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Street Fighter 5 – V für Ervolg

Von Patrick Hützen am 16. Februar 2016

Wohl keine andere Beat ‘em up-Serie bleibt seiner Linie seit 1987 so treu wie Capcom‘s Baby Street Fighter. Viele Titel für sämtliche Konsolen und den PC gab es, doch diese hatten eher einen Addon-Status, statt einer waschechten Fortsetzung. Mittlerweile durften sich Spieler 8 Jahre gedulden und halten seit heute möglicherweise eine wirkliche Fortsetzung in den Händen.

Evolution statt Revolution

Street Fighter 5

Ryu ist auch im neusten Teil vertreten.

Getreu dem Motto „never change a running system“, enttäuscht Capcom die eingefleischte Community in Street Fighter V keineswegs mit optischen Änderungen. Die beliebte Cell-Shader Grafik gehört einfach zu Street Fighter wie der Hadouken zu Ken, allerdings wurde die Optik nochmals verbessert, ohne die typische 2,5D-Grafik zu verfälschen. Besonders beim Leveldesign kommt die Liebe zum Detail gut zur Geltung. So dürfen sich Spieler an unterschiedlichen Kampfschauplätzen über detailreiche Extras freuen. Vom Hintergrund hervorgehobene Objekte oder Personen reagieren (nur bedingt) auf den Kampf. So fallen vor einer japanischen Straßenkulisse irgendwann die Leuchtreklametafeln runter, wenn oft genug der Gegner, unsere mächtigen Fäuste oder im schlimmsten Falle wir dagegen prallen. Leider wirkt der Hintergrund zu statisch. Auch eine ausreichende Interaktion in den Arealen bleibt leider aus. Zwar kann man den Gegner beispielsweise durch die Tür in ein Restaurant schleudern, das entpuppt sich jedoch schnell als getarnte Besenkammer, was einen Kampf unmöglich macht – an dieser Stelle wäre etwas mehr Evolution schön gewesen.

V wie Vantastisch

Street Fighter 5

Mit dem V-Trigger eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Größte Neuerung und Vorstoß in die Einsteigerfreundlichkeit bietet die V-Gauge. Street Fighter ist wahrscheinlich das Beat ‘em up schlechthin, wenn es um eSport und Wettkämpfe geht. Große Turniere, Preisgelder, Ruhm und Ehre… klingt verlockend, doch zu Beginn warten eingespielte Veteranen im Cyberspace und schicken euch sekundenschnell auf die Matte – K.O. Dachten sich wohl auch viele Spieler damals, wendeten sich von Street Fighter und Frustration ab, übrig blieb eine starke aber ausgelesene Community. Der neuste Ableger setzt mit den V-Skills und dem V-Trigger an diesem Punkt an und ermöglicht Anfängern das Spiel per Knopfdruck zu wenden. Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten, steckt ihr Prügel ein, erhöht sich euer V-Gauge. Mit der richtigen Tastenkombination und einem guten Timing lässt sich der Standard-Handouken in einen Feuer-Handouken wandeln, Ryus Fäuste sind noch gefährlicher und M. Bison kann Geschosse auf den Gegner zurückfeuern. So kontere ich mit dem Endgegner aus Teil 2 den Feuer-Handouken und brutzel Ken gepflegt die blonden Augenbrauen weg – spitze. Natürlich stellen die V-Trigger keine genretypischen Fatality-Moves dar oder transformieren euch in einen übermächtigen Super-Saiyajin, aber sie ermöglichen mehr Variation und dem momentanen Verlierer des Kampfes ein Comeback.

Street V-ighter Hype

Street Fighter 5

Street Fighter war schon immer ein optischer Genuss.

Auch wenn man einige Jahre kein Street Fighter gespielt hat, etliche Profituniere absagen musste und Karneval nicht jedes Mal als Ryu geht, das Spiel fesselt wieder verdammt schnell. Durch die unterschiedlichen Modi wird der Einstieg erleichtert. Hat man Lust auf Story, lassen sich von allen 16 Charakteren die Geschichten nachspielen und kämpfen, wobei hier tatsächlich der Fokus auf der Erzählung liegt. Diese fällt zwar nicht besonders üppig aus, liefert aber neben tollen Artworks auch einige Hintergrundinformationen zu den Kämpfern. Genug Geschichte, mehr Action? Kein Problem! Im Survival-Modus müsst ihr mit eurer favorisierten Kämpfernatur verschiedene Stages meistern. Zunehmender Schwierigkeitsgrad, keine Regeneration und nur 1 Item pro Runde. Item? Ja! Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr doch Prügel beziehen solltet (*Ironie off*), stehen euch Items zur Regeneration, besserem Blocken oder mehr Schaden zur Verfügung. Mit jeder gewonnen Runde erhaltet ihr Coins, damit könnt ihr Gegenstände kaufen und hoffentlich gewinnen. Ihr habt genug vom Tutorial, die Story ist durch und über den Survival-Modus könnt ihr nur müde lächeln? Dann kommt jetzt die wirkliche Herausforderung.

