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Stardew Valley: Mein kleines Paradies

Es gibt Spiele, bei denen man ganz nüchtern aufzählen kann, was sie ausmacht – beispielsweise eine coole Story, responsive Steuerung oder die passende Grafik. Und es gibt andere, die ihre eigene Magie haben und man gar nicht genau weiß was es eigentlich ist was einem gefällt. Stardew Valley ist beides. Man kann ohne Probleme all die großartigen Punkte nennen, die in dem Spiel eines einzigen (!) Entwicklers verbunden sind, aber genau erklären, wieso der Farm-Life Simulator so mitreißend ist, kann man kaum.

Raus aus dem Alltagsstress…

Stardew Valley: Wir können unsere Farm komplett selbst gestalten

Wir können unsere Farm komplett selbst gestalten

Die meisten Simulatoren sind klar strukturiert und durchgetaktet: Wir verbessern Straßennetzwerke in Städte-Simulatoren, nehmen die schnellste Strecke als Busfahrer oder verstärken Zellen in Prison Architect. Oftmals wird ein großes Abenteuer versprochen, in vielen Fällen fühlt sich das Spiel jedoch leer und konstruiert an. Eine Story ist meist gar nicht oder nur kaum vorhanden, man muss selbst kreativ werden und sich sein Spielerlebnis formen. Anders in Stardew Valley: Nachdem wir uns einen Charakter aus vielen, liebevoll gestalteten Optionen erstellen, erleben wir ein Gespräch mit unserem Opa. Er liegt im Sterbebett und überreicht uns einen Brief – „Wenn Du bereit bist ihn zu öffnen, wirst Du es wissen“, sagt er uns. Viele Jahre vergehen und wir befinden uns in einem Großraumbüro von JojaMart, einer riesigen Supermarkt-Kette, die kleine Läden immer mehr verdrängt und auf Billigware setzt. Ist das wirklich was wir wollen? Ist dies das Leben, das wir uns für uns vorstellen? In der Schublade unseres Schreibtisches verweilt der Brief unseres Großvaters und an diesem Tag wissen wir, es ist so weit. Wir öffnen die Nachricht und erfahren, dass uns seine Farm in Pelican Town vermacht wurde und machen uns auf den Weg ins Stardew Valley. Hier wartet eine große Farm samt Haus und ein lebendiges Dorf auf uns. Endlich atmen, endlich raus aus dem Alltagsstress. Beim Spielen fühlt man sich übrigens ganz genau wie das Ebenbild unseres Charakters: Endlich atmen, endlich raus aus dem Alltagsstress..

..und rein ins Farm-Leben!

Stardew Valley: Stardew Valley ist keine typische Simulation

Stardew Valley ist keine typische Simulation

In Stardew Valley kann man sehr viel tun und leider gibt es kaum Tutorials, um uns den Einstieg zu erleichtern. Aber halb so wild, denn zum Glück sind die meisten Dinge schnell zu erlernen und motivierend gestaltet. Einen großen Teil unserer Zeit verbringen wir damit herauszufinden, wie wir unsere Farm profitabel führen. Ganz langsam pflügen wir unser erstes Land, pflanzen Samen und wässern sie jeden Tag, bis nach ein paar Tagen unsere erste Ernte bereit ist. Schon bald begegnen uns auch die ersten zusätzlichen Möglichkeiten, kommen wir mit einigen Bewohnern ins Gespräch und entdecken Mysterien. In Pelican Town leben rund 30 Menschen, allesamt mit einem eigenen Tagesablauf, einem Haus und einer Geschichte. Sind die Häuser zuerst noch abgeschlossen, öffnen sie sich nach einiger Zeit und intensiver Beziehungspflege. Stardew Valley zeigt uns generell viele kleine Probleme unserer Zeit auf: In dem Simulator reicht es z.B. nicht eine Social Media Nachricht zum Geburtstag zu schicken, nein, wir bringen kleine und große Aufmerksamkeiten persönlich vorbei. Die Charaktere haben ihre ganz eigenen Vorlieben und so ist auch einiges an Arbeit von Nöten, um das perfekte Geschenk zu finden. Bringen wir unseren Mitmenschen oftmals eine Aufmerksamkeit mit und reden mit ihnen, verbessert sich unsere Beziehung, es schalten sich kleine Zwischensequenzen frei und wir können sogar heiraten!

