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DOOM im Test – Die Hölle wird mobil!

Wir waren alle recht überrascht, als Bethesda Mitte September die Umsetzung der 2016er Doom Version für Nintendos Switch angekündigt hat. Der nicht gerade mit rotem Dämonensaft geizende und eher traditionelle Shooter ist nicht unbedingt das, was man auf einer Konsole des japanischen Traditionsherstellers erwarten würde. Vorab: Eine mutige Entscheidung, die durchaus unseren Respekt verdient.

Eine kleine Bestandsaufnahme

Mit der Veröffentlichung im letzten Jahr, gelang es idSoftware, die etwas ins Abseits geratene Marke erfolgreich wiederzubeleben. Unser damaliger Redakteur Patrick (Grüße Richtung München!) gab dem „wuchtigen und kompromisslosen Spektakel, dass alte Tugenden wieder aufleben lässt“ mit 9 von 10 Punkten eine hervorragende Wertung und bestätigte damit die Rückkehr der traditionsreichen Serie in gewohnte Gefilde. Neben der Veröffentlichung für PC kamen auch Konsolenspieler auf PS4 und Xbox One in den Genuss der massiven Gefechte zur Befreiung des dämonenversuchten Mars.

Hier haben wir dann auch schon den Ausgangspunkt für die Switch Version. Inhaltlich hat sich nicht viel verändert, lediglich der SnapMap Editor fällt komplett weg, dafür sind jedoch direkt alle Multiplayer Modi und Maps mit an Bord. Käufer der digitalen Version müssen übrigens satte 22GB Platz freischaufeln, selbst mit physikalischer Speicherkarte kommt man um den zusätzlichen Download der Multiplayer Komponente nicht herum. Wer sich bereits eine zusätzliche microSD eingerichtet hat, ist hier klar im Vorteil.

Roter Saft auf rotem Planeten

Doom war noch nie was für zarte Gemüter, auch wenn man die ursprüngliche Version heute vielleicht mit anderen Augen wahrnimmt, das Spice in Form des roten Lebenssaftes floss bereits schon damals in Strömen durch die verwinkelte Architektur des actionreichen Shooters. Daran wurde id typisch natürlich nicht gedreht. Das Ganze im Handheldmodus der Hybridkonsole mit montierten rot/blauen Joy-Con zu spielen fühlt sich jedoch schon irgendwie etwas seltsam an. Die Konsole stand für mich – ganz subjektiv – bisher für die Nintendo typischen, eher bunten und familienfreundlichen Kuschelspiele. Diese im Prinzip immanente Jungfräulichkeit wird der Switch direkt beim ersten Start des mit harten Metal-Tönen untermalten interaktiven Schlachtfestes unwiderruflich genommen. Sobald sich die Höllentore erst einmal geöffnet haben, schließen sich diese auch nicht mehr so schnell…

Das Spiel haben wir uns zuerst im mobilen Modus zu Gemüte geführt. Die Ladezeiten sind grenzwertig in Ordnung, die Kampagne recht schnell spielbereit und auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad geht es auf in die bereits schon bekannte Umgebung. Ohne großes Tamtam stehen wir bewaffnet in den ersten Shootouts. Die Dämonen fallen dabei wie Fliegen meiner Schrottflinte zum Opfer, die via Druck auf den rechten Analogstick ausgelösten Glorykills laufen direkt und sorgen für das serientypische Quäntchen an Gore. Ein wahres dämonisches Schlachtfest, wären da nicht ein paar kleinere, direkt auffällige Defizite. Auf dem kleinen Screen ist die Schrift schlecht lesbar, quasi ein Klassiker und die Ergonomie der Joy-Con ist für die typische Shootersteuerung ergonomisch leicht suboptimal, zumindest für meine kleinen zarten Fingerchen. Wer keinen ProController besitzt – demnächst in der schicken Xenoblade Chronicles 2 Variante erhältlich, so als kleiner Hinweis – sollte sich die Anschaffung unbedingt überlegen.

Nach den ersten 30 Minuten und leichten Daumenkrämpfen an der rechten Hand geht es dann aber ab ins Dock, und während die grafische Umsetzung auf dem kleinen Bildschirm noch qualitativ recht gut funktionierte, wirkt das Ganze auf dem großen TV doch recht verwaschen und unscharf. Richtig überrascht sind wir jedoch nicht, Doom läuft auf der Switch mit 720p in einer lediglich recht niedrig gehaltenen Auflösung sowie mit heruntergefahrenen, nicht immer ganz stabilen 30 FPS. Letzteres ist leider ebenfalls ein deutliches Manko im Zielverhalten und Spielflussgefühl. Hier haben die letztjährigen Versionen ganz klar die Nase weit vorne. Das folgende Video verdeutlicht die Unterschiede:

    Als kleiner Tipp: Ich persönlich empfand das abschalten der Bewegungsunschärfe und der chromatischen Aberration in den Grafikoptionen als hilfreich. 

