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Ever Oasis – In der Wüste steppt der Bär.

„Och wie süß… und auch ein bisschen langweilig“ habe ich mir innerlich so nach den ersten Infos zum Wüstenepos Ever Oasis gedacht. Gut, dass ich mir dieses JRPG-Abenteuer Kleinod trotzdem angeschaut habe, ansonsten wäre mir doch tatsächlich ein mobiles Rollenspiel Highlight entgangen. Hätte ich mir aber auch denken können, immerhin steckt mit Koichi Ichii, dem Kopf hinter der Mana-Serie und jüngst für die 3DS Zelda-Umsetzungen verantwortlich, kein No-Name hinter dem sandigen Action-Abenteuer. Die Handschrift seines Studios Grezzo ist unverkennbar…

Rein in’s Abenteuer

Esna ist das Herz unserer Oase!

Der Einstieg kommt erst einmal klassisch und eher unspektakulär daher. Kurzgehalten: Die ersten Schritte gehen wir nach einer eher oberflächlichen Charaktergenerierung in der bereits erfolgreich ausgebauten Oase unseres königlichen Sprößling-Bruders. Natürlich lassen schicksalshafte Ereignisse nicht lange auf sich warten und das alles verschlingende Chaos zerstört auch dieses letzte Refugium, während wir glücklicherweise noch in einem letzten Gnadenakt gerettet werden.

Wer bereits das ein oder andere JRPG gespielt hat, weiß, wie es jetzt weitergeht. Mit Hilfe des Wassergeists Esna gründen wir eine neue Oase, das Chaos muss besiegt werden und die trostlosen Landschaften sollen erneut in farbenfroher Pracht erblühen. 

Schaffa, schaffa, Knospahäusle baua…

Da ist er unser erster Laden!

Nach dem Spielstart werden wir langsam in die Spielmechaniken von Ever Oasis eingeführt und räumen daher erst einmal das noch unbesiedelte Umland der Oase auf. Immerhin sollen die potenziellen Käufer von den neuen Bauplätzen auch beeindruckt sein. Als Sprößlings-Pharao Tethu steht uns dafür etwas Windmagie zu Verfügung, mit dieser lassen sich die Sandhaufen ordentlich in der Oase verteilen. Die so blitzeblank geputzte Straße führt schnell dazu, dass sich erste Siedler in unserem noch unspektakulären Wasserloch einfinden. Nach etwas Smalltalk und zusätzlich im heimischen Garten gepflückten Beeren, ist es auch schon so weit und der erste Knospen(Saft-)laden kann auf den verfügbaren Bauplätzen erstellt werden. Dieser lockt weitere Besucher an und lässt anschließend die Kassen ordentlich klingeln. Als frisch gebackener Pharao fahren wir danach natürlich eine angemessene Gewinnbeteiligung in Form feinster Tautropfen ein. Einsammeln müssen wir diese vor dem Gebäude aber noch selbst. Ohne Basis-Ressourcen läuft aber auch in den Läden nichts, wir müssen regelmäßig die Beeren ernten, später dann selbst anbauen oder von Monstern in der Wüste sammeln, damit die Gewinne auch weiter fließen und der Betrieb im späteren Verlauf ausgebaut werden kann. 

Die Siedlung gedeiht prächtig!

Dieser Spielaspekt wird im Laufe der Zeit immer komplexer, es kommen neue Läden und Management Aspekte hinzu und halten uns spielerisch stets bei Laune. Durch die eher gemütliche und an den Abenteuerpart gekoppelte Entwicklung bekommt man jedoch nicht das Gefühl durch die oftmals auch repetitiven Aufgaben überfordert zu werden. Es macht Spaß zuzusehen, wie die Oase stetig wächst und sich die Straßen mit Leben füllen.

Neben dem Ausbau der Siedlung gilt es jedoch auch, die Welt vom wuchernden Chaos zu befreien. Die im Zentrum der Oase residierende Esna versorgt uns genauso wie die Ladenbesitzer undd alle anderen Bewohner der Spielwelt mit allerlei möglichen Aufträgen.

Muss i denn, muss i denn, ins Wüstele hinaus…

Auch Kämpfe gegen größere Gegner sind an der Tagesordnung!

