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Little Big Planet 3 – Sackhüpfen der anderen Art

Von David Wichter am 5. Dezember 2014

LittleBigPlanet war schon seit dem ersten Teil eine kleine Ausnahme im PlayStation-Sortiment der Exklusivtitel. Während es bei den Kollegen meistens düster und gewalttätig zugeht, feiert LittleBigPlanet vor allem Leichtherzigkeit und Kreativität, und das in einem Gewand für alle Altersklassen. Die Serienschöpfer von Media Molecule haben ihr Baby für den dritten Teil in die Hände von Sumo Digital (unter anderem bekannt für Sonic & All-Stars Racing Transformed) gegeben. Ob dieses dem Anspruch der Reihe gerecht werden, wird im folgenden Test enthüllt.

 

Die Geschichte einer Glühbirne

Für den dritten Teil der Reihe kehrt man mal wieder in die Fantasiesphäre zurück, LittleBigPlanets magische Welt, in der alltägliche Dinge scheinbar nur in einer zweckentfremdeten Form auftreten und alles trotzdem irgendwie Sinn macht. In der Welt der Sackboys würde man wahrscheinlich nicht mit einer Gabel essen, sondern mit einem Lineal, an dessen Ende drei Zanbürsten angeklebt wurden. Die Gabel benötigt man schließlich als Hutständer. So oder so ähnlich stelle ich mir zumindest den Alltag in Bunkum vor, dem Ort der Fantasiesphäre, den es vor dem Verderben zu retten gilt. Anlass dafür geben die sogenannten Titanen, also charakterlose Entitäten, die die Stadt zu vernichten drohen und eigentlich sicher in einer Teedose eingesperrt sind. Aber eine sprechende Glühbirne mit Eieruhr als Hut namens Newton warnt vor einer baldigen Befreiung der bösen Geister und braucht natürlich die Hilfe des Sackboys – das seid ihr – um die Katastrophe abzuwenden. Bunkums einzige Chance sind nämlich drei Wächter namens Oddsock, Toggle und Swoop, welche auch diejenigen sind, die die Titanen überhaupt erst eingesperrt haben. Es gilt also, die alte Band wieder einzusammeln und Bunkum vor dem Untergang zu retten.

 

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Außer einem sehr frühen Twist, den man meilenweit kommen sieht, handelt es sich hier also um eine typische Story, die nur wenig Interesse an der eigentlichen Handlung weckt und eher als Kontextualisierung dient. Die Charaktere und vor allem Nebendarsteller sind allerdings mit viel Liebe geschaffen worden und dürften auch trotz schwachem Plot in Erinnerung bleiben. Gerade die deutsche Lokalisierung trägt einen großen Teil dazu bei und durchweg kompetente bis großartige Sprecher haben mich nicht bereuen lassen, nicht den englischen O-Ton gespielt zu haben. Allen voran Christian Brückner (unter anderem Synchronsprecher von Robert de Niro) als Erzähler könnte kaum besser besetzt worden sein. Doch einen Preis für die beste Spielestory gewinnt LBP 3 nicht.

 

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Agiles Garn

Das muss es allerdings auch nicht, schließlich soll dem Spieler hier keine Wagner-Oper erzählt werden, sondern hauptsächlich genug Platz zum Hüpfen und Springen gegeben werden. Das Gameplay hat sich auch im dritten Teil der Serie in seinen Grundzügen zwar nicht geändert, aber immerhin an einigen Stellen weiterentwickelt. Der viel geäußerten Kritik an den Vorgängern, dass die Kontrolle des Sackboys zu schwammig sei, ist man entgegengekommen und hat die Steuerung der Spielfiguren etwas direkter und responsiver gestaltet. Das macht aus LittleBigPlanet zwar immer noch kein bockschweres, skillorientiertes Jump’n’Run, verbessert das Spielgefühl aber ungemein.

 

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Neben seinen alten Fähigkeiten wie Springen und dem Greifen von weichen Gegenständen, hat Sackboy allerdings noch neue Tricks gelernt. In seiner Sacktasche (wie würde man eigentlich normale Säcke in LBP nennen – Sacksack?) lagert er nun nützliche Gadgets, mit denen er seine Umgebung manipulieren kann. Sehr früh bekommt man zum Beispiel eine Art Fön, mit dem man Plattformen wegpusten oder ansaugen kann. Ein anderes frühes Gerät ist der Blinzelball, den man in bestimmte Portale schießen kann um sich dorthin zu teleportieren. Diese kleinen Neuerungen sind willkommene Abwechslungen im Spielfluss und bieten Gelegenheiten für einige interessante Leveldesigns.

