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Portal Knights – Auf der Suche nach den Portalsteinen

Zunächst mal einen Glückwunsch an Keen Games. Das kleine und sympathische Entwicklerteam aus Frankfurt hat vor wenigen Tagen beim Deutschen Computerspielpreis 2017 den Preis für das beste deutsche Spiel gewonnen. Und jenes Spiel ist Portal Knights, welches kürzlich den Early Access Status verlassen hat und nun für PC, PS4 und Xbox One auch im stationären und digitalen Handel erhältlich ist. Grund genug also für uns, den Titel unter die Lupe zu nehmen.

Um was geht es denn genau?

Die Geschichte ist schnell erzählt: die Welt wurde durch böse Mächte zerstört und besteht nur noch aus kleinen Gebieten, die in der Atmosphäre herumschweben. Unsere Aufgabe ist es nun Splittersteine zu finden um damit die namensgebenden Portale zu reparieren und somit die Welt Stück für Stück wiederherzustellen bzw. zu heilen. Viel mehr gibt es zur Geschichte auch nicht zu erzählen, diese beschränkt sich wirklich mehr oder weniger auf das Intro und den Einstieg. Im Verlauf bleibt sie im Hintergrund und erst mit dem Abspann kommt sie buchstäblich noch mal ins Spiel.

Dicke Waffen oder eher subtile Zauber? Ihr habt die Wahl.

Minecraft mit leichtem RPG-Einschlag?

Aber die Stärke des Projekts sollte sicher auch nie die Geschichte sein. Was hier in erster Linie ins Auge sticht, ist die Mischung verschiedener Spielelemente mit dem Fokus auf Erkundung, Kämpfen und Crafting. Minecraft stand hier sicher von der Idee her Pate und zusätzlich wurden Elemente aus (Action -) Rollenspielen eingebracht um Portal Knights von der Konkurrenz abzuheben.

So beginnen wir mit der Charakterauswahl. Rollenspielklassisch wählen wir aus Magier, Waldläufer oder Ritter, passen unseren Charakter mit ein paar optischen Vorgaben an und begeben uns dann direkt ins Abenteuer. Spielerisch machen die Klassen den erwarteten Unterschied. Der Ritter ist ein Charakter für den Nahkampf mit Schwerten und Äxten, der Magier nutzt hauptsächlich seine Zauberkräfte und der Waldläufer kämpft mit Pfeil und Bogen. Letzterer steuert sich flinker als die anderen beiden Klassen, dafür kann der Ritter z.B. mehr einstecken.

Jede Klasse hat zudem einen einfachen Talentbaum, bei dem man sich nach nach dem Erreichen von vorgegebenen Stufen für ein Talent entscheiden muss. Diese Wahl kann schon einen Unterschied für den eigenen Spielstil ausmachen, so dass man hier wirklich einen gewissen Vorteil spürt. Auch wenn das alles sehr einfach gehalten ist: es passt in der Form gut ins Spiel.

Die Attribute des Magiers.

Gelungener Einstieg

Gelandet auf der ersten „Insel“ empfängt uns das Spiel mit verschiedenen Hinweisen und Tutorials. Wir lernen nach und nach die Funktionen des Spiels kennen und merken recht schnell, wie die 3 Spielelemente ineinader greifen. Man schickt uns kreuz und quer über die erste Insel, wir finden Zutaten, Rezepte, bauen Klötze ab und stellen daraus die ersten hilfreichen Gegenstände her. Nebenbei treffen wie immer wieder auf verschiedene Gegner, die wir bekämpfen müssen und die ihrerseits Beute fallen lassen, die uns im Spielverlauf hilfreich sein kann.

Das Nahziel jeder Insel ist das Herstellen des Portals, durch das wir uns auf die nächste Insel begeben können und uns so weiter Richtung Finale vorkämpfen. Durch verschiedene Umgebungen (z.B. Eis und Schnee oder Wüste) auf den Inseln müssen wir auch immer mal wieder zurück springen um bestimmte Rohstoffe zu bekommen, ohne die wir nicht weiterkommen.

Eins der namensgebenden Portale.

Auf Dauer etwas eintönig

Anfangs entwickelt Portal Knights durchaus eine Sogwirkung, da man durch das straffe Gameplay und die überschaubaren Welten schnell von einem Erfolg zum nächsten eilt. Im Gegensatz zu z.B. Minecraft wird man viel stärker an die Hand genommen und ist nicht wirklich aufs „Ausprobieren“ angewiesen. Und hiermit kommt auch ein wenig das Problem des Spiels im weiteren Verlauf zum Tragen. Es mangelt in punkto Langzeitmotivation an Abwechslung. Nach den ersten erledigten Inseln hat man quasi alles von Portal Knights gesehen.

