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Halo 5: Guardians – Eine Ode an die Epik

Von Patrick Hützen am 28. Oktober 2015

Das neuste Spiel von Microsoft und 343 Industries bildet den zweiten Teil einer neuen Trilogie und zeigt in gewohnter Manier, wie man ein Spielerlebnis episch gestalten kann. Zwar spielt der legendäre Master Chief im Vergleich eher eine Nebenrolle, doch auch er kommt zum Zug und auch der neue Hauptprotagonist, Jameson Locke, macht einen guten Eindruck im Kampf gegen die Alienanstürme. Ohne viel zu spoilern, Ihr jagt mit dem Osiris Team als Jameson Locke dem Master Chief und seinem Team Blau in dunkle Abgründe nach, dieser hat sich nach einer verstörenden Nachricht unerlaubt vom Stützpunkt entfernt. In Halo 5: Guardians nehmt Ihr beide Perspektiven ein und erlebt die Story aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Halsey, Blutsväter, Cortana, Masterchief, was ?

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Mittig zu sehen ist der Master Chief, dieser spielt in Halo 5 jedoch nur einen Teil der Geschichte.

Spieler, die noch nie ein Halo Teil gezockt haben werden ein ähnliches Fragezeichen im Kopf finden, wie sie hier lesen, denn die Entwickler versäumen leider einen kurzen Rückblick zu den vergangenen Teilen und der darin enthaltenen Story. Ein gewisses Grundwissen wird also vorausgesetzt, deshalb hier ein kurzer Storyumriss. Da die Story selbst recht einfach und kurz gehalten ist, passe ich mich bei der Rückblende an. Für alle Spieler die Halo 1 – 4 noch nicht gespielt haben und sich die Geschichte selbst erspielen wollen, sollten an dieser Stelle nicht weiterlesen – Spoileralarm.

Menschheit und Blutsverräter bekämpfen sich intergalaktisch. Der coolste Weltraum-Soldat, der Master Chief, nimmt seine Rolle ein und bietet den Aliens die Stirn. Cortana, eine künstliche Intelligenz, wurde von Dr. Halsey erschaffen und hilft dem Macho-Chief durch die Story. Der Master-Chief stirbt, taucht aber doch wieder auf *aufatmen*. Cortana weckt den Chef bevor Sie stirbt zum Wohle der Menschheit. Vier Monate später startet die Geschichte von Halo 5: Guardians und erzählt die Story weiter.

Und wo bleibt das Popcorn?

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An solch cineastischen Sequenzen darf sich der Spieler häufig erfreuen.

Diese Frage stellt man sich unweigerlich nach den ersten Sekunden Zwischensequenz, diese sind einfach nur grandios in Szene gesetzt und machen Lust auf mehr. Wir können uns aber nicht zurücklehnen und die filmreife Animation genießen, sondern widmen uns gleich mit dem Sturmgewehr ein paar Aliens. Hier offenbaren sich wieder einmal die nahezu unangetasteten Fähigkeiten ein sehr gut funktionierendes Gun-Play noch weiter zu optimieren. Die Steuerung ist nach wie vor schön direkt, das Waffenverhalten dynamisch und der Einsatz sämtlicher auf dem Xbox Controller zu findenden Knöpfe geht schnell und intuitiv von der Hand. Halo Veteranen werden sich schon nach den ersten 2-3 Missionen gewohnt heimisch fühlen und den Gegnern gekonnt zu Leibe rücken. Ebenfalls verbessert wurde der Zielmodus bei fast allen Waffen, sprich Kimme und Korn. Das ermöglicht nicht nur genaueres Zielen, was in manchen Situationen von Nöten ist, sondern ist auch einfach sehr schön anzusehen und rundet das dynamische Gun-Play ab.

Level-Mix incooooooming.

Die Story ist, wie bei fast jedem Ego-Shooter, relativ schnell abgehandelt, in diesem Fall habe ich etwa 7 Stunden gebraucht, was ich allerdings recht solide finde, denn seien wir ehrlich, Halo punktet erst richtig mit rasanten Multiplayer Gefechten. Zum Spielverhältnis der beiden Teams lässt sich (leider) sagen, Fans die Halo nur wegen dem Master Chief spielen, kommen lediglich in 3 von den insgesamt 15 Missionen in den Genuss. Hierdurch verliert das Spiel aber keinesfalls an Reiz, das neue Team rund um Locke integriert sich fließend in den Spielverlauf und ich habe schnell Gefallen an den neuen Rollen gefunden. Bei den Leveldesigns kommt man häufig aus dem Staunen nicht mehr heraus und findet zudem schöne Parallelen zu anderen Spielen/Filmen. So erzeugen dunkle Korridore und die spärliche Beleuchtung aus einer Taschenlampe schnell ein leichtes Horror-Flair, ganz im Stil von Doom. In einer anderen Mission fühlt sich der Spieler unweigerlich an Pandora aus Avatar erinnert. Ähnlich linear wie die Story sind allerdings auch die Levels selbst. Wer auf eine riesige offene Welt á la Skyrim hofft, wird in der Kampagne enttäuscht werden, kommt aber auf den etwas größeren Multiplayerkarten auf seine Kosten. An sich laufen die einzelnen Missionen aber immer nach einem streng linearen Prinzip ab, wir müssen mit unserem Team an einen bestimmten Punkt und auf dem Weg trotzen wir unterschiedlichen Gegnertypen, diese sind allerdings fast alle aus den Vorgängerteilen bekannt und wiederholen sich auch recht schnell im Spiel selbst. Lediglich die unterschiedlichen Vehikel bieten in den jeweiligen Levelabschnitten etwas Abwechslung und gestalten sich unterhaltsam, mit einer Ausnahme – der Warthog. Besagtes Fahrzeug hat, wie in den Vorgängerteilen, eine derart schwammige Steuerung, dass man sich gleich an seine Kindheit erinnert fühlt, in der man mit dem Autoscooter auf der Kirmes cruist.

