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Kingdom Hearts HD 2.8 Final Chapter Prologue im Test – Hinhaltetaktik vom Feinsten

Kingdom Hearts Fans müssen seit jeher einen baumstammdicken Geduldsfaden haben, denn nach dem ersten Teil, der schon im Jahre 2002 erschien, werden Anhänger hingehalten, was das Zeug hält. Schon der zweite Hauptteil ließ vier weitere Jahre auf sich warten, seitdem wurde die Marke ausgeschlachtet und mit „Filler-Spielen“ gestreckt und gestreckt, die Story dabei immer verwirrender. Seit einigen Jahren stehen nun regelmäßig sogenannte HD-Remakes in den Ladenregalen, die die Fangemeinde weiterhin bei der Stange halten sollen. Auf den angekündigten dritten Teil, der eigentlich für 2016 datiert war, warten wir bis heute vergebens.

In Kingdom Hearts 2.8 erwartet uns diesmal das Remake des 2012 erschienenen „Kingdom Hearts – Dream Drop Distance“, in welchem Riku und Sora ihre Prüfung zum Schlüsselschwert-Meister ablegen. Des Weiteren kommen wir in den Genuss von „Kingdom Hearts 0.2 Birth by Sleep – A Fragmentary Passage“, in welchem wir Aqua wenige Stunden durch die atemberaubende neue Grafik der Unreal Engine 4 steuern dürfen. Und auch ein cineastisches Meisterwerk ist diesmal dabei. In „Kingdom Hearts χ – Back Cover“ wird die Geschichte von „Kingdom Hearts – χ“ zusammengefasst, welches seit 2013 für den Webbrowser, seit 2015 für iOS und Android verfügbar ist und die Geschichte vor den Schlüsselschwertkriegen zeigt.

Kingdom Hearts X – Back Cover  

Aber alles der Reihe nach. Chronologisch steht also Kingdom Hearts χ – Back Cover an erster Stelle, von allen bisher erschienenen Spielen und Filmen. Der Film zeigt den scheinbar ersten Meister der Schlüsselschwerter mit seinen sechs Jüngern, die den Frieden der Welten wahren sollen, welche sich zu dieser Zeit in noch einer zusammenhängenden Welt befinden. Jeder der Jünger erhält eine Kopie des “Buches der Prophezeiung”, in welchem der Meister zukünftige Ereignisse niedergeschrieben hat. Diese sieht er durch ein spezielles Schlüsselschwert, an dessen Klinge ein blaues Auge angebracht ist. Aufmerksamen Fans dürfte dieses Schwert bekannt vorkommen. Er schickt seinen ersten Jünger „Luxu“ mit dem Schwert und einer geheimnisvollen Kiste fort, damit dieser neue Informationen über Ereignisse der Zukunft sammelt. Auch seinen anderen fünf Jüngern erteilt er jeweils eine Aufgabe, die sie ohne zu hinterfragen erfüllen sollen. Kurze Zeit darauf verschwindet auch der Meister. Die Jünger versuchen alles, den Frieden und das Licht in der Welt zu wahren, jedoch entflammt durch das kryptische Buch der Prophezeiung immer wieder Streit zwischen den Parteien. Es scheint als ob die verbitterten Versuche das vorherbestimmte Schicksal abzuwenden, dieses erst herbei beschwören. Es kommt, wie es kommen musste, der Schlüsselschwertkrieg um Kingdom Hearts beginnt. Damit endet der Film. Die Lücke, was aber genau geschehen ist, wird wieder einmal nicht geschlossen und alles in allem werden wieder mehr Fragen aufgeworfen, als Geheimnisse gelüftet.

Kingdom Hearts 0.2 Birth by Sleep

Ebenfalls zeitlich anfangs angesiedelt ist das Highlight der Disc. Nachdem rührenden Ende von Kingdom Hearts – Birth by Sleep, welches noch vor dem ersten Teil spielt, bleibt Aqua im Königreich des Dunkeln zurück um ihre beiden Freunde Terra und Ventus zu retten. Verloren streift sie in der zeitlosen Welt umher und bemerkt eines Tages Welten, die in der Dunkelheit versunken sind. Sie muss sich nicht nur den Herzlosen, sondern auch ihrem eigenen Phantom stellen, welches ihr regelmäßig selbstzweifelnde Sprüche zukommen lässt. Wenig Später trifft sie auf König Mickey, der ihr erzählt, dass im Königreich des Lichtes bereits zehn Jahre vergangen sind. Er selbst ist auf der Suche nach Riku, um mit dessen Hilfe das Tor zwischen den Reichen zu verschließen und die Invasion der Herzlosen ins Reich des Lichts zu stoppen. Natürlich hilft Aqua dem König bei seiner Mission, muss jedoch erneut ihre Freiheit für den Frieden opfern.

