Einloggen

Lost Password

Shadow Tactics: Blades of the Shogun im Test

Die frühe Edo-Periode Japans des 17. Jahrhunderts ist Schauplatz endloser Schlachten und Kriege immensen Ausmaßes. Inmitten dieser blutigen Auseinandersetzungen steht ein Shogun, der mithilfe seiner Untergebenen versucht, den Frieden im Lande wieder herzustellen.

Fünf der fähigsten Spezialisten treffen wir auf unserer Reise durch das mittelalterliche Japan, welche wir mit viel taktischem Feingefühl durch die feindlichen Gegnerhorden lotsen. Das an Commandos erinnernde Echtzeit-Strategiespiel erfordert allerdings etwas Geschick, Geduld und Durchhaltevermögen.

Wenn der Name Programm ist

 Leise schleichen wir uns an der Wachen vorbei, denn als feindlicher Krieger haben wir im Dorf eigentlich nichts zu suchen. Unbemerkt gilt es, sich seinen Weg zum Ziel zu bahnen, einem Tor, welches gut behütet im inneren der Festung liegt. In die Gegnermassen hineinstürmen können wir in Shadow Tactics: Blades of the Shogun dabei nicht, denn obgleich wir dazu fähig sind, einzelne Gegner im Zweikampf niederzuringen, ziehen wir gegen die herbeigerufene Verstärkung meist den Kürzeren. Unbemerktes Einschleichen ist also an der Tagesordnung und ganz wie der Titel es schon andeutet, solltet ihr eure Eroberungspläne im Schatten schmieden. In der Hocke durch die Büsche winden und dem Feind aus dem Toten Winkel heraus den Garaus zu machen, das funktioniert schon besser – vorausgesetzt, niemand hat uns gesehen, sonst schlägt der vermeintliche Augenzeuge Alarm und ruft um Hilfe, die schon wenige Sekunden später zur Stelle ist. Dies zu vermeiden ist im Spiel gar nicht immer so einfach, denn selten ist ein Gegner ganz allein anzutreffen. Also der nächste Versuch. Hinauf aufs Dach und im richtigen Moment ab mit dem mannsgroßen Eiszapfen, der unseren Widersacher erschlägt. Damit sieht das Ganze wie ein Unfall aus, und niemand wird uns so schnell verdächtigen … aber was ist das – fiel der Eiszapfen etwa daneben? … Ja, das taktische Vorhaben, sowie das Zielen, will geübt und meistens auch ein paar Mal erprobt sein. Dank der Schnellspeichern Funktion im Spiel können wir das Unglück aber schnell ungeschehen machen und das Vorhaben von Neuem versuchen.

Die beiden Tastenkombinationen zum Schnellspeichern und zum Laden des letzten Speicherstandes bleiben uns somit schon nach kurzer Zeit im Gedächtnis hängen, denn in Shadow Tactics geht Probieren meist über Studieren. Der Schwierigkeitsgrad ist wirklich eine Nummer für sich. Ohne gründliches Auskundschaften, fleißiges Beobachten, dem richtigen Fingerspitzengefühl, sowie dem ein oder anderen Trial-and-Error-Versuch, kommen wir so schnell nämlich nicht ans Ende des Levels. Vor allem ungeduldigen Spielern (wer, ich? Niemals …) wird es manchmal schwer fallen, sich mehrere Minuten im Gebüsch zu verstecken und abzuwarten, bis ein Feind endlich die voraussichtlich richtige Position eingenommen hat, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei wäre es zur Abwechslung doch mal schön, dem Ziel hinterher zu sprinten und ihm hinterrücks das Messer in den Rücken zu rammen … auch nicht? Also gut … Gewartet werden muss dann aber tröstenderweise nur einmal, da uns auch hier die Schnellspeicherfunktion zugute kommt.

Schleichen für Fortgeschrittene

Trotz der Tatsache, dass das Spiel wenig Freiraum für individuelle Spielweisen lässt und wir dadurch im Minutentakt ins Gras beißen, stellt sich erstaunlich wenig Frust ein. Das Gegenteil ist der Fall, je öfter man zu Boden geworfen wird, desto mehr will man es schaffen. Das ständige Herumprobieren, welchen Gegner wir am Besten zuerst töten, ob wir uns sicherheitshalber lieber ungesehen vorbeischleichen, für Ablenkung sorgen oder den Feind in einen Hinterhalt locken, macht nämlich irre viel Spaß und entschädigt den hohen Schwierigkeitsgrad allemal.

Stets im Auge behalten werden sollten wir, nun ja, alles. Mit einem Rechtsklick auf den Gegner wird uns dessen Sichtradius angezeigt, was unerlässlich für die erfolgreiche Beendigung eines Levels ist. Der Sichtbereich ändert sich je nachdem, ob die Wachen miteinander reden, sich umdrehen, oder ihre Sicht durch diverse Objekte in der Umwelt blockiert wird. In Bereichen, die weiter vom Feind entfernt liegen, können wir zum Beispiel auch heimlich vorbeischleichen, ohne dass wir bemerkt werden, während wir im Stehen die Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Praktisch für unser Voranschreiten ist auch der frei platzierbare Marker, der uns Auskunft darüber gibt, von welchen Feinden die Stelle überwacht wird. Dank der eingebauten Hilfe im Spiel können wir uns außerdem Verstecke anzeigen lassen, in die sich unsere Helden zurückziehen können. Meist sind dies Sträucher und Büsche, aber auch verlassene Häuser stehen uns unter anderem zur Verfügung. Viele Infos und Tipps erhalten wir des Weiteren über die im Spiel verteilten Schriftrollen, die es sich lohnt einzusammeln.

