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NieR: Automata im Test: Eine wundervolle Wundertüte

NieR? Da war doch mal was…

Erinnert ihr euch noch an NieR? Im Jahr 2010 erschienen (für PS3 und Xbox 360) hat es damals nie so richtig die große Öffentlichkeit erreicht, blieb es doch wertungstechnisch auch eher unter dem Radar. Nichtsdestotrotz gilt das Action-RPG bis heute als Geheimtipp, quasi als ungeschliffener Diamant mit Ecken und Kanten.

Prägend war die Kombination aus abgedrehten und überraschenden Gameplayelementen in Verbindung mit der Erzählung der Geschichte aus der Feder von Yoko Taro. Eben jener Yoko Taro zeigt sich auch im Nachfolger verantwortlich für die Geschichte. Für das Gameplay hat sich Publisher Square Enix namhafte Unterstützung von Platinum Games ins Boot geholt, die mit Bayonetta, Vanquish, Metal Gear Rising und ähnlichen Spielen eine größere Expertise in diesem Genre vorzuweisen haben.

Die Voraussetzungen sind also gegeben um die Serie aus der Geheimtipp-Nische auf die größere Bühne zu bringen.

SB und 9S. Eingängige Namen? Fehlanzeige.

5 Genres in 5 Minuten? Kein Problem.

Um zu verstehen, dass es sich bei NieR: Automata um ganz und gar kein konventionelles Stück Software handelt, reicht es eigentlich schon ein paar Minuten den Prolog zu spielen. Hier feuert das Spiel aus allen Rohren und lässt uns quasi minütlich ein anderes Genre spielen. So waren wir eben noch in einem klassisch vertikalen Shoot Em Up unterwegs, finden uns jetzt aber in einem Twin-Stick Shooter wieder um dann im nächsten Moment einen Brawler zu spielen. Selbstverständlich wechseln hier auch munter die Perspektiven mit.

Der obligatorisch abgefahrene Übergegner darf hier natürlich auch nicht fehlen und somit erlebt man in dieser knappen halben Stunde Prolog bzw. Tutorial schon das, was das Spiel ausmacht: es lässt sich in keine Schublade stecken, wirft konventionelles und erwartbares Gameplay quasi über Bord und nimmt einen mit auf eine wilde Reise durch eine dystopische Welt.

Bullethell mit einer Prise Bayonetta.

Das Ende ist erst der Anfang.

Im Grunde erzählt die Story vom Grundgerüst her nichts Neues. Die Menschen wurden von Außerirdischen angegriffen und nahezu ausgerottet. Eine letzte Gruppe Überlebender hat sich auf den Mond geflüchtet und plant von dort aus mit einer Armee von Androiden den Gegenschlag, um den Heimatplaneten zurückzuerobern.

Wir übernehmen dabei das Kommando über die Kampf-Androidin SB, die zusammen mit ihrem Begleiter 9S auf verschiedene Missionen geschickt wird, um das ferne Ziel zu erreichen. Erzählt wird eine recht düstere, erwachsene und emotionale Geschichte, die abwechslungsreich ist und auch die ein oder andere Überraschung bereithält. Es ist übrigens gar nicht so einfach den Faden zu behalten, da die Story sehr vielschichtig ist. Aber das macht auch den großen Reiz des Spiels aus: die Erzählungen von Yoko Taro fesseln und verwirren zugleich.

Übrigens geht das Spiel nach dem Ende eigentlich erst los. Die Geschichte ist so konzipiert, dass sie sich erst nach mehrfachen Durchgängen richtig zusammensetzt. Man startet nach einem „Ende“ in einer Art New Game Plus, wobei man seine bisher erspielten Fortschritte behält, es aber mit neuen Elementen und anderen bzw. stärkeren Gegnern zu tun bekommt und sich so bis zum nächsten Ende schnetzelt.

Standardgegner? Manchmal zu einfach…

Ungewöhnlich unkonventionelle Kämpfe

Was das Kampfsystem angeht, erkennt man klar die Handschrift von Platinum Games. Es ist schnell, es ist flüssig, es ist dynamisch. Die Steuerung funktioniert einwandfrei und aufgrund verschiedener Waffen und Kampfstile kann man es auf seine Vorlieben skalieren.
Wie oben angedeutet, lässt es sich aber in keine Schublade packen. Das beginnt schon bei der Kombination der Protagonisten. Während sich die Androidin 2B mit Nah- und Fernkampfattacken durch die Gegner schnetzelt, feuert der Aufklärerdroide 9S Projektile in alle Richtungen ab. Selbstverständlich lassen sich Waffen und Fähigkeiten aufrüsten und ändern, so dass dem Spieler alle Möglichkeiten offenstehen das ungleiche Paar durch die Welt zu manövrieren und sich an den Kampfkünsten zu erfreuen.

