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Rime im Test – Never alone!

Entwicklungstechnisch hat „Rime“ einen etwas holprigeren Weg hinter sich. Der Titel aus der Schmiede des spanischen Indie-Studios „Tequila Works“, der schon im Jahre 2013 vorgestellt wurde, sollte zunächst exklusiv für die PS4 erscheinen, da der vorige Vertrag von Microsoft aufgrund eines fehlenden Multiplayermodus annulliert wurde. Als auch der Vertrag mit Sony platzte, kaufte sich Tequila Works die Rechte kurzerhand zurück und entwickelte Rime als Multiplattformer weiter, womit nun sowohl Konsolenbesitzer, als auch PC-Anhänger in den einzigartigen Spielgenuss kommen.

Deine Stimme zählt

Die Geschichte von Rime ist die eines schiffsbrüchigen Jungen. Allein strandet unser junger, namensloser Held an einer verlassenen Küste. Schnell steht fest, dass wir auf einer kleineren Insel feststecken. Zwischen Krebsen und Eidechsen erkunden wir erst einmal die örtlichen Gegebenheiten und lernen gleichzeitig die Steuerung kennen, die uns zwar nicht mittels Tutorial beigebracht wird, aber durch ihre leichte Verständlichkeit ziemlich schnell in unseren Neocortex überwandert. Wir können laufen, schwimmen, Gegenstände aufnehmen, springen und schreien.

Das Schreien ist dabei kein gewöhnlicher Hilferuf, sondern spielt eine zentrale Rolle im Spiel und beeinflusst diverse Umgebungsobjekte. Verschiedene Gegenstände reagieren nämlich auf unsere Stimme und müssen sogar beschrien werden, damit wir im Spiel vorankommen. Vasen zerbrechen und geben neue Wege frei, Feuer werden größer und erleuchten unseren Weg und jadefarbene Statuen setzen unter unseren Lauten verschiedene Mechanismen in Gange.

Never alone

Auch wenn die Insel anfangs unbewohnt scheint, finden wir relativ schnell einen putzigen Verbündeten. Ein kleiner Fuchs, den wir aus einer Steinstatue erweckt haben, dient zeitenweise als Begleiter und hilft uns stets dabei, den richtigen Weg zu finden. Auch eine weitere Gestalt, die einen roten Mantel trägt, läuft uns in regelmäßigen Abständen über den Weg. Es scheint, als würde die Gestalt auf uns warten, dennoch können wir sie nie erreichen, da sie auf mysteriöse Weise verschwindet, sobald wir uns ihr nähern.

Abgesehen von den Schreien schreiten wir im Spiel vollkommen wortlos voran. Auch Untertitel gibt es keine. Gefühle, Geschichte und neue Situationen werden komplett durch die Schauplätze selbst und einige Videosequenzen erklärt. Hin und wieder entdecken wir Wandmalereien, die Aufschluss auf Geschehnisse oder Hinweise auf Rätsel geben. Während des Spielverlaufes finden wir außerdem mehrere sammelbare Gegenstände, Embleme und Bilder, die uns die Geschichte näher bringen sollen.

Big, Big Island

Trotz, dass Rime von den doch kleineren Indie-Studios von „Tequila Works“ entwickelt wurde, stehen wir einer relativ großen Spielwelt gegenüber, in der man sich schon mal verirren kann. Damit wir den richtigen Weg trotzdem nie aus den Augen verlieren, fungieren der Fuchs und der Mann in Rot als Wegweiser sehr gut.  Rime schafft es so mit einfachen Tricks, die Neugierde des Spielers zu wecken und ihn den richtigen Pfad entlangzuführen. Ein gen Himmel gerichteter Lichtstrahl, um den Möven kreisen – klar möchten wir wissen, was sich da befindet. Eine meterhohe, leuchtturmartige Ruine? Da wollen wir natürlich sehen, was oben ist – und auch was sich in der Unterwasserhöhle befindet … geheimnisvolle Ruinen, Inschriften, Mechanismen und die Ungewissheit der eigenen Identität regen zu Erkundungstouren an und treiben den Spieler weiter das Spielgeschehen entlang.

Auf unserer Reise um die Insel gilt es außerdem zahlreiche Rätsel zu lösen. Diese sind dabei perfekt auf die Atmosphäre abgestimmt, sodass sich weder große Langeweile noch Frust beim Spielen einschleicht. Alles fühlt sich angenehm leicht an und bleicht dennoch abwechslungsreich.

