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Mass Effect: Andromeda – Ein wirklich gutes Spiel – Reicht das?

Von Ole Oetjen am 3. April 2017

Das Jahr 2017 fuhr in den ersten Monate gewaltige Geschütze auf: Resident Evil 7, Nioh, Nier, Horizon: Zero Dawn, Persona 5, um nur einige zu nennen. Für viele sollte Mass Effect: Andromeda die Kirsche auf der Sahne werden. Über (zu) hohe Erwartungshaltungen und ein trotz allem wirklich gutes Spiel könnt ihr hier einiges erfahren.

Mass Effect und ich

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir befinden uns in im Jahre 2007. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiff Normandy…

Als Mass Effect vor fast 10 Jahren das innere meiner Konsole erblickte, war ich ein verdammt glücklicher Zivildienstleistender. Ich hatte Asche wie Heu weil ich noch mietfrei bei Mutti wohnte und plante, meine Spiele im Laufwerk zu wechseln wie meine Tiefkühlpizzen-Anbieter – fast täglich. Doch dann kam eben Mass Effect daher und versaute mir die Tour. Plötzlich war da ein Spiel, welches mir ein ganzes Universum und seine Bewohner vorstellen und meine volle Aufmerksamkeit wollte. Eine mysteriöse Bedrohung – und ich als erster menschlicher Spectre? Mit Rechtschaffenheit, Diplomatie und einem nicht beizukommendem moralischen Kompass wollte ich jedes Abenteuer angehen und niemals der Erste sein der schießt. Mein eigenes Star Trek auf der 360, was ich immer dann anwarf wenn meine Freundin, Gott sei Dank Frühaufsteherin, ins Bett ging. Ich erinnere mich daran, einfach nur die Weltraumkarte zu öffnen, der Musik zu lauschen und übermüdet bei der Arbeit aufzuschlagen.

    Solche Erinnerungen sind für euch vermutlich wahnsinnig langweilig aber dennoch wichtig zu reflektieren, wenn man über Erwartungsmanagement spricht. Denn wenn ich Mass Effect höre, spielt sich in meinem Kopf der Film da oben ab. Ich denke nicht an karge, öde Planeten, das völlig verkorkste Vehikel Mako oder einigermaßen starre Deckungsshootereinlagen. Demzufolge ging es mir vor Release bestimmt so wie vielen von euch: Ich erwartete ein Meisterwerk. Und mit den Erwartungen ist es so eine Sache. Manchmal hat man von der Oma 4 Jahre in Folge Socken zu Weihnachten bekommen, bevor sie dann im fünften Jahr auf einmal Final Fantasy 8 unter den Baum legt und man in völliger Ekstase im Gegenzug eine Flatrate auf künftige Organtransplantationen verspricht. Mit Mass Effect: Andromeda ist es eher so als erwarte man von seinem reichen Onkel ein affengeiles Fahrrad geschenkt zu bekommen und man kriegt… eben nur ein wirklich gutes Fahrrad. Die initiale Reaktion auf das Geschenk bemisst sich nach der Differenz zwischen Erwartung und Realität. Und ist diese negativ, dann hagelt es eben zynische Memes online.

    Genug Einleitung, Butter bei die Fische:

    Willkommen in Andromeda

    Bevor wir uns endgültig dem neuen Mass Effect verschreiben, müssen wir noch einen kurzen Schwenker über die alte Trilogie einlegen. Mass Effect: Andromeda wurzelt nämlich zwischen den Ereignissen von Mass Effect 2 & 3: Die Reaper werden kommen und es scheint nichts zu geben, was sie aufhalten kann. Getrieben vom Wunsch zu überleben und dem menschlichen Forschergeist gründet sich die Andromeda-Initiative. Diese beginnt mit mehreren Archen und Zehntausenden Kolonialisten den 600 Jahre währenden Flug in die benachbarte Galaxie um der Menschheit ein neues Zuhause zu suchen.

