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Crash Bandicoot: N. Sane Trilogy – Crash mit der Vergangenheit

Wer Mitte der 90er stolzer Besitzer einer PSone war, kennt ihn. Was Jahre zuvor nur ein feuchter Traum einiger Nostalgiker war, wurde nun real. Auf der E3 2016 war es so weit: Während der Sony Presse Konferenz ertönte der ikonische Theme der Serie um den Beuteldachs. Es wurde ein von Grund auf frisches Remastered der ersten drei Teile der Crash Bandicoot Reihe angekündigt. Eines ist sicher: Schon damals als Halbstarker hat mir Crash Bandicoot N. Credibly gut gefallen. Viel mehr: es ist ein Stück Weltkulturerbe und Kindheit. Trotz der guten Vibes und aller Nostalgie, die der Beuteldachs bei mir erweckt, bemühen wir uns folgende Frage ernsthaft zu stellen: Wird die N. Sane Trilogy unseren hohen Erwartungen gerecht oder crashen alle schönen Erinnerungen der Vergangenheit?

Man sieht es dir nicht an!

Als halbstarker Lausbub hielt ich es als DAS erste Spiel meiner Videospielkarriere in der Hand: Crash Bandicoot 1. Ohne es an diesem Zeitpunkt schon zu erahnen, sollte dieses Meisterwerk aus dem Hause Naughty Dog meine Zukunft vor dem Ofen (PSone) – zum Leidwesen meiner Eltern – nachhaltig prägen. Und jetzt, rund 20 Jahre später, noch mal als Crash durch die hübsch aufgefrischten Levels zu jumpen erinnert mich an zwei Dinge. Erstens: Auch ich werde älter. Zweitens: Wie konnte ich einen Tag in meinem Leben verstreichen lassen, ohne dieses großartige Meisterwerk zu huldigen? Das Paket der N.Sane Trilogy kommt mit allen drei Crash Teilen der 90er um die Ecke: Crash Bandicoot 1, Crash Bandicoot 2: Cortex Strikes Back und Crash Bandicoot: Warped. Drei in einem und eins gilt für alle Drei: Charaktere, Leveldesign und Umgebung und alle Cutscenes stehen zeitgenössischen Plattformern der PS4 in nichts nach. Ich kann fast nicht anders als das zu sagen, was jede Ü40 Dame dahinschmelzen lässt: Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an! Die Entwickler Vicarious Visions bleiben true to the roots und lassen das originale Gameplay von damals nahezu unberührt und wir wissen: Es kann erbarmungslos sein!

Pack ein das Ding’!

Als ich die N.Sane Trilogy zum ersten Mal eingelegt habe, musste ich nicht lange nach meinen Erinnerungen suchen. Es fühlte sich an, als ob ich selbst durch eines der Portale im Warp-Room gelaufen und kurz 20 Jahre in die Vergangenheit gereist wäre. Ungelogen: Der Titel Crash Bandicoot 1 beispielsweise fühlt sich exakt so an wie früher. Nur besser, schöner und genauso schwer. Wer glaubt, er sei der Herausforderung und dem Schwierigkeitsgrad der Level schon lange entwachsen, der irrt gewaltig! In manchen Passagen ist es schwer mit einem Leben hinzukommen – grade für Ästheten wie mich, die im ersten Versuch alles an Äpfeln, versteckten Gems und Bonusleveln mitnehmen wollen! Man ist fast geneigt zu sagen: Sterben war nie so schön wie hier! Crash in vielen lustigen Arten sterben zu sehen hat auch schon in den Originalspielen einen gewissen Teil des Charmes ausgemacht. Ob von einer fleischfressenden Pflanze erwischt, ein Rendezvous mit einer Kobra oder einfach der Sturz in den Abgrund –  immer wieder einen Schmunzler wert!

Auch wenn es fast überflüssig ist, es zu erwähnen, muss man an dieser Stelle einfach die Optik des Titels hervorheben. Alle drei Titel sehen bombastisch aus! Gegner und auch sonstige Flora und Fauna wurden von Vicarious Vision auf Hochglanz poliert, gleichzeitig bleiben Sie ihrer 21-Jahre alten Vorlage treu. Vielmehr: Manche Gegner wirken noch cartoonartiger. Die Zwischensequenzen sind auch rundum erneuert worden. In den Originalen, die ich mir vergleichsweise auch noch einmal zu Gemüte geführt habe, fallen vor allem die dürftige Synchronisation und abgehakten Bewegungen der Charaktere auf. Aber wer will der Technik aus den mid 90ern da wirklich einen Vorwurf machen? Auch hier setzte Vicarious Visions an und verlieh den Protagonisten wie Dr. Neo Kortex (unserem Erzfeind und Schöpfer) durch bessere Bewegungs- und Mimik-Animationen viel mehr Persönlichkeit. Man erinnere sich an die Anfangsszene des ersten Teils, als N. Brio mit Dr. Neo Cortex im Labor spricht. In der NsaneTrilogy mit den aufpolierten Zwischensequenzen zeigt der gute alte Brio nun viel mehr nervöse Ticks. Des Weiteren die Szene als Cocos Batterie abraucht – nun haut sie frustriert auf ihre Tastatur. Kurzum: Die Optik hat sich radikal verbessert, was mit der zeitgenössischen Hardware wohl auch kein Wunder ist. In Sachen Gameplay dürfen wir uns allerdings die Frage stellen, ob das Spielgefühl von damals eine Renaissance erlebt. Wie schon erwähnt, alle 3 Titel spielen sich wie ihre großen Brüder der PSone – ist das ausreichend?

