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Ken Follett´s Die Säulen der Erde – Buch 1: Aus der Asche im Test

Die Geschichte von Ken Follett, die sich um den Bau einer Kathedrale dreht, hat mittlerweile einen sehr langen Werdegang hinter sich. Der schon im Jahre 1990 erschienene englische Roman „The Pillars of the Earth“, welcher in England im 12. Jahrhundert spielt, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. 20 Jahre nach dem Bestseller wurde der gleichnamige Film unter der deutschen Firma Tandem Communications veröffentlicht, die sich bereit erklärte, eine romangetreue Verfilmung ohne Kürzungen der der Handlung vorzunehmen. Die Dreharbeiten brachten schließlich 400 Minuten langen Film hervor, der in mehreren Folgen (Amerika acht, Deutschland vier) als Kurzserie ausgestrahlt wurde. Neben Tandem Communications wirkte hauptsächlich die kanadische Firma Muse Entertainment an der Entwicklung des Filmes mit.

Noch einmal sieben Jahre später nimmt sich schließlich Entwickler Daedalic der Geschichte an. Gemeinsam mit Ken Follett´s deutschem Verlagshaus Bastei Lübbe wird nun ausdauernd an der Videospieladaption für PC, PS4 und Xbox One gearbeitet, von der am 15. August bereits das erste Buch „Aus der Asche“ als spielbares Point & Click-Adventure erschien. Um der Geschihte folgen zu können, müssen jedoch einerlei Vorkenntnisse vorhanden sein, da Daedalic die Story von Anfang an aufgreift und neu inszeniert.

Der Streit um den Thron

12. Jahrhundert, England. Der damalige König von England, Heinrich der I. ist gestorben und hinterlässt keinen direkten Nachfolger. Ein Streit um die Erbfolge entbricht, auf dessen einer Seite Heinrichs erste Tochter Mathilda, auf der anderen Seite deren Cousin Stephan steht. Die Einwohner leiden nicht nur unter einem besonders harten Winter, sondern ebenfalls unter den nicht enden wollenden Bürgerkriegen.

Während des ersten Buches spielt ihr abwechselnd die drei Hauptcharaktere Tom Builder, ein Baumeister, dessen Traum es ist eine Kathedrale zu errichten, Bruder Philip, der in der fiktiven Stadt „Kingsbridge“ zum neuen Prior der dortigen Kathedrale gewählt wird und einen Jungen namens Jack, der aus unbekannten Gründen als „Outlaw“ gemeinsam mit seiner Mutter im Wald lebt. Gegebene, traurig düstere Umstände führen dazu, dass sich die Wege der Protagonisten kreuzen.

Tom ist mit seiner Familie auf dem Weg zur Grafschaft Shiring, um Arbeit zu suchen, als bei seiner hochschwangeren Frau inmitten des Waldes plötzlich die Wehen einsetzen und euch zur Hebamme werden lassen. Philip hingegen versucht dem Zerfall der Kathedrale von Kingsbridge entgegenzuwirken und den ominösen Selbstmord des Ex-Priors aufzuklären. Jack und seine Mutter hingegen schließen sich Toms Familie an, einerseits um ihnen zu helfen, andererseits um dem Erfrierungstod im Wald zu entgehen.

Novelle im Point & Click-Stil

Per Maustaste manövriert ihr die Charaktere durch beeindruckende Burgen, idyllische Wälder und düstere Kathedralen. An bestimmten Hotspots könnt ihr interagieren oder euch die Gedanken der Charaktere zum jeweiligen Punkt anhören. Mit der Leertaste könnt ihr euch alle Hotspots anzeigen lassen und müsst nicht noch unnötig lange in der Gegend herumklicken. Dabei könnt ihr Gegenstände aufheben, sie euren Begleitern oder den Einwohnern Englands zeigen und somit Infos erhalten, die ihr wiederum mit anderen Personen besprechen könnt. Die Gegend zu erkunden lohnt sich, da ihr einige Hintergrundinfos nur bei genaueren Inspektionen findet.

Schwere Rätsel habt ihr hier nicht zu lösen, was aber auch nicht Sinn der Sache ist. Eindrücke sammeln, die komplexe Geschichte erleben und die Charaktere kennenlernen steht ganz klar im Vordergrund und nicht das Gameplay. Durch die Hinweise, die ihr von anderen Personen erhaltet, werdet ihr auf den richtigen Weg gelenkt. In Gesprächen könnt ihr meist eine Vielzahl an Entscheidungen treffen, welche den Spielfluss tatsächlich ein wenig beeinflussen. So könnt ihr beispielsweise einen Dieb anprangern, der anschließend geschlagen wird, oder aber ihr lasst ihn laufen und er entgeht der Strafe. Auch komplette Szenen können wegfallen, solltet ihr euch in der ein oder anderen Situationen entscheiden, nicht an einer gewissen Stelle aufzukreuzen. Manchmal ist es außerdem besser, die Zeit ablaufen zu lassen und einfach mal nichts zu sagen – was in den meisten Gesprächen ebenfalls eine Option ist.

