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L.A. Noire (Switch) im Test – Gestatten Cole Phelbs, LAPD

Wir befinden uns im Amerika der vierziger Jahre, in welchem wir als LAPD-Mitglied Cole Phelps ein um den anderen kniffligen Kriminalfall lösen müssen. Dabei bringt Cole trotz tragischer Vergangenheit in der US Armee einen starken und überzeugenden Charakter mit sich, der ihm bei Befragungen von Zeugen den entscheidenden Vorteil einbringt.

Als einfacher Streifencop soll Officer Phelps im Verkehrsdezernat für Sicherheit in den Straßen sorgen. Da er sich bei seinem Job gut anstellt und viel Eigeninitiative zeigt, wird er schon bald befördert und klettert langsam aber sicher die Karriereleiter nach oben. Mit wechselnden Partnern machen wir uns auf den Weg, Kleinkriminelle zu schnappen, Mordfälle aufzudecken, wilde Verfolgungsjagden zu veranstalten und ab und zu eine ordentliche Schießerei loszutreten – der ganz normale Alltag eines 40er Jahre Cops eben. Hauptbestandteil der einzelnen Fälle ist jedoch das Befragen von Zeugen, die mit den Untersuchungen zusammenhängen. Vorab sollten wir jedoch die Schauplätze immer genau unter die Lupe nehmen, um Hinweise und Ungereimtheiten zu entdecken, mit denen sich der Fall schließlich lösen lässt.

Lie to me

Haben wir genug Beweismittel gesammelt, so geht es ans Eingemachte, die Zeugenbefragung. Hier ist unsere Intuition gefragt, denn die wenigsten unserer Gegenüber haben eine vollkommen reine Weste und so sind wir immer wieder gezwungen, die Wahrheit mit etwas Nachdruck oder den eingesammelten Hinweisen herauszufinden. Während des Gespräches kommen wir dabei immer wieder an Punkte, in denen wir das Verhalten von Phelps steuern können. Sind wir der Meinung ein Zeuge sagt die Wahrheit und ist kooperationswillig, so wählen wir am besten „Guter Cop“, bei dem unser Ermittler den Zeugen gut zuredet, um mehr Details in Erfahrung zu bringen. Haben wir stattdessen ein eideutiges Indiz dafür, dass der Zeuge flunkert, so sollten wir ihn  „Beschuldigen“, und ihn mit dem stichhaltigen Beweis konfrontieren. Für den Fall, dass unser gegenüber uns offensichtlich etwas verschweigt, wir allerdings keinen handfesten Beweis dafür erbringen können, spielen wir den „Bösen Cop“. Aufschluss über den Wahrheitsgehalt der Aussage erhalten wir dabei durch die verräterische Mimik der Charaktere. Nur selten lässt sich nicht erkennen, wenn einer der Zeugen lügt, da sie nervös schlucken, unserem Blick ausweichen oder unruhig auf dem Stuhl hin und her zappeln. Schwieriger wird es mit der Beweislage, denn manchmal lässt sich anhand der Aussagen nur schwer identifizieren, ob und welcher Gegenstand nun als Beweismittel dient. Machen wir etwas falsch, so kann es sein, dass ein Zeuge das weitere Gespräch mit uns komplett verweigert und wir ohne Infos dastehen. Dies ist mitunter ziemlich ärgerlich, da ein nicht abgeschlossener Fall komplett wiederholt werden muss, um ihn aufzudecken. Ebenso verhält es sich natürlich, wenn wir einen wichtigen Hinweis übersehen. Damit wir zumindest mehr Chancen haben alle Hinweise zu finden, hat L.A.Noire eine Hilfe-Funktion eingebaut. Kommen wir in die Nähe eines potenziellen Beweisstückes, so erscheint ein Lupensymbol im linken unteren Bildschirmrand. Haben wir das Objekt noch nicht untersucht, so vibriert zudem der Controller. Diese Hilfefunktionen lassen sich allerdings auch im Menü abschalten – für diejenigen Gamer, die eine echte Herausforderung suchen. Allerdings ist auch nicht alles für den jeweiligen Fall hilfreich, denn es können auch Zigarettenschachteln, Essensreste und Bierflaschen aufgehoben werden, die für die Ermittlungen null relevant sind. Spaß alles zu untersuchen, hat man aber trotzdem. Je mehr Hinweise man findet, desto mehr kann man selbst knobeln, kombinieren und sich den Fall zusammenreimen, ohne dass einem das Spiel jeden Gedankengang vorlebt.

