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Nights of Azure 2: Bride of the New Moon im Test – Der Dämon in mir!

Um die ewig andauernde Nacht zu verhindern, wird von den Curia, einer kirchenähnlichen Vereinigung, in regelmäßigen Abständen eine junge Frau der Mondkönigin geopfert. Dieses Mal wurde eine Priesterin namens Liliana dafür auserkoren, die „Braut des Neumondes“ zu werden, zum Schock ihrer Kindheitsfreundin Aluche (gesprochen „Arusche“), die sie auf ihrem Opfergang eskortieren soll. Doch es kommt alles ganz anders als geplant. Unterwegs treffen die Freundinnen auf eine weitere Kindheitsgefährtin, Ruenheid, die sich von den Curia abgewandt hat und in einer Rebellion gegen deren brutale Riten vorgeht. Sie stellt sich Aluche und Lilliana in den Weg um sie aufzuhalten, wodurch auch Aluche zu zweifeln beginnt. Als sich auch noch die Mondgöttin höchstpersönlich in die Auseinandersetzung einmischt, wird Aluche tödlich getroffen und überlebt nur mithilfe von Dr. Camille, die sie mittels Dämonenblut wieder ins Leben zurückholt. Dies hat jedoch seinen Preis, denn neben der offensichtlichen äußeren Gestaltenwandlung verspürt Aluche nun einen dämonischen Blutdurst und auch ihre körperlichen Fähigkeiten als Halbdämon sind zunächst sehr eingeschränkt.

Zimmer frei

Um für genügend Erholung zu sorgen, quartiert sich die Gruppe im verlassenen Hotel Eterna ein, wo Aluche ihre Fähigkeiten aufbessern, Level aufsteigen und zu Bett legen kann. Außerdem gibt es einen hauseigenen Shop, einen Pool und stets frische, heiße Schokolade, die anscheinend auch Halbdämonen gut bekommt.

Natürlich legen wir uns aber nicht primär auf die faule Haut, denn Liliana ist verschwunden und wir müssen sie schnellstmöglich finden. Jeden Tag, den wir verstreichen lassen, rückt der Neumond und sogleich die endlose Dunkelheit näher. Deshalb sollten wir jeden Tag so viel erkunden und grinden, wie irgendwie möglich. Aluches Verfassung lässt uns anfangs jedoch gerade einmal 10 Minuten Zeit, um das nächste Ziel zu erreichen. Dies ist sehr wohl knapp bemessen und gerade wenn wir während der Hauptstory noch einige Nebenquests absolvieren wollen, kommen wir schon sehr in die Bredouille. Schaffen wir es in dieser Zeit nicht, so schlägt die Mission fehl und wir kehren automatisch ins Hotel Eterna zurück. Noch einmal können wir nicht hinaus, und so müssen wir uns wohl oder übel erst schlafen legen und den nächsten Tag abwarten, um uns erneut ins Kampfgetümmel zu stürzen. Draußen warten nämlich Unmengen an feindlicher Dämonen, die sich uns in den Weg stellen. Metzeln wir diese nieder, so erhalten wir Dämonenblut, das für einen Levelaufstieg benötigen. Außerdem erhalten wir nach dem erfolgreichen Abschluss einer Quest zweierlei Ability-Punkte. Mit diesen können wir uns in unserem Skill-Tree neue Fertigkeiten freischalten und kleine Helfer-Dämonen trainieren. Jeweils zwei dieser Monsterchen können wir auf eine Mission mitnehmen. Die Begleiter sollten dabei klug gewählt werden, denn manche verwandeln sich bei Bedarf in äußerst starke Waffen, die wir unseren Widersachern dann mit Schmackes um die Ohren hauen, während andere wiederum Spezialattacken triggern und Barrieren wir Ranken aus dem Weg räumen können. Neben unseren dämonischen Begleitern dürfen wir auch immer eine weitere weibliche Protagonistin als Kampfgefährtin mitnehmen. Anfangs stehen uns beispielsweise Dr. Camille und Ruenheid gerne zur Verfügung, im späteren Spielverlauf werden es jedoch immer mehr.

Zeit für ein Duell!

Außerhalb des Hotels Eterna manövrieren wir unsere Charaktere mittels linkem Anaologstick Action-Rollenspiel-typisch auf der Map umher und lösen mittels Tastenkombinationen in Echtzeit verschiedene Combos aus, um unseren Widersachern die HP abzuziehen. Landen wir genügend Treffer oder greifen gleichzeitig mit unseren Begleitern an, so schalten wir in regelmäßigen Abständen Spezialattacken frei, die den Gegnern noch mal ordentlich Schaden zufügen. Während der Kämpfe empfiehlt es sich außerdem auf aufploppende Items zu achten, die uns diverse Boni wie Geschwindigkeitserhöhungen, HP- und MP-Auffrischungen oder mehr Angriffsstärke verleihen. Auch eine früh einstudierte Taktik, bei der das Blocken und Ausweichen nicht zu kurz kommt, hilft uns später bei Bossgegnern ungemein weiter, da diese im Vergleich zu den übrigen Dämonen ziemlich harte Brocken sind. An für sich hört sich das alles aber komplexer an, als es tatsächlich ist. Die Hauptangriffstaste beschränkt sich auf den „Y-Knopf“, während wir mit „X“ noch ein paar härtere Schläge in die Combos einbauen. Bei Spezialattacken ist der „A-Knopf“ hingegen unser bester Freund.

