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Factorio: Befriedigende Umweltverschmutzung

Momentan ist der Indie-Markt am boomen und ein weiterer Titel reiht sich in die Geheimtipp-Liste vieler Spieler ein: Factorio, das erste Spiel von Entwickler Wube Software, begeistert immer mehr Aufbausimulations-Fans. Warum das Early-Access-Game in jede Sammlung tüchtiger Forscher und kreativer Bauarbeiter gehört erfahrt Ihr im Test.

Gestrandet. Und jetzt?

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Wir fangen klein an

Stellt Euch vor Ihr strandet auf einem fremden Planeten. Euer Raumschiff wurde zerstört und keine Menschenseele ist bei Euch. Ihr seid allein. Was macht Ihr? Den Kopf in den Sand  stecken und nach spätestens zwei Wochen (wenn Euch nicht vorher die einheimischen Monster erwischen) einen grausamen Hungertod sterben (willkommen im Club, das ist genau das was ich in einer solchen Situation tun würde)? Oder jeden Krümel Wissen, den Ihr besitzt, nutzen um Euch ein neues Raumschiff zu bauen um den vermeintlich unwirtlichen Planeten zu entfliehen? Glücklicherweise verfügt Euer Charakter über eine Menge Wissen über Maschinenbau und einem Hang zur Industrialisierung – da fällt die Antwort auch gleich viel leichter.

Dann mal ran an die Arbeit!

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Das Crafting-Menü

Mit nichts weiter als Euren Händen und einigen wenigen Materialien (anders als bspw. Minecraft steuert Ihr Euren Charakter in der Third-Person-Perspektive) gilt es nun erstmal eine Spitzhacke zu craften um an weitere Ressourcen zu kommen. Auf den prozedural gerenderten Zufallsmaps findet Ihr schnell Stein, Kohle und Eisen- und Kupfererz, die ihr dazu benutzt einen Schmelzofen, Platten und Co herzustellen. Da Ihr alleine seid und ein großes Ziel habt, macht es durchaus Sinn Arbeitsabläufe zu automatisieren und so ist schnell der erste Bohrer gebaut, der Kohle abbaut um alle Geräte zum Antrieb mit eben dieser zu versorgen. Und wie kommt die Kohle an die richtige Stelle? Mit Fließbändern, Roboter-Greifarmen und einer Menge Aufbau-Geschick! Da Ihr, wie eingangs erwähnt, über einen Charakter verfügt, müsst Ihr ihn via den Tasten W,A,S,D über die Karte navigieren um in einem begrenzten Aktionsradius Eure Arbeit zu verrichten. Fleißige NPC-Männchen, wie in den meisten Aufbau-Simulationen üblich, gibt es nicht. Das ist ein interessanter und spaßiger Ansatz, der das Setting sehr gut zu transportieren weiß. Sind die ersten Schritte geschafft, heißt es Optimieren, Ausbauen und Automatisieren. Befeuerung via Kohle? Viel zu umständlich! Strom muss her und das zackig. Euch sind die Laufwege zu lang? Baut eine Forschungsstation um eine Reihe wichtiger Entwicklungen, wie das Auto, freizuschalten. Dafür braucht Ihr natürlich zuerst eine Produktionsstraße, die alle nötigen Ressourcen schnell und zuverlässig transportiert. In einem rasanten Tempo erweitert sich Eure Fabrik, kommen neue Produktionsketten hinzu und bieten Potential für nahezu unendlich große Manufakturen. Unendlich groß ist daher auch das Suchtpotential und ebenso rasant geht die Zeit beim Spielen von Factorio vorbei. Findet Ihr einen Fehler oder wollt einfach etwas verbessern, könnt Ihr die Gerätschaften einfach wieder demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen. Sehr praktisch!

Übrigens: Zum Aufbau-Part von Factorio gesellen sich außerdem noch Kampf- und Tower-Defense-Elemente. Denn auch wenn es keine Menschen auf dem Planeten gibt, Monster gibt es zuhauf und denen gefällt die fremde Gesellschaft mal so gar nicht. Mithilfe von Waffen und später Geschütztürmen, die Ihr mit Wällen schützen könnt, werdet ihr Herr über die Lage. Natürlich müssen auch die praktischen Geschütztürme mit Munition versorgt und ab und zu gewartet werden.

