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Persona 5 im Test – Tänzchen gefällig?

Von Mara Joos am 31. März 2017

Das Leben als Highschool Student ist nicht immer leicht, besonders nicht in der Metropole Tokio, wo der neueste Ableger der allseits beliebten Shin Megami Tensei Reihe diesmal spielt. Wer kennt das nicht: neben dem alltäglichen Schulwahnsinn, der mit Außenseiterdasein, viel pauken und Taschengeld verdienen einhergeht, ist man auch noch gezwungen in seiner Freizeit Monster in einer Parallelwelt zu erledigen, um die Welt vor kriminellen Machenschaften zu retten – ja, langweilig wird es uns im neuesten Spiel aus dem Entwicklerstudio Atlus, das sowohl für die PS3 als auch die PS4 erscheint keineswegs.

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    Mission Impossible

    Durch unglückliche Umstände verschlägt es unseren namenlosen Protagonisten nach Shibuya, Tokio, in der er sich ein Jahr lang durch den ungewöhnlichen Alltag eines Schülers Schrägstrich Phantomdieb schlagen muss. Ein fremder, rauhbeiniger Herr bringt ihn nur wiederwillig in einem staubigen Raum über seinem Café unter, der fortan als neues Zuhause herhalten muss. Auch in der Schule scheint niemand so gut auf uns zu sprechen zu sein. Wären das nicht schon genug Probleme, so verpassen wir bereits fast unseren ersten Schultag, nachdem wir uns auf dem Weg zur Schule ganz aus Versehen in einer Parallelwelt verlaufen.

    Wo zuvor die Schule stand, steht jetzt nämlich ein Schloss. Zögerlich treten wir ein, vielleicht ist es ja nur ein Scherz der Theatergruppe, der hier gespielt wird? Im Palast befinden sich allerdings auch keine Schüler, sondern seltsame Monster, die „Schatten“ genannt werden und zudem einen unsympathischen Obermacker, der uns kurzerhand in seinen Kerker wirft und ordentlich malträtiert. Nachdem dieser unseren neuen Freund Ryuji angreift und sogar droht ihn umzubringen, platzt unserem Protagonisten schließlich der Kragen und es beginnt eine sogenannte „Rebellion“ in seinem Inneren, die uns nicht nur eine schicke Maske und ein cooles Outfit beschert, sondern auch unseren „Persona“ freisetzt. Ein sogenannter Persona stellt die Personifikation der Seele eines Menschen dar, die besondere Mächte besitzt. Mithilfe der Zauberkräfte des Personas können die Schatten schließlich besiegt werden.

    Ein katzenartiges Wesen, das wir ebenfalls in der Traumwelt antreffen, erklärt uns die Basics des sogenannten „Metaverse“ und wie wir die darin befindlichen Monster bezwingen können. Um dafür zu Sorgen, dass die Monster und die seltsame Traumwelt verschwinden, muss ein Schatz im Metaverse gestohlen werden, der sich im Inneren des Palastes befindet. Und so beginnt unser Abenteuer als Phantomdieb …

    Tänzchen gefällig?

    Kämpfen können wir in Persona 5 nur in besagtem Metaverse, dass sowohl die Träume einzelner Hochkrimineller, als auch sogenannte Mementos zusammenfasst. Mementos bezeichnet die Traumwelt gesammelter Begehren vieler Menschen, die sich in Tokio tummeln. Anders als die Paläste der Einzelpesonen verschwinden sie nie und können stets zu Trainingszwecken aufgesucht werden. Die Kämpfe im Metaverse variieren je nach den insgesamt vier Schwierigkeitsgraden relativ stark. In den beiden leichteren Modi machen Gegner weniger Schaden und auch One-Hit-Kills gibt es beispielsweise so gut wie nie, während es im normalen und schweren Modus nicht ungewöhnlich ist, dass mehrere Einheiten den Kampf auf dem Boden liegend verbringen. Dies hat den Nachteil, dass wir unsere Schützlinge während oder nach dem Kampf heilen müssen, was uns viele SP oder seltene Items kostet. Für besiegte Gegner erhalten wir im leichteren Modus zudem auch mehr Erfahrungspunkte, womit das Aufleveln deutlich schneller vorangeht. Für einen reibungslosen Ablauf sind die beiden leichteren Schwierigkeitsgrade daher empfehlenswert.

    Natürlich ist es wie immer auch möglich, jeden Tag kleinere Bereiche zu erkunden und das Dungeon ohne großen Schaden wieder zu verlassen, womit das Team wieder komplett geheilt wird. Als Fan weiß man jedoch genau, wie wertvoll jeder Tag in Persona ist und dass man die verbrachte Zeit in den Palästen nicht unnötig ausdehnen sollte. SP und HP können im Metaverse nur mithilfe rarer oder teurer Items aufgeladen werden, die Ammo der Fernkampfwaffe kann in der Traumwelt überhaupt nicht wieder aufgeladen werden.