    Nach unsanfter Landung scheint die Welt Kopf zu stehen

    Nach dem Kryoschlaf (denn wer hat schon eine Playlist, die sechs Jahrhunderte überbrücken kann?) rammen wir noch halb schlaftrunken in eine Raumanomalie und nichts ist so wie wir es erwartet haben. Statt den goldenen Welten die unsere Langstreckenscans vorhergesagt hatten, erwarten uns lebensfeindliche Welten. Der Außenposten Nexus, der eigentlich eine zweite Citadel hätte werden soll, ist von verängstigten und zerstrittenen Pionieren bewohnt und der erste Kontakt mit intelligentem Leben brachte uns direkt unsere erste Fehde mit intelligentem Leben ein.

    Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Eben diesen Weg zu finden ist unsere Aufgabe als Pathfinder. Nachdem unser Vater uns diese Aufgabe.. nun ja, überließ, schultern wir als Sohn bzw. Tochter des Alec Ryder die Verantwortung, der Menschheit ein neues Zuhause zu finden. Das Szenario ist von Anfang an interessant und auch wenn für meinen Geschmack zu schnell die erste bewaffnete Auseinandersetzung folgt, hat man einen wunderbar „Star Trekigen“-Einstieg gewählt.

    Kennen wir uns nicht?

    Wer 600 Jahre mit wahnsinnig viel Dampf im Kessel geradeaus in eine Richtung brettert, erwartet vermutlich auf der anderen Seite in einer völlig andersartigen Umwelt wieder aufzuwachen. Und während die erste Welt mit seinen schwebenden Felsen und permanenten Blitzeinschlägen diese Gier nach Neuem noch einigermaßen befriedigt, bietet uns die neue Galaxie überraschend wenig neue Kost. Nur 3 neue Alienrassen erwarten uns wenn man die maschinellen Remnants dazuzählt, die ohne weiteres auch als Geth durchgegangen wären. Auch die feindlich gesonnenen Kett sind alles andere als eine kreative Offenbarung und selbst die Angara sind eben auch nur humanoide Lebensformen mit einer Disposition für bestimmte Verhaltensweisen. Dabei hätte man hier ohne weiteres die Limitationen einer TV-Sendung sprengen, in der Aliens durch Schauspieler Leben eingehaucht bekommen, und völlig abgefahrene Designs umsetzten können.

    Auch bei den Welten verschenkt Andromeda Potential in seiner Vielschichtigkeit. Zwar sind die Planeten wunderschön und weitläufig. Jedoch können wir nur noch eine Handvoll besuchen und abgesehen von den angesprochenen fliegenden Felsen und der exotischen Heimatwelt der Angara, erwarten uns der übliche Wüstenplanet, der Eisplanet und… Wüstenplanet Nummer 2. Natürlich ergibt es irgendwo Sinn, dass für Menschen bewohnbare Welten ein ähnliches Ökosystem aufweisen. Aber warum dem Spieler eine komplett neue Galaxie versprechen, wenn man im Großen und Ganzen doch wieder nur mit Turianern, Salarianern und Kroganern auf bekannten Welten abhängt? Noch dazu wenn uns nach kurzer Zeit schon wieder eine antike aber fortschrittliche Zivilisation wie die der Protheaner aus der ersten Trilogie vorgesetzt wird? Andromeda als Setting ist ein schöner Weg um den Komplikationen der Milchstraße und verschiedenen Handlungssträngen in Mass Effect 1-3 aus dem Weg zu gehen, hätte aber noch viel mehr sein können!

    Den Ersten Kontakt haben wir uns anders vorgestellt..

    Ensemble ohne Stars

    Bereits nach den ersten paar Spielstunden ist unser Ensemble an spielbaren Charakteren komplett und offenbart uns die bekannte Klaviatur an Rassen: Mensch, Turianer, Salarianer, Asari, Kroganer und neu dabei: Ein Mitglied der neuen Spezies der Angara. Während es in den Vorgängern für mich immer gleiche mehrere klare Lieblinge gab, war ich in Andromeda nicht ganz so stark investiert. Das mag natürlich daran liegen, dass der Reiz des Neuen fehlt, ist aber schade.