Der Forscher- und Entdeckerdrand wird leider in ein sehr enges Korsett gezwängt bestehend aus relativ kleinen Gebieten, einem sehr einfachen Kampfsystem und einem klar definierten Craftingsystem. Ein wenig Abwechslung bieten allerdings zwischendurch die Besuche bei großen Bossgegnern, die schön inszeniert sind und die gut ins Spiel passen. Auch trifft man ab und an auf NPCs für die man Aufgaben erledigen soll. Im Austausch gibt es dafür natürlich Items für’s Crafting.

Konzentriert man sich nicht auf die Kampagne, hat man eine große Freiheit in Bezug auf das Gestalten der Welten. Es gibt zwar keinen expliziten „Baumodus“, der einen frei mit den Klötzchen hantieren lässt, aber das lässt sich verschmerzen, weil bei Portal Knights quasi alles in der Welt abbaubar ist und sich somit auch wieder benutzen lässt. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Im Koop haben wir z.B. einen kleinen Bauernhof nebst Ackerbau aufgebaut.

Es kann hoch hinaus gehen. Sky is the limit 😉

Schnappt Euch einen oder mehrere Mitspieler!

Auch zu zweit im Splitscreen oder bis zu viel Spieler online lässt sich Portal Knights im Koop Modus spielen. Hier macht es besonders viel Spaß mit mehreren Spielern große Bauprojekte umzusetzen oder mit dem Nachwuchs eine Runde in der schönen Welt zu versinken. Durch das einfache Spielprinzip und die Aufmachung ist das Spiel nämlich auch und gerade für jüngere Spieler geeignet.

Wunderschöne Winzigwelten

Technisch hat Keen Games einen tollen Weg gefunden den eigentlich steril aussehenden „Klötzchenwelten“ Leben einzuhauen. Es gibt Flora und Fauna, schöne Lichteffekte und optische Abwechslung in Form verschiedener Gebiete. Auf unserem Testsystem (PS4 Pro) lief das Spiel mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Die Steuerung wurde auch bestmöglich auf den Controller angepasst, wenngleich sie nicht von Anfang an intuitiv daherkommt. Aber man weiß spätestens nach dem ersten Gebiet genau was man tut.

Einen kleinen Nachteil haben die üppig bewachsenen Klötzchen allerdings auch: ab und an kommt es vor, dass man Items kaum ausmachen kann im Gras und die Gefahr besteht, Dinge zu übersehen.

Auch in verschneiten Umgebungen gehen wir auf Entdeckungsreise.

Fazit

Portal Knights ist ein gutes Spiel, gar keine Frage. Nur hätte es für meinen Geschmack sein straffes Korsett etwas weiter lösen dürfen um mir als Spieler mehr Freiheit zu geben. Die Ansätze sind stark, aber die Spielmechanik bremst die Langzeitmotivation doch etwas aus. Ich ziehe von Portal zu Portal und zu den besuchten Welten kann ich keine wirkliche Bindung aufbauen, weil ich weiterziehen soll und muss.

Rein als Baukasten sieht die Sache anders aus, da macht Portal Knights gerade im Koop eine Menge Spaß. Hauptsächlich, weil sich wirklich nahezu alles abbauen und benutzen lässt. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ein separater Baum-Modus drängt sich hier nahezu auf.

Keen Games hat das Spiel seit der Early Access Phase übrigens hervorragend unterstützt und stand und steht immer im Austausch mit der Community. Mit der Version 1.0 haben sie jetzt ein schönes Fundament geschaffen, welches durch die weitere Entwicklung (zusammen mit den Spielern) hoffentlich noch mehr von seinem Potenzial ausschöpfen kann.

Positiv

  • Wunderschön umgesetzte Gebiete
  • Nahezu alles lässt sich abbauen und nutzen
  • Viele Crafting Rezepte
  • Verschiedene Gebiete mit verschiedenen Bedingungen
  • Auch für die jüngeren Spieler geeignet

Negativ

  • Einzelne Gebiete relativ klein
  • Experimentieren beim Craftig kaum nötig
  • Sehr einfaches Kampfsystem
  • Kampagne verläuft spielerisch sehr repetitiv
  • Kaum Story
7.5

Angefangen hat alles mit einer Tele Fever Konsole von Tchibo (!) im Jahr 1986 und dem Spiel Hobo (kennt wohl keiner). Direkt infiziert. Seitdem auf allen Plattformen unterwegs, egal ob Atari, Sega, Nintendo, Sony, Microsoft, Commodore, PC oder Exoten. Auch wenn ich heute sehr viel weniger Zeit für das Hobby habe: die Faszination ist ungebrochen.

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