Ninja, Samurai, Geisha

Mit den Charakteren im Spiel stehen uns fünf klassisch japanische Protagonisten zur Seite, die jeweils andere spezielle Fähigkeiten und Tricks auf Lager haben. Takuma, ein meisterhafter Scharfschütze, beseitigt Feinde aus sicherer Entfernung, während Shinobi Hayato sich auf Dächer schwingen und in bester Ninjamanier Shuriken auf nahe Feinde werfen kann. Diebin Yumi hingegen stellt Fallen auf, in die sich mittels Vogelpfeife Gegner locken lassen. Der stärkste der Verbündeten ist Samurai Mugen, der sich nicht nur mit seiner Wirbelattacke mehrerer Gegner auf einmal entledigen kann, sondern auch immer eine Sakeflasche bei sich trägt, welche dazu dient, Feinde in eine bestimmte Richtung zu lenken. Letzte im Bunde ist Aiko, eine Meisterin der Tarnung, die feindliche Wachen im Geishagewand ganz ohne Kampf um den Finger wickelt. Für jedes Level stehen uns verschiedene Kombinationen der Fünf zur Verfügung, die wir durch das Levels führen müssen. Dabei kann jederzeit zwischen den Charakteren gewechselt werden, je nachdem, wen wir für welche Aufgabe gerade benötigen. Praktisch ist auch der sogenannte „Shadow Modus“, in welchem wir jedem der Charaktere einen Befehl erteilen, der erst dann ausgeführt wird, sobald wir die Eingabetaste betätigen. So können wir unsere Protagonisten zur selben Zeit agieren lassen, um zum Beispiel mehrere Feinde auf einmal erdrosseln.

Ein weiterer sehr durchdachter Zug des Spieles ist die auf Zustandsänderung reagierende Umwelt. Wie auch in der realen Welt hinterlassen wir beispielsweise Spuren im Schnee, die von unseren Gegnern bemerkt werden, sollte ihr Sichtfeld auf dieselben fallen, und die KI nimmt daraufhin die Verfolgung auf. Dieser eigentlich negative Effekt kann wiederum dazu genutzt werden, Gegner von ihrer Position wegzubewegen, um unbemerkt an ihnen vorbei zu schleichen. Töten wir den Gegner hingegen, so wird sich sein Kamerad über kurz oder lang fragen, wo er abgeblieben ist und Alarm schlagen, sollte es uns nicht gelingen, ihn in einem angemessenen Zeitfenster ebenfalls auszuschalten. Durch diese Veränderungen wirkt das Spiel stets lebendig, fordert aber auch unsere grauen Zellen ganz schön heraus.

Fazit

Shadow Tactics: Blades of the Shogun ist ein Titel, den sich kein Gamer so schnell entgehen lassen sollte. Es erwarten euch stimmige Umgebungen, authentische Charaktere und ein noch unverbrauchtes Szenario, welche das Echtzeit-Strategiespiel zu einem einzigartigen Titel machen. Verschiedene Spezialfähigkeiten und eine lebendige Umwelt sorgen für ein innovatives Gameplay und bringen frischen Wind in das Genre. Untermalt wird das Ganze von wunderbar in die Umgebung eingebundenen Soundkulissen. Auch wenn einem der Schwierigkeitsgrad etwas überzogen vorkommt, so verging mir zu keiner Sekunde dadurch der Spielspaß. Allein, dass ich einige der anspruchsvolleren Achievements dadurch im Leben nie bekommen werde, nagt etwas an meinem Ego. Ansonsten kann man den deutschen Entwicklern des Mimimi-Production – Studios eigentlich nichts vorwerfen. Zugreifen lohnt sich allemal! 

Update: Konsolenversion

Seit dem 28.07.2017 steht die Konsolenversion des Taktikers im (Online-)Store eures Vertrauens zu Verfügung. Xbox One und PS4 Spieler schlagen bei einer schlanken UPE von 39,99 EUR direkt zu. Der Kauf lohnt sich, der Titel überzeugt auch auf dem heimischen Fernseher und zieht einen schnell in das komplexe Bildschirmgeschehen hinein. Die auch auf PC optional verfügbare Steuerung via Controller funktioniert hervorragend und lässt Keyboard und Maus nicht oder zumindest kaum vermissen. Wer mehr über die Entwicklung von Shadow Tactics erfahren möchte, sollte auch unser Interview mit Game Designer Dominik Abè nicht verpassen.

Übrigens: Ein Genre, dass gerne stärker wiederbelebt werden darf. Wir haben es definitiv vermisst! 

Andreas Herbster

In den wilden 80ern am Grünmonitor eines Schneider CPC 6128 aufgewachsen. Erste Gehversuche mit ASM, Happy Computer und PowerPlay. Hobby über die Jahre, dank ausgeprägter Amiga 500 Sucht, sowie massiver Sonic Raserei auf dem heiß geliebten Sega Mega Drive, intensiviert. Züchtet gerade erfolgreich die nächste Zockergeneration und kann, trotz annähernd biblischen Alters, noch immer keinem Controller widerstehen.

    Positiv

    • Durchdachtes Strategiespiel
    • Mal „was anderes“
    • Authentische Charaktere
    • Unverbrauchtes Szenario

    Negativ

    • Schwierigkeitsgrad nagt ab und an am Ego
    9

    Von
    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

    Hinterlasse einen Kommentar

    Deine Email wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert

    You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

    *