Einmal müssen wir Schattenrätsel lösen, indem wir bestimmte Zeichen beleuchten, ein anderes Mal goldene Torbögen mittels richtiger Perspektive wieder zusammensetzen. Auch das Anschreien der richtigen Statuen in richtiger Reihenfolge und das transportieren von Gegenständen von A nach B gehört zu unseren täglichen Aufgaben. Teilweise beeinflussen wir den im Spiel eingebauten Tag- und Nachtrhythmus, müssen vor Schattenwesen fliehen oder uns vor einem riesigen Vogelwesen verstecken – temporär versteht sich, denn es wäre doch gelacht, wenn wir diese Widersacher nicht bezwingen könnten. Jedes Rätsel ist einzigartig und wohl durchdacht.  Zwischendurch stehen Kletterparkours oder Tauchgänge an. Beim Klettern werden die zu erklimmenden Wände mit weißen Strichen markiert. So hat man zwar immer einen Anhaltspunkt wo man als Nächstes lang muss, allerdings erinnert die weiße Farbe die von den Vorsprüngen tropft jedoch ziemlich stark an – nun ja – Vogelkacke. Das stört dann doch die sonst so stimmige Atmosphäre und passt nicht ganz so gut in die sonst so bezaubernde Spielwelt.

Obwohl das Spiel in sehr reduzierter Grafik dargestellt wird, passt alles wie aus einem Guss. Der eher comichafte Stil weiß auch ohne viel Schnickschnack zu bezaubern. Außerdem wirkt die Insel durch ihre zahlreichen Bewohner sehr lebendig. An den Wänden finden sich putzige Geckos, die in allen Regenbogenfarben schillern, am Strand buddeln sich Krebse in den Sand, Möven kreisen am Himmel und Wildschweinferkel wollen von uns mit Früchten gefüttert werden. Im Wasser hingegen schwimmen zahlreiche Fische und Quallen zwischen bunten Korallen umher und im Storyverlauf bauen wir uns unsere eigenen Golems zusammen. Die ganze Welt wirkt lebendig und authentisch, das Inselleben nahezu perfekt, wären da nicht die schlecht gelaunten Schattenwesen und die nach einiger Zeit melancholische einschlagende Stimmung.

Auch klangtechnisch gibt es nichts zu bemängeln. Die stets stimmungsvollen Töne tragen wunderbar dazu bei, die Gefühle des Protagonisten darstellen und rahmen die Story gekonnt ein. Selten kann ein Spiel allein durch die Hintergrundmusik so gut zum Flair beitragen, was bei einem Titel ohne Text oder Sprache jedoch dringend von Nöten ist.

Fazit

In Rime erwartet euch ein leichtes Adventure für zwischendurch, dass sich sehr angenehm spielt. Einzigartiger Look und bezaubernde Musik können auf ganzer Linie überzeugen. Die Insel wurde mit sehr viel Liebe und noch mehr Zeitaufwand bearbeitet, das zeigt sich beispielsweise an den Tieren, die auf ihr wohnen, denn diese wurden überaus vielfältig gestaltet. Für die Auflösung der Geschichte müsst ihr etwas länger warten, denn erst ganz am Schluss erfahren wir, was hier passiert ist – und auch hier haben wir noch Interpretationsfreiraum. Die sammelbaren Gegenstände sind ziemlich gut versteckt und ihr werdet Mühe haben, alle beim ersten Durchgang zu erlangen. Auch einige Trophys sind praktisch unerreichbar, obwohl der Schwierigkeitsgrad im Spiel selbst moderat bleibt. Kleine Wermutstropfen, die sich jedoch mit einem erneuten Durchspielen bessern. Dies ist bei einer Spielzeit von ca. 8 Stunden gut möglich – und dass, ohne dass sich sofort Langeweile einschleicht. Dafür macht das „In-Der-Gegend-Herumschreien“ nämlich viel zu viel Spaß.

    Positiv

    • Hübscher Stil
    • Lebendige Insel
    • Interessante Atmosphäre
    • Top Hintergrundmusik

    Negativ

    • Harte Trophys
    • Sammelbare Gegenstände ziemlich gut versteckt
    9

    Von
    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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