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Just Cause 3 – Feuerwerk für Physikbegeisterte

Von Patrick Hützen am 3. Dezember 2015

Square Enix liefert uns mit Just Cause 3 den neusten Open-World-Zerstör-Alles-Teil. Auf einer idyllischen Inselgruppe dürfen wir wieder ran. ZERSTÖRUNG ist die oberste Prämisse, mit allerlei Spielzeug im Handgepäck widmen wir uns einer oberflächlichen Story voller Explosionen, übertriebener Physik und waghalsigen Manövern.

Erzähl mir eine Geschichte

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Rico kommt aus dem Urlaub und findet sich in einer Diktatur wieder

Natürlich kann man als Entwickler keine riesige Sandbox bereitstellen, in der ihr nur alles vernichten könnt und die Grenzen der Physik locker überschreiten könnt, eine Story muss her. Im Prinzip geht es um Bavarium. Hierbei handelt es sich nicht um eine fiktive bayrische Kolonie im Mittelmeer, sondern um eine Art Super-Metall. Ein Diktator will jeglichen Vorrat an sich reißen und Ihr versucht ihn als Rico Rodriguez zu stoppen. Alles spielt sich auf der fiktiven Inselgruppe Medici ab. Da Just Cause auch in den Vorgängern nicht für eine atemberaubende Story bekannt geworden ist, wundert es hier nicht und stört auch nicht weiter. Schade sind nur die oberflächlichen Dialoge die den Charakteren keinen wirklichen Charakter verleihen. Besonders durch Dialoge, hätte Just Cause viele Möglichkeiten, andere Open-World-Titel parodistisch aufs Korn zu nehmen. 

…ne ich flieg‘ lieber

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Das Panorama in Just Cause 3 ist atemberaubend

Zwar wurde die Story nicht mit Tiefgang erweitert, dafür aber alles andere. So kann sich der Spieler über einen 1.000qm² großen Inselverbund bewegen und sich an schönen und unterschiedlichen Siedlungen erfreuen. Steht man auf einem Berg oder befindet sich gerade im Sinkflug, ist das Panorama wirklich atemberaubend und erzeugt eine mediterran geprägte Lust auf Urlaub. Nicht nur die Areale sind im neusten Teil noch größer geworden, sondern auch der hauseigene Fuhrpark. So lässt sich Rico mit allerlei Vehikeln durch Tunnel heizen, über zerstörte Brücken springen oder einfach dem Sonnenuntergang entgegen cruisen. Die Autos sind wirklich schön und der Sound von aufheulenden Motoren passt, doch leider ist die Steuerung derart schwammig, dass wir fast jegliches Fahrzeug ungewollt in eine fahrende Bombe verwandeln. Natürlich darf ein unerschöpflicher Vorrat an Fallschirmen nicht fehlen und wird durch den stetig nutzbaren Wingsuit ergänzt. Mit diesem könnt Ihr Rico durch Schluchten oder in Feindgebiet zirkeln und das sieht richtig gut aus. Kombiniert man Greifhacken, Wingsuit, Fallschirm und eine dicke Wumme miteinander, hat man im feindlichen Territorium eine Menge Spaß und darf sich auf Explosionen freuen.

Das kenn ich doch schon

Für richtige Kracher haben sich die Entwickler für die Signalfarbe rot entschieden und haben einfach alle „wichtigen“ Gegenstände und Gebäude so gestrichen. Der Raketenwerfer sollte also rote Flächen finden und BOOOMM. Die Explosionen sehen tatsächlich sehr gut aus, besonders wenn riesige Gastanks in die Luft fliegen und einen gigantischen Feuerball erzeugen, lachen die Augen. Schade leider, dass nicht alle Objekte zerstörbar sind und manche Strukturen selbst das heftigste Kampfjetfeuer aushalten. Just Cause 3 funktioniert nach dem aktuellen Open-World Standard, so nehmt ihr als Anführer der Rebellion Siedlung für Siedlung ein, erledigt Nebenmissionen um eure Fähigkeiten mit so genannten „Gears“ zu verbessern oder macht das, worauf Ihr Bock habt. Insgesamt ist es größer und unterhaltsamer als der Vorgänger.

That’s all?