Das Herzstück.

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Im neuen Modus „Kriegsgebiet“ stellt sich der Spieler nicht nur menschlichen Gegnern.

Nach erfolgreichem Abschluss der Kampagne, mit einem hervorragenden Cliffhanger am Ende, widme ich mich dem Multiplayer Modus. Hier warten alt bekannte Spielmodi auf einen, die in keinem Egoshooter fehlen dürfen, doch Microsoft wartet mit einigen Neuerungen auf und hebt damit das Spielerlebnis auf eine neue Ebene. Den Höhepunkt stellt der neue Modus „Kriegsgebiet“ dar. In diesem beweisen Spieler Ihr Können nicht nur gegeneinander, sondern müssen gleichzeitig auch Gefahren durch computergesteuerte Gegner beseitigen. Diese Neuerung verspricht sehr viel Unterhaltung und Abwechslung neben den klassischen Arena-Duellen. Eine weitere Neuerung ist zudem das Requirierungs-System. Durch dieses System erhalten die Spieler im Verlauf des Spiels Erfahrungspunkte, mit denen Sie sich beispielsweise neue Ausrüstungsgegenstände, wie Waffen, Fahrzeuge, Skins oder den hauseigenen Energieschild zulegen können und im Kampf zum Einsatz bringen. Im Modus „Kriegsgebiet“ steigen die Gamer somit abhängig von ihrem Spiel im Level auf und das beeinflusst die Art der durch REQ‘s nutzbar gemachten Ausrüstung und somit das gesamte Spiel. Der Multiplayer Modus wird zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer betrachtet, dann auch im direkten Vergleich zu Halo 4 ausgiebig getestet.

Team-Play ist alles.

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Nur als Team lässt sich die geballte Feuerkraft auf einen Gegner richten.

Zwar gibt es im jüngsten Teil der Halo-Reihe den beliebten Splitscreen leider nicht, dafür lässt sich aber die Kampagne mit bis zu 3 Mitspielern Koop durchzocken. Das macht nicht nur Laune, sondern birgt auch eine taktische Komponente. Die Taktik versuchen, wenn gerade keine Leute für den Koop-Modus greifbar sind, K.I.‘s so gut es geht umzusetzen. So gestattet uns das Steuerkreuz auf dem Controller über die „hoch-Taste“ Feinde zu markieren, diese haben dann oberste Priorität und werden als erstes unter Beschuss genommen. Mit der „runter“-Taste werden Teammitglieder zu bestimmten Positionen kommandiert, so beziehen diese beispielsweise Stellung an Geschützen oder ermöglichen die Flankierung eines Gegners, das Spiel wird dadurch taktischer, aber in manchen Situationen um einiges einfacher. Außerdem können Spieler verletzte Mitspieler, ob K.I. oder echte Spieler, wiederbeleben und diese so wieder ins Spiel bringen.

Fazit

Microsoft und 343 Industries zeigen wie es geht. Mit dem neusten Teil fühlt sich der Spieler stets gut unterhalten. Zwar könnten die Gegnerhorden etwas abwechslungsreicher sein, besonders die Zwischengegner, dort begegnet Euch in der Kampagne leider nur ein Typ, der immer mal wieder auftaucht, aber spätestens bei der nächsten Zwischensequenz senkt sich die Kinnlade auf eine tiefere Etage ab und man kann einfach nur genießen. Auch beim Waffenverhalten spielen die Egoshooter Veteranen ihr Können aus, alles läuft flüssig, dynamisch und dazu noch intuitiv. Mit neuen Moves und Features wird das Spielerlebnis noch weiter gesteigert, so ermöglichen uns die Schubdüsen an unserem Anzug nicht nur den „Spartan-Ansturm“, sondern auch den „Ground Punch“, mit diesem schweben wir kurzzeitig in der Luft und krachen mit einem Faustschlag auf unsere Gegner ein. Der Spieler verliert bei Halo 5 auch seine Angst vor Kanten, der Protagonist kann sich nun an diesen hochziehen und prallt nicht einfach ab. Zwar ist die Story relativ kurzweilig, aber für einen Egoshooter mehr als ausreichend, zudem bietet der Multiplayer nach wie vor den größten Unterhaltungswert und durch die neuen Modi auch echtes Suchtpotenzial. Wer sich also für reibungslose und dynamische First-Person-Shooter interessiert, sich für cineastische Inszenierungen begeistern kann, sich gerne mit Freunden packende Schlachten in entfernten Welten liefert und zudem seine Ohren gerne mit epischem Sound beglückt, der kommt an Halo 5 definitiv nicht vorbei.

Positiv

  • tolle Inszenierung
  • atemberaubende Zwischensequenzen/Welten
  • neue Features (z.B.: Schubdüsen, "Ground Punch, etc.)
  • dynamisches und gut funktionierendes Gun-Play
  • packender Multiplayer-Modus

Negativ

  • Missionsart wiederholt sich schnell
  • leider eintönige Zwischengegner in der Kampagne
9