    Außerhalb der Missionen erwarten uns Stunden um Stunden an Dialogen, die wir entweder direkt führen, oder deren Zeuge wir werden, wenn wir zufällig in der Nähe sind. Hier macht ME: Andromeda einen Sprung nach vorne. Die Tempest, unser Raumschiff, das auf keinen Fall an die Normandy erinnert, fühlt sich lebendiger an als in den Vorgängern. Teilweise können wir minutenlang unsere Crew belauschen während sie miteinander interagieren und auch während der Missionen kommentieren sie mehr. Dies ist einerseits eine gute Nachricht, andererseits steigt so natürlich auch die Quote an situationsunangemessenen Bemerkungen. Das ist jedoch zu verschmerzen. Denn insgesamt sind die Unterhaltungen, trotz ihrer unglaublichen Masse, auf einem eigentlich hohen Niveau.

    Schwierig wird die Sache dadurch, dass manche Dialoge dagegen sehr „cringy“ sind wie man in Neu-Deutsch sagt. Also Fremdschäm-Potential mit sich bringen. Bestes Beispiel ist die Möglichkeit des Flirtens. Fast alles was Beine hat kann von uns angebaggert werden und triggert zum Teil Dialoge, die uns das schallleere Vakuum  des Alls vermitteln lassen. Doch auch in eigentlich ernsten Momenten bricht die Qualität des Writings immer wieder ein, sodass wir am Anfang einer Szene nie so genau wissen, von welcher Seite sich ME: Andromeda dieses Mal zeigen wird. Hilfreich ist es, wenn ihr die englische Sprachausgabe wählt, doch auch das wird euch vor dem einen oder anderen Seifenoper-Moment nicht schützen.

    Auch wenn es mir abgedroschen erscheint, darauf hinzuweisen: Die (Gesichts-)Animationen in den Dialogen können teilweise regelrechte Immersions-Terminatoren sein. Unser Asari Crewmitglied zeigt relativ zu Beginn des Abenteuers eine unabsichtliche Obama „Not bad“-Mimik, unsere Verbündete Cora legt ab und an einen Vince McMahon-Walk hin , der das Original vor Neid erblassen lassen würde. Habt ihr kurz zuvor Horizon: Zero Dawn gespielt, wird es euch der Kontrast schwer machen, diese Dinge zu übersehen: Das Meme-Potential ist grenzenlos.

    Zu Beginn dürft ihr einen der beiden Ryder Geschwister als Alter Ego wählen

    Apropos Dialoge: Kein BioWare-Spiel ist komplett ohne verschiedene Antwortoptionen in Gesprächen. Während die Vorgänger ziemlich straight forward in den Möglichkeiten waren und uns eine gute und eine böse Option ermöglichten, arbeitet Andromeda mit Grauschattierungen. Meistens können wir zwischen einer emotionalen, logischen, lockeren oder professionellen Antwort wählen. Unser Charakter Ryder wirkt dadurch realistischer und ist für den Spieler in seinen Nuancen formbar. Ein paar Spieler werden die Möglichkeit vermissen als galaktisches Arschloch durch das Weltall zu rotzen, der Großteil der Spieler war aber ohnehin immer der „Good Guy“. Durch die Grauschattierungen der Antworten werden die Konsequenzen der einzelnen Dialogoptionen schwerer vorherzusehen, andererseits hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass die Konsequenzen meiner Entscheidungen nicht mehr so drastisch und fundamental sind wie in der ersten Trilogie. Doch um das mit Sicherheit sagen zu können, bedarf es schon mehr als einen Playthrough.