The Real-Challenge

Street Fighter 5

Im Online-Modus stellt ihr euer Können unter Beweis.

Wer gut ist, wird online entschieden. Hier tretet ihr gegen Spieler aus aller Welt an, ob Konsolero oder PC-Gamer, Street Fighter ist ein Crossplattformer und ermöglicht quasi unbegrenzte Herausforderung. Auch hier kam man Einsteigern entgegen. Nicht jeder möchte sofort competitiv spielen, so besteht auch die Möglichkeit von Casual-Games gegen andere. Ihr gewinnt oder verliert keine Punkte, könnt euch aber trotzdem mit echten Spielern messen. Wenn ihr euch sicher genug fühlt, geht’s ab zu den Ranked Games. Eine Niederlage bedeutet Punktverlust, ein Sieg ist weit mehr als die Pluspunkte. Diese Genugtuung einen echten Spieler besiegt zu haben, besser gewesen zu sein und das in Street Fighter. Nein ich glaube in diesem Falle nicht an Wunder, sondern vertraue auf meine V-Trigger und werde nicht enttäuscht. Hätte mich früher wahrscheinlich jeder Online-Spieler mit einem perfekten Knock Out belohnt, ermöglicht das neue Feature tatsächlich Wendungen und eröffnet den Weg zum Sieg. Für alle, die jetzt schon eine glorreiche Street Fighter-Karriere vor sich sehen, mit Profiturnieren, Preisgeldern und schönen Frauen, tut mir leid, dass ich euch enttäuschen muss. Nicht nur eure V-Gauge füllt sich, weil ihr Schläge einsteckt, sondern auch die Leiste eures Gegner, denn Belohnung für ausgeteilte Schläge muss sein. Außerdem ist Street Fighter weiterhin ein verdammt schweres Spiel, das viel Übung und Daumenkoordination erfordert.

Fazit

Street Fighter 5

Optisch wurde noch etwas an den Details geschraubt.

Es ist ein echtes Street Fighter geworden. Grafisch wurde etwas an den Details geschraubt, der Kern bleibt aber gleich und das begeistert. Nicht nur die unveränderte Cell-Shading Optik, sondern auch die bewährte Spielmechanik wurde lediglich mit der V-Gauge aufgebessert. Spieler der Vorgänger dürften sich also schnell heimisch fühlen und Einsteiger werden herzlich willkommen geheißen. Capcom schafft mit dem neusten Titel der legendären Serie den Spagat zwischen Casual und „online: nur für wirklich gute Spieler schaffbar“. Insgesamt bleibt man der Linie treu und bietet mehr Evolution statt Revolution – zum Glück. Denn seien wir ehrlich, wir wollen Street Fighter auch nicht anders. Außerdem wurde schon jetzt ein mindestens 5-jähriger Support von Entwicklerseite zugesichert. Man darf sich also auf DLC’s, packende Events und möglicherweise auch auf die persönliche Erfolgsstory freuen.

Wir werden den erfolgreichen eSport-Titel in der Beat’em Up-Szene natürlich weiter begleiten und euch über Events und neue DLC’s informieren.

Positiv

  • zeitlose Optik mit grafischer Überarbeitung
  • Einsteigerfreundlich
  • mehr Optionen im Kampf (V-Trigger)
  • guter Online-Modus
  • 5 Jahre sicherer Support

Negativ

  • viele Kämpfer ersetzt
  • Level zu statisch
  • überschaubare Story
8.5

War schon immer ein Zocker - vorangig PC-Kid. Spielte mit Leib und Seele CS 1.6, semiprofessionell. Heute kein Spiel mehr exzessiv. Hat Psychologie studiert, analysiert alles und jeden und ist seit 2015 bei gamers.de