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F1 2016 – Auf der Ideallinie

Nachdem der Vorgänger aus dem Jahre 2015 eher auf geteilte Meinungen gestoßen ist, will Entwickler Codemasters nun wieder ein voll konkurrenzfähigen Boliden auf die Piste bringen. Eines vorab: Diese Mission ist weitestgehend geglückt!

Bleib aufm‘ Boden!

Der konventionelle Weg: Spiel einlegen, Ladezeit ertragen (hier wirklich erträglich) und sich durch den endlich wieder integrierten, mehr oder minder spannenden Storymode leiten lassen.

Normalerweise ist dies auch meine probate Art und Weise ein Spiel anzugehen. Diesmal sah es etwas anders aus und mein Bruder und ich griffen beide sofort zum Xbox-Controller und ließen erst mal ordentlich Gummi auf der Piste. Ich gestehe mir ein, dass er mit Abstand mehr Erfahrung und das tiefere Wissen in puncto Rennsimulationen besitzt, was nicht heißt dass ich fünfmal von ihm überrundet wurde. Vielmehr zeigten mir seine akribischen Tüfteleien  in der Werkstatt vor Beginn jeder Session, wie viele Stellschrauben es an unserem Boliden in F1 2016 gibt. Es bietet sich die Wahl zwischen vorgegeben Settings für Trockenheit und Nässe oder wir nehmen es ala Maurizio Arrivabene selbst in die Hand: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht genau sagen kann ob es nur der subjektive Eindruck ist oder ob sich Änderungen in Reifendruck, Tankfüllung, Übersetzung oder die Einstellung der Front- und Heckspoiler (Anpressdruck) in diesem F1 Ableger mehr als je zuvor bemerkbar machen. Eigentlich ist es überflüssig zu erwähnen, dass die Fahrphysik einfach sehr gelungen ist. Die in den Kurven und beim Abbremsen wirkenden G- Kräfte werden optisch sehr gut rüber gebracht. Überflüssig zu erwähnen, da der Vorgänger von 2015 ja hier auch schon vieles richtig gemacht hat. Das Fahrverhalten und unseres Wagens ändert sich je nach Setting und Wetter gewaltig, sodass bei Nässe – auch mit der richtigen Reifenwahl – durchaus Vorsicht geboten ist. Ich war natürlich nur so schnell in meinem Ferrari, weil alle Abläufe und Einstellungen im Vorfeld von mir optimal koordiniert wurden (Das mache ich mir zumindest vor). Bei kalten Reifen zu Beginn eines Rennens sollte man im Hinterkopf behalten, dass diese natürlich nicht so viel Grip haben und Übermut hier oft mit einem Kennenlernen mit den Leitplanken endet. Deshalb lieber die Reifen in der Einführungsrunde ordentlich auf Temperatur bringen. Bei abgenutzten Reifen empfiehlt es sich beim Beschleunigen aus den Kurven viel Gefühl zu zeigen. Der Teufel liegt ja bekanntlich im Detail.

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Bei Nässe ist Vorsicht geboten!

Bekannte Gesichter

Eine Neuerung, die das Geschehen auf der Piste zumindest nicht direkt betrifft, alle Formel 1 Fans trotzdem nicht kalt lassen wird, ist dass die Teamchefs und Ikonen wie Toto Wolff (Mercedes) oder Maurizio Arrivabene (Ferrari) detailgetreu nachmodelliert wurden. Va bene!

Ciao a tutti! Benzingeruch und verbranntes Gummi!

Man kann das verbrannte Gummi zwar leider nicht riechen, aber dennoch gewinnt man den Eindruck, dass Codemasters dem Geschehen neben und auch Details auf der Piste mehr Beachtung geschenkt hat. Neben neuen, hübschen Jubelszenen nach den Rennen ist auch das Safety-Car mit von der Partie. Weiterhin verleihen Features wie das manuelle Einfahren in die Boxengassen dem Titel dieses Jahr die Extraportion Realismus.

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Endlich mit von der Partie: Das Safetycar – der Mercedes AMG GT S

Natürlich kommt F1 2016 nicht ohne das offizielle Lizenzpaket um die Ecke. Ob wir nun mit dem vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel oder seinem Erzrivalen und zweifachen Weltmeister Lewis Hamilton antreten sei jedem Geschmack selbst überlassen. Jedenfalls macht es richtig Laune über die offiziellen Strecken der aktuellen Saison zu heizen, unter denen sich (zu meiner Freude) nun endlich auch der Stadtkurs von Baku befindet.

