Einloggen

Lost Password

Illusion: a Tale of Mind

Im neuesten Puzzle-Adventure „Illusion: a Tale of Mind“, schlüpfen wir in die Rolle des Mädchens Emma, das gefangen in einer Gedankenwelt das Unterbewusstsein ihres Vaters durchforscht. Auf unserer Reise decken wir nach und nach die melancholische Geschichte auf, die Emmas Vater Euclide während der ersten Weltkriegszeit in Frankreich wiederfuhr, und erfahren gleichzeitig mehr über seine Tochter Emma selbst.

Into the Dark

Angekettet in einer fremden Welt erwachen wir ohne Gedächtnis aus unserem Schlaf. Mit einem Perspektivenrätsel basteln wir uns das Bild eines Schlüssels zusammen, der unsere Ketten sogleich öffnet. Auch ein weiß leuchtender, schwebender Plüschhase namens „Topsy“ ist gefangen in einem Käfig und benötigt unsere Hilfe. Nachdem wir Topsy befreit haben, steht er uns als Helferlein zur Seite und begleitet uns in eine düstere, bedrohlich wirkende Welt. Diese ist voll von schwarzem Schleim, der uns bei Berührung verletzt und im Spielgeschehen plakativ zurücksetzt. Zum Glück ist unser flauschiger Begleiter ein guter Aufpasser, der uns davor bewahrt, am laufenden Band ins Gras zu beißen oder in die Tiefe hinabzustürzen. Gemeinsam finden wir heraus, dass es sich bei der ominösen Welt in der wir uns befinden, um die Gedankenwelt eines Menschen handeln muss.

How I met my Father

Je mehr wir in der Geschichte voranschreiten, desto tiefer arbeiten wir uns durch die Gedanken dieses Menschen, der sich schon bald als unser Vater herausstellt. Euclide, einem Strongman aus dem Zirkus, ist wunderbares Glück wiederfahren, aber ebenso auch furchtbares Leid. Seine Sorgen und Ängste, sowie seine Stärken und Schwächen lernen wir im Spielverlauf gleichermaßen kennen. Dies macht ihn zu einem sehr greifbaren, authentischen Charakter.

Unsere Aufgabe besteht nun darin, unserem Vater neue Hoffnung und Stärke zukommen zu lassen, um sich gegen seinen Feind, den „bösen Mann“, zur Wehr zu setzen. Dieser Widersacher wird in der Gedankenwelt durch ein schwarzes Auge dargestellt, das den Schleim kontrolliert und uns ein ums andere Mal durch die Level jagt. In diesen Abschnitten müssen wir darauf achten, einerseits den richtigen Weg zu finden, als auch dem kriechenden Schleim auszuweichen, was nicht immer einfach ist. Dies führt zu vielen, teils frustrierenden Neustarts. Hier wäre ein etwas verständlicheres Leitsystem sinnvoll gewesen, da die Verfolgungsjagden meist hektisch und unübersichtlich ablaufen. Zudem rennen wir auch oftmals nach vorne, Richtung Spieler, wodurch uns eine Voraus- oder Übersicht unserer Laufstrecke verwehrt wird. Nicht selten bleiben wir an Ecken hängen oder verpassen den richtigen Absprung. Da hilft nur eins: Hindernisse merken und nochmal von vorne versuchen.

Illusion: a Tale of Mind

Steuerung

Die Steuerung in Illusion: a Tale of Mind ist zu allem Übel dann leider noch ein bisschen ungenau und etwas fummelig zu bedienen. Nicht immer dreht sich Emma genau in die Richtung, in der wir den linken Stick neigen. Die nicht zielgerichtete Steuerung führt des Öfteren dazu, dass wir auch in langsamen Passagen des Spiels abstürzen oder den schwarzen Schleim berühren, wodurch wir wieder an einen bestimmten Punkt zurückgesetzt werden. Relativ nervig wird dies, wenn einem der Spawnpunkte eine Filmsequenz vorangestellt wird, die wir dadurch wieder und wieder ansehen müssen, bevor wir unser Glück erneut versuchen dürfen. Überspringen lassen sich die ausladenden Szenen nämlich leider nicht. Dafür ist die Steuerung an sich aber relativ einfach gehalten, da wir wirklich nur den linken Stick und die X-Taste benötigen, um uns durch das Spielgeschehen zu manövrieren.

