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Hitman Go – Geschmackvoll reduziert

Von Ole Oetjen am 29. März 2016

Hitman GO feierte sein Debut bereits 2014 auf iOS und Android. Zwei Jahre später erscheint das digitale Brettspiel auch auf der PlayStation 4. Ob der Sprung auf den großen Bildschirm gelungen ist oder man sich lieber auf den großen Hitman im Episodenformat konzentrieren sollte, könnt ihr hier lesen.

Here we GO

Die Augen kalt, das Gesicht bar jeder Emotion. Sein Ziel festgenagelt und bereits jetzt so starr wie die bisherigen Opfer – soweit könnte diese Szene aus jedem beliebigen Teil der Hitman-Serie stammen. Tatsächlich ist hier aber die Rede von einem besonderen kleinen Spin-Off, das auf den Namen Hitman GO hört und in dem Statik zum Gameplay gehört. Vor 2 Jahren schon erfreute sich das Rätselspiel auf Mobilen Geräten großer Beliebtheit, sägte aber auch an den Geduldsfäden der Spieler, die immer wieder sanft dazu bewegt wurden, den ein oder anderen In-App-Kauf zu tätigen. Soviel vorweg: Das gehört nun bei der Definitive Version für PS4 und die Vita der Vergangenheit an. Für die einmaligen 7,90 Euro bekommt man alle 86 Level und damit den vollen Umfang.

Das Spielziel dürfte Hitman-Spielern geläufig sein: Eliminiere dein Ziel. Möglichst ohne gesehen zu werden und im Idealfall ohne Kollateralschäden. Statt eines 3rd-Person-Shooters erwartet uns beim Ableger GO jedoch ein isometrisches Denkspiel. Im simplen aber nichtsdestotrotz schicken Brettspiel-Gewand bewegen wir unsere Hitman-Figur (komplett mit Standfuß) auf einem Gitternetz durch eine Art Diorama. Haben wir unseren Zug gemacht, ist der Gegner an der Reihe und die Wachen führen ihre Aktionen durch. Wir können die Feinde umgehen oder wie beim Schach schlagen, indem wir uns auf ihr Feld bewegen – das klappt aber umgekehrt genauso und schubst uns vom Spielfeld, wenn wir uns ertappen oder in eine Sackgasse manövrieren lassen. Geschlagene Figuren werden am Rand aufgereiht und machen den Brettspiel-Look perfekt.

Wege zum Kill

hitman go 2

Diorama at it’s best

Die Level werden sukzessive schwieriger und komplexer. Sind die Karten zu Beginn noch sehr klein und das Vorgehen alternativlos, öffnet sich das Spielbrett bald weiter und offenbart alternative Routen. Zusatzziele wie „Mach einen Rolltreppenkill“ „Erreiche das Ziel in 10 Zügen“ oder „Töte keinen Gegner“ laden zum mehrfachen Spielen ein, vor allem da manche Vorgaben miteinander unvereinbar sind.

Serientypisch stehen dem Hitman in manchen Missionen Hilfsmittel zur Verfügung wie seine silbernen Ballermänner, Verkleidungen oder Wurfgeschosse zur Ablenkung von Feinden. Außerdem gibt es Pflanzen in denen wir uns vor wachsamen Blicken verstecken können, Falltüren, die wie Teleport-Plattformen funktionieren und Uhren, die die Gegner einen Zug machen lassen während wir selbst stehen bleiben dürfen. Letztes ist das wohl kniffligste Item aber auch entscheidend, um manchen Wachen in den Rücken zu fallen. Diese besitzen keine KI im klassischen Sinne, sondern haben jeweils ein Bewegungspattern, das es zu entschlüsseln gilt. Die Grünjacken drehen sich auf der Stelle, Gelbgewandete patrouillieren auf geradem Wege, Wachen in braun im Rundkurs und Polizeihunde nehmen Witterung und Verfolgung auf. Gerade in späteren Leveln wird der Schwierigkeitsgrad ziemlich knackig und erreicht Trial&Error-Status. Wer jedoch frustriert abwinken will kann zuvor noch die Hilfefunktion konsultieren, die ziemlich großzügig daherkommt und dem Spieler kräftig unter die Arme greift. Klasse zudem: Dank Cross-Save können wir den gleichen Spielstand auf der PS4 und der Vita vorantreiben.

Fazit

hitman go 1

Nächste Haltestelle: Glatzenmeuchelei.

Reduktion ist eine Kunst. Das gilt sowohl für das (kreative) Schreiben als auch beim Gamedesign. Das Vorhaben, Hitman zu einem Handyspiel einzudampfen, ist so grandios geglückt, dass es nun selbst auf den großen Konsolen funktioniert. Die Lernkurve bei den Rätseln ist motivierend, sodass man ständig gefordert bleibt, ohne jemals richtig zu hängen. Je nachdem wie erfahren oder talentiert ihr mit dieser Art Knobelei seid, werdet ihr jedoch (so wie ich auch) in späteren Leveln auf Trial&Error zurückgreifen müssen, wenn viele Mechaniken und Patrouillenwege ineinander greifen. Geduld ist also erwünscht.

Das Art-Design gefällt mir ausnehmend gut und segelt ebenfalls unter der Flagge der kunstvollen Reduktion. Der Brettspiel-Look mit den liebevoll designten Dioramen ist zeitlos und zeugt von Geschmack. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass diese Art Minimalismus auf der PlayStation 4 gar nicht nötig ist. Für 8 Euro stimmt das Preis/Leistung-Verhätnis aber – keine Frage. Und wenn ich mein Ziel zu den Klängen von Ave Maria meuchle, passt die Stimmung einfach.

Bei all dem Lob für das gelungene Hitman: GO finde ich aber nach wie vor, dass der Titel auf der kleinen Bühne, sprich Tablet oder Vita, besser aufgehoben ist als auf dem 50 Zoll-Fernseher. Hier werden die Stärken des Spiels ausgespielt und das minimalistischere Design passt besser zum Medium.

Positiv

  • cooles Artdesign
  • Hitman-Atmosphäre eingefangen
  • motivierende, fordernde Rätsel
  • Cross-Save möglich

Negativ

  • auf Dauer etwas eintönig
  • Trial&Error in späteren Passagen
8.5