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Dark Souls 3: Ashes of Ariandel – Kurzurlaub im Norden

Von Ole Oetjen am 8. November 2016

Ein vorletztes Mal bekommen Dark Souls 3 Fans neuen Content spendiert. Ob Ashes of Ariandel neben dem Reiz des Neuen mehr zu biete hat, lest ihr im folgenden Test.

Mit Ashes of Ariandel ist es doch so wie mit jedem Dark Souls. Nach zahlreichen unterhaltsamen, frustigen, euphorischen und in jedem Fall zahlreichen Stunden kam man zum letzten Boss des Haptspiels und schickt ihn in die ewigen Jagdgründe. Euphorisiert startet man noch in derselben Nacht das New Game +, zockt noch ein bisschen und merkt nach ein paar Stunden, dass irgendwie die Zeit fehlt, sich ins NG+ zu verbeißen.

Monate danach kommt der DLC und man merkt: Au weia. Ich habe schon wieder den gleichen Fehler gemacht und muss nun nicht nur den DLC im New Game + spielen, sondern auch noch das Hauptspiel in erhöhtem Schwierigkeitsgrad um überhaupt zum Eingang des neuen Bereichs zu kommen.

Hey, ab in den Norden

Denn wie üblich bei From Software ist der DLC nicht über ein Menü zugänglich. Stattdessen macht man sich in den bereits bekannten Arealen auf die Suche nach Abweichungen oder neuen Portalen. In Dark Souls 3 sollte man sich in der Nähe der Kapelle der Läuterung genauer umschauen und erlangt so Zutritt zur Gemalten Welt Ariandel, die sich Veteranen wie eine Mischung aus den Gebieten des Dark Souls 2 DLC „Crown of the Ivory King“ und einer großen Portion Ariamis aus Dark Souls 1 vorstellen dürfen.

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Frischer Sauerstoff oder der Tod – was erwartet uns hier?

Eine lange, verwitterte Hängebrücke mit einer Kapelle auf der anderen Seite. Stimmungsvolle Landstreifen aus Eis und Schnee. Ein kleines Dorf am Fuß eines Berges und starrgefrorene Körper am Wegesrand. Dies sind die Zutaten, aus denen sich das überraschend kleine Gebiet in Ashes of Ariandel zusammensetzen. Wer sich im Hauptspiel bis in den hohen zweistelligen Levelbereich gekämpft hat, sollte am meisten Spaß in den nördlichen Gefilden haben. Denn wie üblich wird die Welt leider nicht von Schmusekatern bevölkert.

Kennen wir uns nicht…?

Stattdessen möchte uns alles in Ashes of Ariandel umbringen: wikingerähnliche Soldaten, die an Skyrim erinnern, Krähenungetüme, monströse Insekten, Wölfe und Baumnymphen die uns in eine tödliche Umarmung ziehen wollen. Sicher sind wir nirgends. Teilweise sogar in ziemlichen Anhäufungen, sodass wir ohne vorsichtiges Pullen von Gegnern bald eine ganze Armee auf unseren Fersen haben.

Auch wenn das Gegnerdesign wieder absolut top ist, muss From Software ein bisschen aufpassen, dass man nicht irgendwann nur noch selbst zitiert. Gerade die Insekten und Krähendämonen kommen uns von ihrem Verhalten und Pattern her schon sehr bekannt vor. Die Handvoll neuer Gegnertypen schafften es also nicht uns nachhaltig zu beeindrucken. Immerhin sind die 16 neuen Waffen im Spiel das Durchkämmen von Ariandel wert. Gerade im PvP eröffnen diese zum Teil interessante Spielstrategien.

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Wölfe. Von der Sorte erwarten uns hier so Einige!

PvP als „neues“ Feature

Gegen andere Spieler zu kämpfen hatte in Dark Souls schon immer etwas Mystisches. Ein fremder Schatten aus einer anderen Welt entstieg dem Boden und ein unerbittlicher Kampf um Leben und Tod entbrannte. Häufig mit Stil und Etikette. Ab und zu jedoch auch durch unehrenhaftes Herumgerenne und unerwünschtes Heilen gekennzeichnet – in einem Duell wird sich eigentlich nicht geheilt!