 

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Signifikanter wirkt sich allerdings die Einführung von neuen spielbaren Charakteren aus. Denn die Wächter, die man im Laufe der Story befreit, stehen nicht nur in der Gegend herum und halten Maulaffen feil, sondern bekommen alle ihre eigenen kleinen Abschnitte in der Story, in der sie mit ihren besonderen Fähigkeiten glänzen. Oddsock ist eine hundeartige Socke, die besonders schnell laufen kann und einen praktischen Wandsprung beherrscht. Toggle wiederum kann seine Körpergröße zwischen Groß und Klein umschalten, um so an abgelegene Orte zu kommen und bei Swoop handelt es sich um einen gestrickten Vogel, der sich mehr oder weniger grazil durch die Lüfte schwingt. Das interessante daran ist, dass teilweise das ganze Spielgefühl durch die Charaktere verändert wird. So sind zum Beispiel Level, durch die man mit Oddsock braust von einem wesentlich höheren Tempo geprägt und fühlen sich mehr nach einem rasanten Platformer an als die Abschnitte mit dem vergleichsweise behäbigen Sackboy. Das Traurige daran ist lediglich, dass man in der Wahl der Charaktere vom Spiel eingeschränkt wird und nicht zu jedem Zeitpunkt seine eigene Spielfigur auswählen darf, sondern von der Story vorgegeben bekommt, welchen Charakter man jetzt zu spielen hat. Der Designaufwand für die Alternative (nämlich freie Charakterauswahl) wäre wahrscheinlich exponentiell gestiegen, aber trotzdem hat man das Gefühl, dass hier eine Chance vertan wurde.

 

Mit ‘ner Meeeenge Fantasie

Was die Technik angeht, hat sich im Vergleich zu den Vorgängern nicht viel getan. Das ist allerdings auch keine riesige Überraschung, schließlich ist der Titel auch für die PS3 zu haben und kann folglich nicht das volle Potential der PS4 ausschöpfen und eine Grafikbombe erwartet auch niemand. Das fehlende technische Potential wird dafür durch den Charme und die schiere Kreativität des Leveldesigns mehr als wettgemacht. Gerade letzteres weiß oft zu überraschen und durch ein Füllhorn an unterschiedlichen und interessanten Settings gepaart mit dem typischen Little Big Planet-Charme versteht LBP 3 es immer wieder, dem Spieler ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. In welchem anderen Spiel kann man schon durch den Weltraum schweben um kurz darauf durch ein amerikanisches Diner der 50er zum Sound von „Mr. Sandman“ zu hüpfen?

 

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Die Level-Erstellungstools die schon seit dem ersten Teil der Reihe ein Markenzeichen für die Serie darstellen sind natürlich auch wieder mit dabei, und auch wenn die Bedienung diesmal relativ leicht von der Hand geht und sich die Tutorial-Flut aus dem ersten Teil einer befreienden Probier-Wut gewichen ist, wird man das Gefühl nicht los, dass ein Controller einfach nicht das beste Tool für einen Leveldesigner ist und man schon ordentlich Engagement an den Tag legen muss, um ein interessantes Level zu gestalten. Dennoch werden kreative Köpfe wohl auf ihre Kosten kommen.

 

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Fazit

Würde es nicht auf dem Intro-Screen mitgeteilt werden, könnte man meinen, dass LittleBigPlanet 3 direkt aus den Händen von Media Molecule selbst stammt. Zwar schafft es Sumo Digital nicht wirklich der Serie einen ganz eigenen Anstrich zu verleihen, bietet aber alles was LBP-Veteranen kennen und lieben: Eine charmante Welt, leichtherziges Gameplay und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung im Level-Editor. Und dank der neuen Features wie den Werkzeugen für den Sackboy und den neuen Charakteren kommt am Ende dann doch noch etwas Innovation in das Konzept rein. LittleBigPlanet 3 ist ein Spiel, dass die Kreativität, die es propagiert, selbst auslebt und diese Integrität ist es, was den Titel so ur-sympathisch macht.

 

Positiv

  • Charmante Welt
  • Leichtherziges Gameplay
  • Selbstverwirklichung im Level-Editor

Negativ

  • Fummeliger Editor
  • Holpriges Ebenensystem
7.5