Die Steuerung außerhalb der Kämpfe ist dafür aber ziemlich grotesk und ungewohnt. Da meint man, man hat die Steuerung der Switch endlich verinnerlicht und dann kommt Nights of Azure 2 daher, bei dem der „Confirm-“ und „Back-Button“ ständig wechselt. Ein Beispiel gefällig? Stellen wir uns vor, wir wollen gerne etwas im Laden kaufen. Dazu muss der Verkäufer logischerweise erst einmal angesprochen werden. Normalerweise gibt es hierfür einen zugewiesenen, sogenannten Aktionsknopf, der sich im Spiel auch nicht ändert. In unserem Beispiel ist der Aktionsknopf nun die A-Taste. Jetzt wählen wir uns aus dem Sortiment einen Gegenstand aus und bestätigen unsere Wahl mit dem Aktionsknopf, dem dieses Mal aber die B-Taste zugewiesen wurde. Mit A brechen wir den Kauf nämlich ab. Das ständige Wechseln des Aktionsbuttons ist also nicht gerade logisch und führt leider immer wieder dazu, dass Gespräche abgebrochen, nicht gespeichert, nicht gewollte Objekte gekauft oder wir an den falschen Ort teleportiert werden.

It´s a Womens Wold

Ästhetisch ist der Titel nun doch sehr japanisch. Kämpferinnen mit XXL-Brüsten, die bei jeder noch so kleinen Bewegung fröhlich nach oben und unten hüpfen, machen den Girls von Dead or Alive Konkurrenz. Zudem sind sie auch noch sehr spärlich verpackt – ist doch klar, sonst würden die Dinger ja total untergehen. Die Krone aufgesetzt wird dem Ganzen dann noch durch sehr körperbetonte (oder eher nicht vorhandene) Extrakostüme wie den Bade-„Anzügen“ und der Tatsache, dass der mit Titel mit sehr viel lesbischen Anspielungen gespickt wurde. Auch gibt es in der Spielwelt anscheinend überhaupt nur Frauen. Um die Beziehung zu den Herzdamen zu steigern, sollten wir sie regelmäßig auf unsere nächtlichen Jagdtouren mitnehmen und die ein oder andere Nebenquest für sie erledigen. Haben wir die Beziehungen genügend ausgebaut, so winkt sogar ein weiteres Ende. Dies zu erreichen ist im ersten Durchlauf jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wie gut, dass das Spiel einen NewGame+-Modus anbietet.

Sieht man von der übertriebenen sexistischen Darstellung ab, sind die Damen aber sehr schön ausgearbeitet. Auch das Monsterdesign, ansprechende Animationen, fantasievolle Nebencharaktere und Begleitdämonen können sich auf der Switch mehr als sehen lassen. Die Umwelt ist dabei nicht ganz so bezaubernd, aber durchaus noch okay. Beim Triggern von Spezialattacken kommt es hin und wieder zu unangenehmen Rucklern und Frameeinbrüchen, was den Spielspaß vor allem im Handheldmodus dämpft. Die Szenen der Kombiattacken sind zudem immer wieder dieselben, dauern relativ lange und lassen sich einfach nicht überspringen, was nach einiger Zeit sehr auf die Nerven geht. Genauso verhält es sich mit den storyrelevanten Szenen. Kommt ihr bei einem Boss einfach nicht weiter, so zwingt euch das Spiel dazu, die vorausgehende Sequenz ein ums andere Mal erneut anzuschauen.

An der Lokalisation wurde ebenfalls eingespart, denn erhältlich ist der Titel hierzulande lediglich mit japanischer Originalsynchro und englischen Untertiteln. Wer keine der beiden Fremdsprachen beherrscht, kuckt also in die Röhre.

Fazit:

Auch als Hardcore-Mangafan stößt mir bei diesem Titel der Sexismus etwas auf. Bei der Badebekleidung von Aluche fehlen mir komplett die Worte. Fanservice Overdose. Davon angesehen ist Nights of Azure 2: Bride of the New Moon aber ein durchaus solider Action-Rollenspiel-Titel, der sich sehr angenehm, wenngleich etwas minimalistisch spielt. Ausgenommen hiervon ist allein der ständig wechselnde Aktionsbutton, an den man sich nur schwer gewöhnt. Eine gelungene Story und ein düsteres, unter Zeitdruck setzendes Setting können durchaus ihren Reiz haben, lassen wir uns aber zu viele Tage Zeit um die Hauptquest abzuschließen, so muss das gesamte Kapitel von Neuem begonnen werden – dies kann mitunter schon mal frusten. Auch die nicht überspringbaren Zwischensequenzen zehren an den Nerven. Den ersten Teil müsst ihr nicht gespielt haben, um der Story folgen zu können, wenngleich Nights of Azure 2: Bride of the New Moon an diesen direkt anschließt. Hauptaugenmerk liegt im Titel ganz klar auf der Inszenierung der Charaktere sowie deren Beziehungen zueinander, was den Entwicklern auch durchaus gelungen ist.

Positiv

  • - Hübsches Charakter Design
  • - Gelungene Story
  • - Sympathische Beziehungsdramen
  • - Wiederspielwert dank NewGame+ und weiterer Enden

Negativ

  • - Einige technische Mängel wie Frameeinbrüche
  • - Seltsame Tastenbelegung außerhalb der Kämpfe
  • - Extremster Fanservice
  • - Nicht überspringbare, sich ständig wiederholende Zwischensequenzen
  • - Zeidruck teils frustrierend
7.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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