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Shin Megami Tensei IV: Apocalypse im Test

Im zukünftigen Tokyo gibt es nicht viel zu lachen, denn die Menschheit wird seit nunmehr 25 Jahren unter einer sonnenundurchlässigen Kuppel eingepfercht, unter der sich zu allem Übel auch noch Dämonen tummeln. Die spärliche Bevölkerung hat sich mittlerweile gänzlich in alte U-Bahn-Stationen zurückgezogen, in der die Menschen ihr tristes Dasein fristen. Der einzige Ausweg; die Spitze des „Sky Towers“ zu erklimmen und sich auf das Dach der Kuppel frei zu graben. Doch auch dieser Weg wird durch sogenannte „Engel“ versperrt.

I´m a Survivor

Um wenigstens den Fortbestand der letzten überlebenden Menschen zu gewährleisten, ziehen sogenannte „Hunter“ aus, um übrig gebliebene Ressourcen einzusammeln, sowie Dämonenfleisch zu erbeuten. Als Protagonist Nanashi, ein angehender Jäger, steht euch zunächst die Aufgabe zu, die von Profis gesicherten Straßen nach nützlichen Utensilien zu untersuchen. Als eure Ausbilder jedoch kurze Zeit später von einem mächtigen Dämon ermordet werden, bleibt euch keine andere Wahl, als euch der Bedrohung selbst zu stellen.

Nachdem ihr eure erste Nahtoderfahrung hinter euch gebracht habt, steht es euch frei wilde Dämonen zu rekrutieren und diese im Kampf einzusetzen. Diese praktische Fähigkeit erhaltet ihr von „Dagda”, einem mysteriösen Wesen, welches ihr im Jenseits kennengelernt habt. Er war es auch, der euch wieder auferstehen ließ und euer Smartphone reparierte, das im Spiel von enormer Wichtigkeit ist. Ohne Smartphone kann man in der Welt von Shin Megami Tensei IV nämlich keine Dämonen rufen und fusionieren, also auch kein echter Hunter werden. Als Gegenleistung für die neu gewonnenen Kräfte verlangt Dagda allerdings, dass ihr zu einem „Godslayer“ werdet. Was diese Forderung genau bedeutet, bleibt zunächst jedoch unklar.

Bitte lächeln!

Das Kampfsystem ist an Vorgänger der Serie, sowie diversen „Persona“-Spielen angelehnt. Gewohnt rundenbasiert gebt ihr Befehle an Nanashi, der von bis zu drei Dämonen begleitet wird, die daraufhin physische Attacken oder Zauber auf die Feinde niederregnen lassen. Findet ihr die jeweilige Schwäche des Gegners oder landet einen kritischen Treffer, so werdet ihr mit mehr Aktionszügen belohnt, was mit dem „Smirk“ der Charaktere verdeutlicht wird. Mit etwas Geschick kann eis Konterangriff des Gegners so um einige Runden hinausgezögert werden. Ordentlich gegrinst wird außerdem, wenn ihr es schafft, auf der Weltkarte einen Präventivschlag zu landen, sprich das Monster als erstes mit dem Schwert, anstatt dem Körper berührt, bevor das Spiel in den Kampfbildschirm übergeht. Außer einem weiteren Zug bietet das Dauergrinsen aber noch weitere Vorteile; so kann der Gegner in der Runde, in der euer Charakter „Smirkt“ zum Beispiel eure eigene Schwäche nicht ausnutzen oder manche Zaubersprüche werden positiv beeinflusst.

Auch Möglichkeiten zum Heilen stehen euch mittels gefundener oder in Shops erworbener Items, sowie durch Zauber der Dämonen zur Verfügung. Wenn ein Kampf doch mal zu heiß wird, könnt ihr außerdem auch kurzerhand versuchen zu fliehen. Wollt ihr neue Dämonen für euer Team rekrutieren, so müsst ihr versuchen, diese anzusprechen. Das Gespräch verläuft dabei bei jedem Monster anders. Während sich euch manche regelrecht an den Hals werfen, ziehen sich andere erst einmal zurück, wollen Geld oder Gegenstände als Tausch oder müssen von eurer Stärke und Hartnäckigkeit in mehreren Kämpfen überzeugt werden. Nicht unterschätzen solltet ihr außerdem die Dialogoptionen, die dem Gespräch die entscheidende Wende geben können.

Pokémon für Fortgeschrittene

Einmal rekrutiert könnt ihr die Dämonen fortan für euch kämpfen lassen oder ihr fusioniert sie in der „Schwarzen Kathedrale“, einer App eures Smartphones, um noch mächtigere Wesen zu erschaffen. Fusionierte Dämonen können dabei die Fertigkeiten ihrer Eltern erben und so stetig angepasst werden. Anfangs könnt ihr nur wenige Monster mit euch tragen, mit der Zeit lassen sich mehr Plätze freischalten. Sind alle Slots belegt, so könnt ihr erst weiter rekrutieren, nachdem ihr eine Fusion durchgeführt habt oder andere Monster freigelassen wurden. Trainiert ihr die Dämonen im Kampf, so schalten diese neue Fertigkeiten frei. Wurden alle Fertigkeiten des Dämons frei geschalten, so vertraut das Monster euch eine seiner Techniken an, die ihr in eure eigenen Fertigkeitsslots übernehmen könnt. Nanashi selbst könnt ihr bei einem Levelanstieg verschiedene Statusattribute zuteilen. Dabei lässt euch das Spiel komplett freie Hand, ob ihr zum Beispiel lieber in physische Stärke, Zähigkeit oder Zauber investiert oder die Werte ausgeglichenen ansteigen lasst.

