Gemeinsam abtauchen mit Aquanox: Deep Descent!

Gemeinsam abtauchen mit Aquanox: Deep Descent!

Es war einmal, in den wilden 90ern….

Was habe ich Schleichfahrt geliebt! In dem 1996 veröffentlichten Abenteuer des Mannheimer Studios Massive Development (RIP 2005 dank JoWood) spielte man den charismatischen und etwas abgewrackten Söldner „Dead-Eye“ Flint in einem grandiosen Unterwasser Szenario auf der überfluteten Erde des 27ten Jahrhunderts. Dank 3Dfx Voodo Grafikchip und Force Feedback Joystick spielte sich das kunterbunte Treiben auf dem Meeresgrund herzhaft frisch und setzte einen Kontrapunkt zu der damals ebenfalls beliebten Wing Commander Serie. Story, die genialen Dialoge sowie die lebendige Inszenierung der Stützpunkte sind lebhaft in Erinnerung geblieben. Das Gameplay war schnell, komplex und nicht gerade einfach zu meistern. Als kleine Randnotiz: Betrunken spielen entpuppte sich als leichtsinnige Entscheidung, ich bin heute noch für den kulanten Austausch des mühsam zusammen gesparten Force Feedback Joysticks dankbar.

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Im erst sechs Jahre später, unter dem neuen Namen Aquanox veröffentlichten Nachfolger, spielte man erneut die Rolle des beliebten und äußerst redseligen Söldners. In Aquanox 2 Revelations (2003) übernahm man mit William Drake hingegen die Rolle eines neuen und weitaus weniger charismatischen Protagonisten. Die Wertungen fielen aufgrund einiger Probleme auch insgesamt etwas verhaltener aus.

ich habe den zweiten Teil damals nicht mehr gespielt. Aquanox war ein mehr als solider Nachfolger, persönlich fehlte mir jedoch etwas der Charme des Vorgängers.  

Alles neu dank THQ Nordic

Überraschend wurde im letzten Jahr – zumindest für mich – vollkommen unerwartet der Kickstarter von Aquanox Deep Descent bekannt gegeben und im September dann auch erfolgreich finanziert. Die serbischen Entwickler von Digital Arrow lassen zusammen mit Nordic Games (jetzt THQ Nordic) die neu interpretierte Welt von Aquanox, einen direkten Zusammenhang zu den Vorgängern wird es nicht geben, mit Hilfe der UE 4 Engine frisch auferstehen. Die Prämissen der Spielumgebung sind dabei gleich geblieben: Eine dystopische Zukunftsvision der unter die Meeresoberfläche verbannten Menschheit. Die Details haben sich jedoch etwas geändert, die Erklärung, warum wir nicht mehr auf die Erdoberfläche zurückkehren können soll insgesamt etwas schlüssiger dargestellt sein und spiegelt sich in der allgegenwärtigen, grünlichen Lichtstimmung wieder. Der auf der Wasseroberfläche schwimmende Nanoplankton hinterlässt aber nicht nur dort seine Spuren, wir werden auch einige von den Kleinstrobotern infizierte Lebewesen auf unserer Abenteuerreise treffen. Illustre, unterseeische Nationen wie das Shogunat und seinen Stationen werden wir ebenfalls wieder besuchen.

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Landschaftliche Langeweile soll uns die Unterwasserwelt „Aqua“ – der Name sprudelt jetzt nicht gerade über vor Kreativität –  dabei nicht bieten. Die Entwickler sprechen von einer starken Vertikalität der Gebiete, man wird also weit hinabtauchen können und dabei auf architektonische Relikte der zerstörten Oberwelt treffen. Massive Höhlensysteme, die nur darauf Warten von euch erkundet zu werden sind ebenfalls mit an Bord. Hört sich gut an? Sieht auch – so weit wir das anhand der gezeigten Spielszenen und Screens beurteilen können – stimmungsvoll aus und weckte in mir direkt die Lust den Controller in die Hand nehmen zu dürfen.

Dieser Wunsch wurde mir dann auch gewährt, die Steuerung ging dabei recht gut von der Hand. Bis auf das Strafing mit den Schulterbuttons kam mir auf den ersten Blick auch nichts ungewöhnlich vor. Ein wichtiger Aspekt bei einer Unterwassersimulation passt ebenfalls: Die Steuerung fühlt sich nicht zu direkt an, die aufgrund des Wasserwiderstandes vorhandene Trägheit (falls jetzt einige Physiker mit den Augen rollen, sorry) ist spürbar und unser Gefährt fühlt sich „schwimmend“ und nicht „fliegend“ an.