Nachdem ihr in Ashes of Ariandel jedoch die Überreste eines Bosses verbrennt, dürft ihr erstmals eine PvP-Arena betreten! Neben der Möglichkeit hier gezielt gegen bestimmte Spieler antreten zu können, bietet die Arena auch Optionen zur Definition des Wunschduells. Beispielsweise ob Heilitems gestattet sind oder nicht. Außerdem sind auch Schlachten 3 vs. 3 oder Jeder gegen Jeden möglich, sodass man sich ein wenig an die Beta zu For Honor erinnert fühlt. Als Trainingsmodus für erste Erfahrungen im PvP oder als Härtetest für erfahrene Duellanten ist die Arena eine tolle Ergänzung zum Hauptspiel.

Mehr wäre nett gewesen

Reinen PvE-Spielern wird Ashes of Ariandel hingegen kurz vorkommen. Das neue Areal ist zwar sehr offen gestaltet und in sich gut und nonlinear designed, aber eben nicht sehr groß. Nach ca. 4 Stunden könnte die Reise für manche Spieler schon wieder beendet sein. Dies ist, auch im Vergleich zu den vorherigen DLCs von From Software, recht wenig. Denn trotz des Preises von immerhin 15 Euro wird hier weniger geboten als bei den DLCs zu Dark Souls 2 a 13 Euro. Vom legendären DLC Artorias of the Abyss für 10 Euro ganz zu schweigen.

Das wichtigste in Dark Souls sind für mich die Bosskämpfe. Keine Unterstützung rufen sondern so lange den Gegner studieren und Anrennen bis zum unweigerlichen Triumph. Ashes of Ariandel bietet leider nur zwei neue Bosse. Zwei. An keiner anderen Zahl wird für mich deutlicher, dass dieser DLC zu klein ausgefallen ist als an dieser einsamen Zwei.

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Einen größeren Part in der Lore spielt dieser kecke Ritter.

Der erste von Beiden wird zudem nicht in die Top 50 der Souls-Bosse einziehen. Auch wenn die Lore hinter ihm zu gefallen weiß, ist das Bossdesign und der Kampf als solches nichts Besonderes im Souls Universum. Ich hatte viel mehr das Gefühl als sei mit der heißen Nadel schnell ein Bosskampf gestrickt worden.

Im krassen Gegensatz dazu ist der zweite Bosskampf in Ashes of Ariandel denkwürdig und schafft es in meine persönliche Top 10 der Lieblingsbosse in Dark Souls. Ein fordernder, mehrstufiger Kampf der einer gelungenen Inszenierung folgt. Auch hier erfahren Veteranen zwar keine Innovation des Bossdesigns. Jedoch funktioniert die Schlacht auf allen Ebenen und hinterlässt den Spieler mit dem wohlig warmen Gefühl des Erfolgs in der Brust.

Fazit:

Ich bin normalerweise kein großer DLC-Spieler. Nach dem Ende der Kampagne schafft es kaum ein Spiel – The Witcher 3 ausgenommen – mich noch einmal für eine weitere Runde zu motivieren. Bei Dark Souls ist das freilich etwas anderes. Dadurch, dass ich die Lore nur sehr oberflächlich verfolge und meistens einen recht stupiden Strength-Build verfolge, fällt der Wiedereinstieg nicht schwer und ich freue mich auf jeden neuen DLC. Das Kämpfen bereitet mir einfach immer (noch) Freude.

Ashes of Ariandel lässt mich nun etwas zwiegespalten und ein wenig enttäuscht zurück. Viele Ideen des DLCs wirken recycled und einer der beiden Bosse konnte mich so gar nicht aus den Schuhen heben. Zudem ist der Umfang für einen Souls-DLC unerwartet gering. Mit meinem NG+ Charakter war ich in weniger als drei Stunden schon wieder am Ende der Freude angelangt und ich bin alles andere als ein Speedrunner.

Auf der anderen Seite passt spielerisch mal wieder alles zusammen und der letzte Boss ist wahrlich eine Wonne. Für PvP-Spieler gibt es zudem endlich eine richtige Arena, was den Multiplayer-Part in Dark Souls sehr schön ergänzt. Wer PvP in Dark Souls schätzt, wird eine sehr viel höhere Meinung zu Ashes of Ariandel pflegen als ein reiner PvE-Spieler. Und so enttäuscht ich über den mageren Umfang in der Kampagne war, so eindeutig zeigt mir dieses Gefühl auch, wie viel Spaß ich wieder hatte und wie gern ich mehr gehabt hätte!

Positiv

  • Schönes, offenes Gebiet
  • Fantastischer Bosskampf
  • Neue PvP-Arena

Negativ

  • "Story" endet sehr abrupt
  • nur zwei Bosse(!)
  • allgemein geringer Umfang
7.5