In den Straßen Hollywoods

Der Titel wurde perfekt an die Zeit und die Begebenheiten, in denen es spielt, angepasst. Kleidung, Straßenbau, Automobile und die Charaktere selbst vermitteln stets ein sehr authentisches Bild des Los Angeles der 40er Jahre. Auch der Soundtrack ist vollends dem Flair, den damaligen Trends und technischen Möglichkeiten angepasst. Wem das noch nicht genug ist, der stellt im Pausemenü den Bildschirm auf den Schwarz-Weiß-Modus um, damit dürfte das Retrofeeling wohl ziemlich perfekt sein.

Des Weiteren ist der Titel äußerst gut gealtert. Die in 2011 noch etwas matschigen und damit schwerer zu deutenden Gesichtszüge erscheinen auf der Switch nun um einiges klarer, sodass auch der beste Lügner mit etwas Geschick identifiziert werden kann. Ebenso die Umgebung kann sich sehen lassen.

Was wir in den Straßen L.A. etwas vermissen, sind lange, offene Haare. Trotz, dass wir auf Fotos auch Frauen mit wallender Mähne sehen, waren diese im Spiel wohl zu schwierig umzusetzen. Das führt dazu, dass die Frauen allesamt eine immer mehr oder weniger gleich aussehende Hochsteckfrisur tragen – ob es sich um eine berühmte Sängern, die ältere Pensionsleiterin oder das jüngst erdrosselte Mordopfer im Regen handelt – die Frisur sitzt. Dabei war die voluminöse, schulterlange Lockenpracht mit Hochsteckelementen damals eher der Trend.

Sachschaden: Over 9000

Während des Spiels wechselt ihr logischerweise immer wieder die Schauplätze, an denen die unterschiedlichsten Verbrechen geschehen. Um die diversen Tatorte zu erreichen, steht euch und eurem Partner ein gemeinsamer Dienstwagen inklusive Sirene zur Verfügung. Allerdings gestaltet sich das Fahren in L.A. Noire mitunter schwierig. Die Steuerung ist etwas ungenau und auch das Beschleunigungs- und Bremsverhalten des Wagens treibt Ermittlern den Schweiß auf die Stirn. Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge, die von KIs gesteuert werden, sich auch nicht immer verkehrsgerecht verhalten. Außerdem – sind wir mal ehrlich – wollen wir auch nicht mit 30 km/h hinter einer Autokolonne herschleichen und an jeder roten Ampel halten, wenn wir am anderen Ende der Stadt dringend gebraucht werden. Die Sirene hilft da auch nur bedingt weiter, Autofahrer weichen dann zwar williger aus, manchmal ist gut gemeint aber nicht gleich gut ausgewichen. Und so zerlegen wir regelmäßig Automobile, räumen Ampeln von Straßenkreuzungen, überfahren Bänke und streifen auch manchmal den ein oder anderen Fußgänger mit unserem Streifenwagen – ob der wohl deshalb so heißt? Den anfallenden Schaden bekommen wir dann sauber aufgelistet nach dem Abschluss des Falls präsentiert – was uns meist eine schlechtere Bewertung beschert. Wird uns das Ganze zu bunt, können wir auch jederzeit unseren Partner ans Steuer lassen, allerdings verpassen wir dann die optionalen Straßenverbrechen, von denen wir nur beim aktiven Fahren Wind bekommen. Haben wir unser Auto einmal aus Versehen zerlegt (oder wollen unbedingt mit dem schnittigen Cabrio fahren, dass uns da entgegen kommt), können wir auch jederzeit mittels Marke und eindrücklicher Erwähnung unseres Berufsstandes andere Autofahrer freundlich aus dem Wagen bitten. Dabei erhalten wir sogar Erfolge, je mehr Autos wir frei geschalten haben. Außerdem sollten wir es uns auch nicht nehmen lassen, bei Gelegenheit mal in Feuerwehrfahrzeuge, das Auto des Gerichtsmediziners, Taxis oder in einen Müllwagen zu steigen – zum großen Entsetzten unseres Partners. Wirklich seltene Fahrzeuge finden sich versteckt in der Stadt hinter blauen Türen – eine amüsante Autoschnitzeljagd beginnt.

