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Darkest Dungeon (Switch) – Gestatten, gelangweilter Gutsbesitzer

Was macht ein reicher Herrenhaus-Besitzer, dem es an nichts mangelt und der eigentlich zufrieden sein Dasein fristen könnte? Genau – er gräbt aus Langeweile so lange in der Gegend herum, bis die abgrundtief bösesten Mächte zum Vorschein kommen und das Land und deren Einwohner heimsuchen. Und wer darf das jetzt ausbügeln? Richtig – wir. Dass wir dabei so gut wie keine Chance haben – Nebensache.

Die Steuerung des Grauens …

Die beiden entweder unglaublich mutigen oder aber völlig wahnsinnigen Gefährten Reynald und Dismas sind die Ersten, die sich ihren Weg durch überlange komplizierte Textlawinen und unbarmherzige Gegner durch das Tutorial hindurch zum Herrenhaus schlagen. Dabei wird sehr viel erzählt, nur wenig davon hilft uns weiter. Was unsere Fertigkeiten genau bringen, oder dass wir unsere Helden am besten je nach Klasse an unterschiedlichen Stellen im Team platzieren, wird erst mal getrost übergangen. Außerdem sind die Schriftarten teilweise enorm unleserlich und gerade im Handheldmodus so klein, dass sich echte Schwierigkeiten beim Lesen ergeben. Zu allem Übel liegen die Untertitel des sehr authentischen Erzählers noch so ungeschickt über dem Menü und der Karte, dass man den Weg oft nicht mehr erkennen kann. Und dann wäre da noch die Unfähigkeit Aktionen auszuführen, sobald der Erzähler oder unsere Schützlinge was zu sagen haben. Außerdem ist die Steuerung doch äußerst fummelig. Während im Handheld Modus via Touch alles noch gar nicht so schlimm ist, müssen wir uns beim Controller mit ungünstigen Tastenbelegungen und Kombinationseingaben herumschlagen, die einem allein schon einen Schauer über den Rücken jagen.

Nur die Harten …

Im Dorf angekommen bleiben unsere beiden Helden nicht lange allein, denn nach und nach stoßen immer mehr Verrückte zu uns. Darunter Pestdoktoren, Nonnen, Aussätzige und Grabjäger, alle ausgestattet mit individuellen Fähig- und Fertigkeiten. Bis zu vier dieser wackeren Krieger können wir in ein Dungeon-Abschnitt mitnehmen. Die Teamzusammenstellung sollte dabei immer wohl überlegt und der Gegend angepasst sein, denn unsere Schützlinge ziehen ansonsten schnell den Kürzeren – und wer einmal Tod ist, der wird auf dem Friedhof zur ewigen Ruhe gebettet.

Auf der Übersichtskarte können wir verschiedene Orte auswählen, in denen jeweils diverse Aufgaben auf uns warten. Bei manchen Quests sollen wir die Lokalitäten erkunden, bei anderen wiederum die Gegend von Monstern säubern. Später müssen wir Medizin sammeln, Artefakte zerstören oder Bossgegner besiegen. Dabei sollten wir uns nicht allzu sehr auf die Level-Einschätzung des Spiels verlassen. Manche Erkundungstouren gestalten sich angenehm und wir kommen ohne Zwischenfälle gut voran, andere sind gespickt mit Fallen und Monsterüberfällen. Zudem sind wir auch hier wie immer vom Pech verfolgt. Unglaublich oft laufen unsere Angriffe in den rundenbasierten Kämpfen ins Leere, wohingegen Gegner ständig kritische Treffer landen. Alle Aktionen, ob erfolgreich oder nicht, werden dabei inszeniert, als wäre es der Mörder-Spezial-Angriff. Auf Dauer sind diese Überinszenierungen leicht nervig und langweilig, da sie auch viel Zeit kosten. Heilfähigkeiten heilen unverschämt wenig Lebenspunkte und können die gegnerischen Angriffe in keinster Weise ausgleichen. Nach ca. zwei kritischer Treffer befinden wir uns an der „Schwelle des Todes“, unsere Lebenspunkte sind also Null. Wird der Gefährte jetzt nicht geheilt, stirbt er. Chancen, einen Todeskandidaten zu heilen, gibt es selten, denn oftmals sind die Gegner drei Mal hintereinander am Zug und besiegeln somit unser Schicksal. Aber nicht nur die Monsterschaaren machen uns das Leben schwer, sondern auch das nicht vorhandene nötige Kleingeld. Ohne teure Fackeln, Schaufeln, Gegengifte, Bandagen und Nahrungsmittel wird es nämlich ebenfalls ein kurzer Ausflug.

Und so kommt es, wie es kommen muss. Wir ziehen ein ums andere Mal in die Schlacht und müssen vorzeitig abbrechen, um unsere Gefährten nicht dem sicheren Tod auszusetzen. Haben wir Glück, finden wir zumindest etwas Geld – meist ist dies aber nicht der Fall und unser Erspartes neigt sich zusehend dem Ende zu. Ein Teufelskreis entsteht.

Bist du etwa schon wieder krank???