    Die Missionsachterbahn

    Als Pathfinder ist es natürlich nicht nur unsere Aufgabe mit unseren Kollegen Schwätzchen zu halten und uns im besten Falle nackig an ihnen zu reiben. Denn nach wie vor sucht die Menschheit ja ein Zuhause. 25 – 45 Stunden könnt ihr für euren ersten Durchgang bis zum Abspann einplanen und nochmal locker das Doppelte bis Dreifache wenn ihr alle Quests lösen wollt.

    Die Kolonialisierung einer neuen Galaxie als übergeordnetes Ziel bietet eine Menge Raum für kleinere Missionen, die Mass Effect: Andromeda in Gänze bespielt. Um die Terraforming-Strukturen der potentiellen Heimatwelten zu aktivieren muss viel gescannt und eine Art Space-Sudoku gelöst werden. Wie über so viele andere Features kann über diesen Mechanismus vortrefflich gestritten werden. Mir persönlich gefielen die kleinen Rätseleinlagen, ich kann aber auch jeden verstehen, der die Notwendigkeit und Plausibilität von Sudoku in diesem Kontext anzweifeln möchte.

    Von häufigen Open World-Krankheiten wie „Scanne 10 Tiere“ oder „Aktiviere 3 Pylonen“ bleibt Andromeda leider nicht verschont und manchmal ärgert man sich über die vielen Nav-Punkte, die man wegen eines eigentlich simplen Auftrags abfahren muss. Die große Plus-Seite dabei ist jedoch unser Vehikel. Der Nomad ist in allen Bereichen eine Verbesserung zum Mako aus Mass Effect 1 und vermittelt richtig Freude am Fahren. Besonders den zuschaltbaren Allradantrieb für steile Anstiege hatten wir vorher schmetzlich vermisst.

     Allerdings gibt es auch Aufgaben, die als simple Fetch-Quests beginnen und einen Twist beinhalten, der uns zu Informationen zu einer der verschwundenen Archen führt, oder zu einer Loyalitätsmission. Diese sind auch im neuen Mass Effect das Highlight der Nebenmissionen. Jeder von Ryders Begleiter hat im Verlaufe des Spiels eine Questreihe in petto, die wir erledigen können, um unseren Verbündeten besser kennenzulernen und seine besten Fähigkeiten im Kampf freizuschalten. Und auch wenn ich was die Charaktere unserer Mitstreiter nicht aus meiner Haut kann und ich die Recken der alten Trilogie bevorzuge, gehören die Loyalitätsmissionen in Andromeda zu den besten Quests der gesamten Serie. Sie geben der Crew nicht nur Tiefe, sondern spielen sich auch erfrischend anders als die Hauptmissionen. Sie sind genau das Element, was ich mir beispielsweise in Final Fantasy XV gewünscht hätte.

    Der NOMAD wischt mit dem MAKO aus Teil 1 in Sachen Fahrspaß den Boden auf

    Abgerundet wird das Quest-Angebot noch durch das obligatorische Scannen von Planeten um Rohstoffe zum Craften zu Gewinnen. Meiner Meinung nach zwei Features, die ein bisschen aufgesetzt rüberkommen und nicht so recht zu motivieren wissen. Eher wirken sie wie etwas, was man nun mal in ein Open worldigeren Mass Effect integrieren muss. Das Scannen empfand ich jedoch als langweilig und das Craften war meines Erachtens nach die investierte Zeit nicht ganz wert. Das mag jedoch anders sein, wenn man sich vermehrt im Multiplayer tummelt. In einem Vierersquad mit anderen Spielern können wir hier Aufträge erledigen, die uns weitere Ressourcen oder Ausrüstungsgegenstände für die Kampagne bescheren kann. Dieser erinnert an den Horde-Modus, weiß durchaus zu gefallen und ergänzt das Singleplayererlebnis äußerst stimmig.

    Flieg und Sieg!