    Ansonsten läuft es bei Doom recht rund. Die Shootouts machen auch auf Nintendos neuestem Streich einen Heidenspaß, vorausgesetzt man stört sich nicht an der expliziten Gewaltdarstellung. Das geradlinig-direkt und trotzdem nicht langweilige Level-Design erinnert tatsächlich frappierend an das ursprüngliche Spielgefühl der Serie. Die vereinzelt auftauchenden Storyszenen dienen als optionaler Anker für das Bildschirmgeschehen, ohne dabei ausufernd oder aufdringlich zu werden. Wer darauf keine Lust hat, kann diese auch problemlos ignorieren, daran vorbeiwüten und sich voll und ganz auf das Vernichten der immer massiver werdenden dämonischen Gegner konzentrieren. Der Rest erhält bei Interesse einiges an Hintergrundinfos zum Nachlesen. Wie bereits schon Patrick in seinem Test geschrieben hat: Die Wummen und der daraus resultierende Bumms wachsen synchron mit und sorgen gegen Ende der Kampagne für ein mehr als explosives Spielgeschehen. Wobei einfach nichts über die alles vernichtende Kettensäge geht.

    Den Multiplayer Bestandteil haben wir uns übrigens noch nicht näher angeschaut, das wird in den nächsten Wochen noch etwas intensiver nachgeholt. Neben der Kampagne warten außerdem noch weitere Spielmodi darauf, von euch entdeckt zu werden. Im Kampagnen-Arcade Modus könnt ihr euch beispielsweise ganz klassisch auf die Jagd nach neuen Highscores begeben.  

    Darf ich mitspielen?

    Nach dem der technisch leider recht maue Ersteindruck erst einmal verdaut wurde, kam erneut der Respekt vor der Umsetzung zurück. Bethesda angelt hier in recht unsicheren Gefilden. Eine neue, bisher zwar durchaus recht erfolgreiche Konsole, mit einer im Vergleich zu den anderen Plattformen (noch!) recht niedrigen User Base und dazu noch eine für das Genre eher untypische Zielgruppe. Das ist erst mal kein Selbstläufer. Und während andere Publisher noch warten oder bereits schon wieder anfangen, sich zurückzuziehen, legt Bethesda erst richtig los. Mit Skyrim und Wolfenstein stehen bereits weitere potenzielle Highlights in den Startlöchern. Ein möglichst abwechslungsreiches Sortiment ist mit Sicherheit keine schlechte Sache für uns Spieler.

    Doom dürfte dabei vielleicht auch ein kleiner Schnellschuss sein, zu verdenken ist es noch nicht mal, im Kern funktioniert es auf der ganz klar weniger leistungsfähigen Hardware der Switch doch noch überraschend gut. Um ehrlich zu sein, hatte ich sogar eine Umsetzungskatastrophe erwartet, die ist definitiv nicht dabei herausgekommen. Die Hauptkritikpunkte liegen auch nicht auf dem immer noch überzeugenden Gameplay. Die niedrigere Auflösung, die für Shooter eher mangelhafte Ergonomie der Joy-Con, die kaum lesbare Schrift im Handheld-Modus und die nicht immer ganz stabilen 30FPS führen jedoch zu einer klaren Abwertung des Titels. Ein weiterer Kritikpunkt, den dürfen sich aber auch gerne andere Hersteller zu Herzen nehmen: Ca. 60 EUR Straßenpreis sind für eine Konvertierung doch recht happig, 30-40 EUR würden für etwas weniger Bauchgrummeln unseres eh schon überstrapazierten Geldbeutels sorgen.

    Zugreifen kann meiner Meinung nach jeder, der interessiert ist und Lust auf ein erwachsenes Spielerlebnis auf einer Nintendo Konsole hat. Besitzer eines potenten PCs oder PS4 / Xbox One sollten sich jedoch der technisch schwächeren Umsetzung bewusst sein. Ganz allgemein: Erwartungen etwas zurückschrauben, sich dem Spielspaß einfach hingeben und das Gemetzel genießen, dann klappt’s auch mit Doom auf der Switch.

    Abschließend noch eine kleine Anmerkung: Das Spiel hat absolut NICHTS in Kinderhänden verloren. Falls das Gerät im Familieneinsatz ist und Kinder unter 18 Jahre im Haushalt leben (FSK 18, ob es da einen Puffer gibt, darf natürlich jeder selbst entscheiden, der Empfehlung sollte man jedoch durchaus folgen), versteckt die Speicherkarte und lasst es nicht offen zugänglich herumliegen. Der Grad an gezeigter, wenn auch virtueller, Gewalt ist nicht von schlechten Eltern.

    Update: Der gute Karsten (bekannt aus unserem Podcast, schon reingehört?) hat mich noch auf die Jugendschutzeinstellungen hingewiesen. Macht natürlich mehr Sinn, als die Speicherkarte zu verstecken!

    Positiv

    • wunderbar actionreiches Gameplay
    • simples, ehrliches Spielprinzip
    • Rückkehr einer Traditionsserie
    • mutige Umsetzung
    • spaßige Spielmodi und Extras
    • umfangreiche Einstellungmöglichkeiten

    Negativ

    • technisch eher mau
    • mobil nur suboptimal spielbar
    7

    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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