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Rainbow Six Siege – Adrenalin garantiert

Von Patrick Hützen am 8. Dezember 2015

Ubisoft bringt mit Rainbow Six: Siege seinen neusten Taktik-Shooter auf den Markt, diesmal aber mit einer anderen Ausrichtung. Besinnt man sich auf die ersten Teile aus den 90er Jahren, erinnert man sich an taktische und intensive Missionen im Singleplayer. Siege setzt auf einen eher schwachen Singleplayer und dafür auf einen sehr starken Multiplayer.

Nur ein Namensgeber

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Nur Teamplay führt zum Sieg

Tom Clancy verbindet man mit vielen Büchern, Filmen und guten Spielen. Die Spiele konnten besonders Solisten für sich gewinnen. So gab es immer eine interessante Kampagne mit vielen spannenden Missionen und authentischen Charakteren. Diese haben der Story, für das Shooter-Genre, recht viel Tiefgang beschert. Zwar wartet das neuste Rainbow Six noch mit einigen Missionen für Einzelspieler auf, doch dabei handelt es sich lediglich um unterschiedliche Szenarien, in denen grundlegende Spielmechaniken kennengelernt werden und in das eigene Spiel als weitere Möglichkeiten integriert werden können. Spielt man alle Situationen durch, ist man etwa 4 Stunden beschäftigt und hackt den Menüpunkt ein für alle Mal ab – einmal spielen reicht. Erweitert werden diese Szenarien durch einen netten Koop-Modus, in dem sämtliche Missionen und gelernte Spielmechaniken mit einem Teamkollegen geübt werden können und zur Perfektion gebracht werden können. Erledigt man die Bots selbst auf höchster Schwierigkeit, zieht es einen spätestens dann in den Online-Bereich. Klar wird hier die geringe Gemeinsamkeit zu Top-Titeln der Vergangenheit, wie beispielsweise Rainbow Six: Las Vegas oder den Ghost Recon Teile. Ubisoft versucht die Massen aber mit etwas anderem zu ködern und mit bekannten Alleinstellungsmerkmalen zu fesseln, hierzu zählen bombastischer Sound, gute Inszenierung und nervenaufreibende Spielsituationen.

Multiplayer-Feuerwerk

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Der Multiplayer überzeugt

Spieler werden gesucht, die Verbindung zum Server steht und die Anspannung steigt. Natürlich habe ich alle Maps und Waffen gespielt, kenne den Großteil der Spielmechaniken und trotzdem zittern die Hände. Zu Beginn wähle ich eine Spezialeinheit, mit der ich mich identifizieren kann, wähle meine favorisierten Waffen und mein Equipment. Ich befinde mich im Verteidiger Team und muss 2 riesige Bomben im Gebäudeinneren beschützen. Schnell verschaffe ich mir einen Überblick, bringe Barrikaden an und verstärke mögliche Zugänge mit Stahl. Einige Sekunden verstreichen, mein Team hat sich positioniert, Zugänge sind, so gut es geht, gesichert und jetzt schlägt das unverwechselbare Rainbow Six Flair ein. Die Ruhe vor dem Sturm äußert sich in Totenstille, verlangsamten Herzschlag und anhaltender Luft. Ich ziele verkrampft auf ein Fenster, höre Schritte und sehe wie meine Teamkameraden nervös die Position wechseln. Sie stehen direkt hinter mir – verdammt. Natürlich halten die Bretter an den Fenstern nicht, das erste Loch ist drin und ich Feuer in die entstandene Lücke. Granaten fliegen von überallher in den Raum, der Bildschirm ist weiß und ich bin tot. Das Bild wird wieder normal und ich stelle mit Entsetzen fest, nicht nur ich bin tot. Das gegnerische Team ist taktisch und wahrscheinlich unter Absprache vorgegangen und hat uns systematisch ausgeschaltet. Jeder Spielmodus setzt dabei auf andere taktische Umsetzungen, so müsst Ihr in einem Szenario Biotanks beschützen oder Geiseln aus einem Gebäude befreien. Dabei ist die Zugänglichkeit recht schnell gewährleistet, um den jeweiligen Modus wirklich zu meistern ist einiges an Spielzeit und eine gute Teamkoordination wichtig.

