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Far Cry 4 – Die Serie schnuppert Höhenluft

Von Ole Oetjen am 24. November 2014

Das lang ersehnte Far Cry 4 ist da und nimmt uns mit in den Himalayastaat Kyrat, wo wir auf Entdeckungstour, Safari oder dem örtlichen Diktator gehörig auf die Nerven gehen können. Ob das Spiel auch noch nach Stunden begeistern kann, könnt ihr hier lesen.

 

Es hätte alles so einfach sein können. Der junge Ajay Ghale möchte seiner Mutter ihren letzten Wunsch erfüllen und ihre Asche in ihrem Heimatland Kyrat verstreuen. Aber hätte, hätte, Gebirgskette, wie man hierzulande sagt: Die Region wird vom Mo(r)de- Tyrannen Pagan Min beherrscht, der einen zunächst noch unerklärlichen Faible für Ajay hegt aber in erster Linie unbestreitbar verrückt ist.

Um seinem Gerechtigkeitsgefühl also Geltung zu verschaffen, schließt sich Ghale der Rebellentruppe Goldener Pfad an, die damals von seinem eigenen Vater mitbegründet wurde und seitdem gegen den Diktator kämpft.

 

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Doch der Golde Pfad ist zudem ein verzweigter. Die beiden Anführer Sabal und Amita sind sich uneins und stimmen in den Prinzipien des Widerstandes nicht überein. Sabal ist traditions- und wertebewusst und würde auch an der althergebrachten Tradition der Frauenunterdrückung ungern was ändern. Demgegenüber ist Amita eher fortschrittlich und möchte die Armut des Landes bekämpfen – schreckt dabei aber auch nicht vor Heroinhandel zurück.

Immer wieder muss sich Ajay zwischen einem der beiden Wege entscheiden. Diese sind dabei ausdifferenziert genug, um den Spieler vor ein moralisches Dilemma zu stellen und nicht selten wünscht man sich im Nachhinein, man hätte sich anders entschieden und sucht nur noch nach dem vermeintlich kleineren Übel bei den beiden Anführern.

So gut die Charaktere auch geschrieben sind und so sehr man sich den Kopf zerbricht, mit wem man in einer Sache mehr sympathisiert, so gering sind die Konsequenzen unserer Entscheidungen. Es ist die Crux an Open-World-Spielen, dass der Impact der Protagonisten nicht so groß sein kann, damit man auch relativ unabhängig von der Kampagne Spaß in der Welt haben kann. Daraus folgt auch bei Far Cry 4, dass sich zwar die Missionen ändern, je nachdem, ob ihr für Sabal oder Amita arbeitet. Aber im Großen und Ganzen ändert sich die Lage Kyrats kaum – auch nicht nach Abschluss der Story.

 

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Das ändert jedoch nichts an den großartigen Charakteren, die Far Cry 4 zu bieten hat. Selbst in der deutschen Lokalisierung hören wir die Synchronsprecher von Stars wie James Franco oder Jonah Hill, die den Polygonpuppen richtig Charakter einhauchen, sodass man sich auf jede Zwischensequenz freut. Einzig der Malus der manchmal fehlenden Lippensynchronität trübt in diesen Momenten die dichte Atmosphäre. Ansonsten sind die Zusammentreffen mit dem charismatischen wie verrückten Pagan Min, dem fanatischen Waffenhändler Longinus und den beiden durchtriebenen Berufskiffern Yogi und Reggie absolute Highlights des Spiels. Besonders letzteren kann man nie lange Böse sein auch wenn man ihnen beizeiten am liebsten das Fell über die Ohren ziehen würde.

Ah, wo wir schon einmal beim Thema sind: Die Jagd spielt auch in Far Cry 4 wieder eine große Rolle. Überall im malerischen Kyrat treibt sich vom Hausschwein über Wölfe bis hin zu unseren Lieblingen, den Elefanten, allerlei wildes Getier herum. Manche nehmen vor uns Reißaus, manche versuchen im Gegenzug uns zu reißen und die Elefanten können von uns sogar geritten und zu lebenden Panzern umfunktioniert werden. Das macht reichlich viel Spaß, kann aber absolut übermächtig und unfreiwillig komisch werden, wenn wir einen Schergen per Stoßzahn über die halbe Karte katapultieren.

 

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Ansonsten fühlen sich Veteranen der Serie hier ganz zuhause. Die Fauna wird gejagt, bei einem sauberen Kill per Pfeil, Bolzen oder Messer hinterlassen die Tiere doppelt so viele verwertbare Felle, und für Upgrades benutzt. So fertigt man größere Beute- oder Sprengstofftaschen, Geldbeutel oder bessere Köcher.

Ansonsten spürt man schon deutlich die altbewährte Ubisoft-Formel, die auch hinter Far Cry 4 steckt. Abgesehen von den großartigen und abwechslungsreichen Storymissionen, vertreiben wir uns die Zeit mit dem Einnehmen von gegnerischen Außenposten und Festungen, übernehmen die Propagandatürme des Feindes und sammeln uns einen Wolf: Propagandaplakate, alte Pergamente, Briefe, Tagebücher, Masken, Pflanzen und und und. An Beschäftigungslosigkeit stirbt hier bestimmt niemand. Besonderes Highlight sind die Ausflüge ins sagenumwobene Shangri-La. In diesem entrückten und unwirklich schönen Ort vertreiben wir als legendärer Krieger die Dämonen an der Seite eines Wächter-Tigers und spüren die Aura des etwas anderen Paradieses.

 

Fazit 

Far Cry 4 ist mal wieder eines der Spiele, auf die man sich wirklich freut wenn man abends Feierabend hat und nach Hause kommt. Das malerische Kyrat wird auch nach Stunden nicht langweilig und ist schon vom Setting her eine schöne Abwechslung von den Tropen- oder urbanen Welten der Open World Konkurrenz. Und auch der Sound, allen voran die tollen Sprecher und der geniale Radiomoderator saugt einen tief in die Welt des Himalaysestaates hinein.

Das Missionsdesign ist abwechslungsreich und auch die Nebenaufgaben machen Spaß. Das perfekte Spiel also?

Fast, denn wer in den letzten Jahren häufiger Spiele von Ubisoft gezockt hat, dem wird das Schema nur allzu bekannt vorkommen und Besitzer von Far Cry 3 haben eventuell für erste genug Wildtiere gejagt.

Far Cry 4 ist trotz allem ein fantastisches Spiel geworden, das besser wird, je weniger man bisher aus dem Stalle Ubisofts kennt.

Positiv

  • abwechslungsreiches Missionsdesign
  • malerische Spielwelt
  • sinnvolle Nebenaufgaben

Negativ

  • bekanntes Ubisoft Schema
8.8