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Star Ocean: Integrity and Faithlessness – Zu früh gefreut? 

Im neuesten Ableger von Star Ocean geht es um den Erstkontakt mit einer höher entwickelten Spezies. Was sich leider scheinbar nicht weiter entwickelt hat, ist die Mechanik des Spiels selbst. Warum „Star Ocean: Integrity and Faithlessness“ als einer der schwächsten Ableger der sonst so beliebten Serie gilt, erfahrt ihr im folgenden Test. 

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Als die Heimat von Fidel Camuze eines Tages von Räubern überfallen wird, entschließt sich der junge Schwertkämpfer in die große Hauptstadt zu reisen, um Verstärkung für sein Dorf zu erbitten. Die Ereignisse überschlagen sich, als plötzlich ein mysteriöses Flugschiff auf der Erde einschlägt, aus dem ein kleines Mädchen taumelt. Es stellt sich heraus, das das Mädchen zwar besondere Mächte besitzt, dafür aber unter Gedächtnisverlust leidet und sich nicht daran erinnern kann, wer sie ist und woher sie kommt. Dies gilt es im neuen Ableger herauszufinden.

Ohne große Umschweife werden wir mitten ins Geschehen hineingesetzt. Mit Ted, unserem Freund aus Kindheitstagen starten wir mit einer kurzen Trainingsrunde den Tag, wobei wir uns gleich mal mit der Steuerung vertraut machen. Kurze Zeit später treffen wir eine weitere Sandkastenfreundin, Miki, die sich fortan auf unserer Reise als Heilerin nützlich macht.

Leider sind die zahlreichen Tutorials wenig spektakulär ins Spielgeschehen eingebaut – erst viel lesen und anschließend umsetzen ist angesagt. Eine Schritt-für-Schritt Anleitung bei dem ihr die Aktionen gezielt testen könnt, gibt es nicht.

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Landschaftlich in Ansätzen atemberaubend, jedoch viel zu unbelebt.

Auch der Story zu folgen ist in Star Ocean von Anfang an nicht einfach, da die Dialoge nicht inszeniert wurden, sondern Gespräche stattfinden, während ihr Spazieren geht, die Stadt erkundet oder mit Kämpfen beschäftigt seid. Da ihr sowohl euch selbst als auch die Kamera in diesen Abschnitten frei bewegen könnt, verpasst ihr außerdem auch nicht selten die Geschehnisse um euch herum, was zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt. Ist der Typ da etwa gerade den Wasserfall hinuntergefallen? – Moment, wo muss ich denn jetzt als Nächstes hin?

Seltener gibt es dazu Abschnitte, bei denen ihr gezwungen werdet an einer bestimmten Position auszuharren, bis das Gespräch beendet ist. Um zu verhindern, dass ihr euch dabei zu weit vom Geschehen entfernt, werdet ihr mit unsichtbaren Wänden ausgebremst, die auch noch rot umrandet aufleuchten, sobald ihr sie berührt – ein wahrer Graus für jeden Gamer.

Gestatten, der Stereotyp von nebenan

Die Rollen der Charaktere sind sehr stereotypisch vorgegeben. Da gibt es zum Beispiel den stets freundlichen und gewissenhaften Helden Fidel, die nette Heilerin von nebenan Miki, das Kind mit den besonderen Fähigkeiten Reliah, den stolzen und stets beherrschten Soldaten Viktor – und so weiter und so fort. Was den Charakteren jedoch vor allem fehlt, ist der nötige Tiefgang. Zwar können sie auf den ersten Blick durch optische Vielfalt und klare Rollenverteilung auftrumpfen, es fehlt ihnen jedoch an persönlichen Hintergrundgeschichten, mit der sie irgendeinen Bezug zu den Ereignissen und zueinander hätten. Durch das Fehlen eines soliden Charakterdesigns wirkt die ganze Geschichte etwas unglaubwürdig. Es scheint als wurden Charaktere erschaffen, die rein dazu da sind, die Story voranzutreiben.

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Das Kampfsystem funktioniert in Star Ocean 5.

In den Städten wiederum herrscht verdächtige Stille. Nebencharaktere wurden nicht vertont, sondern wandern mit über dem Kopf befindlichen Sprechblasen umher. Das allein wäre an sich nicht schlimm, jedoch fehlt irgendwie der Trubel, Klappern, Gemurmel oder andere Hintergrundgeräusche, welche die Stadt lebendiger wirken lassen würden.

In den Läden in den Städten könnt ihr zwar neue Ausrüstungen kaufen, die sichtbare Bekleidung des Charakters ändert sich dabei aber leider nie, obwohl der getragene Gegenstand im Inventar eindeutig anders aussieht.

Bin ich hier nicht schon mal gewesen?

Auch das Backtracking gehört in Spiel zum Guten Ton und zwingt euch konsequent schon besuchte Abschnitte wieder und wieder zu durchlaufen. Hierbei kommt dem Spiel allerdings die offene Gestaltung der Abschnitte zugute, wobei man das Gefühl hat, sich relativ frei auf der Map bewegen zu können. Auch die Gegner in der Welt werden regelmäßig ausgewechselt und können sich optisch sehen lassen. Die Gestaltung der Landschaft ist ansprechend und bietet euch oft ein wunderschönes Panorama von Bergen, Wäldern und weiten Steppen. An den meisten Stellen sieht das Spiel wirklich hübsch, farbenfroh und klar aus, einzig und allein Stahl scheint hier mit den kantigen Felsen und der blockigen Architektur etwas grafische Hochwertigkeit einzubüßen. 

