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Silence im Test

Sieben Jahre nach dem Erfolg von „The Whispered World“ wagt sich Deadalic Entertainment in neue Gefilde vor. Nach dem erfolgreichen Point and Click Abenteuer erschien nun endlich der lang erwartete Nachfolger, der eigentlich schon für das Jahr 2014 geplant war. Ob sich das Warten wohl gelohnt hat?

Silence? Wo?

Zunächst scheint keine große Verbindung zum Vorgängertitel zu bestehen. Die Geschwister Noah und Renie, zwei Waisen, fliehen vor einem Bombenangriff in einen abgelegenen Bunker. Nachdem Noah diesen verriegelt hat, sind draußen auch schon erste Detonationen wahrzunehmen. Live erleben wir mit, wie ein Nachbar direkt vor unserem Unterschlupf zu Boden geht. Um Renie irgendwie zu beruhigen, beginnt Noah ihr eine uns nur allzu bekannte Geschichte zu erzählen. Schnell wird klar, dass Noah der Junge ist, welcher in „The Whispered World“ den Hauptcharakter „Sadwick“ verkörperte und in dessen Traumwelt Silence entstand. An dieser Stelle stoßt ihr als Spieler des Vorgängers auf viele Fragen. Was ist seit Noahs erwachen geschehen? Wo sind Vater, Großvater, Bruder und Haustier abgeblieben? Wo kommt auf einmal eure „Schwester“ her? Warum seid ihr auf einmal eine Waise?

Viel Zeit zum Nachdenken wird euch allerdings nicht eingeräumt, denn nach kurzer Zeit hält auch der Bunker den Angriffen nicht mehr Stand und die Decke stürzt auf die Geschwister herab. Als Noah wieder zu sich kommt, fehlt von Renie jede Spur und er begibt sich sogleich auf die Suche nach ihr. Schnell stellt ihr fest, dass dies nicht mehr die reale Welt ist, in der sich Noah momentan eigentlich befindet, sondern er in seine Traumwelt zurückgekehrt zu sein scheint.

Schöne Aussichten

In Silence herrscht dieses Mal jedoch eine böse Königin, die gemeinsam mit ihren Lakaien, den sogenannten „Suchern“, die Welt terrorisiert. Ihr gegenüber stehen die Rebellen, eine beachtliche, aus sage und schreibe drei Mann bestehende Wehrmacht, die sich ihr entgegenzusetzen wagt. Gemeinsam mit euren neuen Freunden versucht ihr alles in eurer Macht stehende zu unternehmen, um die falsche Königin zu stürzen. Mit von der Partie ist natürlich auch wieder eure immer treue Allzweckraupe Spot, die sich diesmal in noch vielfältigere Formen verwandeln kann und sich somit noch besser im anstehenden Abenteuern nutzen lässt.

Die Welt von Silence besticht durch die zauberhaft in Szene gesetzten Panoramen, die in einzigartiger 2,5D Grafik angelegt wurden. Trotz, dass die Hintergründe hauptsächlich „nur“ aus einem Bild bestehen, wurden diese in mehreren E benen angelegt und verschieben und drehen sich scheinbar gleichsinnig mit der Bewegung der Akteure. Erblühende Knospen, sprudelnde Wasserrinnsale, sowie jede Menge putziger Einwohner lassen die Welt von Silence so lebendig wirken, wie noch nie. Auch ein paar alte Bekannte sind dabei, wurden aber vom Design her komplett überarbeitet, um besser in die neu aufgelegte Umwelt zu passen. Leider werden Fans des ersten Teiles jedoch auch den ein oder anderen Charakter vermissen, der ihnen ans Herz gewachsen ist.

Die Umgebung sieht, im Gegensatz zu The Whispered World um einiges anders aus. Auch wenn dies in keinster Weise einen Abbruch darstellt, wäre es doch schön gewesen, die ein oder andere markante Weggabelung aus dem Vorgänger noch einmal aus neuer Perspektive zu betrachten. 

Wo sind Grandpa´s Pantaloons?