In der Mitte des Dorfes befindet sich ein Anschlagbrett auf dem sich ein Kalender und manchmal sogar Quests von Bewohnern befinden. Der Kalender zeigt neben Geburtstagen auch Events: Rund 2x im Jahr finden Feste statt, an denen wir teilnehmen können, um Minispiele und Cutscenes freizuschalten. Beim Frühlingstanz schlendern wir über einen kleinen Markt, bekommen Gespräche mit und können sogar jemanden um einen Tanz bitten. Ist unsere Beziehung mit der Person gut genug, sagt sie vielleicht sogar ja und macht unser Frühlingsfest perfekt.

Monster und Erze kloppen!

Stardew Valley: Die Mine ist ein großer Teil des Spiels

Die Mine ist ein großer Teil des Spiels

So idyllisch, wie es im Dorf Pelican Town auf den ersten Blick wirkt, ist es nicht immer. Nach kurzer Zeit im Spiel öffnet sich eine Mine mit über 100 Stockwerken voller Monster, Steine und Erze. Hier finden wir nicht nur Kupfer, Eisen, Gold und Co um unser Werkzeug zu verbessern, sondern auch viele nützliche Geschenke für Bewohner und Gegenstände, die wir im örtlichen Museum abgeben können, um Belohnungen freizuschalten. Das Kampfsystem dürfte jedem RPG-Fan bekannt vorkommen und ist sehr einfach gehalten: Wir wählen eine Waffe, schlagen mit Linksklick zu; geblockt werden kann auch. Ein Schwert ist besonders schnell, während ein Knüppel wesentlich mehr Schaden anrichtet. In der Abenteurergilde kaufen wir neue Ausrüstung und Waffen und schalten nach einer gewissen Anzahl an getöteten Feinden ebenfalls Belohnungen frei.

So formen sich unsere Tage in Stardew Valley – an einem Morgen erledigen wir die Farmarbeit, um danach an den Strand zu schlendern, wo wir angeln (das Angelsystem ist übrigens unheimlich schwer!) und Muscheln sammeln, am Nächsten schlagen wir uns durch die Mine, um unserem Auserwählten/unserer Auserwählten einen seltenen Edelstein zu besorgen. Und zu keinem Zeitpunkt fühlt es sich nach Grinding oder übermäßiger Wiederholung an. Im Gegenteil, jeden Tag freut man sich auf den nächsten Fortschritt, den man erzielt und davon gibt es viele. Haben wir eine Tätigkeit besonders oft erledigt, können wir uns spezialisieren. Nach vielen Kämpfen mit Monstern können wir uns beispielsweise zwischen dem Fighter, der 10% mehr Schaden anrichtet und dem Scout, mit 50% höherer kritischen Trefferchance, entscheiden. Ein weiteres Langzeit-Ziel ist das Community Center. Das heruntergekommene Gebäude in Pelican Town wurde total vernachlässigt und JojaMart drängt den Bürgermeister zum Verkauf des Grundstücks, um eine weitere Filiale zu bauen. Auch hier können wir uns wieder entscheiden: Renovieren wir das Community Center, indem wir eine große Menge an allen möglichen Items vorbeibringen, die eine sehr, sehr lange Zeit zum Suchen beanspruchen (nach 40 Stunden im Spiel, habe ich noch immer nicht alle) oder lassen wir JojaMart zum Zug kommen. Wie auch immer wir uns entscheiden, beides schaltet Upgrades für das Dorf frei, bei der JojaMart-Variante dann natürlich nicht via Items, sondern mit Cash.

Die böse Energie und das Dämonen-Hühnchen

Stardew Valley: Es warten viele Events auf uns!

Es warten viele Events auf uns!

Egal wie wir letztendlich unseren Tag verbringen, es kostet uns Energie. In der unteren, rechten Bildschirmecke sehen wir eine Anzeige, die bei jedem Wässern der Felder, jedem Schlag der Spitzhacke usw. sinkt. Aufladen können wir sie, indem wir etwas essen – zum Glück betreiben wir eine Farm!

Mittlerweile haben wir uns viele Dinge in Stardew Valley angeschaut und wir sind noch lange nicht am Ende. Das Spiel überrascht selbst nach vielen Stunden noch mit unerwarteten Events. Eines Nachts flog plötzlich eine Hexe über meine Farm, stoppte an meinem Hühnchen-Stall und wirbelte mit ihrem Zauberstab. Am nächsten Morgen fand ich ein schwarzes Ei zwischen dem Stroh und nach ein paar Tagen schlüpfte daraus plötzlich ein Dämonen-Hühnchen und versorgt mich seitdem mit dämonischen Eiern. Das dieses Spiel lediglich von einer Person entwickelt wurde ist kaum vorstellbar.