Precision is the key      

Als halbstarker Lausbub, geboren Anfang der 90er habe ich das Glück, perfekt in die Crash Bandicoot Ära rein gewachsen zu sein. So wurde ich langsam an das Spielgefühl herangeführt und vermisste – zumindest zunächst – keine Fähigkeiten wie den Doppelsprung oder den Bauch-Platscher. Crash Bandicoot 1 lebte von seiner Einfachheit, was man nach heutigen Maßstäben vielleicht als primitiv bezeichnen würde. Ich tue dies aber nicht und sage lieber: Am ersten Ableger hat der Zahn der Zeit am meisten genagt.

Cortex Strikes Back schließlich hat dann das Schieben, die Crash-Hocke und das schnellere Tempo eingeführt. Jetzt kann man sich sicherlich vorstellen, dass Spieler, die mit diesem Teil ihre Crash-Karriere starteten und somit an diese Mechaniken gewöhnt sind, beim Spielen des ersten Teils etwas vermissen. Der Debüt-Titel fühlt sich deutlich langsamer an. Das Entscheidende ist jedoch, dass sich Sprünge und deren Präzision nicht unter den Ablegern unterscheiden. Stellenweise hatte man das Gefühl, Gegner und Sprunginstrumente sind etwas ungünstig platziert und so endete der ein oder andere Sprung doch im Nirwana.

Um vom wohl frustrierendsten Aspekt des ersten Crash Bandicoots zu sprechen, genügt eigentlich ein Wort. Edelsteine. Natürlich ist es für einen neurotischen Crash Bandicoot Fan wie mich unabdingbar das meiste aus den Spielen herauszuholen. Mag heißen: 100% gibt es nur, wenn man alle Edelsteine gesammelt hat. Hierzu ist das Zerstören aller Kisten jedes Levels nötig – klingt einfacher, als es ist. 

Um wirklich alle Kisten eines Levels zu erwischen, ist es teilweise nötig, Edelsteine aus anderen Levels auf geheimen Pfaden aufzuspüren. So trivial dies klingen mag, mein Weg zu dieser Erkenntnis führte über Try&Error. Unzählige Male habe ich Level im Stile eines Bombenspürhundes rauf und runter abgesucht, um am Ende festzustellen, nicht alle Kisten eingesackt zu haben.

Cortex Strikes Back und Warped sind hier etwas gnädiger zu uns. Hier verrät uns bereits die Level-Auswahl, dass ein farbiges Juwel notwendig ist, um den geheimen Bereich mit einem geheimen Juwel zu erreichen. Crash Bandicoot hingegen muss man oft Edelsteine aus späteren Level erhalten, um die Pfade zu den verbleibenden Boxen freizuschalten. Wie gesagt: frustrierend.

Um ehrlich zu sein, war es sehr erfrischend, als ich den ersten Teil endlich abgeschlossen habe und mich Cortex Strikes Back widmen konnte. Jetzt wusste ich auch endlich, was ich die ganze Zeit vermisst hatte: Crash bewegt sich endlich schneller und mit der Crash-Hocke (wie ich sie nenne) und der Fähigkeit zu Rutschen wird das Gameplay um einiges facettenreicher. Endlich war es auch möglich, alle Edelsteine beim ersten Spielen der Level zu erhalten. Durch Kristalle schalten wir nun die Levels einer Welt frei, die wir in beliebiger Reihenfolge spielen können. Dennoch gibt es auch hier Feinde und Widersacher, deren Platzierung sich irgendwie ungünstig anfühlte – so kam es auch hier zu der ein oder anderen Begegnung mit dem obersten Krankenpfleger (teils auch gerechtfertigt).

Crash Bandicoot 2: Cortex Strikes Zurück macht vieles besser als sein Vorgänger. Um dieser Logik zu folgen, müsste Crash Bandicoot: Warped die Krone der Schöpfung aus dem Hause Naughty Dog sein.. nur ist das auch wirklich der Fall.