Wer glitcht denn da?

Auch L.A. Noire ist nicht von allen Spielfehlern befreit. Bugs gibt es zahlreiche, jedoch beeinflussen sie das Spiel – wenn überhaupt – auf positive Weise, da sie meist urkomisch und dem Spielspaß zuträglich sind. So rennen Fußgänger beispielsweise immerzu im Kreis, wenn wir mit unserem Fahrzeug gefährlich nahekommen, anstatt Reißaus zu nehmen oder der Gerichtsmediziner stellt sich auf das entblößte Mordopfer, das er eigentlich untersuchen sollte. In einer Zeugenbefragung entglitten unserem Verdächtigen im wahrsten Sinne des Wortes die Gesichtszüge und wenn wir Mal  wieder die Stadt in Trümmer legen, mault uns unser Partner erst Minuten später an, was wir da eigentlich gerade machen. Dafür sind die zahlreichen Motion Scanning Daten und die unendlich vielen Synchronisationen aber geradezu meisterhaft umgesetzt. Da darf auch mal was schiefgehen.

Fazit:

L.A.Noire ist ein sehr atmosphärischer Konsolentitel, der mit Bravour auf die Switch re-released wurde. Technisch scheint er kaum gealtert zu sein, Mechaniken funktionieren nach wie vor meist tadellos. Es macht unheimlich viel Spaß den Ermittler Cole Phelps zu spielen. Zwar hat das Spiel ein paar Bugs, jedoch sind diese wie bereits erwähnt zum Totlachen und schmälern den Spielspaß in keinster Weise. Mein persönliches Highlight ist das Sammeln von Autos, eine sehr unterhaltsame Freizeitbeschäftigung, die seltenen Garagenautos wahre Schmuckstücke der amerikanischen Automobilgeschichte. Außerdem macht es enormen Spaß, die Leute aus ihren Fahrzeugen zu winken, nur um im nächsten Moment wieder auszusteigen und sich der Suche nach weiteren versteckten Automobilen zu widmen. Dabei kann man recht lange Autoschlangen erschaffen. Etwas getrübt wurde mein Spielspaß allerdings durch die Tatsache, dass Fälle nicht immer aufgelöst werden. Viele „Wieso?-Weshalb?-Warum?-Fragen“ bleiben vorsätzlich offen. Dies rührt allerdings daher, dass die Fälle auf wahren Begebenheiten beruhen, die tatsächlich nie ganz aufgeklärt wurden. Trotzdem blöd. Auch musste ich des Öfteren die Komplettlösung zurate ziehen, da es ab und an mal vorkommt, das die Herangehensweise der Zeugenbefragung ziemlich abstrakt und nicht immer nachvollziehbar ist.

Positiv

  • Unterhaltsames Krimi-Spiel
  • Spannende Fälle
  • Optionale Straßenverbrechen
  • Auto-Schnitzeljagd
  • Gut gealterter Titel
  • Witzige Bugs

Negativ

  • Verbrechen werden nicht immer aufgedeckt
  • Manche Fälle sind ohne Komplettlösung nur sehr schwer zu lösen
  • Schwierige Steuerung der Fahrzeuge
8.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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