Neben Nanashi und den Dämonen, die ihr aktiv steuert, steht euch außerdem noch immer ein Freund zur Seite, der selbstständig ins Kampfgeschehen eingreift, sobald er an der Reihe ist. Zu Beginn ist dies zum Beispiel Asahi, die sich als Heilerin nützlich macht, im späteren Spielverlauf finden sich jedoch immer mehr Persönlichkeiten, die eurem Team unterstützend zur Seite stehen. Nach wenigen Stunden bekommen eure Helferlein außerdem noch einen Ladebalken zugeteilt, der sich während Kämpfen füllt. Einmal voll, eilen sie euch gesammelt mit einer mächtigen Attacke zur Hilfe.

Nur die Harten kommen in den Garten

Mit dem Tod wird in Shin Megami Tensei IV: Apocalypse nicht gerade sparsam umgegangen. Die Bevölkerung von Kuppel-Tokio stirbt nach und nach vor sich hin und keinem scheint das irgendwie großartig was auszumachen. „Unsere Mentoren sind tot? Schade – erstatten wir erst mal Bericht.“ Danach ist die Sache kurzerhand auch schon wieder vergessen. Allgemein fallen die zwischenmenschlichen Beziehungen etwas mager aus. Warum spricht Nanashi zum Beispiel keiner darauf an, dass er auf einmal giftgrün leuchtende Augen und Tätowierungen hat? Zumindest seiner ihn stets begleitenden Kindheitsfreundin sollte dies doch aufgefallen sein. Gerade zu Anfang wirken die Menschen doch etwas kühl und distanziert. Gesprächsfreudig sind jedoch alle Menschen im Spiel, denn reden kann man in der Welt von Shin Megami Tensei IV: Apocalypse mit wirklich jedem. Außer die Spielzeit zu strecken, hat dies jedoch seltenst eine Auswirkung.

Der Schwierigkeitsgrad des Spieles lässt sich nach Belieben auch noch im Spielverlauf ändern. Während der leichteste einen flüssigen Spielfluss verspricht, beißt man sich schon bei dem „normalen“ Modus den kompletten Unterkiefer aus, um es mal harmlos auszudrücken. An den schwersten Schwierigkeitsgrad werden sich wohl nur sehr mutige Hardcorefans herantrauen. Unberechenbare Kurven schlägt das Spiel aber auch bei der grafischen Umsetzung, denn allerhand nichtidentifizierbare Matschklumpen tummeln sich neben passabel gezeichneten Charakteren auf Tokios Straßen. Einerseits wurde die Umgebung hübsch inszeniert, andererseits sieht die „Pixelvorschau“ der Monster, sowie Nanashi auf der Karte eher mittelmäßig aus. Monsterkarten sind sehr liebevoll gezeichnet, dafür wirkt das Interface für unerfahrene Spieler geradezu erschlagend auf kleinsten Raum gequetscht.

Durchweg positiv fallen dagegen die 1A-Synchronisation, sowie die stimmigen Melodien auf. Die englischen Sprecher leisten eine passable Arbeit, so gut wie alle Szenen sind vollständig synchronisiert und die abwechslungsreichen Soundkulissen unterstreichen gekonnt das Endzeitfeeling des Spieles.

Fazit:

Für Kenner des Vorgängers bietet Apocalypse eine sehr interessante „Extraepisode“, die das Spiel um einige Features erweitert und einen der beliebtesten Teile noch einmal aus neuer Perspektive darstellt. Als ersten Teil der Serie, den ich je gespielt habe, hatte ich einen etwas holprigen Start. Es fällt mir hier um einiges schwerer, mit den Charakteren warm zu werden und mich in der Story zurechtzufinden, wie beispielsweise in „Persona“. Krieg mit Dämonen und Menschen und Engel und Atomangriffe und Menschenopfer und mysteriöse Kuppeln und ein paralleler Zeitstrang und, und, und … aha. Ganz schönes Wirrwarr hier. Auch etwas in die Jahre gekommen erscheint mir der Kampfbildschirm. Während man in Vergleichstiteln Charaktere und beschworene Monster in hübschem 3D beobachten kann, wird man hier mit „Matschklumpendämonen“ und vier sich nie verändernden Spielkarten abgespeist. Weiteres Problem: die Orientierung; der Zielpunkt ist zwar durchaus nett gemeint, dennoch ist es schwer zu erkennen, wo man hin muss, wenn die Karte zuvor noch nicht aufgedeckt wurde. Deshalb gilt: Fans der Serie greifen ohne schlechtes Gewissen zu, Neulinge versuchen ihr Glück erst beim Vorgänger!

Gute Englischkenntnisse werden vorausgesetzt!

Positiv

  • Schöner Zeichenstil
  • Rundenbasiertes Kampfsystem
  • Interessante Storyansätze
  • Stimmige Sounds

Negativ

  • Schwierigkeitsgrade zu unterschiedlich
  • Teilweise matschige Texturen
  • Charaktere nicht jedermanns Sache
  • Etwas verworrene Geschichte
7.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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