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Und wo wir schon bei unserem U-Boot sind: Hier wurde mehrfach betont, dieses ist im klassischen Rollenspiel Sinn unser „Charakter“. In Trockendocks können wir das Tiefseekampfschiff massiv individualisieren und dadurch auch eine Vielzahl an spezifischen Eigenschaften wie Geschwindigkeit, Gewicht, Manövrierfähigkeit verändern. Diese sollen sich dann schlußendlich auch spürbar auf die Steuerung des Schiffes in allen Aspekten auswirken.

Die Neuauflage soll auch insgesamt etwas simulations- und weniger actionlastig ausfallen als seine Vorgänger. Als Spieler wird man sich aktiv um das Energiemanagement seines Unterwassergefährts kümmern müssen. Rohstoffe können abgebaut, gesammelt und anschließend auf Stationen gehandelt werden. Aquanox wird sich dadurch stärker an Klassikern wie Elite orientieren. Ein recht sportliches Ansinnen, mal schauen, ob es aufgeht.

Mit dem Vier Spieler Drop-in-drop-out Koop-Modus kommt die wohl spannendste Neuerung nach Aqua. Im Rahmen der Story übernimmt man die Rolle von insgesamt vier unterschiedlichen Spezialisten, diese haben auch ihre eigene Funktion auf unserem Schiff und – das ist der springende Punkt – können jederzeit von einem anderen Spieler übernommen werden. Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen müssen, in der Theorie eine spielerisch interessante Neuerung, die wir uns im Endprodukt gerne detaillierter anschauen werden. Vorzeigbar war es leider noch nicht. Jeder Charakter hat außerdem eine tragende Rolle in der Geschichte, man wird sich daher auch als Solospieler mit allen Figuren auseinandersetzen müssen.

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Um jedoch noch einmal auf die Anspielsitzung zurückzukommen: Steuerung also alles klar, Gegner ins Visier genommen. Mehrere aufgeregte Rufe seitens der Entwickler und dem ebenfalls anwesenden Björn – ich war überrascht über seine Serbisch Kenntnisse – machen mich dezent auf den sich bedrohlich näherkommenden Torpedo aufmerksam. Glück gehabt, die Waffen rotieren und der erste Gegner, dann der Zweite fallen nach einer spannenden Verfolgungsjagd durch die Hochhausruinen meiner Gegenwehr zum Opfer. Für den Dritten reicht es leider nicht mehr, ich hab das gegnerische Schiff noch nicht mal gesehen. Etwas unrund ging es dann weiter, beim Respawn crashte das Spiel komplett und wurde mit einem „What have you done?“ seitens des aufgeregten Entwicklers quittiert. „I killed your game!“ Für eine Alphaversion aber auch nicht weiter ungewöhnlich, unsere Zeit war damit jedoch trotzdem zu Ende. Schade, ich wäre noch gerne etwas weiter ab- und in die Welt hineingetaucht.

Fazit

Ich habe Lust auf Aquanox, hatte ich aber auch bereits schon im Vorfeld der Präsentation. Die nostalgischen Erinnerungen an Schleichfahrt sind einfach zu stark um mich der Verführung einer spannenden, in einem Unterwasserszenario spielenden Simulation zu entziehen. Ganz überzeugen konnte Deep Descent dabei noch nicht, dafür lief die Alpha noch etwas zu unrund und die grafische Umsetzung würde ich aktuell eher als solide bezeichnen. Da geht insgesamt noch mehr, Digital Arrow hat aber auch noch etwas Zeit bis zur Veröffentlichung im nächsten Jahr.

Die Lust, ein spannendes Spielerlebnis zu kreieren scheint bei allen Beteiligten vorhanden zu sein, ich bin daher recht guter Dinge, dass uns Aquanox bei seinem erscheinen im nächsten Jahr bei Laune halten wird. Einen auf Hochglanz polierten AAA-Titel sollte man jedoch eher nicht erwarten. Fans der Vorgänger und Simulationsfreunde mit Lust auf ein frisches, insgesamt recht unverbrauchtes Szenario dürfen sich jedoch freuen und sollten das Spiel im Auge behalten. Wir bleiben am Ball.

    Andreas Herbster

    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.
    In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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