    Gegner verhalten sich in Persona 5 etwas anders als gewohnt. Da die Protagonisten allesamt Diebe sind, müssen wir uns an die Widersacher heranschleichen und im besten Fall einen Überraschungsangriff starten, um keinerlei Aufsehen zu erregen und uns im Kampf den nötigen Vorteil zu verschaffen. Dieser startet dann in einem separaten Kampfbildschirm, indem unser vier Mann starkes Team generischen Personae gegenübersteht. Scheitern wir zu oft daran, die unsere Feinde zu überraschen, so werden sie immer aufmerksamer und entdecken uns schneller. Außerdem werden wir nach zu vielen Fehlschlägen automatisch aus dem Dungeon geworfen und der Tag ist hinüber. Der kritische Aufmerksamkeitswert wird über einen Balken visualisiert. Die Füllung des Balkens lässt sich allerdings auch wieder reduzieren, indem wir Gegner weiterhin mit Überraschungsangriffen erledigen. Während eines Heist, also dem Tag des Diebstahls, ist der Balken schon beim Eintritt in den Palast um 99 % gefüllt. Extravorsicht ist also gefragt.

    Maximal vier Teammitglieder unserer rekrutierten Diebe können an dem Kampfgeschehen teilhaben, der Rest dient als Auswechselspieler. Trotz, dass nicht alle Charaktere aktiv dabei sind, können sie uns außerhalb des Kampfes unterstützen, indem sie die kämpfenden Personen beispielsweise nach Beenden des Kampfes heilen. Aktive Protagonisten werden, wie in Rollenspielen üblich, reihum vom Spieler gesteuert und lassen mithilfe ihrer Personae mächtige Attacken und Zauber auf die Feinde niederprasseln. Zauber können wir dabei nur verwenden, wenn wir genügend SP zur Verfügung haben, für einige physische Angriffe zahlen wir hingegen mit unserer Lebensenergie (HP). Zum Kampf hinzu kommt diesmal außerdem ein Feature aus der Shin Megami Tensei Backstube: Zwingen wir unseren Feind nämlich durch einen kritischen Treffer oder einen effektiven Zauber in die Knie, so können wir ihn entweder vollends mittels einer mächtigen Attacke kalt machen oder aber wir kommunizieren mit ihm. Während des Gesprächs können wir von ihm Geld oder Items fordern, um sein Leben zu verschonen oder wir versuchen ihn zu überreden, sich uns anzuschließen. Schlägt dies fehl, befinden wir uns erneut im Gefecht, gelingt es uns, so führen wir den Persona fortan mit uns. Anfangs kann Joker nur sechs Personae mit sich führen, ergattern wir mehr sind wir gezwungen eine von ihnen freizulassen. Nebencharaktere wie Ryuji haben stets ihren eigenen und auch einzigen Persona.

    Dar (fast) ganz normale Alltag

    Neben dem Dasein als Phantomdieb führen wir, wie in Persona-Ablegern üblich , das mehr oder weniger ganz normale Leben eines Schülers. Dabei können wir uns jeden Tag frei entscheiden, ob wir ins „Metaverse“ einsteigen, um dem Kriminellen unserer Wahl das Handwerk zu legen, unsere Fähigkeiten in „Mementos“ trainieren oder doch lieber ein Buch lesen und am Abend einen riesigen Burger verdrücken. Bleiben wir innerhalb des festgelegten Zeitrahmens, in dem ein Palast abgeschlossen werden muss, stellen unsere Freizeitaktivitäten kein Problem dar. Nach und nach lernen wir in unserem Alltag auch Personen kennen, die sich gerne mit uns anfreunden würden. Manche von ihnen werden sich uns als Phantomdieb anschließen und im Kampf unterstützen. Damit eine Beziehung gedeiht, gilt es sie zu pflegen und mit der jeweiligen Person Zeit zu verbringen. Freunde werden sich regelmäßig melden, um zu fragen, ob wir auf eine gemeinsame Unternehmung Lust haben, wir können sie aber auch gezielt ansprechen. Vertiefen wie unsere Freundschaften, so erhalten wir Boni, die für Aktionen im Metaverse hilfreich sind. Handelt es sich bei der Person beispielsweise um einen Mitstreiter unserer Diebesbande, so schält ein höherer Freundschaftsgrad neue Fertigkeiten von ihm frei.

    Neben dem Pflegen von Freundschaften sollte auch das Aufbessern unserer Alltagsfertigkeiten nicht vernachlässigt werden. Diese werden benötigt, um im Spiel weitere Aktionen ausführen zu können. Beispielsweise können wir Mädchen erst zum Essen ausführen, wenn wir freundlich und charmant genug sind oder trauen uns erst dann den Verkäufer im Waffenladen anzusprechen, wenn wir genügend Mumm gesammelt haben. Um diese Fähigkeiten auszubauen, müssen dafür verschiedene Aktivitäten ausgeübt werden. So können wir beispielsweise nachmittags lernen, um uns mehr Wissen anzueignen oder ein Buch lesen, dass unsere Freundlichkeit pusht. Sachverständnis und ein wenig Kleingeld erhalten wir hingegen, indem wir einen Aushilfsjob annehmen – der gewohnte, ganz normale Persona-Alltag eben. Bis sich dieser einspielt müssen Spieler jedoch etwas Geduld aufbringen. Persona 5 ist nämlich ein sehr ausladender und storylastiger Titel, der mit stundenlangen Dialogen und massenhaft Tutorials einhergeht. Schon bis die Basisgrundlagen abgearbeitet sind dürften ungefähr zehn Stunden von dannen ziehen. Dafür sind die Tutorials aber leicht verständlich und können jederzeit im Pausemenü nochmals eingesehen werden. Textlastige Sequenzen zu überspringen ist zwar möglich, jedoch dem Verständnis der Story nicht gerade zuträglich.