Seinen Teil dazu geben die plötzlichen Genre-Wechsel. So kann es sein, dass ihr von einem Moment auf den anderen von einem Bullethell-Shoot-Em-Up in einen klassischen Brawler katapultiert werdet und direkt danach in einer 2D Ansicht durch einen Jump`n Run Abschnitt springt und schießt. Hier ist wirklich nichts Unmöglich. Und auch wenn bei diesen Wechseln nach einer gewissen Zeit die Überraschung eher ausbleibt: es ist einfach verdammt unterhaltsam.
Bei den Gegnermassen hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet. Auch wenn man hier buchstäblich gegen eine Klonarmee antritt: die ein oder andere Einheit mehr wäre nicht verkehrt gewesen. So bleiben die Bosse die wirklichen Highlights. Hier wird alles aufgefahren, was groß, laut, schwer und abgefahren ist.

Upgrades funktionieren über Chips und Bauteile, die man im Lauf des Abenteuers sammelt. Der besondere Twist bei NieR: Automata besteht darin, dass die Ausrüstungsplätze stark begrenzt sind und man taktische Entscheidungen treffen muss. So enthält ein Chip die Minikarte oder ein anderer die Lebensanzeige der Gegner. Brauche ich eins von beiden unbedingt? Oder kann ich diese zugunsten einer Verstärkung für meinen Angriff oder meine Verteidigung austauschen?

Durch dieses System ergeben sich dutzende Optionen mit denen man sich das Spiel einfacher, aber auch schwerer machen kann.

Große Waffen vs. kleine Gegner. Nicht fair, aber cool.

Gute Technik, noch bessere Musik

Technisch kann NieR: Automata in weiten Teilen überzeugen. Das Spiel läuft mit überwiegend 60 Bildern pro Sekunde über den Fernseher, was gerade diesem Genre unheimlich gut tut. Die schnellen Gefechte werden klasse wiedergegeben und die Steuerung greift präzise.
Der Look besteht überwiegend aus gedeckten und zurückgefahrenen Farben mit einer markanten Lichtstimmung. Zusammen mit dem Artdesign schafft Platinum Games hier eine eigene und unverwechselbare Welt.

Kritisieren kann man, dass manche Gegenden und Objekte etwas sehr detailarm sind und im Gesamtbild abfallen bzw. auffallen.
Eine ganz große Stärke des Spiels ist der Soundtrack. Eingängig, abwechslungsreich und immer passend zu dem, was gerade auf dem Bildschirm abgeht. Seien es ruhige Momente oder bombastische Bosskämpfe: hier beweist NieR: Automata wie gut Spiel und Musik ineinandergreifen können.

Brauch ich hier mein fettes Schwert? Eher nicht.

Fazit

Sicherlich trifft ein Spiel wie NieR: Automata nicht jeden Geschmack, dafür sind Setting, Story und Gameplay einfach zu speziell. Auch ist der Einstieg zwar spektakulär, aber auch sperrig. Ich habe meine Zeit gebraucht um mit dem Spiel richtig warm zu werden, aber als es dann gezündet hat, gab es auch kein Zurück mehr. Zu interessant ist die Story, als dass ich nicht noch mehrere Enden sehen möchte. Zu gut und abwechslungsreich ist das Kampfsystem, als dass es mich schnell ermüden würde.

Platinum Games hat hier verschiedenste Elemente miteinander verflochten, die einzeln für sich stehen könnten und im Gesamtbild ein einmaliges Spielerlebnis liefern. War der erste Teil der ungeschliffene Diamant mit Ecken und Kanten, ist NieR: Automata der geschliffene Edelstein. Zum Glück nicht komplett poliert, denn die Ecken und Kanten hat und muss es behalten.

Positiv

  • Abwechslungsreiches Kampfsystem
  • Steckt voller Überraschungen
  • Tiefgründige und vielschichte Story
  • Großer Umfang, hoher Wiederspielwert
  • Geniale Musikbegleitung

Negativ

  • Zu wenig Abwechslung bei den Gegnern
  • Einstieg und Zugang eher sperrig
  • Teilweise schwache Texturen
  • Framerateeinbrüche auf der Standard PS4
8.5

Angefangen hat alles mit einer Tele Fever Konsole von Tchibo (!) im Jahr 1986 und dem Spiel Hobo (kennt wohl keiner). Direkt infiziert. Seitdem auf allen Plattformen unterwegs, egal ob Atari, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft, Commodore, PC oder Exoten. Auch wenn ich heute sehr viel weniger Zeit für das Hobby habe: die Faszination ist ungebrochen.

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