Die Optik des Spieles ist einfach nur bombastisch. Der kurze Titel ist wunderschön inszeniert. Noch nie gab es derart detailreich gestaltete Level und eine so liebevoll erschaffene Umwelt. Auch Aqua wirkt so lebendig und agil wie noch kein Kingdom-Hearts Charakter zuvor. Nicht selten passiert es uns, das wir voll Staunen vor einem Haus, einer Lampe, einem Blumenfeld oder auch nur einem popligen Felsen stehen und die geniale Umsetzung bewundern. Der Einblick in die Grafik des dritten Teiles hat es mehr als in sich. Vielerlei Partikel- und Spezialeffekte treiben es grafisch so richtig auf die Spitze. Das Gefühl von ein echtes Kingdom Hearts zu spielen wurde dabei aber durch die klassischen Truhen, das allseits bekannte Interface und die unverkennbaren Kingdom Hearts Soundkulissen beibehalten. Da kann man die selten eintretenden Frameeinbrüche schnell wieder vergessen.

Durch die Tatsache, dass Aqua schon von Anfang an die besten Zauber kennt und auf Lvl. 50 startet, hat man auch wirklich das Gefühl, das Spiel schließt an Birth by Sleep mit einer erfahrenen Schlüsselschwertmeisterin an. Diese Immersion hätte man mit einem Levelneustart und 08/15 Angriffen ziemlich schnell zerstören können. Gameplaytechnisch bleibt Kingdom Hearts sich treu, durch ein paar neue Kampfmodi kommt aber auch etwas Abwechslung ins Spiel.

Kingdom Hearts – Dream Drop Distance

Das Remake des 3DS-Titels weist eine aufgehübschte Grafik auf, die für diese Art der Wiederverwertung vollkommen in Ordnung ist. Dass sich daraus keine zeitgemäße PS4 Grafik machen lässt, sei dem Titel verziehen.

Dream Drop Distance erzählt die Geschichte von Sora und Riku, die sich nach dem Sieg über Ansem auf die bevorstehenden Kämpfe mit Xehanorth vorbereiten sollen. Dazu sollen sie ebenfalls die Prüfung zum Schlüsselschwertmeister ablegen, welchen Titel ihnen von Yen-Sid verleihen wird. Geradezu praktisch, dass manche Welten, die von Sora im ersten Teil gerettet wurden, sich immer noch in einer Art “Schlaf” befinden, aus denen sie erweckt werden müssen. Dazu gilt es wie üblich das passende Schlüsselloch zu finden, damit mittels Schlüsselschwert das Siegel gebrochen und die sieben Disneywelten erwachen können. Abwechselnd steuert ihr diesmal Sora und Riku durch zwei parallele Versionen der Welten, die verschiedene Einblicke in deren Handlungsstränge ermöglichen. Gewechselt wird beim sogenannten “Drop”, welcher immer nach einem gewissen Zeitlimit einsetzt und die momentane Hauptfigur einschlafen lässt. Alternativ können die Charaktere aber auch manuell auf der Weltkarte gewechselt werden, um die Vervollständigung einer Welt mit beiden Protagonisten zu ermöglichen.

Auf das Gumi-Mobil wird diesmal verzichtet. Anstelle dessen tritt der sogenannte “Dive”, den es vor jedem Level zu absolvieren gilt. Im freien Fall müssen Sterne eingesammelt, Hindernisse aus dem Weg geräumt und Feinde besiegt werden, damit sich das Tor der jeweiligen Welt öffnet.

Mit dem sogenannten “Free-Flow-System” können Sora und Riku mit gleitenden Bewegungen schneller durch die Umwelt geschleust werden. So slidet ihr beispielsweise über ein niedriges Geländer, springt weiter hoch auf die Dächer, von denen aus ihr zu einer weit entfernten Lampe hechtet, mit deren Hilfe ihr ein noch höher gelegenes Areal erreichen könnt. Aber auch im Kampf lässt sich das neuartige System einsetzen und frischt das altbekannte Gameplay mit exklusiven Angriffsmöglichkeiten und Finishern etwas auf.

