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NHL 17 – Poliert das Eis auf!

Von Ole Oetjen am 30. September 2016

Fußball, Basketball, Eishockey – die großen Drei der Sportsimulationen beginnen traditionell im Herbst, ihre alte Haut abzuwerfen, um anschließend in neuem Glanz zu erstrahlen. Wie NHL 17 sich im neuen Gewand macht, könnt ihr hier lesen.

NHL 17 –  HUT, HUT!

Okay zugegeben, die Überschrift ist thematisch eher an Football angelehnt, passt aber einfach zu schön für Hockey Ultimate Team (HUT) in NHL 17. Der Herz- und Nierenmodus der EA-Sportspiele hat für die Saison 2016/17 eine ordentliche Erweiterung spendiert bekommen.

Wie üblich geht es darum, sich eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen und das Team in die 1. Division zu führen und auch dort idealerweise irgendwann von der Spitze aus zu grüßen. An neue Spieler kommen wir durch den immer motivierenden Modus der Trading Cards – so weit, so bekannt.

NHL 17 kombiniert HUT nun mit dem neu geschaffenen Modus Draft Champions. Hier gehen wir mit Legenden des Sports aufs Eis und spielen quasi eine abgespeckte Version des HUT-Modus, indem wir uns nicht in seine Mechaniken einarbeiten müssen, sondern „arcadigeren“ Spielspaß abseits des Eises geboten bekommen. Belohnungen aus diesem Modus, können wir auch im ausgewachsenen HUT einlösen.

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Nach diesen Spielern leckt man sich zu Beginn die Finger!

It’s all about the Franchise now

Wie schon Madden NFL 17, setzt auch NHL 17 nun auf einen Franchise-Modus. Dahinter verbirgt sich eine aufgebohrte Version von „Be a GM“ aus dem Vorgänger. General Manager sind in den US-Sportarten die Nummer 2 hinter den Eigentümern eines Franchises. Und auch wenn die General Manager im Eishockey nicht ganz so viel um die Ohren haben wie bei der WWE, kümmern sie sich um mehr als „nur“ das Team.

Sie verwalten außerdem die Belange des Clubs in Sachen Ticketing, Merchandising, Catering und Parking. Mit anderen Worten: Eintrittskarten, Fanartikel, Imbissbuden und Parkplätze. Außerdem sind wir für die Arena verantwortlich und für ihre Renovierung oder Ausbau, koordinieren Werbeaktionen und – ganz wichtig – tanzen nach der Pfeife des Chefs. Denn wenn der Eigentümer eine bestimmte Anzahl an Heimsiegen sehen will oder eine größere Eishalle, tun wir gut daran, seine Wünsche schnellstmöglich zu erfüllen. Oder wir finden uns schneller auf der Straße wieder, als wir „Draft“ sagen können.

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Als GM kümmern wir uns auch um die Ticketpreise

Das alte Lied

Gutes Stichwort. Anhänger amerikanischer Sportarten wie Football, Baseball, Basketball, Wrestling oder eben Eishockey werden mit dem Konzept des Draftings bestens vertraut sein. Für alle anderen: Das Drafting-System sorgt dafür, dass die schwächsten Teams der abgelaufenen Saison sich als erstes bei den neuen Talenten bedienen dürfen. Oder im gängigeren Fußball-Milieu gesprochen: Das Drafting sorgt dafür, dass Ousmane Dembele nicht zum BVB, sondern zu Darmstadt gewechselt wäre.

Wer nicht ganz sattelfest bei diesen Begriffen ist, könnte es in der Franchise ein wenig schwer haben, oder sollte sich nebenbei einer Eishockey-Enzyklopädie bedienen. NHL 17 gibt dem (europäischen) Spieler leider keine Hilfe an die Hand.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei den Modi. Hier vermissen wir nach wie vor die Möglichkeit eigene Turniere zu erstellen, um etwa eine WM nachspielen zu können. Außerdem sind auch Be a GM Connected, NHL Moments, Live the Life und Winter Classic außen vor. Die Möglichkeit, wie im neuen Fifa eine Karriere mit Story-Elementen angereichert spielen zu können, ist ebenfalls nicht gegeben.

