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Homefront: The Revolution – Gutgemeinter Putsch-Versuch

Die Homefront-Serie hat bereits eine lange Odyssee hinter sich. So erschien im Jahre 2011 der erste Teil, unter der Flagge von Kaos Studios und im Auftrag von THQ. Leider konnte der Titel nicht wirklich überzeugen. Kurz darauf wanderte die Lizenz von einem Entwicklerstudio ins nächste. Deep Silver gründete für die Produktion von Homefront: The Revolution die Dambuster Studios. Zunächst sollte das Spiel Anfang 2015 erscheinen, doch die Beta konnte nicht performen und auch intern gab es wohl einige Probleme, denn der Release verschob sich um ein ganzes Jahr. Nun halten wir es in den Händen und sind gespannt, ob sich die Entwicklungszeit gelohnt hat.

Gestatten, Revoluzzer

Ihr bewegt euch durch eine komplett überwachte Stadt.

Ihr bewegt euch durch eine komplett überwachte Stadt.

Hallo mein Name ist Ethan Brady, Amerikaner. Wir schreiben das Jahr 2029, mein Land ist verwüstet und die Nordkoreaner sind die Regenten. Oft frage ich mich selbst, wie es dazu kam. Vor einigen Jahren brachte die nordkoreanische Firma APEX verbesserte Gadgets und später auch Waffen auf den Markt. Die machthungrigen Idioten an der Spitze unserer Regierung konnten ihre Finger nicht von neuer Technologie lassen und schnell war alles infiziert. Tag X kam und APEX zog uns den Stecker. Ein Entkommen war kaum möglich, schnell fielen die Besatzer ein, zerstörten alles und verwandelten die Areale in kontrollierte Zonen ohne Fluchtmöglichkeiten. Auch ich wurde geschnappt und wurde Zeuge der schieren Brutalität des gesamten Szenarios. Ich wurde befreit und dennoch schafft die Atmosphäre ein bedrückendes Gefühl. Wie soll es weitergehen? Parrish, mein Retter, schaffte mich in den Untergrund, weg von feindlichen Soldaten, doch sein gedrückter Blick verriet, was er alles gesehen haben muss. Ähnlich gut übermitteln die anderen Figuren mit ihren Blicken und Mimiken die Geschichte von Zerstörung und Leid. Nachdem ich alle überzeugen konnte kein Spion zu sein, werde ich schnell als vollwertiges Mitglied anerkannt, vielleicht etwas zu schnell.

Zoniertes Philly

Es gibt unterschiedliche Bereiche in Philly.

Es gibt unterschiedliche Bereiche in Philly.

Mit einem Blick auf die Straßen wird klar: Philadelphia ist nicht mehr die frei begehbare Welt, wie ich sie kenne. Stattdessen lungere ich in einer der drei Zonen herum. Scheinbar finden nicht alle die Unterdrücker schrecklich, denn in einer Zone gibt es Sympathisanten mit den östlichen Besatzern. In einer anderen leben meine Landsmänner streng überwacht, ein falscher Schritt bedeutet fast immer den Tod und in der roten Zone trauen sich nur wenige ans Tageslicht. Drohnen, Soldaten, Kameras, die allgegenwärtige Überwachung ist real und beängstigend. Ich lasse meinen Blick durch die Straßen schweifen, Angst überall, es muss sich was ändern, doch einfach alle Soldaten ausschalten wird nicht klappen. Sie sind uns in jeder Hinsicht überlegen, Guerilla ist mein Stichwort. Infiltration und heimliches Vorgehen über den Untergrund ist die oberste Prämisse, anders habe ich keine Chance. Hier im Untergrund gibt es mehr als ich dachte, einen Waffenhändler und bereits eine relativ funktionierende Infrastruktur. Bei Sidney kann ich mir einige Wummen mit verschiedenen Modifikationen auswählen. Aus meiner Pistole wird schnell eine Maschinenpistole mit einem holografischen Visier. Aus Flaschen, Benzin und Streichhölzern mache ich mir Molotov-Cocktails. Zwar sehen die Waffen cool aus, doch zielen kann ich nicht wirklich. Das Waffenhandling ist leider schwammig und kommen viele Gegner auf mich zu, kann das System nicht überzeugen. Beim Wechsel auf die verschiedenen Feinde, wirkt es fast als würde alles etwas ruckeln. So kann ich mich nicht wehren!