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Mittelalterliche Stimmung gepaart mit Science Fiction Elementen – nicht jedermanns Sache.

Das Kampfsystem im neuen Star Ocean ist relativ einfach gehalten; auf zwei Knöpfen könnt ihr jeweils einen Spezialangriff für Nahkampf und für Fernkampf festlegen. Im Kampf steuert ihr jeweils einen der Charaktere, die anderen Gruppenmitglieder agieren automatisch. So könnt ihr zum Beispiel, wenn die Situation brenzlig wird, die Steuerung von Miki übernehmen, um die Gruppe zu heilen und wenn ihr fertig seid wieder zu Fidel springen und auf den Gegner eindreschen. Um weitere Angriffe freizuschalten müsst ihr diverse Bücher finden, von denen ihr die neuen Attacken lernt. Die verschiedenen Angriffe auszuprobieren macht viel Spaß und sorgt immer wieder für Abwechslung, vor allem wenn ihr zwischen den einzelnen Charakteren wechselt. Die Rollen sind im Übrigen nur anfangs festgelegt. Wenn ihr meint Fidel wäre ein besserer Mediziner, so könnt ihr auch ihm die Rolle des Heilers überlassen. Mehr noch, ihr könnt einem Charakter bis zu vier Rollen zuteilen. Ob das nun Sinn macht ist eine andere Frage.

Darf ich jetzt mal speichern?

Das Spiel speichert mittels Speicherpunkten, von denen auch nur wenige im Spiel platziert wurden. Das ist vor allem dann frustrierend, wenn ihr an die zehn Gegnergruppen niedermetzelt, und dann am finalen Boss, vor dem natürlich kein Speicherpunkt platziert wurde, sterbt. Dann müsst ihr euch nicht nur noch mal von vorne den Weg durch die Gegnerhorden bahnen, sondern auch alle Dialoge wieder anhören, da auf eine Überspringen-Funktion verzichtet wurde.

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Selbst nach schwierigeren Passagen sind Speicherpunkte nur spärlich gesetzt. Sorgt für unnötigen Frust.

Statuswerte werden beim Speichern übrigens nicht aufgefüllt. Dazu müsst ihr Gegenstände aus dem Inventar opfern oder in einem Gasthaus übernachten. Außerdem färben sich die sonst blauen Speicherpunkte des Öfteren mal rot und können dann nicht verwendet werden. Noch nachvollziehbar ist, wenn die Gegner zu nahe am Speicherpunkt rumlungern und diese erst beseitigt werden müssen, der Gipfel ist allerdings spätestens dann erreicht, wenn ihr nach einer nicht geraden kurzen Mission den nächsten Speicherpunkt aufsucht und dieser rot ist, obwohl sich weit und breit kein Gegner befindet. Ohne Heilung schlagt ihr euch also bis zum nächsten Speicherpunkt im Gasthaus durch, um festzustellen, dass auch dieser außer Betrieb zu sein scheint. In diesen Situationen ist es völlig unverständlich, warum das Spiel euch nun einfach nicht speichern lassen möchte, bzw. nur an dem von ihm gewollten Ort, der wieder einen Tag Fußmarsch entfernt ist.

Fazit

Ich persönlich bin mit dem Titel nicht sehr warm geworden. Der fehlende Tiefgang der Charaktere stößt mir dabei am meisten auf. Jenseits von Gut und Böse sind auch die Logikfehler im Spiel. Warum muss ein zuvor gerettetes Kind zum Beispiel am Tag vehement bewacht werden, während ihr in der Nacht dann auf eine Mission aufbrecht und es ganz alleine bewusstlos zurück lasst? Und woher bekommt dieses Kind am nächsten Morgen die seltsam aufgebauschten Klamotten? Warum schauen sich die Charaktere denn nicht mal das Raumschiff genauer an?

Die Speicherpunkte empfinde ich persönlich als regelrechte Frechheit, die mir den ohnehin schon dezimierten Spielspaß weiterhin vermiesen. Loyale Anhänger der Serie werden um den neuen Ableger nicht herumkommen, dürfen aber bei dem ca. 25 stündigen-Backtracking Spielspaß keinen allzu großen Meilenstein erwarten.

Positiv

  • nette Panoramen
  • gute Craftingansätze
  • Immer genug Geld für Ausrüstung

Negativ

  • ungerechtes Speichersystem
  • Zu viel Backtracking
  • Zu flaches Charakter Design
  • Zu oberflächliche Story
  • Keine Dialoginszenierung
  • Zu wenig Sound/Hintergrundgeräusche
6.5

Von
Am N64 aufgewachsen. Seit jeher fasziniert von Mangas, Animes und Japano-Rollenspielen. Zockt bevorzugt auf Handheld und Playstation, ist aber auch anderen Konsolen und dem PC nicht abgeneigt. Seit 2015 Intermediadesignstudentin in Trier und Spieleredakteurin bei Gamers.de

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