Zudem kommt erschwerend hinzu, dass sich die Helden in den Kerkern immer wieder mit Krankheiten anstecken oder unter dem Stress, dem sie in den Dungeons ausgesetzt sind, zusammenbrechen. Krankheiten müssen gegen viel Geld im Sanatorium behandelt werden. Verzweifelte Rekruten verweigern Befehle, agieren unberechenbar oder lassen sich aus Mistrauen nicht einmal mehr heilen. Zum Stressabbau müssen sie verschiedenen Aktivitäten im Dorf nachgehen, dem Hub, zu dem wir nach jeder Erkundungstour zurückkehren. Manche bevorzugen das Kloster zum Beten, andere wollen lieber in der Bar trinken. Während der „Erholungszeit“ stehen die Gefährten dann nicht für Erkundungstouren zur Verfügung. Je nach Vorlieben und Neigungen hat die gewählte Aktivität mehr oder weniger Stressabbau zur Folge. Aber natürlich gibt es noch mehr Nachteile: Nicht nur, dass das Ganze unheimlich teuer ist und manchmal der gewünschte Platz vom Verwalter besetzt ist, die Dorfbewohner kommen auch nicht immer am nächsten Tag zurück. Da werden Liebschaften im Bordell gefunden, zu tief ins Glas geschaut um weiterzukämpfen oder eine Pilgerreise unternommen, um sich selbst zu finden.

Persönlich konnte ich erst ein Dungeon erfolgreich abschließen, als sich ein positives Dorfevent ereignete und einer meiner Helden zudem positiv auf Stress reagierte, was sehr selten vorkommen kann. Und plötzlich lief es besser. Die Helden bekamen weniger Stress, stiegen Stufen auf und auf einmal waren die nachfolgenden Dungeons fast schon lächerlich einfach. Dann, ein verlorener Kampf, ein einzelner Rückzug und das Desaster beginnt von vorne. Auch unterscheiden sich die Bossgegner doch sehr im Schwierigkeitsgrad. Während der Nekromantenlehrling ein vergleichsweise einfaches Ziel abgibt, sieht das beim Schweineprinzen schon ganz anders aus – obwohl der angepriesene Schwierigkeitsgrad derselbe ist. Haben wir ein bisschen Glück und unsere Helden endlich gut genug für die anstehende Quest trainiert, macht uns das Spiel den nächsten Strich durch die Rechnung. Hochrangige Helden können nämlich keine „leichten“ Missionen mehr bestreiten. Nach dem Grund gefragt geben sie an, es wäre „unter ihrer Würde“. Und so müssen wir wieder mit den untrainierten Schlappschwänzen vorlieb nehmen, die wie Fliegen im Dungeon fallen.

 

Held tot – Nachfolger gesucht

Mit gesammelten Erbstücken lassen sich die Einrichtungen des Dorfes verbessern. Da mehrere Helden regelmäßig verhindert und der ein oder andere auch gestorben ist, sollten wir die Kutsche regelmäßig aufwerten. Damit schaffen wir mehr Platz im Team und erhöhen die Auswahl an rekrutierbaren Gefährten. Auch viele andere Gebäude im Dorf profitieren von Investitionen. In der Taverne, dem Sanatorium und dem Kloster können beispielsweise mehr Plätze frei geschaltet oder die Behandlungskosten gesenkt werden. Auch die Effektivität von Stressabbau und der Heilung von Krankheiten wird so erhöht. In der Gilde können die Fähigkeiten unserer Helden verbessert, in der Schmiede die Rüstung optimiert werden. Auch die Helden selbst benötigen ab und zu eine Generalüberholung. Je nach Charakter und Erfahrung auf Reisen bilden die Helden nämlich sogenannte Ticks aus. Diese können positiv oder negativ ausfallen. Negative Ticks können dazu führen, dass Helden alles plündern, was sie sehen, weniger Resistenz gegen bestimmte Angriffe oder Gegner aufweisen oder nur noch eine spezielle Art zum Stressabbau genutzt werden kann. Da manche negativen Ticks kaum auszuhalten sind, müssen sie im Sanatorium für ein kleines Vermögen beseitigt werden.

Schaurig schön

Bei der Inszenierung von Darkest Dungen haben die Entwickler aber durchaus ins Schwarze getroffen. Die düstere 2.5-D Grafik veranschaulicht uns die verzweifelte Lage sowohl im Dorf wie auch im Dungeon selbst. Helden wirken wie raue, von der Gesellschaft verachtete Landstreicher und der stets hoffnungslos deprimierende Erzähler zieht die Stimmung weiter in den Keller. Der triste Soundtrack gibt dem Spiel den Rest. Die schroffen, eher ungenauen Zeichnungen erinnern stark an den Stil von „Don´t Starve“, ein Spiel, bei dem wir ebenfalls schon unzählige Male verzweifelt sind. Stimmung kommt hier auf jeden Fall genug auf.

Fazit:

Man könnte Darkest Dungeon vorwerfen, dass unter den vorgegebenen Umständen nicht wirklich Spielspaß aufkommt. Auch im leichtesten Schwierigkeitsgrad ist der Titel bockschwer, frustrierend und ziemlich unfair, zudem nicht sehr hübsch und trist. Für mich persönlich eine sehr unschöne Erfahrung, da es mir keinen Motivationsschub gibt, stundenlang neue Helden aufzuleveln und sagenhaft viel Geld in deren Ausbildung zu stecken, die dann einfach kurz an die Wand geklatscht werden. Vielleicht hatte ich auch nur extremes, dem RNG geschuldetes Pech – trotzdem unschön. Also mein Ding ist das nicht. Allerdings möchte Darkest Dungeon genau das erreichen. Und aus dieser Perspektive macht es eigentlich alles richtig. Wenn ihr also unheimlich frustresistent seid, kein Problem damit habt in Dauerschleife Helden hochzuleveln und Spaß an knallharten Herausforderungen habt, könnte der Titel auch genau das Richtige für euch sein.

Positiv

  • Schaurig schöner Artstyle
  • Fordernd und Komplex
  • Konsequent
  • Authentischer Erzähler
  • Witzige Charaktere

Negativ

  • Unfairer RNG
  • Kann unheimlich frustrieren
  • Auf Dauer wenig Abwechslung
  • Furchtbare Steuerung
  • UI des Grauens mit viel zu kleiner Schrift
  • Story ziemlich dünn
6

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de