Die Antwort kurz und knackig: Ja! Warped spielt sich ähnlich wie Cortex Strikes Back, bis auf ein paar Unterschiede. Warped überrascht uns mit den für diesen Teil typischen unkonventionellen Levels wie dem Motorradrennen, Tauchen und auch die Lüfte im Stile des roten Barons mit einem Flugzeug unsicher machen. Während die Flugstunden kurz und knapp abgehandelt wurden, waren die Levels in denen Crash seine Rocker-Ader auf der Harley entdeckt schon sehr frustrierend. Wenn man außer Acht lässt, dass wir uns gegen Konkurrenten in einem Auto durchsetzen müssen, die genauso schnell sind wie wir, ist es vor allem das Handling unseres Harley-Ofens, der mich früher und sowie heute, zur Verzweiflung gebracht hat. Auch wenn ich zwei Anläufe für meinen Fahrradführerschein gebraucht habe, da ich anfangs die Existenz von Stoppschildern nicht tolerierte, kann ich mittlerweile sagen, dass ich ein ziemlich fähiger Rider bin. Rough Rider – virtuell und im wirklichen Leben. Umso unnatürlicher fühlte es sich an, kaum Kontrolle über Crash und sein Bike zu haben. 

Crash Bandicoot: Warped kommt mit mehr Innovation um die Ecke als seine Vorgänger. Erfolgreiche Bosskämpfe werden nun mit einem Upgrade belohnt. Ob Bauch-Flop, Crashs  bessere Sprintfähigkeit oder die Schockwelle – all diese Elemente machen den Titel um einiges facettenreicher als Cortex Strikes Back und vor allem Crash Bandicoot. Für mich eine der entscheidendsten Neuerungen, weil durch die neue Schnelligkeit von Crash in gewisser Weise ein Bogen der Vergangenheit und zeitgemäßem Gameplay geschlagen wird. Die neu eingeführten Zeitrennen, die in jedem Level verfügbar sind, stärken den Wiederspielwert auch nach Absolvieren der 100% immens. Hier gibt es nun auch Online-Bestenlisten, um sich weltweit mit Crash-Fanatikern zu messen. Je nach Performance werden wir mit den Reliquien Saphir, Gold und dem unglaublich schwierig zu bekommenden Platin belohnt. Damit aber nicht genug: Wenn man in Warped einige Reliquien abgestaubt hat, belohnt uns die N. Sane Trilogy. Aber so richtig. Die Time Trials sind nun auch in Crash Bandicoot und Cortex Strikes Back verfügbar. Ein kleines, aber unglaublich spaßiges Novum, wie ich finde. Somit schafft es Vicarious Visions auch indirekt den Wiederspielwert der Vorgänger zu erhöhen, was die oben erwähnten Kritikpunkte schon etwas schmälert.

Ach, wenn wir grade schon von gelungenen Neuerungen sprechen: Crash ist nicht mehr der einzige spielbare Charakter. Auf der PSone war Coco in Warped auch in einigen Levels spielbar. In der N. Sane Trilogy hat Vicarious Visions Coco aber eingeladen, auch mal in ein paar anderen Schauplätzen ihr Unwesen zu treiben. Um genau zu sein, sind dies so ziemlich alle Level, die wir normalerweise mit Crash bestreiten. Kein Geniestreich – aber trotzdem schön zu sehen, wie sich die Entwickler hier dem Zeitgeist der Gleichberechtigung anpassen. Gelebte Emanzipation. Sie kommt sogar mit ihrem eigenen Siegestanz um die Ecke![

    Fazit

    Erfüllt die Nsane Trilogy ihre Erwartungen an alle Crash Bandicoot-Ästheten und solche, die es werden wollen? Ja, ja und nochmals ja. Auch wenn wir über das ein oder andere Altersgebrechen des ersten Crash Bandicoot die Stirn runzeln und auch Cortex Strikes Back und Warped ein paar kleinere Kunstfehler haben, haben diese Meisterwerke aus den 90ern nichts an ihrem Charme und Witz verloren. Vicarious Visions hat wirklich einen tollen Job gemacht und verspricht mit der Begrüßung im Anfangsmenü nicht zu viel: Eine Begegnung mit der Vergangenheit. Wir verneigen uns.

     

    Positiv

    • einzigartiges Gameplay
    • exzellente Optik
    • verbesserte Cutscene
    • Time Trials
    • HD Sound und Grafik

    Negativ

    • teils ungünstige Gegnerplatzierung
    9

    Hybrid aus PSone & PC als childhoodexperience, kann aber aufgrund von Talent und übermäßiger Empathie auch bei so ziemlich allen Plattformen sinnvolle Beiträge leisten // Student und seit 2015 bei gamers.de, weil er da hilft, wo er kann.

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