Aus der richtigen Perspektive …

Das Hauptaugenmerk von Illusion – A Tale of Mind liegt einerseits im Erleben der Geschichte von Emma, andererseits im Lösen von anspruchsvollen Rätseln. Diese sind dabei ziemlich abwechslungsreich gestaltet. Es finden sich perspektivische Rätsel und Schiebepuzzles gleichermaßen im Spiel wieder wie Audiorätseln und hektischen Verfolgungsjagden. Wir brauchen also gleichermaßen logisches Denken, räumliche Vorstellungskraft und etwas Geschick, um im Spiel voranzukommen.

In den verschiedenen Levelabschnitten können wir außerdem Erinnerungsscherben sammeln, die sich am Ende zu einem Bild zusammensetzen lassen. Einmal zusammengesetzt wird der Gegenstand real und ermöglicht uns den Weg ins nächste Kapitel. Beim fleißigen Sammeln stoßen wir dabei auch immer wieder auf Grammofone, die uns Einblicke in die Gedanken unseres Vaters gewähren und uns die Charaktere näherbringen. Die Geschichte bleibt dabei sehr mitreißend und unterhaltsam, leider wird sie manchmal durch lange Strecken unterbrochen, in denen wir nur von A nach B und wieder zurücklaufen müssen, da die Level ein beachtlich großes Ausmaß erreichen und nicht immer sofort klar ist, wo es denn jetzt weitergeht. Etwas Abhilfe schaffen die immer wieder eingestreuten Abkürzungen, die während des Spielfortschrittes frei geschalten werden.

Illusion: a Tale of Mind

Im Auge des Betrachters

Die Grafik ist, gerade für ein Indie-Studio, wirklich sehr liebevoll inszeniert. Über kleinere Clipping- und Collision-Fehler kann getrost hinweggesehen werden. Süße Comiccharaktere, liebevoll gestaltete Animationen und phantasievoll abgedrehte Level zaubern zusammen eine wunderschöne Spielwelt. Euclides Erinnerungen werden in Zwischensequenzen mit Sepiabildern erläutert, die an alte Fotografien erinnern. Da Illusion – A Tale ofMindallerdings vor allem ernstere Themen behandelt, welche nicht immer kindgerecht dargestellt werden, sollte trotz des Comiclooks die Altersbeschränkung von 12 Jahren berücksichtigt werden.

Weiterhin positiv fällt außerdem die Synchronisation auf. Zwar versteht man wegen des stark französischen Akzentes zweier Synchronsprecher dieselben nur mäßig gut, die Emotionen der Charaktere werden aber trotzdem – oder gerade deshalb – hervorragend übermittelt. Verstärkt wird das Flair durch die angenehm komponierte Hintergrundmusik und die passenden abgemischten Ambientsounds, mit der die Gedankenwelt zum Leben erweckt wird – egal ob wir uns gerade im Zirkuszelt oder im Schützengraben aufhalten. Die Geschichte des kleinen kanadischen Publishers „Ravenscourt“, der hierzulande leider noch nicht sehr bekannt ist, wird euch mit seiner magischen Welt von Anfang bis Ende in ihren Bann ziehen.

Fazit:

In Illusion: A Tale of Mind erwartet euch ein sehr melancholisches, aber nichtsdestotrotz wunderschönes Abenteuer mit kleineren, technischen Mängeln, die sich im Gameplay niederschlagen. Einmal während des Tests ist das Spiel leider auch abgestürzt, wodurch mir eine knappe Stunde Spielzeit komplett verloren ging. Manuelles Speichern ist wie heutzutage üblich leider auch nicht drin. Wäre die Handhabung etwas gütiger, so wäre der Titel trotzdem noch eine runde Sache. Aber auch wenn die Steuerung sich etwas schwierig gestaltet ist das Spiel an sich auf jeden Fall einen zweiten und dritten Blick wert, denn die Atmosphäre und der Rätselspaß kommen auf keinen Fall zu kurz, die Story ist solide und die Synchronsprecher leisten fabelhafte Arbeit. Für den unschlagbaren Preis von 19.99€ ein echter Geheimtipp, dessen Kauf ihr sicher nicht bereuen werdet.

    Positiv

    • - Gelungene Atmosphäre
    • - Niedliche Charaktere
    • - Sehr schöner, eigenwilliger Stil
    • - Anspruchsvolle Rätsel

    Negativ

    • - Fummelige Steuerung
    • - Etwas abruptes Ende
    8

    Von
    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de