    Auch wenn wir viel Zeit in Mass Effect mit Reden und Navigieren verbringen, liegt ein großer Teil des Gameplays in der Kampfmechanik. Hier entfernt man sich immer weiter von dem eher verkrusteten Deckungsshooter der Mass Effect einmal war, hin zu einem vollwertigen Action-Shooter. Das Konzept ist in Andromeda auf Dynamik und Geschwindigkeit ausgerichtet. Passend dazu besitzt Ryder einen Jetpack, der uns schnellen Höhengewinn beschert und uns hovern lässt um Feinde aus der Luft anzugreifen. Außerdem können wir mithilfe eines Dashs blitzschnell in jede beliebige Richtung ausweichen. Dem zum Opfer gefallen ist die Möglichkeit, das Spiel zu pausieren und seinem Squad genaue Anweisungen zu geben. Zwar können wir einzelne Mitglieder des Teams nach Gutdünken positionieren, Skills der Kameraden können wir jedoch nicht mehr befehlen. Um dennoch Kombos auslösen zu können, rufen unsere Verbündeten uns im Kampf Absprachen zu.

    Außerdem wurde die Deckungsmechanik automatisiert. Ryder geht nun also selbstständig hinter Objekten in Stellung, wenn wir ihn in die Nähe navigieren. Das funktioniert zwar ganz gut, aber das ungute Gefühl, zu viel Kontrolle im Kampf aufzugeben und ein gewisses Misstrauen der Automatik gegenüber hat sich bei mir eingeschlichen, wenn ich aus einer Deckung heraus niedergestreckt wurde.

    Die Evolution des Kampfsystems ist für meinen Geschmack jedoch rundum begrüßenswert. Gefechte sind in Mass Effect: Andromeda dynamisch und machen umso mehr Spaß, je mehr Fähigkeiten wir freischalten. Nach den ersten Spielstunden können wir über das Schlachtfeld im wahrsten Sinne des Wortes Fliegen und flankieren jede noch so befestigte Stellung mühelos.

    Dynamische Kämpfe und schöne Aussicht – Andromeda hat durchaus etwas zu bieten!

    Dabei kommt uns der fortgeschrittene Charakterausbau sehr gelegen. Statt uns für eine feste Klasse zu entscheiden, können wir unsere Skillpunkte völlig frei in Kampf-, Biotik-, oder Techfähigkeiten investieren und genaus so spielen, wie wir das wünschen. Durch die Möglichkeit, verschiedene Profile anzulegen, können wir unseren Kampfstil sogar im Kampf ändern. Niemand muss mehr einen reinen Biotiker spielen. Wer will baut sich aus Stealth-, Nahkampf und biotschen Fähigkeiten einen Cyber-Ninja, der durch Schnelligkeit und Präzision punktet. Aber auch ein Tank mit Flammenwerfer-Fähigkeiten ist möglich. So frei und gut designed habe ich BioWare bisher noch nicht erlebt. Einzig einen Diplomatie-Skilltree hätte ich mir noch gewünscht, um Ryders Fähigkeiten im Zwischenmenschlichen zu verbessern. Seine Stellung als Pathfinder und Vermittler zwischen den Rassen hätte eine derartige Spielmechanik durchaus gerechtfertigt.

    Bedauerlicherweise muss man auch einräumen, dass aufgrund der teilweisen sehr dummen und über das Spiel hinweg gleichförmig agierenden Gegner KI kaum Grund zur Variation im Kampf gegeben wird. Wer nicht die intrinsische Motivation verspürt sein Vorgehen immer wieder zu verändern, wird dazu kaum „gezwungen“ und kann eine erfolgreiche Strategie beinahe durch das ganze Spiel ohne Anpassungen durchziehen.

    Technisch unsauber

    Es bricht einem fast das Herz, aber zum Abschluss müssen wir doch noch einmal den Elefanten im Raum ansprechen. Mass Effect: Andromeda ist technisch teilweise sehr gut aufgestellt: Die Frostbite-Engine weiß in den Gefechten absolut zu überzeugen und Andromedas Welten haben fantastische Lichtstimmungen zu bieten.