Redet doch mit mir

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Kommunikation ist entscheident

Hier zeigt sich eine Schwäche, aber auch viel Potenzial. Ich habe den Fehler gemacht und bin ohne ein festes Team auf die Server gegangen. Zwar habe ich ein Headset, aber Dinge in den teameigenen Voice-Chat zu brüllen ist auch nicht meine Art und so fehlten Ansagen über Positionen, mögliche Taktiken etc. und das macht sich besonders als angreifendes Team bemerkbar. In diesem Spiel kann man nur sehr wenig über den eigenen Skill entscheiden, also ganz anderes wie in CS:GO, wo man durch gutes Aiming das komplette gegnerische Team eliminieren kann. In Rainbow Six: Siege ist eine gute Absprache und ein koordiniertes Vorgehen unumgänglich – Kommunikation ist ALLES. Leider kann es ohne festes und kommunikatives Team schnell frustrierend werden, wenn man in einer Tour verliert. Dafür macht es doppelt so viel Spaß, wenn man mit Freunden spielt und sich permanent unterhalten kann. So eröffnen sich mehr Möglichkeiten und ein wirklich taktisches Vorgehen. Auch das Leveldesign überzeugt mich, denn fast alle Gegenstände lassen sich wegsprengen oder zeigen die erwarteten Spuren nach einem heftigen Kugelhagel. Insgesamt ist auch das Gunplay sehr gut gelungen und die Steuerung ist trotz einer Vielzahl taktischer Möglichkeiten intuitiv und leicht zugänglich.

Ein Spezialfall

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Spezialisten im Einsatz

Am Anfang jeder Runde stehen nicht nur verschiedenen Waffen und nützliches Equipment zur Wahl, sondern auch entsprechende Charakterklassen, die sogenannten Spezialisten. Hier stehen später 20 zur Auswahl, es erinnert sehr an Call of Duty, funktioniert aber sehr gut. Schade ist hier leider der Kaufpreis. So muss man sich die gewollten Spezialisten mit der Ingame Währung kaufen. Den Kontostand kann man durch siegreiche Duelle erhöhen. Die Belohnung für einen Sieg ist glücklicherweise (fast) immer recht hoch und man benötigt nicht wirklich den Echtgeld-Shop. Irgendwann sind dann alle Spezialisten freigekauft, aber diese Mechanik hätten sich die Entwickler sparen können. Besonders beim taktischen Vorgehen möchte man experimentieren und die beste Kombination für sein Team herausfinden und nicht erst alles erkaufen muss und nach und nach testen dürfen. Ein Spezialfall ist Rainbow Six immer schon gewesen, so stellt sich auch die Frage, ob es auf dem derzeitigen Markt bestehen kann. Die Konkurrenz ist sehr hart und breit aufgestellt, so sieht sich Siege umringt von Star Wars: Battlefront, Call of Duty Black Ops 3 und natürlich CS: GO im e–Sport. Fraglich ist auf jeden Fall die Beständigkeit, so hat man in der Vergangenheit einige gute Titel gesehen, von denen heute kaum jemand mehr spricht. Beispielsweise Evolve war in meinen Augen ein sehr gutes Spiel mit viel Potential und einem starken Hype, doch rund ein Jahr später hört man nur noch sehr wenig. Ebenfalls schwierig wird es gegen lange operierende Titel am Markt werden, wie vorherige Call of Duty Teile oder Battlefield Ableger.

Fazit

Rainbow Six: Siege verwundert auf den ersten Blick, überzeugt aber auf den zweiten Blick. So dürfen Solisten leicht enttäuscht sein auf Grund der fehlenden Kampagne, lassen sich aber sicherlich auch vom Multiplayer überzeugen. Neben packenden Gefechten und purer Anspannung schafft es Ubisoft wieder eine knallharte Atmosphäre mit bombastischem Sound und sehr guter Grafik. Fraglich ist leider das Bestehen auf dem derzeitigen Markt, besonders im Online-Bereich ist es ein hartes Pflaster. Ich würde es mir wünschen, denn Rainbow Six: Siege hat viel Potenzial, besonders wenn 2 koordinierte 5er-Teams gegeneinander antreten. Möglicherweise eröffnen sich hier auch Wege für spannende Team-Events. Für Spieler die schon vorher von taktisch anspruchsvollen Shootern begeistert waren und im Idealfall noch 4 Freunde haben, die die gleiche Leidenschaft teilen, ist Rainbow Six: Siege sicherlich eine Investition wert.

Positiv

  • dynamisches Gunplay
  • starker Multiplayermodus
  • gelungene Optik
  • tolle Atmosphäre
  • satter Sound
  • sehr komplexe Möglichkeiten

Negativ

  • Season Pass
  • fehlende Kampagne
  • zu teuer für das Gebotene
  • Individualisierung der Operator gering
  • Kaufsystem stört etwas
8

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de