Auch Gameplaytechnisch hat sich einiges getan in den vergangenen Jahren. Einfache Point and Click  Mechanik wurde durch eine direktere Steuerung ersetzt, mit der ihr zu den verschiedenen Interaktionspunkten gelangt. Hier müsst ihr nun auch nicht mehr nur stupide eine Maustaste drücken, sondern zur Abwechslung auch mal Gegenstände verschieben, ziehen oder drehen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Auch könnt ihr diesmal aktiv zwischen den beiden Hauptcharakteren Noah und Renie wechseln, die getrennt voneinander unterschiedliche Storyabschnitte bestreiten, welche simultan stattfinden.

Rätsel sind im Vergleich zu „The Whispered World“ um einiges einfacher, was aber vor allem daher rührt, dass sie vor allem logischer sind, als im Vorgänger. Aus einer Zipfelmütze eine Kanone basteln, oder eine Ratte als Greifhaken zweckentfremden – solche Experimente gehören (zurecht) der Vergangenheit an. Aber auch so kommt keine Langeweile auf und ihr müsst schon manchmal etwas länger knobeln, bis ihr zum gewünschten Ergebnis gelangt. Auf ein Inventar wurde diesmal verzichtet, da ihr meist sowieso nur einen Gegenstand mit euch tragt.

In der Kürze liegt nicht immer die Würze …

Größtes Manko des Titels ist aber eindeutig die viel zu kurz angelegte Spielzeit. Das Spiel wirkt schlichtweg unfertig. Knapp fünf Stunden dauert es, bis i hr das  Ende des Spieles erreicht. Dabei wurden viele angebrochene Storyp fade einfach fallen gelassen und laufen permanent ins Leere, was leider etwas am Spielspaß zehrt. Auch das Ende der Geschichte wirkt doch sehr abrupt … Dabei hätten wir doch so gerne mehr gewusst. Trotz sieben Jahren Entwicklungszeit scheint hier so einiges verloren gegangen zu sein.

Die die deutsche Vertonung des Spieles ist kaum ertragbar. Sadwick hört sich nicht mehr wie der einst deprimierte, aber voll schwarzem Humor sprühende Clown an, sondern eher wie ein zynischer Jugendlicher in der momentanen Emo-Phase. Das aberwitzige Orakel ist auf einmal bierernst erhaben und auch die Gebrüder Ralv und Ygor streiten nur noch halb so witzig wie im ersten Teil.

Fazit:

Ohne den Vorgänger zu kennen, werdet ihr im Spiel nur schwer der Geschichte folgen können, weshalb ich jedem raten würde, unbedingt „The Whispered World“ zuerst zu spielen. Eine wirklich wundervolle Spielwelt eröffnet sich „dem großen Gambler“, der Silence sein eigen nennen kann. Eine, wie schon im Vorgänger zauberhafte Story und sympathische Charaktere hätten das Potenzial zu einem wirklich großartigen Spiel gehabt. Gerne hätte ich noch viel mehr Zeit in Silence verbracht und mehr über seine Bewohner – und auch die Geschwister Noah und Renie in der realen Welt – erfahren. Aber das ist bei der mager ausgefallenen Spielzeit einfach nicht drin. Der Titel ist schlicht und einfach zu kurz. Das Geschehen wird nur oberflächlich angerissen, die wunderhübschen Schauplätze fallen spärlich aus und es gibt zu wenig Rätsel. Keinesfalls möchte ich behaupten, dass dieses Spiel sein Geld nicht Wert wäre, nur wurde meiner Ansicht nach das volle Potenzial nicht ausgeschöpft. Außerdem fehlt mir persönlich ein Charakter ganz besonders, und zwar der vorlaute Chaski „Bobby“, der mit keinem Wort erwähnt wird, aber der eigentliche Auslöser für die erste Reise Sadwicks war. Noch ein letzter Tipp von mir: spielt das Spiel auf mit englischer Synchro, da diese um einiges besser, als die deutsche gelungen ist.

    Positiv

    • Bezaubernde Panoramen
    • Putzige und liebevolle Charaktere
    • Gelungene Soundkulissen
    • Gute Storyansätze

    Negativ

    • Zu kurz
    • Viele Storystränge führen ins Leere
    • Deutsche Synchro kaum zumutbar
    7.5

    Von
    Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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