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Und der neue Herrscher heißt...: Bu-Ton Ma-Sching

Von Ole Oetjen am 13. März 2015

An Verstärkung mangelt es im Warriors-Franchise nicht. Während an den virtuellen Fronten tausende Soldaten pro Schlacht verheizt werden, quillen auch die Regale der Spielehändler über mit Nachschub der fernöstlichen Metzelei. Ist Empires nun Kanonenfutter oder die erhoffte Revolution?

Es waren harte Jahre. Hart ist gar kein Ausdruck – es waren höllische Jahre. Bewegte Jahre, die uns von einem gesichtslosen Offizier zum Herrscher einer Dynastie werden ließen. Nun, am Vorabend der hoffentlich letzten Schlacht schauen wir auf unser Heer hinunter. Wenn morgen alles nach Plan läuft, ist China am Ende des Kampfes vereint unter unserem Banner und es kann endlich Frieden geben. Tapfere Gesichter erwidern entschlossen unseren Blick. Unter den Offizieren sind auch unsere beiden Kinder. Verrückt, als alles losging waren wir in ihrem Alter…

So liefen meine letzten Stunden mit dem neuesten Ableger der Dynasty Warriors-Reihe, Dynasty Warriors 8 Empires, ab. Herzstück des, wenn man so möchte, Spin-Offs, ist der namensgebende Empires-Modus, der den Story-Modus ersetzt.

Geschichte schreiben

Im Empires-Modus könnt ihr euch einen der zahllosen Charaktere der Dynasty Warriors 8 Bibliothek aussuchen, um mit ihm das ultimative Ziel anzugehen: Die Vereinigung Chinas unter einem Banner. Noch interessanter wird die Sache, wenn wir den deutlich erweiterten Charaktereditor dazu nutzen, um uns einen Kämpfer ganz nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Zusätzlich designen wir außerdem noch unsere Soldaten, die Pferde, Banner oder kurzerhand einfach ganze Szenarien selbst.

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Nun geht’s so richtig los: 50 Jahre bleiben uns, unser Ziel zu erreichen. Doch unsere Ausgangslage ist höchst variabel. Am einfachsten ist es, von Anfang an als Regent einer Provinz zu starten doch es ist auch möglich – und doch auch spannender als normaler Fußsoldat („normal“ im Sinne von: Vor mir liegen pro Gefecht Hunderte Gegner im Staub) zu beginnen und langsam in der Achtung der Noblesse zu steigen, bis wir uns entweder zu einem Staatsstreich entschließen oder der bisherige König uns seine Nachfolge anvertraut. Übrigens ein merkwürdig erhebender Moment.

Je weiter wir in der Hierarchie aufrücken (Soldat, Offizier, Präfekt, Stratege, Regent), desto größer wird unsere Verantwortung. Hier versucht Empires mehrere Spielebenen miteinander zu verzahnen. Neben den Schlachten kümmern wir uns außerdem um die wirtschaftlichen Belange des Reiches, wenn auch nur rudimentär, werben feindliche Offiziere ab, schmieden Allianzen mit benachbarten Reichen oder sorgen dafür, dass eine wiederholt angegriffene Provinz nicht an Mut verliert und weiterhin treu zu uns steht. Die Möglichkeiten sind groß bei Empires, auch wenn viele Features leider nicht ganz durchdacht sind, bringen sie doch dringend benötigten frischen Wind in die Serie.

Der Muff von 1000 Jahren

Nicht durchdacht ist leider auch der Mehrspielermodus. Player 2 ist leider nicht auf Augenhöhe mit dem ersten Spieler und darf also keine eigene Karriere beginnen. Vielmehr ist der nur der Assistent des Hauptspielers in den Schlachten. Schade. Hätte man ihn gleichberechtigt gemacht, sodass er seine eigenen Entscheidungen hätte treffen können, hätte man einen schönen Hybriden aus Risiko, Dynasty Warriors und einer Prise Banner Saga geschaffen – verschenktes Potential also!

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Das bringt uns zu Technik, die ich selbst als Sympathisant der Serie nicht verteidigen kann. Selbst auf der neuen Konsolengeneration hat man ständige Pop-Ins von Soldaten im Singleplayer und sollte man sich trauen, Koop zu spielen, kann es auch schon mal vorkommen, dass die Performance völlig in die Knie geht und ganze Häuser plötzlich aus dem Nichts vor dem Spieler erscheinen.

Fazit: Das Franchise gehörte schon immer zu meinen Guilty Pleasures. Hanebüchene Charaktere, die an die chinesische Historie angelehnt sind, schrille E-Gitarren-Soundtracks, die sich qualitativ auf einem Niveau mit der in die Jahre gekommenen Grafik bewegt und repetitives Gameplay.

Alles richtig. Trotzdem macht mir das Spiel einfach Spaß. Die Möglichkeit als Frontkämpfer, Taktiker und Herrscher eines Reichs zu fungieren ist in dieser Konstellation etwas Einmaliges und könnte auch Spielern gefallen, die ansonsten nichts mit der Serie anfangen können.

Zum Hit reicht es jedoch bei weitem nicht, da jedes Versatzstück für sich einfach nicht ausgereift ist und Skeptiker nicht wird überzeugen können.

Positiv

  • Spaßige Kampfmechaniken ...
  • Viele Charaktere und Waffen
  • Interessante Mischung aus Taktik und Action

Negativ

  • ... jedoch ohne viel Tiefgang
  • veraltete Technik
  • wirkt schnell repetitiv
6.5