Dafür ist der World Cup of Hockey spielbar, der so etwas Ähnliches wie eine Hockey-WM ist aber leider eben nicht ganz – da zum Beispiel Nordamerika durch eine U23-Auswahl aus kanadischen und U.S.-amerikanischen Talenten vertreten wird. Außerdem wieder mit dabei: Die  EA Sports Hockey League (EASHL), die speziell mit Freunden für reichlich Spaß auf dem Eis sorgt und Stunden motiviert.

Auf Eis, bitte!

Insgesamt hat sich bei NHL 17 weder bei der Grafik, beim Sound, noch beim eigentlichen Gameplay viel getan. Gelegenheitsspieler der NHL-Serie werden die Änderungen zwischen dem letzten Teil und NHL 17 vermutlich in der Aussage zusammenfassen, dass sich der neue Teil realistischer anfühlt.  

In dieser knappen wie zutreffenden Aussage sind Veränderungen von mehreren Details enthalten. Im Ballbesitz verspringt der Puck häufiger, wenn die technischen Attribute des Spielers ihn nicht als Virtuosen ausweisen. Neu sind die intensiveren Torraumduelle, die es der Defense ermöglichen, angreifende Spieler mit fairen Mitteln aus der unmittelbaren Nähe des Tores zu vertreiben. Um diesem Feature Rechnung zu tragen, versucht die KI in NHL 17 nun häufiger dem Goalie die Sicht zu versperren.

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Vor dem Tor geht es in NHL 17 ordentlich zur Sache!

Gefühlt stellt sich die KI insgesamt etwas geschickter an und ist schwerer zu bezwingen. Um das Balancing nicht in Gefahr zu bringen, implementiert EA mit „Halbprofi“ einen fünften Schwierigkeitsgrad ins Spiel.

Leider fühlen wir in der KI auch so etwas Ähnliches wie den Gummibandeffekt in der Mario Kart-Serie. In engen Schlussphasen verwandelt sich der gegnerische Torhüter bei  Zeiten in eine Mauer, die wir in dieser Form nur aus 90er-Jahre Werbespots kennen, und weigert sich beharrlich, Gegentreffer zu kassieren. Andersherum erzielen KI-Kontrahenten in dieser Zeit auffallend einfach Tore – begünstigt von unserem Goalie, der in diesen Phasen manchmal eine Art Puck-Allergie entwickelt.

Fazit:

Teilen wir der Einfachheit halber einmal die gesamte Weltbevölkerung in drei Gruppen ein: NHL-Veteranen, Gelegenheitsspieler und Neulinge. In dieser wunderbar einfachen Welt, spreche ich für jede Gruppe an Menschen eine anderslautende Empfehlung aus:

An die Neulinge: Schnuppert mal in NHL 17 rein! Kaum ein anderer Sport ist zu schnell und wuchtig wie Eishockey. Wenn es euch auf den Keks geht, wie Arjen Robben nach dem Flügelschlag eines Schmetterlings in China zu Boden geht, spielt NHL 17 mal Probe und erfreut euch daran, dass Probleme auf dem Eis mitunter in einem Faustkampf geregelt werden.

An die Gelegenheitsspieler: NHL 17 birgt keine Revolution auf dem Eis. Die Neuerungen der 2017er Auflage beziehen sich primär auf Modi, die eine gewisse Tiefe bieten und in erster Linie für Hardcore-Fans interessant sind. Wenn ihr bereits NHL 16 besitzt und nur ab und an eine Runde gegen Freunde spielt, lohnt sich der erneute Kauf für euch vermutlich nicht.

An die Veteranen: Auch wenn sich im Bereich des Gameplays nicht allzu viel verändert hat, sind die Anpassungen für Vielspieler doch groß genug, dass sich NHL 17 anders anfühlt als der Vorgänger. Und er den HUT- oder den Be a GM-Modus des Vorgängers schon bis zum Erbrechen gezockt hat, bekommt hier genug hochwertiges Futter, dass es bis zum September 2017 reichen wird. Euch würde ich NHL 17 mit den neuen, erweiterten Optionen, ans Herz legen.

Positiv

  • realistische, flüssige Animationen
  • komplexe aber zugängliche Seteuerung
  • KI als guter Gegner...
  • viele motivierende Modi

Negativ

  • Gesichter noch nicht sate-of-the-art
  • Überfordernd für Eishockey-Laien
  • ...mit teils unfairen Vorteilen
  • manche Modi gestrichen
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