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Die brandgefährliche Fortbewegung des viralen Zeitalters?

Die Technik schreitet in so großen Schritten voran, dass sie inzwischen auch das Gehen von uns übernimmt. Der Hype ist immens und gerade im Social Media Bereich sieht man dutzende Videos, in denen nicht nur das Board cool aussieht, sondern auch den Fahrer cool aussehen lässt. Wie so oft wurde das Ganze von einem Star gefilmt, hochgeladen und millionenfach geteilt. Der virale Wahnsinn endet zunächst gleich und zwar mit dem Satz: „Shut up and take my money!“. Ob die Krönung des Wahnsinns in teurem Spaß, heftigen Stürzen oder dem Brand in unserer Redaktion endet, zeigt unser Test.

Unbox me!

Ein ganz normaler Tag in der Redaktion, bis um 10 Uhr der DHL-Bote mit einem imposanten Paket vorbeikommt. Mein Chinesisch ist zu schlecht um die Botschaft auf der Verpackung zu entziffern, doch das Innere enthüllt die ersehnten Balancing Boards oder Balance Wheels (auf dem Markt existieren einige Bezeichnungen, welche aber alle als Synonym verstanden werden) und ein Grinsen huscht über mein Gesicht. Für rund 500 € erwarte ich einiges und werde nicht enttäuscht. Der Karton offenbart das SMART Balance Wheel, einer modischen Tragetasche für das Board, einen Schlüssel, der unser Vehikel via Bluetooth bedienen kann und eine solide Bedienungsanleitung.

Das Material

board3

Einer der vielen Farben des Boards

Alles ist natürlich in herrlichem Plastik gehalten und der Duft von giftigem Polypropylen lässt mich die Nase rümpfen. Allerdings wirkt unsere Variante vollkommen in Ordnung. Es weist keine Kratzer oder Bruchstellen auf und wirkt für den Preis ordentlich verarbeitet. Hinten finden wir den Ladeanschluss und den Einschaltknopf. Vorne und in der Mitte finden sich beleuchtete Streifen, diese zeigen beispielsweise die Erkennung der Füße oder den Batteriestatus an. Auch das funktionierte bei unserem futuristischen Zweirad einwandfrei. Auf der Standfläche befinden sich 2 Schaltflächen pro Seite, wodurch die Neigung erkannt wird und das Board wahlweise nach vorne oder hinten gesteuert werden kann. Bei gleicher und beidseitiger Belastung fährt es gerade vorwärts oder rückwärts. Neigt ihr einen Fuß stärker als den andern, könnt Ihr Kurven meistern. Im Inneren befinden sich 2 Nabenmotoren, 2 Lagesensoren, allerlei Kabelsalat und natürlich der Lithium-Ionen-Akku. Die Fernbedienung erinnert an einen Autoschlüssel und hat eigentlich nur 2 Funktionen: zum einen das ein- & ausschalten des Boards und zum anderen spuckt das Board auf Knopfdruck einen Ton aus, wofür dieser nützlich ist, bleibt mir jedoch verborgen. Getestet wurde natürlich auch, ob ich das Board in voller Fahrt mit der Fernbedienung ausschalten kann und mich das Board auf den Boden katapultiert – zum Glück ist diese Funktion mit Betreten des Vehikels ausgeschaltet.

Lies zwischen den Zeilen

Board1

Plastik überall

Nach optischen Beschreibungen und einer kurzen technischen Zusammenfassung widme ich mich der englischen Bedienungsanleitung. Auf dem Karton finden sich allerdings schon die wichtigsten Zahlen. Das maximale Gewicht liegt bei 100 kg, das minimale bei 20 kg. Selbst bringt das Board ganze 10 kg auf die Waage und ist somit nicht das leichteste Handgepäck. Laut Hersteller beschleunigt mich das zweirädrige Balance Wheel auf maximal 10 km/h, dies wurde von mir getestet und kann bestätigt werden – flott. Das Board sollte erst ab einem Alter von 14 Jahren verwendet werden und idealerweise mit geeigneter Schutzkleidung. Einige Meter später, die vom Fahrtwind geformte Frisur sitzt und ich lese weiter. Laut Verpackung kann ich 15-20 km damit fahren, abhängig von Gelände und gefahrener Geschwindigkeit. Nach einer unbestimmten Distanz – Mist, GPS-Tracker vergessen – habe ich die Batterie platt und werde mit blinkenden Lichtern und einem Alarmsignal gewarnt, ab da habe ich 15 Sekunden Zeit gefahrlos abzusteigen, bevor sich der Scooter ausschaltet. Also kommt mein Spaßmobil an die Steckdose und steht nach ca. 3 Stunden wieder vollgeladen bereit. Die Hersteller geizen in dem Manual keineswegs mit Sicherheitshinweisen, so sind mindestens 1/3 der Lektüre Warnhinweise. Zwar sind diese, wie alles andere auch, in englischer Sprache geschrieben, doch ein Piktogramm mit einem Ausrufezeichen markiert die wichtigsten Passagen, falls diese nicht verstanden werden, bitte übersetzen lassen. Vom passenden Gelände und den ersten „Schritten“ zur Nutzung über die körperlichen Voraussetzungen bis hin zu Reinigungshinweisen, alles ist vertreten – lesen schützt. An dieser Stelle sei gesagt, die Warnhinweise sind absolut ernst zu nehmen und sollten zumindest einmal gelesen und bestenfalls auch verstanden werden.