Der sandige Spielplatz wartet auf unsere Ankunft und bietet neben offenen Bereichen mit allerlei Gegnern auch einige Sammelmöglichkeiten. Dank des zeldasken Spielprinzips, hier spürt man die Erfahrung der Entwickler, werden einfache Angriffsmuster analysiert, ausgewichen und anschließend auf den optional markierten Gegner mit schnellen oder härteren Angriffen eingedroschen. Alles natürlich mit dem Ziel das Chaos aus der Welt zu verbannen. Da sich das Spiel auch an eine etwas jüngere Zielgruppe richtet, erwarten uns hier keine tiefroten Splattereffekte, ein kurzer Puff und aus dem fiesen, übergroßen Karnickel wird ein kleines, niedliches, gen Horizont hoppelndes Kaninchen. Natürlich nicht, ohne einen Gegenstand fallen zu lassen, mit dessen Hilfe wir entweder die Läden ausstatten oder neue Ausrüstung herstellen können.

Tautropfen wollen geerntet werden.

Im weiteren Verlauf des Abenteuers schließen sich uns immer wieder neue Mitstreiter an. Deren individuelle Fähigkeiten werden anschließend eingesetzt, um Rätsel in Dungeons zu lösen und um bestimmte Gegenstände zu sammeln. Einer kann z.B. graben, der andere baut mit seiner Hacke Mineralien ab und erreicht dank seines Speers höher liegende Schalter, um verschlossene Bereiche zu öffnen. Die Mischung macht’s und es lohnt sich, bereits erforschte Gebiete in einer anderen Gruppenkonstellation später erneut zu besuchen. Manch NPC für den wir in der Spielwelt Aufgaben erledigen besucht uns später in der Siedlung, baut einen Laden oder schließt sich einfach unserer illustren Gesellschaft an. 

Die Gebiete beeindrucken übrigens, trotz der eigentlich eher trockenen Wüstenthematik, durch ihre fantasievolle Gestaltung. Die Lichtstimmung des im Mond glänzenden Sandes ist wunderbar umgesetzt und lädt zum idyllischen Verweilen ein. Nachts sind die Gegner jedoch stärker, man sollte also vorsichtig sein, zu welcher Uhrzeit man sich außerhalb der Siedlung aufhält. Da es kein Autosave Feature gibt: Save early, save often lautet die Devise. Der Schwierigkeitsgrad ist zwar moderat und sterben steht nicht unbedingt an der Tagesordnung, wer nicht aufpasst, erleidet jedoch durchaus mal den finalen Bildschirmtod samt obligatorischem „Game Over“ Screen. Erfahrungspunkte und Levelaufstiege gibt es ebenfalls nur in der Siedlung, ein regelmäßiger Teleport und anschließende Ruhe lohnen sich. In der Spielwelt wurden auch einige, recht fair gesetzt Rückkehrpunkte in Form von Portalen positioniert. Der Spielfluss wird also nicht oder nur minimal unterbrochen. 

Muss ich in die Wüste?

Unbedingt! Wer mit dem Genre etwas anfangen kann und auf die recht klassische Abenteuer-Rätselkost steht, ist hier vollkommen richtig. Dazu kommt noch der überzeugend spaßige Aufbaupart, dieser erinnert mich übrigens an die wunderbaren Rollenspiele Dark Cloud und Dark Chronicle aus der seeligen PS2-Ära (erhört bitte endlich meinen Remake Wunsch!). Eine kleine Portion Animal Crossing und Harvest Moon ist ebenfalls mit an Bord und runden das Spielerlebnis in seiner recht einzigartigen Form ab.

Als kleiner Wermutstropfen: Die Kamera ist manchmal etwas zickig und die Nachjustierung kan im Eifer des Gefechts durchaus nervend sein. Auch der Niedlichkeitsfaktor des Titels war mir manchmal einen Ticken zu viel des Guten. Dennoch: Auf geht’s, lasst die Wüste erneut erblühen!

 

Positiv

  • wunderbare Mischung aus Aufbau und Action-RPG
  • stimmungsvolles Setting und grafische Umsetzung
  • sympathische Geschichte
  • sehr gute Einführung in die Spielelememente

Negativ

  • Design manchmal etwas zu knuffig
  • Steuerung teilweise suboptimal.
8.5

In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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