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Explosionen sehen grandios aus

Natürlich nicht! Was auch die bisherigen Titel auszeichnet, ist die schier unbegrenzte Möglichkeit die Physik ad absurdum zu führen. Eigentlich kann man fast alles machen. Ein kurzer Ausblick: An einer Ziege befestige ich C4, nehme meinen Greifhaken und schleudere damit die Bombenziege in einen Gegnertrupp. Betätige kurz den Zünder und muss lachen – es hat funktioniert. Da ich natürlich nichts gegen Tiere habe, schwenke ich auf eine andere Methode über und der feindliche Helikopter kommt gerade passend. Mit dem Enterhaken visiere ich besagten Heli an, ziehe mich ran, drücke kurz vorher die X-Taste. Rico vollführt einen Rückwärtssalto, öffnet den Fallschirm, schwebt über dem Heli mit gezücktem Raketenwerfer – hasta la vista, baby. Theoretisch kann man alles kombinieren und somit Gegner auf die absurdesten Arten ausschalten und das klappt wirklich gut. Alles läuft flüssig, auch bei explosiven Kettenreaktionen, allerdings fällt auf der Konsole ein zu starker Blur-Effekt auf, gerade wenn man schwenkend den Panoramaausblick genießen möchte. Außerdem sind die Ladezeiten auf der Konsole auffällig lang, was wahrscheinlich an der Rekonstruktion sämtlicher zerstörter Gegenstände liegt.

Super-Rico

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Auch Brücken sind akut einsturzgefährdet

Liest man die letzten Zeilen öfter, stellt sich immer mehr heraus: Just Cause 3 stellt quasi eine Second Life-Simulation meines Wochenendes dar. So hält auch Rico im Spiel unglaublich viel aus und regeneriert sich schneller als Wolverine von den X-Men. Nicht ohne Grund hat man manchmal das Gefühl im God-Mode zu spielen. Doch gerade bei dieser Art von Spiel ist Realismus fehl am Platze. Neben Explosionen und Kugelhagel kann Rico auch aus beträchtlicher Höhe fallen, ohne zu sterben. Bei den Explosionen stellen sich manchmal tatsächliche physikalische Fehler heraus. Explodiert im Spiel etwas zu euren Seiten, wird Rico gerade nach hinten geschleudert – verzeihbar. Jeder, der mir jetzt vorwirft, dass quasi das gesamte Spiel auf einer unrealistischen Physik beruht, soll mir doch bitte erst ein Video vom Selbstversuch schicken – wer sagt das man nicht Kühe mit Hilfe des Greifhakens an ein Windrad schießen kann und so ein überdimensioniertes Kuhkatapult schaffen kann?

Fazit

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Mein Wochenende

Just Cause 3 macht definitiv Spaß, besonders wenn man „nur mal eine Runde spielen will“. Man muss nicht wirklich aufmerksam sein, um der Story zu folgen und trotzdem einige unterhaltsame Stunden zu haben. Der Titel bietet fast grenzenlose Zerstörung und ermöglicht dem Spieler sein kreatives Potenzial auszuschöpfen. Alles läuft flüssig, lediglich die Autosteuerung nervt auf Dauer. Die Dauer ist leider der nächste Punkt. Zwar hat man nach einigen Stunden noch lange nicht alles gesehen und längst nicht alle Möglichkeiten ausprobiert, wie man Gegner kunstvoll pulverisieren kann, aber irgendwie hat man doch alles gesehen. Missionen wiederholen sich und freie Zerstörung wird mit der Zeit langweilig. Die unterschiedlichen Areale sind teilweise liebevoll gestaltet, sind aber der einzige abwechslungsreiche Faktor in Ricos Universum.

Für jeden Fan von kurzweiliger Unterhaltung, ohne tiefe Story aber mit tollen Explosionen und vielen unterhaltsamen Methoden mit Gegner, Waffen und der Physik zu spielen, kann ich Just Cause 3 nur empfehlen.

Positiv

  • Explosionen sehen grandios aus
  • abwechslungsreiche Landschaften
  • Förderung der Kreativität
  • übertriebene Physik
  • tolles Panorama

Negativ

  • platte Dialoge
  • lange Ladezeiten
  • kein Multiplayer
  • wird schnell eintönig
8

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de