An dieser Stelle und der Vollständigkeit halber, noch alle weiteren Spezifikationen:

Model

two wheels electric scooter

Max Speed

15km/h(contain)

Distance

around 15-20km(depends on rider’s weight, road conditions etc)

Max tilt

around 20°-30°(depends on rider’s weight)

Battery

36V*4.4AH(158WH) lithium battery

highest power

500W(contain)

Using temperature

-10℃-40℃(recommending at 10℃-30℃)

Max load

100kg

Engin

350W

Charging Voltage

AC110-240V   50-60HZ

Charging Time

Around 60-120 Mins (30 Mins to 80%)

Speed Protection

10km/h(contain)-15km/h(no contain)

Low Battery Protection

when battery is lower than 10%, it will slow down and finally stopped working.

Size

584*168*178(mm)

Tyre size

170mm

weight

12.5kg

Remote start

support

Bluetooth speakers

support

power switch LED

works when turned on and keeps twinkling under protection circumstances.

Voice Alert

Beeps when turned on and has a low battery capacity

Standard

Charger , User Manual

 

They see me rollin

Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich habe mich natürlich direkt auf den Scooter geschwungen ohne alles vorher zu lesen. Ich bringe nun meine ersten Fahrversuche zu Protokoll: Der rechte Fuß steht und den Anfang stellt ein wackliges vor, zurück, vor, zurück dar. Ich und mein Fuß entwickeln langsam ein Gefühl für das Board und ich wage es. Ich stehe, beziehungsweise fahre leicht vor und zurück. Ein komplettes Stehen ist mir bis jetzt noch nicht gelungen. Ordnungsgemäß neige ich meinen Körper leicht nach vorne und das Board folgt. Langsam aber sicher rolle ich im Büro vorwärts und werde von allen Seiten bejubelt. Das Absteigen funktioniert nicht so gut und ich springe mehr oder weniger ab. Das gesamte Prozedere wiederhole ich einige Male und stehe beim dritten Mal schon nach wenigen Sekunden stabil auf dem Balance Wheel. Nach einer halben Stunde meistere ich gekonnt Drehungen, Rückwärtsfahrten und fahre mit einem breiten Grinsen durch enge Passagen im Büro. Möglicherweise liegt es daran, dass ich ein echt sportlicher Typ bin und einen recht guten Gleichgewichtssinn besitze, also lasse ich Kollegen ran. Einige zeigen keine Angst, können die Bewegungen mit beiden Füßen aber nicht gut koordinieren und fahren unkontrolliert vor und zurück und werden schließlich „abgeworfen“, zum Glück ohne Sturz und Verletzung. Andere Kollegen meistern das Board nach wenigen Anläufen und haben sichtlich Spaß.

Safety first

Es zeigt sich also eine recht zugängliche Art der Fortbewegung, allerdings auch mit recht hohem Sturzrisiko. Wie bereits oben beschrieben, ist die Kontrolle am Anfang schwer und man sollte auf die richtigen Bodenverhältnisse achten. Ich habe es auf dem Bürgersteig, der Straße und im Büro getestet, hier können leichte Schrägen, Kanten, Steinchen und kleine Unebenheiten schnell zum Verhängnis werden – Vorsicht ist geboten. Achtet man auf sämtliche Sicherheitshinweise in der Anleitung und fordert sein Schicksal nicht heraus, ist die Zahl der Personen, die so ein Teil fahren sollten, recht schnell limitiert. Hält man sich an alles und nutzt gesunden Menschenverstand, meistert man das Board recht schnell und hat eine Menge Spaß damit. Schade ist derzeit die fehlende Straßenzulassung für den europäischen Markt. Ergo, ihr dürft damit nicht auf offener Straße fahren, wagt Ihr das Risiko trotzdem und Ihr werdet erwischt, droht die Sicherstellung des Boards, eine Geldstrafe von 50 € und im schlimmsten Fall sogar der Entzug der Fahrerlaubnis.

Fazit

Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Presse derzeit nicht allzu positive Worte verliert, so sollen die verwendeten Akkus in den Scootern für einige Brände weltweit verantwortlich sein. Da diese Gefahr jedoch nicht an das Board gebunden ist und eher von den Lithium-Ionen-Akkus ausgeht und die Problematik auch nicht erst seit gestern bekannt ist, kann von jedem akkubetriebenen Gerät eine solche Gefahr ausgehen. Wobei von den Hover-Boards ausgehende Gefahr eher in der fehlenden Sichtkontrolle liegt (man müsste das Board aufschrauben) und zum anderen fehlt es den meisten an einem Überspannungsschutz. Zusätzlich ist das Sturzrisiko real und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, so erfordert besonders der Auf- und Abstieg ein wenig Übung. Natürlich könnte man argumentieren, dass Leute, die sich so ein Spielzeug kaufen auch wissen sollten womit sie es zu tun haben, aber oftmals wird eine ungefährliche Fortbewegungsart suggeriert und das ist es eben nicht ganz. Für alle anderen stellt das SMART Balance Wheel eine recht kostspielige Investition dar, zumal man offiziell nicht auf öffentlichen Straßen fahren darf, aber überzeugt mich mit dem Faktor Spaß. Ich bin auf die Nachfolgemodelle gespannt, diese erleichtern das Handling sicherlich und stellen irgendwann vielleicht wirklich die Zukunft der Fortbewegung dar. Abschließend noch ein Hinweis von mir, lest die Anleitung und haltet euch an die Hinweise.

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de