Das beste Pferd im Stall

Zu Beginn einer neuen Rennsaison muss sich jeder talentierte Formel1-Rookie der Frage stellen: Welchem Rennstall schließe ich mich an? Hier ist, wie auch wohl im echten Formel1 Geschäft, guter Rat teuer. Die Türen zu den großen Adressen wie Ferrari, Williams oder McLaren stehen uns zwar offen, allerdings sollten wir bedenken dass an große Namen wohl auch große Erwartungen geknüpft sind. So erwartet man in einem der big players unter den Rennställen bereits in den ersten Saisons Topplatzierungen von uns. Ich sehe mich eher in der Rolle des Underdogs der von hinten angreift und schließe mich der Scuderia Toro Rosso an. Nach den ersten freien Trainings und Qualifyings kristallisiert sich schnell raus, was uns bei der Stange halten soll: Das Belohnungssystem. Wir erhalten sogenannten Ressourcenpunkte, die wir wiederum in Fahrzeug-Upgrades umgemünzt werden können. Im Laufe einer Saison ist es selbstverständlich notwendig die Motorleistung, Anpressdruck oder das Chassisgewicht zu optimieren. Zugegebenermaßen keine unglaublich neue und kreative Erfindung, aber dennoch adäquat und einfach sinnvoll, da es tut was es soll.. nämlich eine  Langzeitmotivation schaffen.

Formel1 Fans dürfen sich auf einige bekannte Gesichter neben der Piste freuen!

Multitasking. Was geschätzten weiblichen Kameradinnen ja bekanntlich in die Wiege gelegt wurde, sollte für uns prospektiven Formel1-Star auch kein Fremdwort sein. Wer als Formel1-Rookie nach der Krone greifen will, muss – während es auf der Strecke heiß her geht – auch ein Ohr für seinen Renningeneur offen haben. Schlüsselwort hier: Kommunikation. Noch nie – so hat man zumindest das Gefühl – wurde soviel wert auf Strategieänderungen während der Fahrt gelegt. Wir wollen das ganze Gummi der Reifen ja nicht auf der Piste lassen, bevor wir die Ziellinie überqueren. Unsere Karriere hat so eine überraschend reizende, strategische Dimension.

Des öfteren wird man bei Rennsimulationen mit der Problematik der lächerlichen KI der Mitstreiter belästigt. Hier sei erwähnt dass die KI meiner Mitstreiter (endlich) ernst zu nehmen ist. Meines Erachtens ein wichtiger Punkt, da dies oft eine Art Sollbruchstelle bei Rennsimulationen darstellt und die Atmosphäre (zumindest für mich) völlig vergiftet. KI-Gegner sind nicht nur meine Gegner, sondern sie fahren sich auch gegenseitig ordentlich in die Kiste.

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Es geht heiß her: die KI überzeugt auf ganzer Linie

Fazit

F1 2016 macht ganz viel richtig: Egal ob der Fokus auf der Karriere liegt um in das Olymp der Formel 1 aufzusteigen und mich so in der Liste neben großen Namen wie Michael Schuhmacher oder Ayrton Senna einreihe, oder einfach ein schnelles Rennen mit meinem Lieblingsboliden über eine der detailgetreu nachmodellierten Strecken fahren will – in F1 2016 macht Formel1 auf der Konsole so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Ein kleiner Dämpfer jedoch für alle Formel1- Nostalgiker: Die Classic-Inhalte, genauso wie die Szenarien-Herausforderungen aus dem Vorjahr suchen wir vergebens. Nichtsdestotrotz lässt F1 2016 den Ableger aus dem Vorjahr ordentlich Staub fressen und erklimmt, zumindest für mich, den Thron der F1-Serie.

Positiv

  • ernstzunehmende KI
  • authentisches Fahrzeughandling
  • sehr gute Optik
  • Nachmodellierungen
  • Punktesystem

Negativ

  • fehlende Classic Inhalte
  • keine Szenarienherausforderung
8

Hybrid aus PSone & PC als childhoodexperience, kann aber aufgrund von Talent und übermäßiger Empathie auch bei so ziemlich allen Plattformen sinnvolle Beiträge leisten // Student und seit 2015 bei gamers.de, weil er da hilft, wo er kann.

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