gegangen sind: Es macht einfach Spaß. Darüber hinaus stimmt aber bei BO III aber auch die Balance zwischen ruhigen und Bombastmomenten. Letztere sind ein wenig zurückgefahren worden im Vergleich zu den Vorgängern – über zu wenig Action wird sich dennoch niemand beklagen können.

Statt auf Schlauchlevel setzt CoD nun auf weitläufige Areale, die immer zwei bis drei mögliche Wege anbieten, um zum Ziel zu kommen. Je nachdem welcher Weg gewählt wird kann man, zugegeben rudimentär, sneaky vorgehen oder im herkömmlichen modus operandi. Die Wege unterscheiden sich auch darin, welche Gegner uns vor die Flinte laufen. Natürlich unterscheiden sich die Varianten nicht tiefgreifend aber für eine Serie, deren Leveldesign bis vor kurzem noch wie auf Schienen aufgebaut war, ist dies durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Die „neue Freiheit“ hat jedoch den kleinen Nachteil, dass die Respawnpunkte manchmal nicht nachvollziehbar, weil in Mitten von Gegnerhorden, gesetzt sind. Apropos auf dem richtigen Weg sein: In BO3 gibt es keine Endlos-Respawns der Gegner mehr – halleluja!

Neues Handwerkszeug

Um im Tohuwabohu der Schlacht die Übersicht und das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, haben wir eine Reihe neuer Fähigkeiten spendiert bekommen. Dank unserer Cyber-Verbesserungen und einer Schubdüse auf dem Rücken parcouren wir in bester Titanfallmanier per Doppelsprung und Wallrun durch die Level. Auch die „Powergrätsche“ a la Destiny fehlt nicht.

Freund und Feind lassen sich leichter unterscheiden, indem wir bei Dunkelheit entweder die Wärmebildkamera aktivieren oder die äußerst nützliche computerunterstütze Perspektive wählen, die Gegner und feindliche Granaten optisch hervorhebt.

Wir können also gut manövrieren und den Feind identifizieren – fehlt da nicht noch etwas? Genau, der Angriff! Mithilfe drei unterschiedlicher Cybercores, die man sich wie verschiedene Talentbäume vorstellen kann, möchte BO3 die Waffengefechte etwas auflockern.

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Mit den Gravity Spikes werdet ihr noch häufiger Bekanntschaft machen…

Der Chaoscore setzt auf direkten Schaden am Gegner, während der Martialcore eher Schleichfans ansprechen soll. Der Controlcore schließlich setzt darauf, die gegnerischen Waffensysteme und Roboter für sich kämpfen zu lassen. Durch Stufenaufstieg schalten wir nacheinander Fertigkeiten durch erspielte Tokens frei. Diese werden allerdings so inflationär vergeben, dass wir keine Schwierigkeiten haben alle drei Cores schnell aufzuleveln, sodass wir vor jeder Mission wählen können, welche Vorgehensweise im nächsten Einsatz wohl die beste wäre. Von diesem Feature sollte man sich beileibe nicht den Einzug von Rollenspielelementen versprechen. Nicht jede Fähigkeit ist perfekt durchdacht und nützlich – irgendwann hat man sich auf zwei bis drei Fertigkeiten eingegroovt. Aber als kleine Abwechslung ist das System in einem Shooter durchaus willkommen.

Ein Multiplayer, der die Bezeichnung verdient hat

Ihr seht – der Singleplayer hat dieses Mal durchaus seine Berechtigung und verschwindet nicht in der Bedeutungslosigkeit. Der Löwenanteil der Spielstunden ist aber nach wie vor im Multiplayer abzuleisten. Und dieser ist unerbittlich. Wenn dies der Beginn eurer CoD-Karriere sein sollte, stellt euch auf flinke und gut reagierende Gegner ein und viele letzte Plätze bevor ihr richtig mithalten könnt. Anfänger werden zwar durch viele Belohnungen und Level-Ups bei der Stange gehalten, dennoch muss man sich zunächst an die sehr rasche Abfolge von virtuellen Toden gewöhnen, bevor man sie als Teil des Spielkonzepts akzeptiert. In diesem Moment verliert euer Rage-o-Meter ein wenig an Fahrt und die Formkurve zeigt nach oben – hier heißt es einfach: Dranbleiben!