Herzlose gibt es in diesem Ableger nicht, denn in den Welten befindet sich diesmal eine andere Sorte Bewohner, die “Traumfänger”. Diese sind Fluch und Segen zugleich, denn neben den Horden an “Nightmares”, die ihr besiegen müsst, könnt ihr selbst mit den richtigen Materialien eigene “Spirits” erschaffen, die euch im Kampf unterstützen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten die Monster zu erschaffen: Entweder ihr findet ein Rezept, auf welchem die benötigten Materialien für ein bestimmtes Monster vermerkt sind, oder ihr wählt auf gut Glück Materialien aus und schaut, was dabei herauskommt. Besagte Materialien erhaltet ihr durch Besiegen von Gegnern, Challenges, diversen Minispielen oder im Spiel versteckter Truhen. Einmal erstellte Spirits können dabei sowohl von Sora als auch von Riku als Begleiter ausgewählt werden. Drei der Monster könnt ihr in euer Team aufnehmen, welche dann in Kämpfen ordentlich Erfahrungspunkte absahnen, aktive Unterstützung erhaltet ihr aber nur von den beiden ersten Teamkameraden. Mit diesen kann man sich im Kampf auch verbinden, um mächtige Attacken auf den Gegner loszulassen. Nachdem eure plüschigen Gefährten ein wenig Kampferfahrung gesammelt haben, könnt ihr in ihrer Abilitiliste neue Fertigkeiten freischalten, die mal ihnen, mal eurem Protagonisten zugute kommen.

Damit sich die Spirits noch besser entwickeln, könnt ihr sie in bester Nintendogs-Manier auch streicheln, füttern oder mit ihnen spielen. Da ihr eigentlich aber anderweitig zu tun habt, kann das ständige Umsorgen eurer Schützlinge aber zu einer regelrecht nervenaufreibend langweiligen Tätigkeit werden. Da ihr die Monster immer wieder wechseln werdet, müsst ihr immer wieder von neuem Anfangen. Hinzu kommt, dass das ganze streicheln und bürsten auf dem Nintendo 3DS mit Stylus doch um einiges besser funktioniert hat, als mit dem Analogstick des PS4 Controllers.

Leider fällt bei der PS4 Adaption natürlich auch die Dreidimensionalität weg, die beim Handheld zu glänzen wusste.

Fazit

Finger weg, wer keine Ahnung von Kingdom Hearts hat! Dieser Teil beinhaltet drei schon für eingeschworene Fans sehr schwer verdauliche Handlungsstränge, welche Neulinge in keinerlei Zusammenhang bringen können. Auch hartgesottene Anhänger sollten wirklich JEDEN Teil der Serie zumindest einmal durchgespielt haben, um die Handlung und den Zeitsprüngen ungefähr folgen zu können. Ansonsten seit ihr in den weiten des Kingdom Hearts Universums verloren…

Kingdom Hearts χ – Back Cover:

Auch wenn der Film schön inszeniert und spannend ist – de ständige Geheimniskrämerei nervt. Auch der Glaube daran, dass der dritte Teil all die Geheimnisse aufzudecken vermag, scheint schwindend gering, zu komplex ist mittlerweile die Handlung. Anstatt sich darauf zu konzentrieren einige Handlungsstränge aufzulösen, wird die Geschichte immer verworrener – das ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Langsam wird´s Zeit für Antworten. 

Kingdom Hearts 0.2 Birth by Sleep:

Birth by Sleep 0.2 finde ich hingegen mehr als gelungen. Hier wird immerhin eine kleine Storylücke geschlossen und die Grafik ist einfach nur fantastisch. Durch den Trick Aqua bereits auf Level 50 hochzuheben und sie als erfahrene Schlüsselschwertmeisterin darzustellen wirkt der Kurztitel authentisch und lebendig. Auch das Gameplay, eine Mischung aus Rätseln, sammelbaren Objekten und dem Echtzeit-Kampfsystem macht sehr viel Spaß.

Kingdom Hearts Dream Drop Distance HD:

Nach wie vor ein schöner, wenn auch etwas unnötiger Ableger, der mit den bunten Traumfängern zu beigeistern vermag. Neue Spielelemente peppen das Gameplay auf und durch einige Rückblenden wird die Story grob zusammengefasst. Die PS4 Adaption weist grafisch Vorteile, spieltechnisch allerdings auch ein paar Nachteile auf, da beispielsweise das Streicheln – verständlicherweise – mit dem Stylus besser funktionierte als mit dem Analogstick.

Positiv

  • Phantastische neue Grafik
  • Noch nie gezeigtes Material
  • Wie immer solides Gameplay
  • Atmosphärische, wunderschöne Sounds

Negativ

  • Wieder mehr Geheimnisse
  • Dream Drop Distance leidet manchmal unter der PS4 Adaptionjavascript:void(0);
9

Von

Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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