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Need for Speed Payback im Test – weder Fast noch Furious…

Stolze 23 Jahre hat die Need for Speed Serie bereits schon auf dem Buckel und gehört zu Electronic Arts beliebtesten Cash Cows. Letztes Jahr gab es mal eine kleine Pause, um – so zumindest in der Ankündigung – in diesem mit einer fulminanten Rückkehr aufzuwarten. Die bisherigen Infos zu dem von EA Ghost entwickelten Need for Speed Payback hörten sich dabei dezent nach einer Eierlegenden Wollmilchsau an. Fahrspaß in einer riesigen Open-World, eine kinoreif inszenierte Story samt unzähligen Events inklusive einem beeindruckenden Fuhrpark sollen bei uns erneut den Ruf nach Geschwindigkeit wecken.

Dann mal ran ans Gaspedal…

Ohne große Umschweife wirft uns der Prolog hinter das Steuer eines PS-Boliden und lässt uns mit R2 ordentlich Gas geben. Aus unersichtlichen Gründen wird nach wenigen Sekunden eine Zwischensequenz ausgelöst und wir befinden uns im Körper des nächsten Protagonisten, hinter dem Steuer eines anderen Fahrzeuges. Das Spiel wiederholt sich anschließend noch ein paar Mal, versteckt dabei recht funktional ein kleines Tutorial und wir rasen durch die Pampa, bis wir schlussendlich vor der Garage unserer fünfköpfigen Entourage im „Fast and the Furious“ Format landen. Die recht leblosen und unwahrscheinlich langweilig wirkenden Charaktere im generischen 08/15 Hollywood Stil reden dabei in der deutschen Version noch nicht einmal annähernd lippensynchron. Der zweite Dämpfer nach den unkontrolliert wirkenden Übergängen zwischen Gameplay, Cutscenes und Charakterwechsel in der Einführung. Aber: Story und Inszenierung waren bisher noch keine Stärken der Serie, dabei wird es wohl auch bleiben. Verzeihbar, wenn dafür der Rest überzeugt. Nach zwei weiteren Missionsabschnitten ohne Überraschungen, dafür aber mit slalomartig und vollkommen deplatziert wirkenden Polizeisperren, landen wir dann auch endlich in der an das Kasino-Paradies Las Vegas angelehnten, offenen Spielwelt.

Survival of the fittest

Die Fahrzeuge steuern sich gewohnt etwas schwammig-arcadig, die Kontrolle über Brems- und Driftverhalten muss zuerst geübt werden, bevor es in Fleisch und Blut übergeht, lässt sich aber meistern. Zum Release stehen insgesamt 78 freispielbare oder kaufbare Fahrzeuge in den bekannten fünf Klassen (Racer, Drift, Offroad, Drag, Runner) zu Verfügung. Tunen lassen sich die Boliden natürlich ebenfalls, entweder ihr kauft die Teile im Tuning-Shop oder erhaltet Nachschub durch das erfolgreiche Abschließen von Missionen.

Auf der riesigen, dafür aber recht unbelebten Karte, könnt ihr anschließend bestimmte Punkte abfahren, um an Events teilzunehmen. Diese werden im Laufe der belanglos fortschreitenden und vor Klischees triefenden Story nach und nach freigeschaltet und man ist dabei gezwungen, die Fahrzeuge für die jeweilig passende Art des Wettbewerbs zu wechseln. Eine weitere Nötigung, wie es sich für ein adrenalin- und testosterongeschwängertes Rennspiel auch gehört: Nur die Harten kommen in den Garten. Wer den ersten Platz verfehlt, darf direkt noch einmal ran. Das hätte man wesentlich eleganter lösen können, auch die mögliche Anpassung des Schwierigkeitsgrades bringt relativ wenig. Der Grind ist zeitweise unumgänglich.

