Einloggen

Lost Password

First Strike Final Hour – Review: Bis zum bitteren Ende

Von Kevin Köhler am 10. August 2017

Hurra, diese Welt geht unter! Haben sich wohl auch die Entwickler von First Strike: Final Hour gedacht als sie ihr Echzeit-Strategiespiel entwickelt haben. Im Spiel geht es folgerichtig darum in einem globalen Nuklearkrieg alle Kontrahenten auszulöschen und der letzte Überlebende zu sein. Damit tritt Final Hour in die Fußstampfen einer Reihe von makaber anmutenden Strategiespielen im Stil von Plague Inc. und DEFCON und muss sich auch mit diesen vergleichen lassen. Ähnlich wie bei Plague Inc. handelt es sich auch bei Final Hour um eine augehübschte Portierung eines Mobile-Titels für den PC.

Optisch ist die 3D-Karte durchaus ansprechend.

Weltuntergang für Einsteiger

Das Spielprinzip und die dazugehörigen Mechaniken sind schnell erklärt. Der Spieler wählt eine von 12 Nuklearmächten und kontrolliert dabei eine Anzahl Provinzen aus der orbitalen Sicht. Nun können entweder Abwehr- oder Angriffsraketen produziert, geforscht oder eine benachbarte, neutrale Provinz annektiert werden kann. Zusätzlich können eben jene Raketen von jeder Provinz einzelnd zur Abwehr- oder zum Angriff abgefeuert werden.

Auf niedrigen Schwierigkeitsgraden startet das Spiel eher gemächlich. Es gilt vor allem die Forschung vorran zu treiben und möglichst das Territorium durch Annektion zu vergrößern, denn jede zusätztliche Provinz bietet eine zusätzliche Produktionsmöglichkeit. Dabei ist das Spielgeschehen nicht weiter in Szene gesetzt, sondern läuft mit einfachen Befehlen ohne Untermalung ab. Das ist bei dem absurd-makabren Szenario und Ziel des Spiel aber vielleicht auch besser so.

Der Forschungsbaum von First Strike: Final Hours bietet lediglich zwei überschaubare Forschungsbäume.

Atomkrieg ist fummelig

Neben der Forschung gilt es das Arsenal aus Offensiv und Defensivraketen auszubauen (Ein Mix ist die beste Variante). Hier stößt Final Hour bereits auf sein erstes Problem. Es ist sehr fummelig. Zwar ist es rasch möglich das Arsenal auf- und auszubauen und auch die Annektion geht recht zügig von statten, aber dann heißt es zu wild herumklicken und alle Pronvinzen beschäftigt halten. Es ist sehr unübersichtlich und vom Interface kaum zu durchschauen welche Provinzen gerade aktiv sind und welche nicht, dabei ist gerade das der Kernelement eines guten Spiels keine inaktiven Provinzen zu haben. Hier ist viel Frustrationstoleranz erforderlich.

Auch gibt das Spiel einem kaum bis wenig befriedigendes Feedback. Atomraketen erzeugen eine kleine, effekttechnisch eher bescheidene, Explosion und verfärben die getroffene Fläche schwarz. Aber solange das Territorium nicht zerstört ist, stört dies die feindlichen Fraktionen wenig. Selbst ein zerstörtes Territorium lässt sich neu “besiedeln” und erhält damit seine volle Funktionsfähigkeit zurück. Nur sehr große Angriffe mit etwa einem Dutzend Raketen richten merklichen Schaden an. Dies erfordert viel Mikromanagement und blindes ausprobieren nach dem Trial-and-Error-Prinzip.
Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird dieses Problem noch verstärkt und lässt sich nur durch pausieren umgehen. Allerdings gibt das Spiel zu wenig Feedback um diese mühseelige Planung wirklich spannend oder unterhaltsam zu machen.

    Das liegt auch daran, dass Final Hour ohne richtige Musik oder sonstige atmosphärische Untermalung daherkommt. Nur die tickende Uhr ist ständig zu hören, wirkt aber eher anstregend als motivierend. Was den Wiederspielwert angeht, müssen die Spieler ihn schon selbst finden. Es gibt nur eine Karte, die Erde. Die unterschiedlichen Fraktionen starten zwar mit anderen Ausgangsbedingungen, was die Provinzenzahl und Forschungsstufe angeht, spielen sich ansonsten aber alle gleich. Der einzige Unterschied besteht in den Superwaffen, von denen pro Partie zwei ausgewählt werden können. Diese machen deutlich mehr schaden als eine gewöhnliche Rakete und sorgen so für etwas Abwechslung. Allerdings fehlt auch hier das schlagende Argument oder der lohnende Effekt der sie wirklich vom Rest des Arsenals abhebt. Ein Multiplayer-Modus gibt es nicht.

    Diese Einfachheit ist sicherlich Final Hours mobiler Herkunft geschuldet. Immerhin ist der Titel absolut tadellos umgesetzt und scheint keine Bugs oder technischen Probleme zu haben.Generell ist die Optik etwa im Vergleich zu DEFCON durchaus nett gemacht und die Erde sieht passabel bis gut aus.

    Fazit:

    Final Hour ist kein Spiel welches mich für mehr als 1-2 Stunden fesseln kann. Dazu ist die Bedienung zu fummelig, das Feedback und die Atmosphäre zu mau und der Wiederspielwert zu gering. Wer unbedingt Atomkrieg spielen will, sollte es entweder im Sale abgreifen oder beim vergleichsweise besseren DEFCON halt machen.

    Positiv

    • Saubere Umsetzung, keine Bugs
    • Optisch ansprechende Karte

    Negativ

    • Kein Tiefgang
    • Fummelige Bedienung
    • Wenig Atmosphäre
    • Wenig Wiederspielwert
    5