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Fire Emblem Warriors im Test: Massenkompatible Massenschlachten?

 

Oh ein neues Fire Emblem? Wer alleine beim Namen Fire Emblem schon in Richtung nächster Gamesladen losrennt, dem muss ich leider den Wind ein wenig aus den Segeln nehmen. Bei Fire Emblem Warriors handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um ein Spin-Off der Serie. Konkret kämpfen wir uns hier nicht rundenbasiert durch die Welten, sondern metzeln buchstäblich tausendfach Gegner in Echtzeit nieder.

Musou? Was ist das denn?

Fire Emblem Warriors zählt zum sogenannten Genre der Musou-Spiele. Diese erfreuen sich gerade in Asien einer enormen Beliebtheit, haben aber auch hierzulande eine gewisse Fangemeinde. Bekanntester Vertreter in westlichen Gefilden dürfte die Dynasty bzw. Samurai Warriors Serie sein.

Das Spielprinzip besteht vereinfacht gesagt aus Kämpfen auf großen Schlachtfeldern, die in kleinere Sektoren eingeteilt sind. Auf dem Weg zum Levelziel kämpfen wir uns dabei durch hunderte Gegner im Hack’n Slay Stil, die von Kanonenfutter bis zum Bosskampf reichen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Schlachtfeld taktisch klug zu nutzen, seine Begleiter entsprechend einzusetzen und am Ende mind. einen Lebenspunkt mehr als der Gegner zu haben.

2014 erschien mit Hyrule Warriors ein Spin-Off, welches sich der Welt und Charaktere rund um Link und Zelda angenommen hat. Mit dem Titel traf Tecmo Koei auch den Nerv von Spielern, die vorher nichts mit den Musou-Spielen anfangen konnten und entsprechend war das Spiel auch im Westen ziemlich erfolgreich. Nicht verwunderlich also, dass man sich nun mit Fire Emblem Warriors einer anderen erfolgreichen Nintendo-Serie annimmt und sie in das „Warriors“-Spielprinzip transformiert. Ob das gelungen ist, lest ihr im folgenden Test (dieser bezieht sich auf die Switch-Version, eine Version für den New 3Ds gibt es ebenfalls):

Hübsche Anime-Sequenzen treiben die Story voran

Einstieg für Einsteiger

Musou-Spiele sind alles andere als einsteigerfreundlich. Auch wenn die Mechaniken jetzt gar nicht so tiefgreifend sind, verstand man als Einsteiger meistens Bahnhof und musste sich richtig einarbeiten. Hyrule Warriors ging da schon einen guten Weg und machte es Anfängern deutlich einfacher ins Spiel zu kommen und Fire Emblem Warriors geht diesen Weg zum Glück weiter.

Spielelemente werden nach und nach erklärt und die Karten bzw. die Schlachten nehmen auch erst langsam an Größe und Komplexität zu. Wer diesen Erklärungen aufmerksam folgt, sollte keine großen Probleme haben, sich ins Spiel und seine Mechanik einzufinden.

Die ersten Schritte machen wir auf kleinen Karten

Wo Fire Emblem drauf steht ist auch Fire Emblem drin

Relativ schnell wird klar, dass Tecmo Koei bei diesem Titel den Fanservice nicht vergessen hat. Angefangen vom Menü, über schicke Anime-Sequenzen bis hin zu 23 spielbaren bekannten und nicht so bekanntenCharakteren steckt viel Fire Emblem DNA in dem Spiel. Gut, die Story reißt keine Bäume aus, spannt sich aber nett über die Kampagne. Während dieser begegnen wir immer wieder bekannten und unbekannten Gegnern und Gefährten. Schön!

Nur Buttonmashing?

Von außen betrachtet sehen Musou Spiele immer wie stupides Buttonmashing aus. Doch was steckt hinter dem Dauergekloppe? Bei Fire Emblem Warriors doch etwas mehr. Zum einen ist eine Taktik auf dem Schlachtfeld unerlässlich. Ihr befehligt eine Gruppe von bis zu 4 Charakteren, könnt diese jederzeit direkt wechseln und/oder Befehle auf der Karte geben. Hier gilt es Stellungen zu halten, Schwachpunkte auszumachen, den Gegner in die Zange nehmen und vieles mehr. Gekämpft wird nach dem Stein/Schere/Papier-Prinzip, d.h. jeder Angriff hat einen passenden Konter bzw. jeder Vorteil einen Nachteil. Stumpfes Gekloppe mit einem Charakter führt kaum zum Erfolg. Und Teamwork ist doppelt wichtig, denn die Charaktere gehen je nach Spielstil Beziehungen untereinander ein, die man natürlich auch fördern kann.

