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Super Meat Boy – Jump & Run, Die & Repeat

Von Ole Oetjen am 26. Oktober 2016

Bereits 2011 überzeugte Super Meat Boy auf dem PC. Auch auf der LastGen legte er eine sichere Landung hin. Auf der PS4 beweist er, dass er sogar zeitlos ist.

Bereits 2011 überzeugte Super Meat Boy auf dem PC. Auch auf der LastGen legte er eine sichere Landung hin. Auf der PS4 beweist er, dass er sogar zeitlos ist.

Rußgeschwärzte Industriemonumente, kalter Stahl, kreischende Kreissägen, rohes, blutiges Fleisch – sind wir in Silent Hill gelandet? Mitnichten. Denn auch wenn die Dunklen Zonen in Super Meat Boy wirken als wären wir in des Teufels liebstem Städtchen gelandet. Super Meat Boy kann auch anders. Streicht das „auch“ – Super Meat Boy ist einfach anders.

Roh, kurz angeschwitzt

Die Andersartigkeit drückt sich am besten durch Protagonist und Setting aus. Der gemeine Dr. Fetus entführt die große Liebe des Meat Boys und macht sich auf und davon. Ehrensache, das wir umgehend hinterherwetzen. Wir schlüpfen in die Rolle eines rohen Fleischklumpens und rennen, sprinten, rutschen und springen in bester Jum&Run-Manier unseren Weg durch bis zu 350 Level. Dabei ziehen wir eine klebrige Blutspur hinter uns her, die wir nutzen können, um in Sprungpassagen kurzzeitig an den Wänden kleben zu bleiben.

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Dr. Fetus – einer der besten Bösewichte der Neuzeit

Mit Marios Suche nach Prinzessin Peach hat Super Meat Boy nicht viel gemeinsam. Allenfalls würde dem vergleichenden Auge die Kreativität auffallen, die Nintendo als auch Team Meat beim Leveldesign beweisen. Hochgeschwindigkeitssegmente, große Bossgegner, feindliche Raketen, bröckelndes Mauerwerk, riesige Turbinen und Dimensionslöcher sind nur einige der Elemente, die in den knackigen Levels von Super Meat Boy verbaut werden. Team Meat setzt dabei auf 16Bit-Charme, dessen Retrostil sich auch in den Audioeffekten durchzieht.

Alleinstellungsmerkmale der Abenteuer des Fleischjungen sind der hohe Schwierigkeitsgrad und die Vielzahl an Bildschirmtoden, die wir in Super Meat Boy erleiden.

Super Meat Boy fordert starke Nerven

Denn wer das Spiel zu 106% durchspielen möchte wird womöglich Tode im fünfstelligen Bereich aufweisen können. Sind die Level zu Beginn noch recht simpel gehalten und machen den Spieler mit den Grundlagen der Steuerung und des notwendigen Timings vertraut, machen spätere Spielabschnitte dem Klops das Leben so schwer wie nur möglich. Hier sind zentimetergenaues Navigieren, die Reflexe eines Mungos und sagenhaftes Timing gefordert.

Die Level selbst sind dabei recht kurz, werden jedoch von euch häufig gespielt werden bis ihr sie erfolgreich abschließt. Super Meat Boy ist das Dark Souls der Platformer und setzt euch vor scheinbar ausweglose Situationen, wirkt dabei jedoch nicht unfair sondern unglaublich fordernd. Habt ihr ein Level irgendwann geschafft ohne aufgefressen, flambiert, aufgespießt oder zerquetscht zu werden, wird ein Replay des Levels gezeigt, in dem jeder eurer Versuche als Phantom gezeigt wird. Nicht selten rennt so eine ganze Armee von Meat Boys durch den Bildschirm werdet ihr daraufhin jeglichen gesunden Menschenverstand in den Wind schießen und schauen ob ihr den Abschnitt nicht doch noch schneller schaffen und euch ein A+ Rating verdienen könnt.

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Ein Fleischwolf – des Meat Boys natürlicher Feind

Super Meat Boy kann die gleiche Art von „Ich schaff das schon!“-Motivation im Spieler hervorrufen wie beispielsweise ein Trackmania und das durch ähnliche Mechanismen: Fantastisches Leveldesign, präzise Steuerung und das Gefühl, sich in einen Rausch spielen zu können. Ihr werdet etwaige Misserfolge immer auf euch selbst und nicht auf das Spiel zurückführen können und üben, sterben, üben, üben… Erfahrene Spieler vergleichbarer Titel werden sich sofort in die knackige Steuerung verlieben. Super Meat Boy steuert sich knackig und direkt. Lässt jedoch einer gewissen Trägheit des Charakters Raum, der sich daher körperlich und plastisch anfühlt. Der Titel wird ausdauernden Hardcore-Zockern einiges geben. Neben den ca. 15 Euro jedoch auch einige Nerven kosten.

Fazit:

Super Meat Boy ist ein irrsinnig motivierender Platformer mit exzellenter Steuerung und viel Fingerspitzengefühl beim Leveldesign. Die Lernkurve des bockschweren Jump & Runs ist meisterhaft gestrickt und motiviert über die gesamte Spieldauer hinweg. Wer eine Hüpferei für zwischendurch sucht ist bei einem Rayman-Titel besser aufgehoben denn Super Meat Boy wird euch alles abverlangen und Flüche und Verwünschungen in euer Gedächtnis rufen, die ihr schon lange verloren glaubtet. Dafür belohnt das Spiel euch auch mit unvergleichlichen Erfolgsmomenten.

Das zeitlose Konzept von Super Meat Boy und sein Pixelcharme ist ohne Verlust auf die PlayStation 4 übertragbar und unterhalten dank Crossplay sogar unterwegs.

Positiv

  • stimmige Retro Optik
  • gutes Tutorial, fantastische Lernkurve
  • Motivierendes Spielprinzip
  • Schwarzer Humor

Negativ

  • sparsam bei Effekten
  • zu hart für Einsteiger
8.5