Mods, hilfreiche Community und Co.

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Unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Das rund um Factorio eine riesige Fan-Gemeinde entstanden ist, ist angesichts des hohen Spaß- und Suchtpotentials nicht verwunderlich. Auf vielen Plattformen, wie Reddit, steht die Community sich gegenseitig zur Seite und präsentieren stolz Ihre Kreationen. So alleine ist man also doch gar nicht auf dem fremden Planeten. Wem das je doch noch nicht genug ist, kann sich auch einen oder mehrere Freunde mit ins Boot holen: Factorio besitzt einen Multiplayer-Modus dank dem Ihr zusammen an Eurem Ziel arbeiten könnt. Ein großes Plus stellt auch der Mod-Support dar: Trotz Early-Access kann man schon jetzt viele praktische und kreative Ansätze und Mods finden. 

Für jeden PC geeignet

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Schon bald ist alles automatisiert

Factorio setzt auf einfache und farbarme 8-Bit-Grafik, die zwar gut zum Industrialisierungs-Setting passt, aber leider etwas zu pixelig wirkt. Vorteil hierbei ist, dass das Spiel auch auf älteren PCs ohne Probleme läuft. Tatsächlich gibt Wube Software sogar an, dass Factorio so entwickelt wurde, dass Eure Fabrik so weit ausgebaut werden kann, wie es Euer Rechner erlaubt. Keine künstlichen Grenzen oder ähnliches! Die Sound-Effects und der Soundtrack wirken stimmig und fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Etwas schneller könnte die Scroll-Geschwindigkeit sein – gerade bei großen, weitflächigen Konstruktionen kann das langwierige Gescrolle nerven. Sehr erfreulich ist auch die DLC-Politik des Entwicklers: Sie geben an, dass Factorio keine mit Kosten verbundenen Content bekommen werden. Wer das Spiel kauft, bekommt alles immer kostenlos!
Neben dem Kampagnen-Modus steht Euch noch der Freies-Spiel-Modus zur Verfügung, der wohl bei den meisten zur Verwendung kommen wird. Außerdem könnt Ihr via Editor Eure ganz eigenen Karten erstellen. Für alle Unentschlossenen gibt es sogar eine Demo, die einen ersten Einblick ins Spiel erlaubt und mit ca. 60 Minuten Spielzeit auf jeden Fall empfehlenswert ist.

Fazit

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Grau und trostlos

Ich muss zugeben, dass mich Factorio hoffnungslos überfordert hat. Wer nach dem ultimativen Aufbau-Spiel sucht, hat es hiermit gefunden, denn der Titel überraschte mich mit so einer Fülle an Möglichkeiten und Feinarbeit, die ich so noch nie gesehen habe. Wer den etwas holprigen Einstieg hinter sich bringt und sich mit den Mechaniken vertraut macht, wird bald den großen Sog von Factorio spüren und kaum mehr aufhören können zu spielen, bis wirklich die letzte Produktionskette automatisiert und optimiert ist (hat das schon Jemand geschafft? Das würde mich wundern!). Das Spiel von Entwickler Wube Software, die übrigens als 1-Mann-Firma anfing, vermittelte die Atmosphäre der sich ausweiteten Industrialisierung großartig und löste in mir schnell ein beklemmendes Gefühl aus. Trotzdem macht ich immer und immer weiter, damit auch das letzte bisschen grünes Land von den kalten Maschinen abgelöst wird.

Positiv

  • Riesiger Suchtfaktor
  • Großer Umfang
  • Mod-Support
  • Multiplayer-Modus

Negativ

  • Holpriger Einstieg
  • Grafik sehr pixelig und simpel
9

Mit zarten 5 Jahren ihre ersten Spiele durch ihren großen Bruder erlebt - Tomb Raider und Resident Evil. Seitdem mit der Gaming-Sucht infiziert. Zockt quer durch jedes Genre, liebt vor allem aber gute Storys. Hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht - studiert Intermedia Design mit Schwerpunkt Gaming und ist seit 2016 bei Gamers.de.

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