Der neuen Bewegungsfreiheit der Charaktere tragen die kompakten Maps durch zahlreiche Möglichkeiten Rechnung, Wallruns durchzuführen, die uns wie auf „Breach“ neue taktische Möglichkeiten offenbaren. Gleiches gilt auf „Hunted“ – dadurch, dass unsere Spezialisten schwimmen können, sind auch Überraschungsangriffe aus dem kühlen Nass heraus möglich. Mit etwas Übung, zum Beispiel im dafür geschaffenen Freerunmodus, ergibt sich bald ein schöner Flow auf den Maps. Im Gegensatz zu Titanfall ist bei BO3 jedoch leider nicht jedes Gebäude zu besteigen und auch die dynamischen Kartenereignisse aus Call of Duty: Ghosts fehlen. Diese Einschränkungen empfanden wir im Test jedoch nicht als solche, sondern sorgen viel mehr für die Stringenz, für die CoD-Matches stehen.

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Es steht wieder einiges an Waffen zu Verfügung!

Und so stehen wir den Gegnern in 11 verschiedenen Modi gegenüber. Klassiker wie Team-Deatchmatch, Free-for-All und Capture the Flag fehlen dabei ebenso wenig wie Abschuss, Hardpoint oder Uplink. Als Neuzugang kommt „Safeguard“ hinzu. In diesem Modus müssen wir von der Ki gesteuerten Roboter zerstören, bzw. als sein Verteidiger agieren. Safeguard ist eine schöne Ergänzung zu den bisherigen Matcharten. Meistens wird aus den Begegnungen jedoch eine Sequenz aus Stellungskämpfen, die recht stupide ist.

Abseits vom herkömmlichen Multiplayermodus, bietet Black Ops 3 noch den kooperativen Zombiemodus. Bis zu vier Spieler sind hier Rücken an Rücken unterwegs, um Wellen von Untoten und Dämonengestalten abzuwehren, gemeinsam zu überleben und – so Gott will – einen Ausweg aus der Bredouille zu finden. Bisher gibt es hier erst ein Szenario namens „Shadows of Evil“. Es wird jedoch einiges an Übung und vor allem eine gute Koordination im Team erfordern, bis ihr hier mehr als eine Handvoll Runden übersteht. Die Unterweltbewohner sind erbarmungslos und stellen hohe Anforderungen an die menschlichen Überlebenden.

You’re special!

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Der Zombiemodus stellt die wohl größte Herausforderung des Spiels dar.

Die Kontrahenten auf den Maps unterscheiden sich nun nicht mehr nur durch ihre verschiedenen Bewaffnungen und Killstreaks sondern auch in ihrer Klasse. Nach und nach schalten wir neue Spezialisten frei, bis wir die Wahl aus 9 Akteuren mit jeweils 2 Sonderfähigkeiten haben. Diese funktionieren ähnlich wie die Super in Destiny. Nachdem sich die Angriffe aufgeladen haben, entfesseln wir so verheerende Attacken, decken Gegner in der Umgebung auf, werden für kurze Zeit unsichtbar, etc. Keines der Specials sorgt für einen dauerhaften unfairen Vorteil und es macht Spaß mit den verschiedenen Charakteren herumzuexperimentieren – so wir denn schon einen gewissen Skill erreicht haben und uns nicht kurz nach Aktivierung des Superangriffes umpusten lassen (wie gesagt, bleibt am Ball Freunde!)

Fazit:

Nach dem Spielen von Black Ops 3 musste ich einige meiner Vorurteilsstrukturen ummodeln. Die Kampagne des neuen Call of Duty überrascht durch Umfang und interessantes, wenn auch wirres Storytelling und vermittelt am Ende sogar einen hohen Wiederspielwert – Durchspielen lohnt sich definitiv! Und auch an einen Splitscreenmodus hat man gedacht – mit Black Ops 3 schafft Treyarch es, dass ich selbst Offlinespielern empfehlen würde, mal in dieses Call of Duty hineinzuschnuppern.

Aber auch die Online-Gemeinde wird sich über diesen Teil der Serie freuen. Zwar hat man sich recht offensichtlich bei der Konkurrenz (Titanfall, Destiny) inspirieren lassen, aber dagegen spricht nun beileibe nichts, wenn dadurch das eigene Spiel besser wird. Auch Hardcore-Spieler werden mit dem Zombiemodus und einem schlagkräftigen Squad reichlich Freude haben!

Positiv

  • toller Sound
  • deutlich verbessertes Leveldesign
  • abwechslungsreichere Gefechte
  • (zwei) interessante Kampagnen!
  • hervorragender Multiplayer- und Zombiemodus

Negativ

  • wirres Storytelling nicht für jeden etwas
  • ab und zu matschige Texturen
  • teils unkluge Checkpoints
  • Multiplayer frustrierend für Einsteiger
9