Zum anderen gibt es ein Spiel jenseits der Schlachtfelder. In den Kampfpausen stellt ihr euer Team zusammen, investiert in Talentbäume, bastelt Waffen und Rüstungen mit einem einfachen Crafting-System und müsst einiges mehr koordinieren.

Viele Gegner, zu kleine Ingame-Karte

Viel zu tun

Neben der umfangreichen Story gibt es noch einen historischen Modus. Dieser bildet bekannte Schlachten von Fire Emblem Spielen nach (Fanservice!) und schön ist hierbei, dass die Charaktere übergreifend spielbar sind. D.h. eure aufgelevelten Lieblingscharaktere können auch hier in voller Stärke eingesetzt werden. Der historische Modus ist auch perfekt für die Runde zwischendurch auf der Couch. Ohne groß einer Story folgen zu „müssen“, kann man hier einfach mal ne 20 Minuten Schlacht spielen.

Spaß auch zu zweit?

Wer gerne im Koop spielt, der hat auch bei Fire Emblem die Möglichkeit an der Seite eines Freundes oder einer Freundin zu kämpfen. Das gilt zwar nur für den historischen Modus, aber hier sind die Schlachten nicht minder intensiv. Gespielt wird dann im Splitscreen, was zumindest am TV auch gut funktioniert.

Im Kartenbildschirm können wir unseren Einheiten Befehle geben

Und technisch?

Vorweg: das Spiel lässt sich hervorragend spielen. Egal ob im Handheld Modus, im Tabletop-Modus oder am TV mit Joycons oder Pro Pad. Im TV-Modus hat man als Spieler die Wahl zwischen 60 Bildern pro Sekunde mit weniger Details und geringerer Auflösung oder 30 Bildern pro Sekunde mit mehr Details und höherer Auflösung. Im Handheld-Modus ist das nicht möglich, hier läuft das Spiel mit 30 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm.

Charaktere und Zwischensequenzen sehen klasse aus. Auf den Schlachtfeldern regiert allerdings meist eine recht karge und detailarme Landschaft. Im Eifer des Gefechts hat man eh wenig Zeit darauf zu achten, aber hier wäre noch Luft nach oben gewesen.

Ebenso sollte erwähnt sein, dass die Karte im Handheld Modus sehr klein ist und man sich wirklich konzentrieren muss um zu erkennen wo man sich befindet und in welche Richtung man unterwegs ist.

Fazit

Musou-Spiele sind nicht für jeden. Das war schon immer so und das ändert sich auch durch Fire Emblem Warriors nicht. Wer aber Bock auf das Spielprinzip hat, wer etwas mit Fire Emblem anfangen kann und wer keine Scheu hat, sich auch etwas in ein Spiel einzuarbeiten, der dürfte durchaus Spaß mit dem Titel haben. Die technische Umsetzung passt, der Umfang erst recht und die Möglichkeit das Spiel auch unterwegs in einer guten Qualität spielen zu können, dürften Gründe für einen Kauf sein.

Ich persönlich hatte mit Dynasty Warriors und Co. Immer meine Schwierigkeiten, auch Hyrule Warriors hat mich nur bedingt begeistert, aber bei Fire Emblem Warriors habe ich immer den Drang gehabt weiterzuspiele. Und wenn das ein Spiel nicht auszeichnet: was dann?

Positiv

  • Großer Umfang
  • Gute Einführung
  • Fanservice wird großgeschrieben
  • Beziehungen zwischen den Charakteren spielen eine Rolle
  • Einfaches Gameplay, trotzdem taktisch anspruchsvoll
  • Permadeath optional
  • Deutsche Texte und Untertitel

Negativ

  • Eher belanglose Story
  • Musik stellenweise unpassend
  • Ab und an Kameraprobleme
  • Karte im Handheld-Modus nahezu unbrauchbar
  • Gameplay bleibt auf dem Schlachtfeld repetitiv
8

Angefangen hat alles mit einer Tele Fever Konsole von Tchibo (!) im Jahr 1986 und dem Spiel Hobo (kennt wohl keiner). Direkt infiziert. Seitdem auf allen Plattformen unterwegs, egal ob Atari, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft, Commodore, PC oder Exoten. Auch wenn ich heute sehr viel weniger Zeit für das Hobby habe: die Faszination ist ungebrochen.

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