Wo der Grind ist, darf der In-Game Shop natürlich nicht fehlen. Für Payback braucht es also den Paycheck (ok, der war schlecht) um schneller voranzukommen. Mit zukaufbaren Premium-Lieferungen schaltet ihr bestimmte Teile schneller frei. Normale Lieferungen erhaltet ihr übrigens nach Beendigung eines Events. Ihr könnt euch Belohnungen in Form von drei Zufallskarten frei aussuchen.

Sieht es den wenigstens gut aus?

Bei Electronic Arts gehört die oftmals auch gute Arbeit leistende Frostbite Engine mittlerweile zum guten Ton. Auch Need for Speed Payback fährt auf Basis der hauseigenen Lösung, kann hier jedoch nicht überzeugen. Getestet haben wir das Spiel auf der eigentlich potenten PS4 Pro, trotzdem müssen wir mit aufpoppenden Gebäuden und Landschaftsdetails im Hintergrund leben. Dazu gibt es als kleines Bonbon noch matschige Texturen, sichtbare LoD Nachlader bei lahmen 30 FPS und einer aufgrund der vorhandenen Mängel nicht wirklich wahrnehmbaren 4K Auflösung.

Lasst den Schlüssel stecken!

Da hat EA Ghost leider vergeblich versucht, sich von den Platzhirschen inspirieren zu lassen. Hier eine Brise Burnout, da etwas The Crew, ein Löffelchen Forza Horizon, abgeschmeckt mit einem Hauch von GTA und The Fast and the Furious im Nachgang. Need for Speed Payback fehlt es in jeglicher Hinsicht an einer eigenen Identität und scheitert auch noch zusätzlich dort, wo versucht wurde, eigene Wege einzuschlagen.

Der Spielfluss wird unkontrolliert durch die versucht cineastisch inszenierten Cutscenes unterbrochen. Werft dieses Design bitte direkt wieder über Bord liebe Entwickler, das ist ein Spiel und ich möchte interaktiv auf elementare Ereignisse einwirken. Die Story bleibt dank der seelenlosen Retorten-Charaktere durch die Bank gähnend langweilig und generisch. Eine Identifikation mit den Protagonisten findet während der ca. 15-20 Std. andauernden Kampagne nicht statt. Dazu kommen technische Mängel, eine im Kontext des Spiels zu große, abwechslungsarme und leere Spielwelt. Ein spektakuläres, actiongetriebenes Rennspiel mit Fokus auf der Geschichte – so wurde es angekündigt – sieht einfach anders aus. Die oben aufgeführten Mitbewerber machen dabei einen wesentlich besseren Job.

Was einigermaßen passt, sieht man von den gelockten 30 FPS einfach mal ab, ist das Fahrgefühl. Wer die Serie kennt, weiß, auf was er sich einlässt. Trotzdem gibt es momentan genügend Alternativen, wer natürlich nicht genug bekommt von arcadigen Actionracern und „The Fast and the Furious“ im Kino abfeiert, kann sich einen Kauf (gut) überlegen.

Need for Speed Payback wird wohl meine persönlich größte Enttäuschung im langsam aber sicher zu Ende gehenden, ansonsten recht spektakulären Spiele-Jahr 2017. Es spricht nichts dagegen, sich etwas inspirieren zu lassen. Das sollte man dann aber ordentlich machen und vielleicht ein paar Köche weniger, mit einer übersichtlicheren Anzahl an Zutaten an den Topf lassen. Need for Speed hat aber bereits schon vor Jahren seine Identität verloren und existiert momentan nur noch als inhaltsleere Markenhülse auf dem Markt. Das wurde mit Payback noch einmal eindrucksvoll bewiesen.

Mein 20 Jahre altes, Need for Speed 2 zockendes Ich geht jetzt still und heimlich in die mentale Erinnerungsecke und weint ein paar Minuten bitterlich um der alten Zeiten willen.

 

Positiv

  • funktioniert als Arcaderacer

Negativ

  • langweilige 08/15 Story und Inszenierung
  • technische Mängel
  • seelenloses Ideen Potpourri
  • undurchdachtes Gamedesign
5.5

In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

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