Die Säulen der Erde: Buch 1 besteht aus insgesamt sieben Kapiteln, die aufeinander aufbauen. Am Ende eines jeden Kapitels seht ihr eine Zusammenfassung der Geschichte, die je nach euren getroffenen Entscheidungen anders ausfallen kann. Manche der Errungenschaften verändern sich aber nie und gewährleisten so den doch größtenteils linearen Ablauf der Geschichte.

Leider ist das erste Buch nach ca. sechs Stunden Spielzeit relativ schnell durchgespielt, und ihr hungert nach mehr. Neugierige Spieler werden sich die Passagen jedoch auch ein zweites und drittes Mal antun, da die vielen Entscheidungsmöglichkeiten sowie der Wunsch es beim nächsten Mal besser zu machen durchaus zum erneuten Durchspielen animieren. Und tatsächlich entdeckt man so die ein oder andere Sache, die einem zuvor entgangen ist und lernt nebenbei die verschiedenen Seiten der Charaktere kennen.

Schön wie gemalt

Wie von Daedalic nicht anders gewohnt wurde auch mit Die Säulen der Erde wieder ein optisches Glanzstück erschaffen. Der eigenwillige, aber durchaus ansprechende, zweidimensionale Zeichenstil unterstreicht die Stimmung der Geschichte und lässt sie sehr authentisch wirken.

Hintergründe sind unglaublich schön inszeniert und brillieren mal wieder durch die Lebendigkeit der Umgebung. Layer im Vordergrund lassen Bäume im Wind wehen, Schafe und Pferde grasen auf der Weide und Bäche fließen das Flussbett entlang. Flaggen wehen, Schornsteine rauchen und auch die wenigsten Bewohner Englands stehen gerne still. Stets hat man das Gefühl einer lebendigen Welt vor Augen. Auch wurde die Architektur des historischen Englands sichtbar gut recherchiert und in Szene gesetzt.

Hervorzuheben ist außerdem das exzellente Charakterdesign des Spiels. Alle Personen wurden liebevoll ausgearbeitet und weisen eine große Individualität und noch größeren Wiedererkennungswert auf. Dies wird beispielsweise gerade in der Kathedrale, in der eine Unmenge an Mönchen lebt, die zudem alle die gleiche Robe und Tonsur tragen, mehr als deutlich. Jeder einzelne der Mönche ist trotzdem an Gesichtszügen, Statur und individuellem, nur leicht verändertem Farbschema deutlich zu erkennen. Philips Bruder Francis hingegen sieht ihm trotz allem ähnlich.

Das Spiel ist von vorne bis hinten voll synchronisiert. Wahlweise könnt ihr euch von den englischen oder den deutschen Sprechern berieseln lassen, die durch die Bank ganz ordentliche Arbeit leisten. Untertitel sind auch noch in vielen weiteren Sprachen verfügbar.

Auch an der musikalischen Untermalung des Titels lässt sich nichts aussetzen. Für die eingängigen Melodien ist das FILMharmonic Orchestra in Prag unter der Leitung von Komponist Tilo Alpermann verantwortlich, der auch schon die Lieder für Silence komponierte.  Es gibt sogar ein paar gesungene Lieder, die sich sehr schön anhören und sich makellos ins Spielgeschehen einfügen.

Fazit:

Optisch und klanglich ein wirklich wunderschön inszenierter Titel, vor allem wenn man bedenkt, dass alle Animationen, Hintergründe und Charaktere handgezeichnet wurden, dafür muss man die Entwickler wirklich loben. Auch das komplette Werk doch relativ kompakt zu halten, war sicherlich nicht leicht, trotzdem geht an der Geschichte nicht viel verloren. Auch Neueinsteiger müssen keine Angst haben, da hier alles von Anfang an genau erklärt wird. Die Zielgruppe des Spiels sind diesmal etwas ältere Spieler, die sich auch mit einem etwas ruhigeren Gameplay begnügen, denn actionreiche Szenen oder schwere Rätsel sucht man hier vergebens. Für eine interaktive Novelle, als die der Titel gedacht war, ist die vereinfachte Spielweise des Point & Click-Adventures aber durchaus in Ordnung. Interessante Gespräche mit Auswahlmöglichkeiten à la Telltale steigern außerdem den Wiederspielwert des Titels. Es darf also gespannt auf das zweite Buch gewartet werden, dessen Erscheinungstermin bis dato leider noch nicht festgesetzt wurde.

Positiv

  • Sehr schöner Stil
  • Individuelle Charaktere
  • Interessante Geschichte
  • Top Voice-Acting
  • Solide Sounds
  • Entscheidungen haben tatsächlich Auswirkungen

Negativ

  • Teils lange Dialoge
  • Etwas weniger Gameplay
9

Von

Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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