    Nachts, während wir schlafen, verschlägt es uns meist in den sogenannten „Velvet Room“, einem Raum zwischen Bewusstsein und Traum, den nur wir betreten können. Der Inhaber des Raumes, Igor, der aus vorherigen Persona Teilen bereits bekannt ist, erklärt uns, dass in unserer Zukunft Zerstörung wartet und wir dieser entgegenwirken müssen. Auch wir selbst sollen zu einer freien Person „rehabilitiert“ werden. Was genau er damit meint, bleibt zunächst zwar geheim, aber er bietet immerhin seine Hilfe an, indem wir im Velvet Room nach Gutdünken Personae fusionieren dürfen, die wir auf unseren Streifzügen durch das Metaverse erbeutet haben.

    Sin City 

    Die Grafik von Persona 5 weist einen einzigartig knalligen Stil auf, den man so schnell nicht mehr vergisst. Die comichafte Inszenierung schlägt einem geradezu ins Gesicht, was an dieser Stelle aber mehr als positiv gemeint ist. Charaktere wurden in feinster Anime-Manier gezeichnet und animiert. Dabei sind wieder viele liebenswert chaotische Individuen, die die Story mit ihrem einzigartigen Charakter gekonnt voranzutreiben wissen. Der Stil, die ernste Thematik und die regelmäßig eingestreute Brutalität geben dem Titel außerdem einen düsteren, aber auch erwachseneren Hauch.

    Auffällig ist auch die sehr kontrastreiche Darstellung, die beispielsweise im kompletten Pausemenü auf die Farben Schwarz, Weiß und Rot beschränkt wird. Aber auch im Gameplay werden auffällig oft diese Farben verwendet. Krasse Schriftarten, dynamische Bildschirmwechsel und zuckende Dialogboxen passen überaus gut ins Gesamtbild. Zwischensequenzen werden wie üblich in Kurzfilmen dargestellt. Auch die Anordnung des User-Interfaces weist ein sehr innovatives Design auf. Im Kampfbildschirm wird die Auswahl der Aktionen per Textballons direkt an den entsprechenden Körperstellen des Charakters platziert, was den Comiclook abrundet. Absolut den Vogel schießt jedoch die Überleitung vom Kampfbildschirm zur Worldmap ab. Während Joker eine kurze Strecke entlangläuft und sich die Nebencharaktere gekonnt in Szene setzen, erhaltet ihr Infos über das im Kampf verdiente Geld, EXP, eventuelles Aufleveln und gefundene Gegenstände. Anschließend wird wieder auf die Worldmap in Verfolgerperspektive übergeblendet.

    Auch auditiv überzeugt Persona 5 auf ganzer Linie. Feinste Titel, die sich einwandfrei in den Teeniealltag sowie die Traumwelt einfügen glänzen neben den überaus engagierten Synchronsprechern um die Wette. Sehr schön auch, wenn beispielsweise der Sound am Tag eines Heist in ein schnelleres, energiegeladenes Lied umschwenkt. 

    Fazit

    Als Persona Fan lässt der neueste Teil für mich keine Wünsche offen. Sowohl das Gameplay als auch die Geschichte der Phantomdiebe ziehen mich magisch in ihren Bann. Das Doppelleben eines Highschool Schülers hat durchaus seine Reize. Der markante Stil sowie die Charaktere sind charmant eigenwillig, die Inszenierungen und der Soundtrack einfach nur bombastisch. Da kann man über die Tatsache, dass es sich bei der Optik um keine ultrarealistische Hochglanzgrafik handelt, gut hinwegsehen. Einzig und allein eine bessere Möglichkeit zur Heilung in der Traumwelt hätte ich mir noch gewünscht und evtl. ein paar Tutorials weniger, denn davon findet man in Persona an jeder Ecke welche. Neulinge bei Persona aufgepasst, die Einarbeitungszeit ist dadurch wirklich lange, die Spielzeit dafür aber ebenfalls. Bis alle Geheimnisse gelüftet sind, dürftet ihr locker 120 Stunden an der Konsole verbringen, wenn nicht noch mehr. Die Geschichte der Phantomdiebe ist die lange Einarbeitungszeit aber allemal wert.

     

     

    Positiv

    • Einzigartiger Stil
    • Packende Story
    • Lebendige Charaktere
    • Liebevoll inszenierte Zwischensequenzen
    • Detailreiche Zeichnungen
    • Lange Spielzeit

    Negativ

    • Etwas längere Einarbeitungszeit
    • Nicht gerade zugänglich für Neueinsteiger
    9

    Von
    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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