Ein verdienter Überraschungshit

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Wir können unser Haus aufwerten und die Bewohner des Dorfes besuchen

Noch heute, fast einen Monat nach Release, am 26. Februar 2016, befindet sich Stardew Valley unter den Top 3 der Steam-Topseller. Daneben Größen wie Tom Clancy’s The Division, Fallout 4 und GTA V. So schnelllebig wie die Gaming Branche heutzutage ist, ist das ein riesiger Erfolg für ein Indie-Spiel und ein Beweis für den Charme des Ein-Mann Projekts. Nicht zuletzt ist das der Verdienst der Fleißarbeit des Entwicklers Eric Barone aka Concerned Ape. Vier Jahre lang arbeitete er an Stardew Valley und kreierte es komplett alleine. Von der Grafik, über die Programmierung, der Musik usw. – alles ist von ihm. Auf Anregungen und Bugs (die es kaum im Spiel gibt) reagiert er sofort und antwortet fast jedem Kommentar auf Twitter und Co. In Zukunft ist weiterer Content in Planung, unter anderem mehr Endgame und Story. Richtig genial: Ein Coop mit bis zu 4 Spielern ist fest geplant und in Entwicklung! Die ersten Bugfixes und Patches sind schon draußen und erweitern beispielsweise die Interaktion mit unserem Ehemann/unserer Ehefrau. Ein großes Lob an Eric Barone! Dieser Einsatz und das daraus resultierte Stardew Valley, finden so viel Anklang, dass viele, die sich das Spiel zuerst illegal besorgt hatten, Reue zeigen und es sich kaufen. Nicht nur das, untereinander ermutigen sie sich sogar komplett auf die Piraterie bei Stardew Valley zu verzichten, um den Entwickler zu unterstützen.

Der magische Sog

Stardew_Mensch

Es gibt eine Story in Stardew Valley!

Der Farm-Life Simulator erinnert grafisch sehr an die alten Super Nintendo-Zeiten. Der Pixel-Art Stil ist zwar durchaus sehr simpel, ist dabei aber unheimlich bezaubernd und versprüht viel Charme. Die Musik ist, wie das Spiel auch, beruhigend und entspannend. Ein paar Titel mehr wären aber wünschenswert gewesen. Trotzdem: All das fügt sich wunderbar zusammen und bildet ein schönes Gesamtbild. Ähnlichkeiten zu Harvest Moon, Animal Crossing und Terraria sind definitiv vorhanden und Stardew Valley macht keinen Hehl aus seinen großen Vorbildern. Trotzdem fühlt es sich nicht unangenehm nachgemacht an, es besitzt Originalität und überzeugt mit seinen Features. Leider gibt es keine deutsche Lokalisation, Englischkenntnisse werden vorausgesetzt.

Fazit

StardewValley_4

Das Community-Center ist total heruntergekommen

Ich muss zugeben, dass ich Stardew Valley zuerst nicht ernst genommen habe und nach weniger als zwei Stunden beendet hatte. Mir ging das Spiel allerdings nicht mehr aus dem Kopf und daher gab ich ihm eine zweite Chance. Nachdem ich mich mehr darauf eingelassen hatte, wurde mir erst seine Schönheit bewusst. Egal wie man spielt, man wird für sein Spieltempo nicht bestraft. Dabei entwickelt der Simulator einen dermaßen großen Sog, dass ich kaum von ihm wegkomme. Was soll ich sagen? Seit diesem Spiel ist es vorbei mit meiner Zeit und mit dem Alltagsstreß. Bitte entschuldigt mich, ich muss zurück in mein kleines Paradies..

Positiv

  • Extrem hohes Suchtpotential
  • Sehr entspannend und motivierend
  • Viele Spielelemente
  • Zukünftig mit 4-Spieler-Multiplayer
  • Engagierter Entwickler

Negativ

  • Keine Tutorials
  • Keine deutsche Lokalisation
9.5

Mit zarten 5 Jahren ihre ersten Spiele durch ihren großen Bruder erlebt - Tomb Raider und Resident Evil. Seitdem mit der Gaming-Sucht infiziert. Zockt quer durch jedes Genre, liebt vor allem aber gute Storys. Hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht - studiert Intermedia Design mit Schwerpunkt Gaming und ist seit 2016 bei Gamers.de.

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