    BioWare scheint die Engine jedoch nicht perfekt zu beherrschen, was zu den bereits beschriebenen Gesichtsentgleisungen sowie zu teilweise schrecklichen Glitches in Animationen, Anatomie oder Motorik der Protagonisten führen kann. Bei der Größe der Welten und Anzahl an Dialogen sind diese Probleme zwar zu relativieren, aber dennoch sabotieren sie die Atmosphäre eines ansonsten glaubwürdigen Universums. Das gilt auch für die Framerateeinbrüche, die uns durch das gesamte Spiel begleitet haben, sowie den zu spät geladenen Texturen. Wenn beispielsweise unser heißgeliebtes Raumschiff seinen ersten Auftritt hat, wird uns dieser Moment dadurch zerstört, dass sich die Texturen des Schiffes treppchenweise aufbauen. Ärgerlich!

    Fazit:

    Talentierte Fußballmannschaften haben manchmal mit ihrer Chancenauswertung zu kämpfen. Das bedeutet, dass sie eigentlich besser spielen als die Konkurrenz und durch ihre fantastische Spielanlage für alle im Stadion sichtbare Möglichkeiten kreieren, sie in letzter Konsequenz aber nicht in Zählbares umwandeln können, sodass alle Fans sich denken: „Was wäre, wenn…?“. Andere Mannschaften zeigen ein geringeres Potential, beschränken sich auf basale Taktiken und machen das Beste aus ihren Möglichkeiten. Solche Teams werden im Allgemeinen in der Nachbesprechung positiver bewertet, obwohl sie nicht die gleiche Qualität besitzen.

    Es ist einfach, Mass Effect: Andromeda seine Fehler vorzuwerfen. Das Spiel ist gigantisch, probiert wahnsinnig viel und macht seine Sache auch verdammt gut. Aber durch seine zahlreichen vielversprechenden Ansätze ist es umso leichter die Dinge zu sehen, die aus einem guten, ein fantastisches Spiel gemacht hätten: Die Performanceprobleme, die Glitches, alle technischen Unzulänglichkeiten. Das sich nach Arbeit anfühlende Crafting-System. Die Gesichtsanimationen und hölzernen Dialoge, die unsere Immersion schwächen. Das ungenutzte Potential einer völlig neuen Galaxie. Alles valide Kritikpunkte.

    Dabei sollte man nicht übersehen, was Mass Effect: Andromeda großartig macht. Im Kampfsystem hat man einen riesigen Sprung vorwärts gemacht und gerade im Endgame können wir einen Charakter erschaffen, der sich genau so spielt, wie wir das wollen und dabei Spaß und Dynamik versprüht. Dutzende über dutzende Stunden Dialog und Hintergrundgeschichte mit großem Mut zur Verschwendung seitens der Entwickler, die viele Spieler nie hören oder lesen werden. Mit Liebe zum Detail designte riesige Welten mit großartiger Alien-Architektur, die den Entdeckertrieb kitzeln und auch Skeptiker des Titels wohl viele Stunden unterhalten haben werden. Das Metaspiel um die Lebensfähigkeit der Planeten und den Zustand des Nexus zu erhöhen.

    Mass Effect: Andromeda ist nicht das erhoffte Meisterwerk geworden. Es ist aber immer noch ein verdammt gutes Spiel – und das reicht doch, oder?

    Positiv

    • Dynamische Kämpfe
    • Große weitläufige Planeten
    • Sehr interessantes Szenario
    • Freier, motivierender Charaterausbau
    • sehr umfangreich

    Negativ

    • Technisch immer wieder mit Aussetzern (Animationen etc.)
    • Gegner KI nicht immer auf der Höhe
    • Potential einer neuen Galaxie wird nicht genutzt
    • Charaktere und Story leider nicht auf Niveau der ersten Trilogie
    8

    1 Kommentar

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