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Portal Knights – Geheimtipp im Early Access

Von Ole Oetjen am 25. Februar 2016

Bei unserem Besuch der Keen Games-Studios in Frankfurt durften wir einen Blick auf Portal Knights werfen. Lest in dieser Preview wie aus einem bekennenden Sandbox-Skeptiker jemand wird, der heute in der Schlange vor dem Early Access ansteht.

Heute beginnt die Early Access Phase von Portal Knights, einem Sandbox-Action-RPG aus dem Hause Keen Games und 505 Games. Wir besuchten das sympathische Entwicklerteam, ließen uns ihr neues Baby vorführen und legten daheim erstmals selbst Hand an.

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Die Portal Knights in persona – das Team bei Keen Games in Frankfurt!


Vielversprechender Genrecocktail

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Um das Unübersehbare direkt anzusprechen: Ja, Portal Knights hat eine nicht zu leugnende Verwandtschaft zu Minecraft was die Mechanik „Bau deine eigene Welt aus Blöcken – Alles ist möglich!“ betrifft. Andererseits ist Kratos auch der Sohn des Zeus und schlug, milde ausgedrückt, einen etwas anderen Weg ein als der Vater.

Ähnlich verhält es sich auch mit Portal Knights, das den Sandbox-Ansatz mit einem Action-Rollenspiel verbindet und alles andere als ein bloßer Abklatsch des Genrevaters ist. Wir erstellen zunächst einen neuen Charakter und legen Geschlecht und Klasse unseres Helden fest: Zur Auswahl stehen Krieger, Magier und Waldläufer. Anschließend gestalten wir die äußere Erscheinung unseres knuffeligen Avatars und starten in die Welt. Bis zu drei Freunde können uns online begleiten und sich kreativ austoben – auf einen MMO-Ansatz hat man dankenswerterweise verzichtet, denn ganz ehrlich: Würdet ihr gerne der Zerstörung eures liebevoll gestalteten Schlosses von jemandem beiwohnen, der auf der anderen Seite der Erde gerade ein bisschen Langeweile und zu viele Bomben hat? Stattdessen möchte Portal Knights 1-4 Spieler zum Bauen, Looten und Leveln einladen.

Freundliche Einstiegshilfe

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2x Krieger, Magier und Waldläufer – die Klassen in Portal Knights sind leicht zu erkennen.

Das Spiel beginnt mit einem kleinen Tutoriallevel, in dem wir durch kleine Quests an die Gameplaymechaniken herangeführt werden. Wir erlegen die ersten kleinen Gegner mit unserem Bogen wahlweise aus der Ego- oder Thirdperson-Ansicht. Automatische Angriffe gibt es nicht; hier wird noch selbst gezielt und gefeuert – vorzugsweise von einem erhöhten Standpunkt aus, für den wir, ganz im Sinne der Minecraft-Inspiration, aus abgebauten Blöcken ja einfach selber sorgen können. Unser Charakter erhält seine ersten Erfahrungspunkte und Ausrüstungsgegenstände und wir spüren den beginnenden Sog der RPG-Elemente – übrigens etwas, dass ich bei vielen Sandboxspielen vermisse. Das Equipment beschert uns genretypisch verschiedene Boni auf Primärattribute wie Stärke oder Sekundärattribute wie Ausweichchance.

Ein Blick in unseren Charakterbogen offenbart einen Skilltree, der zum jetzigen Zeitpunkt der Early Access Phase noch keine großen Verzweigungen aufweist und uns alle paar Level eine neue passive Fähigkeit beschert. Hier würden wir uns im Verlauf der weiteren Entwicklung Zuwachs wünschen. Für Tiefe im Kampfgeschehen sorgen Rezepte mit deren Hilfe wir neue Skills und Zaubersprüche craften können. Außerdem gibt es bereits jetzt eine Bandbreite von (De)Buffs, Resistenzen und Elemente der Gegner und verschiedene Schadenstypen.

Die Welt öffnet sich

Anschließend hacken wir etwas Holz, reparieren die verwaiste Werkbank und stellen aus gesammelter und weiterverarbeiteter Baumwolle unsere erste Rüstung her. Dabei fällt auf, das wir auch für z.B. das Abbauen von Ressourcen XP kassieren. Das Crafting hat insgesamt einen hohen Stellenwert: Zwischen 500–800 Items sind derzeit im Spiel implementiert und ein Löwenanteil dieser Objekte kann selbst gecraftet werden. Um das Tutorial zu verlassen erschaffen wir aus Portalsteinen unseren Zugang zur Weltenkarte und sehen zum ersten Mal wie das Spiel in Gänze aufgebaut ist. Die Insel, die wir gerade hinter uns gelassen haben war lediglich die erste von 44 Schauplätzen, die wir sukzessive freischalten und die immer schwierigere Gegner, seltenere Materialien und Crafting-Rezepte beinhalten. Diese bestehen zwar aus vom Spiel für diese Insel festgelegten Konstanten wie zum Beispiel welche Ressourcen auftreten oder ob es eine Dschungel- oder Eiswelt ist, sind aber in sich zufallsgeneriert, sodass jeder Spieler in seiner Welt ein eigenes Abenteuer erlebt. Auf welcher der Inseln wir uns häuslich niederlassen und unsere Werkbänke und architektonischen Kunstwerke errichten bleibt dabei uns überlassen.

Einige der Inseln werden sogar von Bossgegnern bewohnt, deren Schwächen wir in bester Legend of Zelda-Manier herausfinden und ausnutzen müssen um zu siegen. Diese hüten besondere Belohnungen wie zum Beispiel legendäre Rezepte für Ausrüstungsgegenstände.

Ersteindruck

Das sieht schon richtig gut aus! Man sieht und spürt sofort dass in Portal Knights eine Menge Mühe und Herzblut geflossen sind. Mag der Titel auf Screenshots noch wie ein Minecraft-Klon wirken, verblasst dieser Eindruck immer weiter je mehr man vom Spiel sieht. Die RPG-Elemente sind sinnvoll und stimmig mit der Sandbox-Idee verwoben und motivieren von Stunde Eins an, sich immer tiefer in die Erde vorzubuddeln. Außerdem vermitteln sie das Gefühl der Progression, die anderen Vertretern des Genres in meinen Augen abgehen. Gleichzeitig lässt Portal Knights dem Spieler genug Leine um sich kreativ auszutoben und seine Welt so zu gestalten, wie sie ihm gefällt.

Das liebevolle Art-Design und der verhältnismäßig leichte Einstieg ins Spiel lässt Portal Knights auf den ersten Blick wie ein Titel wirken, der sich primär an ein jüngeres Publikum richtet. Ob das Spiel mit genügend Tiefe aufwarten kann, dass auch ältere Spieler gefesselt bleiben, die bereits mehr Erfahrung in diesem Genre gesammelt haben, wird sich im Verlauf der Early Access Phase noch herausstellen. Als 27jähriger Videospielredakteur habe ich jedenfalls Lust bekommen, für mich weiterzuspielen und das Spiel wachsen zu sehen – ganz ohne Nachwuchs den ich bespaßen müsste!