Komische Logik

Habt ihr genügend Aufträge erledigt, schreitet die Bevölkerung zur Tat.

Habt ihr genügend Aufträge erledigt, schreitet die Bevölkerung zur Tat.

Egal, ich beginne meine Arbeit, indem ich auf meinem Handy die Karte studiere und mir einen Transmitter vorknöpfe. Via Motorrad komme ich schneller an meinen Zielort, aber gut funktionieren fühlt sich anders an. Ich hacke die Funkstation und das Gebiet gehört uns – das ging sehr schnell. Auch andere Missionen gestalten sich leichter als gedacht. Beispielsweise sprenge ich mit meinen Revoluzzer-Kollegen einen Kessel in einer Fabrik und die Nordkoreaner verschwinden, ich hätte intelligentere Besatzer erwartet. Insgesamt hätte ich aber auch mehr von mir selbst erwartet. Theoretisch bietet Philly immer noch genug Möglichkeiten verdeckt ans Ziel zu kommen, doch häufig lässt mich die Technik einfach im Stich. Zielen klappt nicht, mein Equipment ist ein Potpourri an Stereotypen mit einfachen Verwandlungsmöglichkeiten und der Rest erinnert einfach an ein Patchwork. Immerhin habe ich Unterstützung im Volk. Erfülle ich verschiedene Aufgaben, werden die Unterjochten hellhörig und stimmen irgendwann die Klänge der Revolution an. So lehnen wir uns gemeinsam gegen die Widersacher auf. Ich erobere meine Stadt zurück, entdecke immer neue Kleinigkeiten, besonders hoch gelegene Punkte bergen oft nützliche Sachen. Leider bin ich kein Parkourläufer und habe mit vielen Sprüngen und Kanten meine Probleme.

Fazit

Im Coop könnt ihr euch gemeinsam den Besatzern stellen.

Im Coop könnt ihr euch gemeinsam den Besatzern stellen.

Zurück aus dem Spiel und rein in die Realität. Das Spiel hat, schon alleine vom Setting her, sehr viel (ungenutztes) Potenzial. Die Mechaniken funktionieren bis zu einer gewissen Grenze, leider ruckelt das Spiel in der getesteten PS4-Version schon ohne Feindkontakt erheblich, phasenweise unspielbar. Bestimmte Glitches nehmen sämtlichen Schwung aus den recht eintönigen Missionen. Grafisch ist das Spiel mit der CryEngine auf einem guten Stand und auch Waffen, Gesichter der Hauptfiguren und Regenpfützen gefallen mir gut. Leider hätten andere Texturen noch ein paar Monate Entwicklungsfeinschliff vertragen können. Das Spiel versucht, wie auch der Vorgänger, mehr zu sein, als es ist. Mit Elementen aus vielen anderen Spielen (Far Cry 4, The Division) versucht man die Eier-legende-Wollmilchsau zu schaffen, leider gelingt dies nicht. Gut gelungen ist hingegen der Koop-Modus mit bis zu 4 Freunden. So schafft das Spiel mehr Spaß statt Frust, trotz technischer Unzulänglichkeiten. Ich hätte mir für das passende Setting und die drückende Atmosphäre mehr Tiefe in jeglicher Hinsicht gewünscht, stattdessen kämpft Ihr euch durch eine ruckelnde Pseudo-Open-World, welche zwar einen guten (Stealth-)Ansatz hat, der aber im Endeffekt nicht aufgeht.

Positiv

  • passende Hintergrundgeschichte
  • detailierte Hauptpersonen
  • netter Koop-Modus

Negativ

  • fragwürdige Logik
  • teils unfertig wirkende Texturen
  • Pseudo-Open-World
7

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de